Kochelseebahn

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Tutzing–Kochel
Streckennummer (DB): 5453
Kursbuchstrecke (DB): 961
Streckenlänge: 35,470 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: Tutzing–Bichl: CE
Bichl–Kochel B2
Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz ~
Höchstgeschwindigkeit: 80 (1950)[1] km/h
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von München
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0,000 Tutzing 611 m
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nach Garmisch-Partenkirchen
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6,943 Bernried 633 m
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11,328 Seeshaupt 601 m
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17,168 Iffeldorf (bis 2002 Staltach)[2]599 m
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22,500 Penzberg Gbf (PV bis 1898)
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22,342 Penzberg Pbf
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25,500 Schönmühl
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ehem. Isartalbahn
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27,155 Bichl 615 m
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28,854 Benediktbeuern 618 m
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30,800 Ried (Oberbay)
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33,100 Ort
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35,470 Kochel 606 m

Die Kochelseebahn ist eine 35,47 Kilometer lange, eingleisige und durchgehend elektrifizierte Eisenbahnstrecke in Oberbayern. Sie wird bei der Deutschen Bahn AG als Kursbuchstrecke 961 geführt. Die Kochelseebahn zweigt in Tutzing von der Hauptbahn München HbfGarmisch-Partenkirchen ab und führt von dort über Penzberg nach Kochel am namensgebenden Kochelsee.

Der Abschnitt von Tutzing bis Bichl ist als Hauptbahn klassifiziert, der Rest als Nebenbahn. Die Strecke wurde am 4. März 1925 elektrifiziert.

Streckenbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Kochel im Winter

Die Strecke beginnt westlich des Starnberger Sees am Bahnhof Tutzing und verläuft zunächst parallel zur Strecke nach Garmisch-Partenkirchen. Nach ca. 2,5 km zweigt diese Strecke nach Westen ab, während die Kochelseebahn dem Ufer des Sees folgt. Zwischen Seeshaupt und Iffeldorf führt die Strecke entlang der Osterseen. Nachdem die Linie bis Bichl in südöstliche Richtung geführt hatte, ändert sie dort die Richtung und führt nach Süden. Außerdem führt die Strecke nun an den Bayerischen Voralpen mit der Benediktenwand entlang. Westlich der Kochelseebahn befindet sich nun die Loisach und die Loisach-Kochelsee-Moore. In Benediktbeuern führt die Bahnlinie direkt am dortigen Kloster entlang. Nach 35,5 km erreicht die Strecke in Kochel ihren Endbahnhof.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Talent der Kochelseebahn zwischen Penzberg und Seeshaupt

Auf Initiative der Städte Weilheim und Penzberg eröffneten die Königlich Bayerische Staats-Eisenbahnen (K.Bay.Sts.B.) am 16. Oktober 1865 eine Bahnstrecke von Tutzing nach Penzberg. Einer der wichtigsten Gründe für den Bau der neuen Verbindung war der Transportbedarf des Penzberger Kohlenbergwerks, dessen jährliche Fördermenge durch die verbesserte Verkehrsverbindung innerhalb von zehn Jahren von rund 13.000 t auf über 50.000 t anstieg.

Am 23. Mai 1898 wurde die Verlängerung der Strecke von Penzberg über Bichl nach Kochel in Betrieb genommen. Diese zweigt bereits vor dem im Norden Penzbergs gelegenen Bahnhof von der bestehenden Strecke ab und tangiert den Ort im Südwesten, wo ein neuer Bahnhof angelegt wurde. Die bisherige Station wurde hingegen nur mehr im Güterverkehr genutzt, für den auch ein Verbindungsgleis zwischen dem in Penzberg Gbf umbenannten alten und dem neuen Bahnhof angelegt wurde. In Bichl bestand bis 31. Mai 1959 eine Verbindung zur Isartalbahn nach München, deren Abschnitt Bichl–Beuerberg ebenfalls am 23. Mai 1898 eröffnet wurde.

Die Elektrifizierung der gesamten Strecke Tutzing–Kochel einschließlich der Verbindungen nach Penzberg Gbf wurde am 4. März 1925 abgeschlossen. Nördlich des Penzberger Güterbahnhofs wurde 1942 mit dem Bau eines Bahnstromkraftwerks begonnen, das – nach einer kriegsbedingten Einstellung der Bauarbeiten zwischen 1944 und 1947 – am 30. Januar 1951 in Betrieb genommen wurde. Bis zur 1966 erfolgten Einstellung der Kohleförderung in Penzberg wurde es nahezu ausschließlich mit lokaler Steinkohle betrieben, anschließend wurden die Brennstoffe bis zur Stilllegung des Kraftwerks am 30. April 1971 aus dem Saarland und dem Ruhrgebiet angeliefert. Mit dem Wegfall von Kohlebergbau und Kraftwerk nahm auch die Bedeutung des Penzberger Güterbahnhofs ab. 1986 erfolgte der Rückbau der Oberleitung in Penzberg Gbf, 1989 der Verkauf des Bahnhofsgeländes an die Stadt Penzberg und anschließend der Abbau der Gleisanlagen.[3][4]

Im Laufe der 1980er Jahre wurden auf der Strecke regelmäßige Fahrten mit dem „Gläsernen Zug“ angeboten.

