Knochenverdichtung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Knochenverdichtung (engl.: Bone condensing) ist eine spezielle Operationsmethode bei der Einbringung von Zahnimplantaten. Mit diesem Verfahren soll die Stabilität des Zahnimplantats erhöht werden. Die Knochenverdichtung dient der Verbesserung des Implantatbetts und ist dem Bereich Kieferknochenaufbau (Augmentation) zuzuordnen. Es ist nicht die, in der Röntgendiagnostik gleich bezeichnete, sich dichter abzeichnende Knochensubstanz gemeint.

Grundlagen und Anwendungsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundlage für das erfolgreiche Einheilen eines Zahnimplantates ist die Primärstabilität nach Einbringen (Insertion) des Implantats. Je nach Knochenqualität kann die Primärstabilität, nach der Anwendung der herkömmlichen Präparationsmethoden mit rotierenden Instrumenten (Implantatbohrer), sehr unterschiedlich ausfallen. Der Kieferknochen ist nach Region und anatomischem Aufbau sehr unterschiedlich in seiner Dichte strukturiert. Das Verhältnis der dichten und weniger dichten Knochenstrukturen bestimmt die Stabilität der Implantate.[1] Gerade bei Vorliegen eines sehr weitmaschigen Knochens (Klasse 4 der Knochendichteeinteilung[2]) kann der Einsatz der Knochenverdichtungsmethode zur deutlich besseren primären Stabilität des Zahnimplantats beitragen. Da der Oberkiefer häufig eher in diese Kategorie fällt, wird die Methode der Knochenverdichtung fast ausschließlich dort eingesetzt.[3] Gerade auch in Verbindung mit Sinuslift-Operationen findet diese Methode häufig Ihre Anwendung.

Methode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Präparation des Implantatbettes erfolgt normalerweise mit rotierenden Instrumenten. Diese bewirken eine Abtragung der Knochensubstanz bis zum jeweiligen Durchmesser der gewählten Implantatgröße. Bei der Methode der Knochenverdichtung wird nur die initiale Präparation zur Positions- und Richtungsvorgabe mit rotierenden Instrumenten durchgeführt. Die weitere Präparation des Implantatbetts erfolgt mit zylindrischen oder konischen Handinstrumenten aus Titan, die mittels eines chirurgischen Hammers in den Knochen vorgetrieben werden. Dieses Vorgehen erfolgt in aufsteigenden Durchmessern, bis der gewünschte Implantatdurchmesser erreicht ist. Durch die Anwendung von Handinstrumenten werden die weiten Markräume verdichtet. Somit erhöht sich die Knochendichte und das eingedrehte Zahnimplantat erhält eine deutlich bessere Primärstabilität. Bei speziellen Implantatsystemen ist die Geometrie des Implantatkörpers auf eine möglichst hohe Primärstabilität ausgerichtet. Hier wird die Präparation auch mit Knochenverdichtung vorbereitet. Jedoch wird der Durchmesser der Präparation deutlich unterdimensioniert, sodass durch das Einbringen des Zahnimplantates der Knochen noch weiter verdichtet wird.

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die verbesserte Knochenanlagerung und die Reduzierung der Mikrobewegungen wird der Prozess der Osseointegration positiv beeinflusst.[4] Durch die erhöhte Primärstabilität und den damit verbesserten Einheilungsprozess reduziert sich auch häufig die Dauer der Einheilphase des Implantates.[1] Außerdem können auf diese Weise stabilisierte Implantate eher in eine Sofortversorgung einbezogen werden. Durch die Methode der Knochenverdichtung lassen sich teilweise bessere klinische Erfolge erzielen. Die Einheilphase reduziert sich und die Spektren der Anwendungsbereiche der zahnärztlichen Implantologie werden größer.

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn die Knochenverdichtung im übertriebenen Maße durchgeführt wird, kann es zu Mikrotraumen oder Quetschungen des Knochengewebes kommen. Die Durchblutung kann sich verschlechtern. Es können Risse im Kieferknochen verursacht werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b C. E. Misch: Density of bone: effect on treatment plans, surgical approach, healing, and progressive boen loading. In: The International journal of oral implantology : implantologist. Band 6, Nummer 2, 1990, S. 23–31, ISSN 1048-1842. PMID 2073394.
  2. U. Lekholm U., G. A. Zarb: Patient selection and preparation. In: P. I. Brånemark, G. A. Zarb, T. Albrektsson: Tissue-integrated prostheses-Osseointegration in Clinical Dentistry. Quintessence Publishing, Chicago 1985, S. 199–209.
  3. A. Markovi?, D. Calasan u. a.: Implant stability in posterior maxilla: bone-condensing versus bone-drilling: a clinical study. In: Oral surgery, oral medicine, oral pathology, oral radiology, and endodontics. Band 112, Nummer 5, November 2011, S. 557–563, ISSN 1528-395X. doi:10.1016/j.tripleo.2010.11.010. PMID 21330161.
  4. A. Scarano, M. Degidi u. a.: Correlation between implant stability quotient and bone-implant contact: a retrospective histological and histomorphometrical study of seven titanium implants retrieved from humans. In: Clinical implant dentistry and related research. Band 8, Nummer 4, 2006, S. 218–222, ISSN 1523-0899. doi:10.1111/j.1708-8208.2006.00022.x. PMID 17100747.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diesen Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!