Kodak Instamatic

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Kodak Instamatic 50 mit Kodacolor-X
Negativfilm Agfa CNS (1983)
Made in USA: Kodak Instamatic 220, Belichtungseinstellung nach Wettersymbolen.

Instamatic war der Systemname für ein im März 1963 von Kodak eingeführtes 35-mm-Kassettenfilmsystem, ein Kofferwort aus den englischen Wörtern instant (dt.: sofort) und automatic. „Sofort“ bezog sich dabei auf ein blitzschnelles Filmeinlegen. Die Kassette besaß die Kodak-Nummer 126 und war unter dieser Bezeichnung ebenfalls bekannt. Kodak verwendete auch die Bezeichnung Kodapak, andere Anbieter Pak-Film.

Eine Instamatic-Kassette musste man nur in die Kamera einlegen und dann solange transportieren, bis das Zählwerkfenster eine „1“ anzeigte. Am Ende des Films angelangt, brauchte man wiederum nur einige Male zu transportieren, dann erschien ein "////////"-Muster im Fenster, und man konnte die Kassette entnehmen. Alles war dabei so konstruiert, dass man einerseits mit möglichst simpler Kameratechnik auskam und andererseits dem Benutzer bequemstes Fotografieren ermöglicht wurde.

Kodak dehnte sein Konzept mit Super 8 auf Filmkameras aus und dann noch einmal mit Pocketfilm auf 16-mm-Fotokameras. Für Super-8- und Pocketkameras verwendete Kodak den Begriff Instamatic ebenfalls.

Fotografieren um 1960[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kodak Instamatic 133: über dem Bildfenster befindet sich der Fühler für den Filmtransport

Wollte man vor Einführung des Instamatic-Systems mit einer handlichen Kamera fotografieren, musste man auf den Kleinbildfilm zurückgreifen. Diesen in die damaligen Kameras korrekt einzulegen, war nicht in jedem Fall einfach. Zwar konnte der Fotohändler beim Kauf eines neuen Films diesen auch einlegen, die Filmhersteller waren aber daran interessiert, dass ihre Kunden einen belichteten Film gleich am Aufnahmeort durch einen neuen ersetzten, um den Umsatz zu steigern. Damals bot jedoch nur der Spezialkamera-Hersteller Minox ein miniaturisiertes Kassettenformat für Kleinstbildfilme an, das in den 8x11-Kameras verwendet wurde. Diese Kameras waren aber recht teuer und die Bildqualität durch das kleine Format eingeschränkt.

Hubert Nerwin, der ehemalige Direktor der Entwicklungsabteilung von Zeiss Ikon, patentierte daraufhin für Kodak eine Filmkassette,[1], die zum Instamatic-System führte.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Negativstreifen mit einem Perforationsloch pro Bild

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Instamatic-Kassette bestand aus dünnem schwarzen Kunststoff und verband Vorratskammer, Bildebene und Aufwickelkammer zu einer Einheit. Als Einmalkassette musste sie zum Entwickeln aufgebrochen werden und ließ sich nicht wiederbefüllen. In der Vorratskammer lag der unbelichtete Film ohne Wickeldorn aufgewickelt, in der Aufwickelkammer wurde der Film auf eine Spule aufgewickelt.

Der Film war 35 mm breit, besaß aber eine andere Perforation als ein 35-mm-Kleinbildfilm. Diese Perforation war einseitig ausgeführt und bestand aus einem Langloch pro Bild, das einem Fühler in der Kamera zum Stopp des Filmtransports diente und dadurch einer möglichst einfachen Kamerakonstruktion entgegenkam. Dieses Verfahren war bereits vom Kodak-Filmtyp 828 aus dem Jahr 1935 bekannt, der aber keine große Verbreitung gefunden hatte.

In einer Instamatic-Kamera existierte keine Filmandruckplatte, so dass die Position der Filmebene durch die Kassette bestimmt wurde. Hierzu besaß die Kassette um das Bildfenster herum einen Rahmen, der beim Einlegen auf Anschläge in der Kamera traf. Deswegen musste das Kunststoffgehäuse der Kassette auf ±3/100 Zoll (entsprechend 0,762 mm) genau gefertigt werden.[2]

Bildformat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einseitige und zudem schmale Perforation ließ dem Bild mehr Platz als beim Typ 135, so dass die Bildhöhe 118 Zoll, entsprechend 28,6 mm betrug. Das quadratische Format, also 28,6 mm × 28,6 mm wurde im Hinblick auf Einfachkameras gewählt: Bei den einlinsigen Objektiven der Einsteigerkameras fiel die Abbildungsleistung zum Rand hin sehr stark ab, der Bildrand lag aber bei dem quadratischen Format weniger weit vom Mittelpunkt entfernt. Gegenüber dem Kleinbild waren Bilddiagonale und Bildfläche um etwa 9 % reduziert, infolgedessen wurden Bildwinkel und Lichtleistung eines Kleinbild-Diaprojektors weitgehend ausgenutzt.

