Knut Bergmann

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Knut Bergmann (* 23. Mai 1972 in Erkelenz) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Publizist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knut Bergmann legte sein Abitur im Internat Schloss Salem ab[1] und studierte anschließend Politikwissenschaft, Psychologie und Öffentliches Recht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 2002 wurde er dort mit einer Gesamtdarstellung des Bundestagswahlkampfes 1998 promoviert. In seiner Dissertation analysierte Bergmann die Strategien und Kampagnen von Parteien, die Kanzlerkandidaten, die Koalitionsstrategie und die Wahlkampforganisation sowie landespolitische Einflüsse auf den Wahlkampf.[2] Als Fellow der Stiftung Neue Verantwortung befasste er sich 2009 und 2010 mit der Zukunft der politischen Parteien und der Stärkung philanthropischen Handelns.[3]

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knut Bergmann begann seine berufliche Laufbahn im Jahr 2002 als persönlicher Referent von Sabine Christiansen. Anschließend wurde er 2005 zunächst Grundsatzreferent im Bundespräsidialamt und dann Redenschreiber bei Bundespräsident Horst Köhler.[4] 2009 wurde er Redenschreiber bei Bundestagspräsident Norbert Lammert.[5] Im Jahr 2012 wechselte er in das Institut der deutschen Wirtschaft, bei dem Bergmann die Kommunikationsabteilung und das Berliner Büro leitet. Er hatte Lehraufträge an der Hochschule Osnabrück zum Thema Kommunikationsmanagement, an der Universität Duisburg-Essen zum Thema Politische Kommunikation sowie an der Freien Universität Berlin zum Thema Public History und ist Fellow an der NRW School of Governance.[6] Seit dem Sommersemester 2020 ist er Lehrbeauftragter am Institut für Politische Wissenschaft an der Universität Bonn.

Publizistische Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergmann publiziert zu gesellschaftspolitischen Themen in verschiedenen Medien (u. a. FAZ, NZZ, Welt, Die Zeit).[7][8][9][10]

2018 veröffentlichte Bergmann im Insel Verlag eine Kulturgeschichte der Bundesrepublik anhand der Weine, die bei Staatsbanketten ausgeschenkt wurden.[11] In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde das Buch als „kenntnisreiche, kluge und immer wieder auch unterhaltsam zu lesende Geschichte von Wein und Sekt in diplomatischen Diensten“ rezensiert.[12] Der Spiegel bemerkte in einer Buchbesprechung dazu, dass der Umgang von Kanzlern und Präsidenten mit Wein und Sekt die Geschichte der Bundesrepublik stärker geprägt habe als bislang bekannt.[13] 2019 wurde das Buch mit einem Gourmand World Cookbook Award ausgezeichnet. Das Hamburger Abendblatt bezeichnete das Buch als "Standardwerk über Wein und große Politik".[14]

Bergmann publizierte mehrfach zum Thema Bundesverdienstkreuz und sprach dazu in verschiedenen Medien.[15][16][17][18] Er untersuchte dieses als Teil öffentlicher Anerkennungskultur[19] sowie als Motivation für bürgerschaftliches Engagement[20] und stellte fest, dass auch nicht-materielle Auszeichnungen motivieren.[21]