Mit dem Rückgang des Güterverkehrs und zugleich sinkenden Fahrgastzahlen nahm die Wirtschaftlichkeit der Bahnstrecke ab. Die Deutsche Bundesbahn (DB), seit 1949 Betreiber und Eigentümer der Verbindung, erwog in den 1970er und 1980er Jahren mehrmals öffentlich deren Stilllegung, die auf Initiative des Freistaats Bayern jedoch nicht genehmigt wurde. Insbesondere seit der 1994 erfolgten Verbesserung des Fahrplanangebots durch die Einführung des Stundentakts wird auf der Kochelseebahn wieder steigendes Reisendenaufkommen verzeichnet. Im Sommer 1997 wurden an Wochenenden auf der Strecke Dampf-Nostalgiefahrten angeboten, im Sommer 1998 waren diese auf Sonntage beschränkt. Heute finden keine Nostalgiefahrten mehr statt.

Der nach dem Ende der Kohletransporte verbliebene Güterverkehr wurde hingegen in den 1990er Jahren weitgehend eingestellt.[3] Bis Anfang 2008 wurde noch sporadisch ein mit Eisenbahnfahrzeugen und Schrott handelnder Betrieb auf dem Gelände des früheren Penzberger Bahnstromkraftwerks beliefert, ehe dessen Anschlussgleis im Mai 2008 abgebaut wurde. Im August 2008 wurde schließlich der alte Bahnübergang (Karlstraße / Seeshaupter Straße) und das alte nicht mehr betriebsfähige Schutzsignal abgebaut. Der Schotter des ehemaligen Anschlussgleises sowie die Hinweistafeln (Geschwindigkeitstafel und Pfeiftafel) auf der ehemaligen Trasse sind heute noch vorhanden.[5] Auf der gesamten Strecke der Kochelseebahn gibt es inzwischen für den Güterverkehr keine Anlagen mehr, sie wurden in fast allen Bahnhöfen abgebaut.

Seit Mai 2010 dürfen lokbespannte Züge wegen eines Brückenschadens nur noch bis Bichl fahren.[6] Im Jahr 2013 wurden alle Bahnhöfe der Kochelseebahn mit Ausnahme von Bernried barrierefrei ausgebaut, um mit der Inbetriebnahme am 15. Dezember 2013 der Werdenfelsbahn mit neuen Fahrzeugen der Baureihe 442 einen barrierefreien Einstieg in die Züge zu ermöglichen. Zuvor fuhren auf der Strecke Elektrotriebwagen der Baureihen 425 und 426.

Aktueller Betrieb (2015)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Formausfahrsignale am Bahnhof Seeshaupt (Richtung Tutzing)

An allen Wochentagen besteht ganztägig ein Stundentakt mit Zugkreuzung in Bichl kurz vor der vollen Stunde. Diese stündlich verkehrenden Züge fahren mit Halt in Starnberg bis München Hauptbahnhof durch, wobei in Tutzing ein weiterer Zugteil aus Weilheim angekoppelt wird. Im werktäglichen Berufsverkehr besteht ein Halbstundentakt, morgens zwischen Kochel und München, abends nur zwischen Penzberg und Tutzing. Diese Züge kreuzen dann in Seeshaupt. Als Wagenmaterial setzt die Deutsche Bahn seit 2013 Triebwagen der Baureihe 442 ein.

An den Bahnhöfen Seeshaupt und Bichl sind noch mechanische Stellwerke und Formsignale vorhanden. Die Fahrdienstleiter stellen die Weichen und Formsignale per Handhebel und Seilzug. Während das Stellwerk Bichl in der Einheitsbauart errichtet wurde, steht in Seeshaupt seit 1903 ein mechanisches Stellwerk der Bauart Krauss mit Kurbelwerk.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kochelseebahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. KBS-970-Forum – Beitrag zum Thema Kochelseebahn
  2. Bahnhof Iffeldorf. Pro Bahn Werdenfels, abgerufen am 14. Mai 2013.
  3. a b Stefan Bauer, Norbert Moy: Die Kochelseebahn. Geschichte und Perspektiven. Hrsg.: Pro Bahn. Pro Bahn Verlag und Reisen GmbH, München 1998, ISBN 3-9806387-0-7.
  4. Georg Reis: Bahnhof Penzberg. In: Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe. GeraNova Zeitschriften-Verlag, ISSN 0949-2127 (Sammelwerk als Loseblattausgabe; 1997 ff.).
  5. Das Gleis zur Fa. Layritz in Penzberg ist Geschichte. Fotos des Rückbaus des Anschlussgleises zum früheren Bahnstromkraftwerk Penzberg
  6. Kochelseebahn. Pro Bahn Werdenfels, abgerufen am 14. Mai 2013.
  7. Liste Deutscher Stellwerke. stellwerke.de, abgerufen am 2. April 2014.