Kodacolor-X-Kassette mit Fenster für die Bildzahl

Zählwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie beim Rollfilm schützte Schwarzpapier, auf dessen Rücken Zahlen aufdruckt waren, den Film nach hinten vor Lichteinfall. So konnte durch ein Fenster in Kassette und Kamerarückwand die Bildnummer abgelesen werden. Das Rückwandfenster zeigte überdies das Etikett der Filmkassette und somit die eingelegte Filmsorte.

Kapazität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kassette hatte man ursprünglich für 12 Aufnahmen konzipiert, dann aber auch welche mit 20 Aufnahmen, später sogar 24 Aufnahmen angeboten. 36 Aufnahmen ließen sich jedoch nicht realisieren, da bei einem entsprechend dünnen Film die Planlage nicht mehr garantiert gewesen wäre.[2]

Filmempfindlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Instamatic-Kassette war der erste Film, dessen Empfindlichkeit die Kamera abtasten konnte. Die meisten Kameras machten davon aber keinen Gebrauch, so dass die Mehrzahl der Filme einfach ungefähr ISO 80/20° hatten. Für die Abtastung gab es eine Kerbe, deren Länge die Filmempfindlichkeit angab. Dabei waren Werte von ISO 20/14° bis ISO 1600/33° möglich, es gab es aber nur Filme von ISO 64/19° bis ISO 400/27°. Die Kerbe befand sich an der Frontseite der Kassette, nämlich an der Oberseite des Rahmens der den Film zur Belichtung freigab.

Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kodak bezeichnet alle Filmtypen mit einer Nummer, mit 126 ursprünglich einen von 1906 bis 1949 angebotenen Rollfilm. Da die Nummer wieder freigeworden war, nahm man sie für die Instamatic-Kassette, da sie in Millimeter die ungefähre Kantenlänge des quadratischen Bilds mit Maskierung, beispielsweise durch ein Diarähmen angab – die Nummer 127 konnte man nicht nehmen, da sie einen noch gebräuchlichen Rollfilm bezeichnete. Diarähmchen oder auch die Automaten, welche die Abzüge von Negativfilmen erstellten, nahmen stets einen etwas kleineren Ausschnitt, damit trotz unvermeidlicher Toleranzen kein Bildrand auf der Leinwand oder dem Fotopapier erschien.

Der Film ist in ISO 3029 definiert.

Filmmaterial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quadratisches Format: Instamatic-Aufnahme

Farb-Negativfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Kassetten sind als Farbnegativfilm verkauft worden. Davon wurden typischerweise Abzüge im Format 9 cm × 9 cm erstellt. Da im Laufe der Zeit fast alle Filmhersteller Lizenzen nahmen, gab es von praktisch allen Filmmarken auch Instamatic-Kassetten.

Das „Bonus-Bild“ war eine Marketing-Aktion von Kodak speziell für das Instamatic-System, die einen gewissen Aufwand erforderte: Jedes Fotopapier im Format 9 cm × 13 cm trug ein Bild im Format 8 cm × 8 cm mit weißen Rahmen sowie rechts davon oben ein etwa 3 cm × 3 cm kleines Bonus-Bild, abtrennbar durch Knick an einer Perforation.

Schwarzweißfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Typ 126 gab es auch als Schwarzweißfilm, was aber nur in der Anfangszeit eine Bedeutung hatte, in der häufig noch aus Kostengründen auf Farbe verzichtet wurde. Im Heimlabor konnte der Film mit einer gewöhnlichen Spule für Kleinbildfilm entwickelt werden.

Farb-Umkehrfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Typ 126 war auch als Diafilm erhältlich, wobei er mit speziellen Rähmchen in gewöhnlichen Kleinbildprojektoren vorgeführt werden konnte. Hierfür empfahl es sich aber, eine Kamera mit Belichtungsmessung zu verwenden, da dieses Material generell genauer belichtet werden muss. Allerdings wählten Amateure, die mit Diafilmen arbeiteten, zumeist den Kleinbildfilm, so dass diese Sorte nicht an allen Verkaufsstellen vorrätig war.

Kameras[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Made in Germany: Kodak Instamatic 233, Reomar-Objektiv, Belichtungeinstellung nach Wettersymbolen

Sucherkameras ohne Belichtungsmesser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den größten Anteil unter den Instamatic-Kameras hatten die Modelle ohne Belichtungsmesser, die zumeist mit einem Fixfocus ausgerüstet waren. Die einfachen Modelle hatten nur zwei Belichtungseinstellungen, gewöhnlich mit Sonne und Wolken gekennzeichnet, und eine Blitzwürfel-Aufnahme, etwas bessere drei oder vier Belichtungseinstellungen. Sieht man von den Agfa Rapid-Kameras ab, waren diese Modelle praktisch konkurrenzlos, da man Kameras für keinen anderen Film derart preisgünstig herstellen konnte.

In den 1970er Jahren kam es sogar zu besonders minimalistischen Kameras. Sie bestanden gerade einmal aus einem auf die Kassette geklemmten Objektiv mit einfachem Verschluss und Rahmensucher sowie einem auf den Wickeldorn der Kassette gesteckten Knebel zum Filmtransport. Diese Kameras lagen als Bausatz mehreren Zeitschriften wie Yps bei.