In dem Band „Walter Scheel – Unerhörte Reden“ würdigen er, der Historiker Ewald Grothe und die Redenschreiberin Gundula Heinen die weitgehend in Vergessenheit geratenen Ansprachen des liberalen Bundespräsidenten und dessen rhetorische Fähigkeiten.[22] So hat Scheel 1975 als erster Bundespräsident den 8. Mai 1945 als Befreiung bezeichnet. Lange vor der bekannten Weizsäcker-Rede Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sagte Scheel: „Wir wurden von einem furchtbaren Joch befreit, von Krieg, Mord, Knechtschaft und Barberei. (...) Aber wir vergessen nicht, dass diese Befreiung von außen kam.“ Bergmann, Grothe und Heinen zeichnen in dem 2021 erschienenen Buch Scheels politisches Wirken anhand ausgewählter Ansprachen als Bundesminister, Bundespräsident und als Parteivorsitzender nach.[23][24] In einer Rezension wird das Buch als "facettenreiches Bild eines liberalen Staatsmannes, der seiner Zeit oft voraus war, der manch noch heute gültige Formel prägte und der nicht nur seinen Zeitgenossen, sondern genauso seinen Nachfahren viel zu sagen hat" beschrieben.[25] Walter Scheel habe zu Unrecht das Image eines politischen Leichtgewichts angehaftet, sagte Knut Bergmann im Deutschlandfunk.[26] Er porträtierte ihn in Die Zeit als „Der Verkannte“.[27]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Bundestagswahlkampf 1998. Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 3-531-13758-1.[28]
  • Kooperative Lernräume als Erfolgsfaktor – Instrumente der Wirkungsmessung in der strategischen Philanthropie (zusammen mit Susanna Krüger), in: Philipp Hoelscher, Thomas Ebermann (Hrsg.): Venture Philanthropy in Theorie und Praxis, Verlag Lucius & Lucius, Stuttgart 2010, S. 137–146.[29]
  • Zum Verhältnis von Parlamentarismus und Protest, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 62. Jg., B 25–26, 2012, S. 17–22.[30]
  • Chancen und Grenzen philanthropischer Finanzierungsmodelle (zusammen mit Leonard Novy), in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 62. Jg., B 29–31, 2012, S. 33–39.[31]
  • Wer hat, dem wird gegeben? Das Bundesverdienstkreuz als Teil öffentlicher Anerkennungskultur, in: Merkur, 67. Jg., Heft 764, Heft 9, September 2013, S. 844–850.[32]
  • gemeinsam mit Michael Hüther und Dominik Enste: Unternehmen im öffentlichen Raum. Zwischen Markt und Mitverantwortung, Verlag Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-02645-5.[33]
  • Die AfD. Eine Partei der sich ausgeliefert fühlenden Durchschnittsverdiener? (zusammen mit Matthias Diermeier und Judith Niehues), in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, 48. Jg., 2017, Heft 1, S. 57–75.[34]
  • Allzeit fern des Durchschnitts. Politische Ansichten der AfD-Anhänger (zusammen mit Matthias Diermeier und Judith Niehues), in: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, 30. Jg., Ausgabe 2/2017, S. 12–25.[35]
  • Ein komplexes Gebilde. Eine sozio-ökonomische Analyse des Ergebnisses der AfD bei der Bundestagswahl 2017 (zusammen mit Matthias Diermeier und Judith Niehues), in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, 49. Jg., 2018, Heft 2, S. 243–264.[36]
  • Mit Wein Staat machen. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Insel Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-458-17771-5.[37][38]
  • (Hrsg.) Walter Scheel – Unerhörte Reden. Mit Beiträgen von Ewald Grothe und Gundula Heinen, be.bra Verlag Berlin-Brandenburg, Berlin 2021, ISBN 978-3-89809-188-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elisabeth Binder: Lecker essen mit dem Präsidenten - Wenn nicht gerade ein Virus wütet, ist Berlin Bankett-Hauptstadt. Knut Bergmann hat ein Buch über Glanz und Pannen der Abende geschrieben. Hrsg.: Der Tagesspiegel. Holtzbrinck-Verlag, Berlin 12. Januar 2021.
  2. Knut Bergmann: Der Bundestagswahlkampf 1998. Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2002, ISBN 978-3-531-13758-2 (springer.com [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  3. Zehn Thesen für eine politische Partei mit Zukunft.
  4. Knut Bergmann: „Mit Wein Staat machen“ – Politik durchs Glas betrachtet. Abgerufen am 22. Oktober 2019 (deutsch).
