Kochertalbrücke

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Dieser Artikel behandelt die Brücke der Bundesautobahn 6. Für die gleichnamige Brücke der A 81 siehe Kochertalbrücke (A 81), für die der B 29 siehe Kochertalbrücke (B 29).

Koordinaten: 49° 10′ 38,2″ N, 9° 47′ 6″ O

A6 E50 Kochertalbrücke
  Kochertalbrücke
Die Kochertalbrücke von Süden gesehen
Überführt

Bundesautobahn 6

Querung von

Kochertal

Unterführt

Landstraße 1045

Ort Geislingen am Kocher
Konstruktion Spannbeton-Hohlkastenbrücke
Gesamtlänge 1128 m
Breite 31 m
Längste Stützweite 138 m
Konstruktionshöhe 6,5 m
Höhe 185 m
Baukosten 70,2 Mio. DM
(heutige Kaufkraft ca. 80,4 Mio. EUR)
Baubeginn 1976
Fertigstellung 1979

Die Kochertalbrücke bei Geislingen am Kocher, einem Ortsteil der Gemeinde Braunsbach, ist mit einer maximalen Höhe von 185 m über Grund die höchste Talbrücke in Deutschland. Ihre 178 m hohen Brückenpfeiler sind die höchsten aller Balkenbrücken weltweit.

Über die Brücke quert auf der Strecke zwischen Heilbronn und Nürnberg die Bundesautobahn 6 unweit von Geislingen vierspurig das Kochertal.

Brückenkonstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bauwerk überbrückt auf einer Länge von 1128 m das Tal. Der Spannbetonüberbau ist in statischer Sicht ein in Längsrichtung neunfeldriger Durchlaufträger. Die beiden äußeren Felder haben jeweils eine Stützweite von 81 m, die sieben Innenfelder von 138 m. Im Querschnitt ist der Überbau ein einzelliger, rechtwinkliger Hohlkasten von 8,6 m Breite und mit einer konstanten Höhe von 6,5 m. Die Fahrbahnplatte ist 31 m breit und überall wenigstens 26 cm dick, der Steg des Hohlkastens (seine Seitenwand) misst 45 cm Dicke. Schräge Druckstreben stützen alle 7,67 m die beidseitig 11,2 m auskragende Fahrbahnplatte.

Die Mittelpfeiler drei bis sechs sind in den Überbau eingespannt und wirken mit ihm als rahmenartiges Tragwerk. Zusammen mit den Pfeilern zwei und sieben, die mit festen Punktkipplagern ausgestattet sind, stabilisieren sie das Bauwerk in Längsrichtung und bilden den Festpunkt. Auf den Widerlagern und den Pfeilern eins und acht ist der Überbau längsverschieblich gelagert.

Die acht Pfeiler sind zwischen 40 m und 178 m hoch. Ihr Hohlquerschnitt ist allseitig konisch, einzellig und rechteckig, er ist oben 8,6 m breit und 5,0 m dick und weitet sich nach unten zur Basis bis auf maximal 15,0 m × 9,5 m. Die Wand hat eine Stärke von wenigstens 50 cm, in den Fuß- und Kopfbereichen erreicht sie 90 cm. Die Hangpfeiler zwei und sieben sind mit 45 m tiefen Schächten in den Rutschhängen gegründet.

Der Brückenüberbau wurde im Freivorbau des Hohlkastenquerschnittes hergestellt. Die auskragenden Fahrbahnplattenteile wurden nachträglich mit einem Nachläuferwagen betoniert. Eine Arbeitsgemeinschaft der Unternehmen Ed. Züblin AG, DYWIDAG und Wayss & Freytag AG baute nach einem Sondervorschlagsentwurf von Wayss & Freytag unter Beratung von Fritz Leonhardt[1] die Brücke von 1976 bis 1979 mit um 40 % reduzierten Kosten.

Verkehrsfreigabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brücke, zum Autobahnabschnitt zwischen den Anschlussstellen Kupferzell und Aurach gehörend, wurde am 18. Dezember 1979 dem Verkehr übergeben.[2]

Instandsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einheben einer Übergangskonstruktion

Seit Juli 2013 wurde die Brücke für Gesamtbaukosten von 22,4 Mio. Euro saniert und verstärkt, um in Zukunft eine Nutzung mit drei Fahrstreifen in jeder Fahrtrichtung zu ermöglichen. Bei dem Hohlkasten erfolgte über den Brückenpfeilern eine Verstärkung der Stege und der Bodenplatte sowie der Einbau zusätzlicher Spannkabel. Auf der Brücke wurden die Brückenkappen, die darunterliegende Abdichtung, der Übersteigschutz und die Schutzeinrichtungen erneuert sowie die gesamte Brückenentwässerung ausgetauscht. An den Enden der Brücke wurden die Übergangskonstruktionen durch lärmmindernde ersetzt. Die verschlissenen Topflager auf den Pfeilerköpfen bzw. Widerlagern machten einen Austausch erforderlich. Die Komplettsanierung war bis Ende 2015 abgeschlossen.

Die Instandsetzung der Kochertalbrücke wurde mit dem undotierten Deutschen Brückenbaupreis 2016 in der Kategorie „Straßen- und Eisenbahnbrücken“ ausgezeichnet, da gemäß Juryurteil „dank dieser innovativen und herausragenden Ingenieurleistung die Nutzbarkeit vorhandener Bausubstanz nachhaltig verlängert werden konnte“.[3]

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Brücke und ihrer Baugeschichte wurde in Geislingen das Brückenmuseum eingerichtet. Nach Absprache geöffnet, bietet es dem Besucher Wissenswertes zum Bau der Brücke an.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A. Linse: Kochertalbrücke – Entwürfe einer Großbrücke. In: Bauingenieur, Jahrgang 1978, S. 453–463.
  • Simone Meyder, Michael Hascher: Höher als das Ulmer Münster. Die Kochertalbrücke bei Geislingen. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 39. Jg. 2010, Heft 3, S. 184 f. (online; PDF; 6,8 MB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kochertalbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fritz Leonhardt: Brücken / Bridges. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1982, ISBN 3-421-02590-8, S. 302.
  2. [1], Verkehrsfreigaben einzelner Abschnitte der Autobahn 6
  3. Kochertalbrücke im Zuge der A 6 bei Geislingen, Baden-Württemberg