Koblenz-Karthause

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Koblenz-Karthause
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Über dieses Bild
Basisdaten
Stadtteil seit: Gründung
Fläche: 18,39 km²
Einwohner: 10.456 (30. Sep. 2012)
Bevölkerungsdichte: 552 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56075
Vorwahl: 0261
Kfz-Kennzeichen: KO

Koblenz-Karthause ist der größte Stadtteil von Koblenz. Er liegt im Süden von Koblenz auf etwa 174 m Höhe und bildet den nördlichsten Ausläufer des Hunsrücks zwischen den Flüssen Rhein und Mosel. Die Karthause wird im Rahmen der kleinräumigen Gliederung nach Empfehlung des Deutschen Städtetags aus statistischen Gründen in Karthause Nord, Karthause-Flugfeld und Karthäuserhofgelände untergliedert.[1]

Der Name des Berges, auf dem sich der Stadtteil befindet, lautete ursprünglich Beatusberg und wurde durch den Orden der Kartäuser geprägt, die hier eine Kartause hatten. Der größte Teil des Stadtteils umfasst den Koblenzer Stadtwald mit dem Naherholungsgebiet Remstecken und dem Fernmeldeturm Koblenz auf dem 382 m hohen Kühkopf. Außerdem befinden sich in diesem Stadtteil das Fort Großfürst Konstantin, die Justizvollzugsanstalt Koblenz, die Hochschule Koblenz und das Bundesarchiv. Am Nordhang der Karthause liegt der Koblenzer Hauptfriedhof.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Besiedlungsspuren lassen sich im Gebiet des Stadtwaldes nachweisen und reichen bis in die Steinzeit zurück. Aus römischer Zeit wurden ein Tempel für Merkur und Rosmerta (1. Jahrhundert) sowie eine Villa rustica freigelegt.

Noch um 1810 bestand die Bebauung auf dem Gelände des heutigen Stadtteils Karthause lediglich aus dem Kartäuserkloster und einem Berghof mit entsprechend landwirtschaftlich genutzter Fläche. Zum Stadtteil Moselweiß hin gab es in früherer Zeit einige Weinberge.[2]

Die Klosteranlage stand auf dem unteren Plateau der Karthause, wo sich heute das Fort Großfürst Konstantin mit der davor liegenden Wohnsiedlung befindet. Die früheste, urkundlich nachweisbare Erwähnung stammt aus dem Jahr 1153, als der Trierer Erzbischof Hillin von Fallemanien dem Kloster seinen Besitz bestätigte. Der Überlieferung nach soll an dieser Stelle schon im 4. Jahrhundert zu Ehren von Märtyrern ein Heiligtum gestanden haben und vermutlich bereits durch Erzbischof Hetti in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts eine Kirche geweiht worden sein, an deren Stelle oder aus der dann später ein Benediktinerkloster entstand.[3] Nachdem ein Teil der Gebeine des Heiligen Beatus von Trier in das Koblenzer Kloster verbracht worden sind, ist der Name Beatusberg bezeugt. Wegen Verletzungen der Ordensregeln verloren die Benediktiner 1315 ihr Kloster, das in ein Chorherrenstift umgewandelt wurde. Die zwölf Stiftsherren gaben die Anlage wegen zu geringer Einnahmen jedoch bald wieder auf und Erzbischof Balduin von Luxemburg schenkte die Gebäude daher 1331 an den Orden der Kartäuser, es entstand die Kartause Koblenz. Zum Schutz vor heranziehenden Truppen verließen die Mönche 1794 das Kloster, im Verlauf der Säkularisation wurde es schließlich 1802 aufgelöst, 1818 an das preußische Militär verkauft und die noch vorhandenen neun Gebäude abgerissen. An deren Stelle entstand 1822–1827 das heute noch fast vollständig erhalten gebliebene Fort Großfürst Konstantin.