  5. Dr. Knut Bergmann als Referent buchen – Redneragentur londonspeakerbureau.de. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  6. Knut Bergmann. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  7. Knut Bergmann. In: ZEIT ONLINE. (zeit.de [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  8. Knut Bergmann: Staatliche Repräsentation. Zwischen Pomp und Zurückhaltung. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  9. Knut Bergmann: «Die Leute sind einfach zu seriös für irgendwelche Ausschweifungen» | Sammelwerk=Neue Zürcher Zeitung. (nzz.ch [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  10. Knut Bergmann: Wahlkampf: „Nah bei de Leut“ – Politiker im Häuserkampf. 29. Mai 2013 (welt.de [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  11. Vier Flaschen: Folge 32 mit Knut Bergmann. Abgerufen am 8. April 2021 (deutsch).
  12. Matthias Weichelt: Diplomatie durch Kulinarik. Selbstmord mit Messer und Gabel. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  13. SPIEGEL ONLINE: „Hauptsache, flüssig“. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  14. Lars Haider: Was gibt es beim Bundespräsidenten denn so zu trinken? 5. Dezember 2020, abgerufen am 8. April 2021 (deutsch).
  15. Wer das Bundesverdienstkreuz bekommt. Abgerufen am 20. März 2021.
  16. Bayerischer Rundfunk: Der Streit ums Bundesverdienstkreuz - Forum. Abgerufen am 20. März 2021.
  17. Knut Bergmann: Gastkommentar: Für die stillen Helden. In: DIE WELT. 7. September 2011 (welt.de [abgerufen am 20. März 2021]).
  18. Deutschlandfunk Kultur – Audio-Archiv. Abgerufen am 20. März 2021 (deutsch).
  19. Knut Bergmann: Wer hat, dem wird gegeben? In: MERKUR. Band 67, Nr. 772, 2013, ISSN 0026-0096, S. 844–850 (merkur-zeitschrift.de [abgerufen am 21. März 2021]).
  20. Knut Bergmann: „Nur die üblichen Verdächtigen? Orden und Ehrenzeichen als Anerkennung und Motivation für bürgerschaftliches Engagement“. In: Wolfgang Lauterbach (Hrsg.): Reichtum, Philanthropie und Zivilgesellschaft. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-06012-1.
  21. Knut Bergmann: Mehr Ehrungen, mehr Engagement? IW Kurzbericht, 2016, abgerufen am 21. März 2021 (dt).
  22. Walter Scheel – be.bra verlag. Abgerufen am 20. März 2021.
  23. Knut Bergmann (Hrsg.): Walter Scheel – Unerhörte Reden. be.bra Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-89809-188-6.
  24. Knut Bergmann: Das Bundesverdienstkreuz als Motivation für bürgerschaftliches Engagement. Abgerufen am 20. März 2021 (dt).
  25. Cookies Consent | Friedrich-Naumann-Stiftung. Abgerufen am 29. März 2021.
  26. 100 Jahre Walter Scheel – Bergmann: „Scheel ist immer unterschätzt worden“. Abgerufen am 21. März 2021 (deutsch).
  27. ZEIT ONLINE |. Abgerufen am 21. März 2021.
  28. Knut Bergmann: Der Bundestagswahlkampf 1998. Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2002, ISBN 978-3-531-13758-2 (springer.com [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  29. Philipp Hoelscher, Thomas Ebermann, Andreas Schlüter: Venture Philanthropy in Theorie und Praxis. De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston 2010, ISBN 978-3-11-051044-7 (degruyter.com [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  30. Knut Bergmann: Zum Verhältnis von Parlamentarismus und Protest | APuZ. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  31. Knut Bergmann, Leonard Novy: Chancen und Grenzen philanthropischer Finanzierungsmodelle | APuZ. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  32. Knut Bergmann: Wer hat, dem wird gegeben? In: Merkur. Band 67, Nr. 9, 1. September 2013, ISSN 0026-0096, S. 844–850 (merkur-zeitschrift.de [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  33. Unternehmen im öffentlichen Raum. Zwischen Markt und Mitverantwortung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2015, ISBN 978-3-658-02645-5 (springer.com [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  34. Abstracts 1/2017 deutsch – ZParl. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  35. Bergmann, Knut | Forschungsjournal Soziale Bewegungen. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  36. Abstracts 2/2018 deutsch – ZParl. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  37. SPIEGEL ONLINE: „Hauptsache, flüssig“. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  38. Mit Wein Staat machen. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von Knut Bergmann – Suhrkamp Insel Bücher Buchdetail. Abgerufen am 22. Oktober 2019.