Sucherkameras mit Belichtungsmesser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rollei A26 mit elektronischer Belichtungsautomatik und Zeiss-Objektiv

Die gehobenen Modelle besaßen meist das gleiche Gehäuse wie die Einsteigerklasse, aber einen Belichtungsmesser und waren zumeist auf eine Batterie angewiesen. Einige Hersteller wie Rollei stellten aber auch eigenständige Konstruktionen vor. Diese Modelle wurden zwar in erheblichen Stückzahlen verkauft, sie standen aber in Konkurrenz zu den Kleinbildkameras für den Filmtyp 135.

Spiegelreflexkameras[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spiegelreflexkamera Contaflex 126

In den 1960er Jahren erschienen sogar mehrere Spiegelreflexkameras für die Instamatic-Kassette. Gemeinsames Merkmal all dieser Kameras war es aber, dass sie keine Programmautomatik für die Belichtungssteuerung besaßen. Infolgedessen musste der Fotograf grundlegende Kenntnis über Belichtungszeit und Blendenwert besitzen, was der Idee einer maximal bequem zu handhabenden Kamera widersprach und einen nennenswerten Erfolg verhinderte. Problematisch war dabei auch die Planlage des Films aufgrund der fehlenden Andruckplatte[3], weswegen keine Objektive mit höheren Lichtstärken als f/2,8 erschienen.

Contaflex 126[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Contaflex 126 von Zeiss-Ikon besaß eine Blendenautomatik, wobei die Blende im Sucher angezeigt wurde. Es gab für sie Objektive von 32 mm bis 135 mm Brennweite, die ein spezielles Bajonett besaßen. Diese Kamera tastete auch die Filmempfindlichkeit an der Kassette ab.

Rollei SL 26[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rollei SL 26 besaß ein Satzobjektiv mit einem speziellen Bajonett, für das Objektivvorderteile für 28 mm bis 80 mm Brennweite erhältlich waren. Die SL 26 war ein Halbautomat mit Zeigern für Blende und Belichtungszeit im Sucher.

Kodak Instamatic Reflex[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Instamatic Reflex war die technisch aufwendigste und mit 875 DM Verkaufspreis auch teuerste Kamera für die Instamatic-Kassette. Sie erschien 1968, besaß eine Zeitautomatic und bereits einen elektronisch gesteuerten Verschluss. Für ihren Bajonettanschluss gab es Objektive von 28 mm bis 200 mm Brennweite.

Mit dieser Kamera wollte Kodak vor allem das Instamatic-System als ein anspruchsvolles, auch für gehobene Kameras geeignetes System darstellen.

Marktbedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkaufszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Preisklasse bis etwa 120 DM, also unterhalb der Kameras für die Kleinbild-Patrone erreichte der Instamatic-Film einen extrem hohen Marktanteil, wodurch dieser Film zu einem gigantischen Erfolg wurde. Kodak verkaufte in den ersten zwei Jahren nach der Vorstellung bereits 7,5 Mio. Kameras.[4] Auch nach Einführung des Pocket-Films hielt die Nachfrage an, so wurden beispielsweise 1978 in Deutschland zwar ca. 1,5 Mio. Pocket-Kameras verkauft, aber auch noch rund 250000 Kameras für den Filmtyp 126.[5] Von allen Herstellern zusammen wurden weltweit über 150 Mio. Kameras produziert.

Der letzte produzierte Film von Ferrania

Agfa Rapid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agfa versuchte zunächst mit dem Konkurrenzsystem Agfa Rapid, dass auf einer Vorkriegsidee beruhte, der Instamatic-Kassette etwas entgegenzusetzen. Nachdem man damit aber keinen überwältigen Erfolg erzielen konnte, nahm man eine Lizenz von Kodak und verkaufte ebenfalls eine immense Zahl von Kassettenkameras.

Ende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Instamatic–System hielt sich bis in die frühen 1980er Jahre. Dann erlaubte die fortgeschrittene Mechanik, Kleinbildkameras mit vollautomatischer Filmeinfädelung und -transport zu bauen, so dass sich diese nun ebenso einfach bedienen ließen. Dadurch verlor Instamatic seine Existenzberechtigung und geriet zunehmend in Vergessenheit. Instamatic-Kameras wurde bis etwa 1988 hergestellt, Kodak selbst stellte die Filmproduktion zum 31. Dezember 1999 ein, Agfa folgte kurz darauf. Der letzte Hersteller, die italienische Firma Ferrania, produzierte bis April 2007.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kodak Instamatic – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tom Tobin: Insta...what?' The Kodak Instamatic Camera Turns 50@1@2Vorlage:Toter Link/www.13wmaz.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. . Auf: 13wmaz.com am 29. März 2013
  2. a b Hinter den Kulissen, Fotomagazin November 1968
  3. Michael C. Johnston: Hubert Nerwin's Brilliant Idea. Auf: theonlinephotographer.typepad.com am 1. April 2013
  4. https://eu.usatoday.com/story/tech/2013/03/29/instamatic-camera-50-years/2034585/
  5. Nachrichten, Notizen, Photo Revue Juli 1979