Der Berghof befand sich in etwa an der heutigen Abzweigung Simmerner Straße–Karthäuserhofweg und wurde 1285 beim Verkauf an den Trierer Erzbischof Heinrich II. erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1331 kam er zusammen mit dem Kloster in den Besitz des Kartäuserordens. Die 165 Hektar große Anlage gehörte zur Moselweißer Gemarkung und war meist verpachtet. Nach der Säkularisation erwarb 1806 Johann Friedrich Deinhard das Anwesen. 1815 ging er in den Besitz des preußischen Militärs über, das dort vor dem völligen Abriss kurzzeitig noch ein Lazarett unterhielt. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen wurden zu einem Exerzier- und Pionierübungsplatz umgestaltet.[4] Im Jahr 1829 entstand am Nordhang des Laubachtals, dem Affenberg, ein neues Hofgut, für das sich der Name Karthäuserhof einbürgerte. 1912 gelangte der Hof in den Besitz der Familie Härle, die dort ein Jahr später einen schloßartigen Neubau errichten ließ. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, erwarb die Stadt 1959/60 die Reste der Anlage (1964/66 abgetragen) mit dem umfangreichen Gelände (östlich dem Karthäuserhofweg, Karl–Härle–Straße, Pappelweg und Akazienweg), auf dem infolge vor allem Einfamilienhäuser entstanden.

Auf dem noch 1810 als Hunnenkopf bezeichneten Gelände (heutige Altkarthause oder Karthause-Nord), das zum Teil zu dem erwähnten Berghof gehörte, entstand nach 1817 mit über 500 m Seitenlänge einer der größten preußischen Festungen, die 1818 den Namen Feste Kaiser Alexander erhielt. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde die Gesamtanlage weitgehend beseitigt. Heute sind nur noch das Haupttor, das Löwentor, und ein Teil der zur Stadt gelegenen Seite des Reduits vorhanden. Der Verlauf des Hauptwalls ist aber noch deutlich in den Straßenzügen (Am Löwentor, Am Spitzberg, Görtzstraße sowie Sperlingsgasse und Merodestraße) erkennbar. Da vor allem die feuchten Kasematten der Forts zur Truppenunterkunft ungeeignet waren, errichtete man zwischen den Werken Konstantin und Alexander verschiedene Kasernen. Es entstand die Fachwerkkaserne am Spitzberg, 1890 erbaut, 1932 abgetragen, die Erbgroßherzog Friedrich Kaserne vor dem Fort Großfürst Konstantin, 1902–1903 erbaut, 1982/83 bis auf eine Exerzierhalle abgebrochen und die Spitzberg-Kaserne, 1911–1914 erbaut, heute als Wohngebäude bzw. Justizvollzugsanstalt genutzt.[5]

Als die Arbeitslosigkeit 1932 auch in Koblenz ihren Höhepunkt erreichte, bot die Stadt zu einem sehr günstigen Preis Bauland auf dem ehemaligen Pionierübungsplatz an. Die Siedler bauten selbst ihre Häuser und die mitten durch die Siedlung führende Straße Pionierhöhe. Ähnliches war für das noch weitgehend brach liegende Gelände der Feste Kaiser Alexander geplant. Der Reichsarbeitsdienst verfüllte Gräben und trug Wälle ab. Die Stadt verkaufte 1934 etwa 70.000 m² an eine Gemeinnützige Heimstätten-Spar und Bau-AG (GEHAG), die 91 Kleinsiedlerstellen und 48 Volkswohnungen errichtete (Am Drosselgang, Am Amselsteg, Am Wachtelschlag sowie an der Zeppelinstraße und Sperlingsgasse). 40 Siedlungsparzellen erhielt die GEHAG kostenlos zum Bau einer SA-Dankopfersiedlung, für verdiente SA-Frontkämpfer, die Am Vogelschutzpark sowie an der Görtz-, Merode-, Lippe- und Zeppelinstraße entstand. Im Jahr 1935 erhielt die Gemeinnützige Kriegersiedlung der nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung GmbH (GKS) von der Stadt Baugelände am Hüberlingsweg und Meisenlauf, um dort eine Siedlung für Schwer- und Leichtkriegsbeschädigte sowie für verdiente SA- und SS-Frontkämpfer zu errichten.[6] Im Jahr 1953 stellte die Stadt der Christlichen Siedlervereinigung Baugelände am Schwalben- und Kuckucksweg zur Verfügung. Um 1956 entstand entlang der Rüsternallee für Bundesbedienstete die Theodor–Blank–Siedlung.

