Kochbrunnen

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Pavillon des historischen Kochbrunnens
Dampfender Kochbrunnenspringer

Der Kochbrunnen in Wiesbaden ist die bekannteste und heißeste Thermalquelle der Stadt. Die Natrium-Chlorid-Thermalquelle war im 19. Jahrhundert Zentrum der Wiesbadener Trinkkur.[1] Sein Name bezieht sich auf die Wassertemperatur von über 66 °C.[Anm. 1]

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Quelle auf dem Kochbrunnenplatz wurde 1366 erstmals als Bryeborn (Brühborn) und 1536 als Syedenborn (Siedeborn) erwähnt. Der Kochbrunnen ist eine artesische Quelle und steigt aus 2.000 Meter Tiefe hervor. Heute ist sie durch eine 43 Meter tiefe Bohrung gefasst. Die Ergiebigkeit liegt bei etwa 360 Liter/Minute. Das Kochbrunnenwasser hat beim Austritt eine Temperatur von 66,1 °C, riecht schwach nach Schwefelwasserstoff und schmeckt stark salzig. Es ist klar, trübt aber nach 24 Stunden unter Luftzutritt gelblich ein. Der hohe Kohlensäuregehalt hält die Härte zunächst in Lösung, nach dem Entspannen des Wassers fällt sie aber als Calciumcarbonat aus. Die dabei oxidierenden Metalle färben den Sinter, die mineralischen Ablagerungen, rot ein. Die Summe der gelösten Mineralstoffe des Kochbrunnenwassers beträgt 8,1 g/L (im Vergleich: Meerwasser: ca. 30 g/L), davon 2,58 g/L Natrium und 4,39 g/L Chlorid.

Der Kochbrunnen ist eine der sogenannten Primärquellen Wiesbadens. Nur ein kleiner Teil des Wassers speist die Trinkstelle im Kochbrunnenpavillon und den „Kochbrunnenspringer“. Die Hauptmenge wird in die Aufbereitungsanlage im Kaiser-Friedrich-Bad geleitet. Von dort gelangt es in das weit verzweigte Thermalwassernetz der Stadt. Ein Teil wird in das Thermalbad Aukammtal hochgepumpt,[2] ein anderer Teil wird zur Beheizung der Wohnungen im ehemaligen Palasthotel und des „Weberhofs“ genutzt. Das Wiesbadener Rathaus wurde ebenfalls beheizt, jedoch aus Wartungsgründen abgestellt. Die aggressiven Salze des Wassers machen es erforderlich, dass Pumpen aus hochwertigem Edelstahl verwendet werden müssen.

Kochbrunnenplatz und Kranzplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um den Kochbrunnenplatz und den benachbarten Kranzplatz[Anm. 2] gruppierten sich einige der Wiesbadener Grandhotels: so das älteste Hotel Deutschlands, der bereits 1486 gegründete Schwarze Bock, das ehemalige Palasthotel – es war das erste überhaupt mit Zimmertelefon – sowie das Hotel Rose, in dem seit September 2004 die Hessische Staatskanzlei untergebracht ist.

Kochbrunnentempel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste steinerne Fassung der Quelle als Trinkbrunnen wurde 1823 gebaut. Sie war offen und mit einer 1,6 Meter hohen Mauer umschlossen. Der Zugang für Nicht-Kurgäste war seitdem versperrt. Das führte damals zu Protesten. Beanstandet wurde später die ungeschützte Quelle, sodass man ein Metallgitter überstülpte (die sogenannte „Käsglock“).

Der heutige Kochbrunnenpavillion wurde 1887/88 als Teil der prächtigen Trinkkuranlage gebaut und stand am Ende der Trinkkurhalle. Von dieser ging eine Treppe hinunter zur sprudelnden Quelle, aus der die „Brunnenmädchen“ die Glaskrüge füllten, um dann das Heilwasser den Kurgästen in Gläsern zu reichen. Sieben Ziergitter verschlossen den Tempel. Man konnte zwar hineinschauen, aber zugänglich war er nur über die Trinkhalle. 1956 wurde das verzierte Kuppeldach abgenommen und durch ein einfaches schräges Dach ersetzt. Er stand nun isoliert, da die Trinkhalle, das Portal und der offene Teil der Wandelhalle im Juli 1955 abgerissen worden war. Wie bereits im Jahr 1937 wurde der Ausschank im April 1952 in der Brunnenkolonnade am Bowling Green eingerichtet. Dazu wurde die heutige 129 Meter lange Kurhauskolonnade voll verglast.

