Knotenfestigkeit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Jeder Knoten verringert die Zugfestigkeit eines Seiles, das heißt ein unter Zug stehendes Seil reißt am wahrscheinlichsten an oder in einem Knoten. Die Knotenfestigkeit ist eine Größe in der Knotenkunde, die angibt, auf wie viele Prozent sich die ursprüngliche Reißfestigkeit eines Seiles reduziert. Der Wert ist abhängig von der Art des Knotens und des verwendeten Seils. Je höher der Prozentwert, desto besser. Typische Knoten reduzieren die Festigkeit um 30 bis 50 Prozent, die Knotenfestigkeiten liegen also hier bei 50 bis 70 Prozent.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Zerreißversuchen wird ein geknotetes Seil immer im Knoten reißen, vorausgesetzt, das Seil läuft nicht über scharfe Kanten (Kantenfestigkeit) und ist nicht beschädigt (Abriebfestigkeit, UV-Beständigkeit, chemische Beständigkeit, Sturzfestigkeit).

Die Seilfasern werden im Knoten stark und ungleichmäßig belastet. Durch Streckung können einzelne Fasern reißen. Das Material erreicht abhängig von der angelegten Kraft und vom Elastizitätskoeffizient die Streckgrenze und beginnt zu fließen. Durch Quetschung und Streckung verringert sich der Durchmesser (Querkontraktion) und damit die Reißfestigkeit.

Durch einen hohen Quetschdruck kann das Material die Quetschgrenze überschreiten und ebenfalls zu fließen beginnen. Sind einzelne Fasern beschädigt, müssen die restlichen die gesamte Belastung übernehmen, was die Reißfestigkeit des verbleibenden Faserbündels dann überschreiten kann.

Vergleich verschiedener Knoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Knotenfestigkeit wird in Prozent von der Festigkeit des unverknoteten Einzelstranges angegeben. Bei den Zerreißversuchen wird eine Last quasistatisch erhöht.

Schlaufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Tabelle erstellte der DAV im Jahr 1999 bei Versuchen mit einem dynamischen 10,5 mm Kletterseil und Edelrids 11 mm Statikseil „Everdry“.

Knoten Dynamisch Statik Klettername
Neunerknoten Neunerknoten.jpg 77 %
Bulin 1.5 Bulin 1.5 DAV.jpg 67 % 64 % Bulin 1.5
Achterknoten (Schlaufe) Achterknoten2.JPG 63 % 65 %
Palstek Palstek aussen.jpg 64 % Bulin
Führerknoten Führerknoten.JPG 58 % 59 % Sackstich
Doppelter Palstek Doppelter Palstek.jpg 56 % Doppelter Bulin
Spierenstich Spierenstich.jpg 56 % 58 % Spierenstich
Webeleinenstek Mastwurf complete.jpg 52 % Mastwurf

Seilverbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Werte ermittelte der DAV für Seilverbindungen. Dabei erstellten die Tester eine Endlosschlinge, indem die Enden eines Seilstücks mit dem zu prüfenden Knoten verbunden wurden. Die so entstandene Schlinge wurde mit zwei Karabinern gespannt und die Last quasistatisch erhöht. Die ermittelten Werte gelten somit für die gesamte Schlinge und sind für den Einzelstrang zu halbieren.

Knoten in Endlosschlinge 10,5 mm 7 mm
Achterknoten gesteckt Doppelter Achtknoten gesteckt.jpg 116 % > 144 %
Achterknoten in Tropfenform Doppelter Achknoten Tropfen.jpg 119 % > 146 %
Sackstich gesteckt Sackstich gesteckt.jpg 126 % > 133 %
Sackstich in Tropfenform Sackstich Tropfen.jpg 89 % 105 %

Als Prüfseile diente ein 10,5 mm Kletterseil und eine 7 mm Reepschnur. Die ungenauen Angaben bei der 7-mm-Schnur kommt daher, dass die Reepschnur bei dieser Belastung am Karabiner gerissen ist. Die Festigkeit im Knoten liegt demnach höher.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]