Kocioł (Pisz)

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Kocioł
Kocioł führt kein Wappen
Kocioł (Polen)
Kocioł
Kocioł
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Pisz
Gmina: Pisz
Geographische Lage: 53° 38′ N, 21° 56′ OKoordinaten: 53° 38′ 1″ N, 21° 55′ 36″ O
Einwohner:
Postleitzahl: 12-200[1]
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NPI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Kocioł Duży/DK 58 → Kocioł
Schienenweg: Olsztyn–Ełk
Bahnstation: Stare Guty
Nächster int. Flughafen: Danzig



Kocioł [ˈkɔt͡ɕɔu̯] (deutsch Groß Kessel) ist ein kleines Dorf im Norden Polens, in der Woiwodschaft Ermland-Masuren, im Powiat Piski (Kreis Johannisburg) und in der Stadt- und Landgemeinde Pisz (deutsch Johannisburg).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es liegt 9 km östlich von Pisz und 97 km östlich von der Hauptstadt der Woiwodschaft, Olsztyn (Allenstein).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das einst auch Kottla genannte Dorf wurde 1445 als Zinsdorf mit 46 Hufen durch den Deutschen Ritterorden gegründet[2]. Am 8. April 1874 wurde es Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk[3], der bis 1945 bestand und zum Kreis Johannisburg im Regierungsbezirk Gumbinnen (ab 1905: Regierungsbezirk Allenstein) in der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Wohl im Jahre 1888 wurde der 1471 als Freigut mit zehn Hufen nach Magdeburger Recht gegründete Nachbarort Gursken[2] (polnisch Górskie) nach Groß Kessel eingemeindet.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Groß Kessel gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Groß Kessel stimmten 280 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfiel keine Stimme.[4]

In Kriegsfolge kam Groß Kessel 1945 mit dem gesamten südlichen Ostpreußen zu Polen und erhielt die polnische Namensform „Kocioł“[5]. Nur eineinhalb Kilometer südöstlich liegt das Dorf Kocioł Duży, das zwar namensverwandt, wohl aber nicht historisch mit dem einstigen Groß Kessel verbunden ist.

Kocioł ist heute Sitz eines Schulzenamtes[6] (polnisch Sołectwo) und somit eine Ortschaft im Verbund der Stadt- und Landgemeinde Pisz (Johannisburg) im Powiat Piski (Kreis Johannisburg), bis 1998 der Woiwodschaft Suwałki, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahl der Einwohner Groß Kessels nahm bis 1939 folgende Entwicklung [7]:

Jahr Anzahl
1818 184
1838 228
1871 4032
1885 445
1905 475
1910 474[8]
1925 514
1933 493[9]
1939 449[9]

Amtsbezirk Groß Kessel (1874–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Amtsbezirk Groß Kessel bestand ursprünglich aus acht Dörfern, am Ende waren es aufgrund struktureller Veränderungen bzw. Umbenennungen noch sechs[3]:

Name Polnischer Name Bemerkungen
Babrosten Babrosty
Groß Kessel Kocioł
Gursken Górskie ca. 1888 nach Groß Kessel eingemeindet
Gutten, Ksp. Johannisburg Stare Guty
Lupken Łupki
Pietrzyken Pietrzyki 1904 in „Wiesenheim“ umbenannt
Ribittwen
1938–1945: Ribitten
Rybitwy
Wiesenheim

Am 1. Januar 1945 bildeten noch die Dörfer Babrosten, Groß Kessel, Gutten, Lupken, Ribitten und Wiesenheim den Amtsbezirk Groß Kessel.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Groß Kessel in die evangelische Kirche Johannisburg[2] in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union sowie in die römisch-katholische Kirche Johannisburg[2] im Bistum Ermland eingepfarrt. Heute gehört Kocioł katholischerseits weiterhin zur Kreisstadt, die jetzt allerdings im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen liegt. Die evangelischen Einwohner sind ebenfalls zur Kreisstadt ausgerichtet, deren Kirchengemeinde nun zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen gehört.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1737 wurde Groß Kessel Schulort[2].

Persönlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ort verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Samuel Przypkowski (1592–1670), polnischer Schriftsteller, Staatsmann und bedeutender Vertreter des polnisch-litauischen Unitarismus war zwischen 1661 und 1666 in Groß Kessel tätig.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kocioł liegt nördlich der polnischen Landesstraße 58 und ist über Kocioł Duży auf einer Landwegverbindung zu erreichen. Stare Guty (Gutten (J), Ksp.Johannisburg) ist die nächste Bahnstation und liegt an der Bahnstrecke Olsztyn–Ełk (deutsch Allenstein–Lyck).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kocioł - Grundinformationen
  2. a b c d e Groß Kessel bei Familienforschung Sczuka
  3. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Groß Kessel
  4. Herbert Marzian/Csaba Kenez, Selbstbestimmung für Ostdeutschland - Eine Dokumentation zum 50 Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 192; Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 74
  5. Ministerielle Verfügung vom 12. November 1946 (M.P. z 1946 r. Nr. 142, poz. 262)
  6. Sołtysi w Gminie Pisz
  7. Groß Kessel bei GenWiki
  8. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Johannisburg
  9. a b Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Johannisburg