1976/77 wurde der Pavillon versetzt und erneuert. Drei von sieben verzierten Gittern wurden rekonstruiert, ein Original konnte verwendet werden und das Dach wurde etwas vereinfacht wieder als achteckige Kuppel ausgeführt. Die sprudelnde Quelle wurde geschlossen und dafür fließt nun eine Restmenge durch einen vierarmigen gekrümmten Auslauf in eine steinerne Brunnenschale. Der Tempel ist seitdem von vier Seiten zugänglich.

Im Dezember 1970 wurde der Kochbrunnenspringer eingeweiht.

Ehemalige Wandel- und Trinkhalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Portal der Trinkkuranlage um 1900 auf dem Kochbrunnenplatz

1887/1888 wurde am Kochbrunnen als Ersatz für einen gusseisernen Vorläuferbau durch den Architekten Wilhelm Bogler eine neue Trinkkuranlage errichtet. Sie hatte einen Z-förmigen Grundriss und verband die heute noch bestehende Arkadenhalle am Westrand des Platzes mit dem neuen Quellentempel.

Die Anlagen haben den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden, jedoch wurde danach den Wiesbadenern der Zugang verwehrt, da die amerikanische Besatzungsmacht den Platz mit Stacheldraht umzäunte, um ihn als Parkplatz für ihre Armeefahrzeuge und Privat-PKWs der Soldaten zu nutzen. Erst nach langem Bitten der Stadt gaben die Besatzer im Juni 1946 die Kochbrunnenquelle und einen Teil der Wandelhalle frei. Im Juni 1949 wurde die Trinkhalle wieder eröffnet, war aber nur als Provisorium vorgesehen, weil man die zerstörte Brunnenkolonnade beim Kurhaus wieder aufbaute.[3] Die Pflege des Platzes und der Gebäude wurde so unzulänglich durchgeführt, dass der Magistrat im Februar 1955 beschloss, die Wandelhalle und die Brunnenhalle abzubrechen. Der Wiesbadener Kurier bezeichnete den Kochbrunnenplatz als „Schandfleck im Herzen der Kurstadt“.[4] Trotz Protesten der Badehausbesitzer begannen im Juli 1955 die Abbrucharbeiten der Trinkhalle, und der Wiesbadener Kurier schrieb: „Über diesen Abbruch freut sich jeder: Der Kochbrunnen wird planmäßig zertrümmert“. Es war der damalige Zeitgeist, der alles Alte beseitigen lassen wollte.

Beim Kochbrunnentempel wurde das verzierte Kuppeldach entfernt, ebenso die sieben Ziergitter. Stattdessen wurde ein schlichtes Schrägdach aufgesetzt und die Öffnungen verglast. Von der Wandelhalle blieb nur der nördliche Teil übrig. 1976/1977 versetzte man den Kochbrunnentempel an seinen heutigen Platz. In den 1990er Jahren wurde für die Erweiterung des Restaurants eine Glasfront vorgesetzt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kochbrunnenplatz – Sammlung von Bildern

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Name erklärt sich auch aus der Tatsache, dass in der früheren offenen Quellfassung fortwährend zahlreiche Gasblasen aufstiegen, sodass es aussah, als ob das Wasser der Quelle koche.
  2. Der Übergang der direkt nebeneinander liegenden Plätze verläuft auf Höhe der Spiegelgasse. Von dort in Richtung Webergasse/Langgasse liegt der Kranzplatz und, begrenzt von der Saalgasse/Taunusstraße/Georg-August-Zinn-Straße, der Kochbrunnenplatz. Beide Plätze waren bis 1908 durch das Alte Hotel Rose getrennt. Heute wird häufig – abweichend von der offiziellen Bezeichnung – der Kochbrunnenplatz als Teil des Kranzplatzes betrachtet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brunnenmädchen am Kochbrunnen in Wiesbaden. Historische Bilddokumente aus Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Kochbrunnenwasser im Thermalbad Aukammtal
  3. Wiedereröffnung der Kochbrunnentrinkhalle in Wiesbaden, 29. Juni 1949 in Historische Bilddokumente
  4. WK 1955/35. 11. 2.

Koordinaten: 50° 5′ 11″ N, 8° 14′ 31″ O