Auf dem riesigen Exerzierplatz südlich der Feste Kaiser Alexander landete am 7. Oktober 1909 mit der Parseval 3 das erste Luftschiff in Koblenz. Während der Prinz-Heinrich-Flugwoche 1913 flogen 21 Maschinen auf die Karthause. Seit 1934 war das Flugfeld Karthause in den planmäßigen Passagier- und Frachtflugverkehr angeschlossen. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände zeitweise von der Luftwaffe, danach von der amerikanischen Besatzung und bis 1957 von französischen Streitkräften genutzt. Im Jahr 1952 ließen die Alliierten den deutschen Segelflug- und 1955 auch den Motorflugsport sowie den Reiseflugverkehr wieder zu. Das Flugfeld wurde 1965 geschlossen und mit Eröffnung des Flugplatzes Koblenz-Winningen 1971 nach Winningen verlegt.[7] Auf dem etwa 75 Hektar großen Gelände erfolgte am 14. September 1965 der erste Spatenstich zu einer von Prof. Gather entworfenen Siedlung für etwa 12.000 Bewohner. Im Jahr 1986 entstand auf dem verbleibenden Teil der Neubau des Bundesarchives.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Kirche unterhält auf der Karthause die Pfarreiengemeinschaft St. Beatus / St. Hedwig:

  • St. Beatus, hervorgegangen aus einer Notkirche von 1948, selbstständige Pfarrei seit 1961
  • St. Hedwig, 1969 gegründete Tochter-Gemeinde von St. Beatus, Kirchengebäude von 1978

Das ebenfalls zur Pfarreiengemeinschaft gehörende Kirchengebäude St. Michael musste 1996 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Es wurde durch das neue Kirchengebäude St. Bruno auf dem Gelände des Altenheimes der Geschwister de Haye'schen Stiftung ersetzt.

Sitz der Evangelischen Kirchengemeinde auf der Karthause ist das Dreifaltigkeitshaus.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Bellinghausen (Hrsg.): 2000 Jahre Koblenz. Boldt, Boppard 1973, ISBN 3-7646-1571-0.
  • Ulrike Weber (Bearb.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 3.3: Stadt Koblenz. Stadtteile. Werner, Worms 2013, ISBN 978-3-88462-345-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Koblenz-Karthause – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Jahrbuch der Stadt Koblenz 2014 - Kleinräumige Gliederung, S. 0–7
  2. Tranchot von Müffling'sche Karte von 1810, im Maßstab 1 : 25000 vom Landesvermessungsamt Koblenz 1968 veröffentlicht.
  3. Dieter Marcos: Die Klosteranlage auf dem Beatusberg. In: Kloster-Festung, Ausstellungskatalog des Pro Konstantin e.V., 11. September 1994. Koblenz 1994.
  4. Philipp Seibel: Das Käse–Essen auf dem Karthäuser Berghof. In: Aus vergangenen Tagen. Band 4. Niederspay 1963, S. 7–8.
  5. Rüdiger Wischemann: Die Festung Koblenz. Koblenz 1978, DNB 790163306, S. 135–139.
  6. Hartwig Haubrich: Der Großraum Koblenz in Luftbildern. Koblenz 1972, DNB 730097846, S. 50.
  7. Bellinghausen: 2000 Jahre Koblenz. 1973, S. 286 u. 379.

Koordinaten: 50° 20′ 29″ N, 7° 34′ 7″ O