Kodominanz

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Kodominanz ist ein Begriff aus der Genetik, der zur Beschreibung der phänotypischen (= sichtbaren) Ausprägung von Erbmerkmalen bei Organismen verwendet wird. Für Kodominanz ist Voraussetzung, dass ein Organismus wenigstens diploid ist – also wenigstens einen doppelten Chromosomensatz besitzt (dies ist bei den meisten Tieren und Pflanzen der Fall). Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Träger (mindestens) zwei verschiedene Allele für ein Gen besitzt. In diesem Fall sagt man, der Träger ist heterozygot für das Gen. Kodominanz kann also nicht auftreten, wenn die beiden Allele zu einem Gen völlig identisch (also homozygot) sind.

Man spricht von Kodominanz, wenn die beiden unterschiedlichen Allele eines einzigen Gens (also sowohl das mütterliche als auch das väterliche) im heterozygoten Zustand gleich stark auf den Phänotyp einwirken. Der Phänotyp entsteht dabei nicht als homogene Mischform der beiden Merkmale, wie beim intermediären Erbgang, sondern die Genprodukte beider Allele sind voll exprimiert und die zugehörigen Merkmale werden unabhängig voneinander ausgeprägt.

Ein Beispiel für die Kodominanz ist die Vererbung der Blutgruppe AB des AB0-Systems. Hat ein Mensch sowohl eine Erbanlage für die Blutgruppe A, als auch eine für die Blutgruppe B, so besitzen seine roten Blutkörperchen die blutgruppenspezifischen Antigene A und B. Bei ihm werden keine Antikörper gegen diese beiden Faktoren gebildet, also weder gegen Blutgruppe A noch B. Die Blutgruppe ist also AB, weshalb Erythrozytentransfusionen (unter Berücksichtigung des Rhesusfaktors; Vollblut=Erythrozyten+Serum kann zu Komplikationen führen) aller Blutgruppen empfangen werden können (=Universalempfänger), auch der Blutgruppe 0, in der beide Antigene fehlen. Im Gegensatz dazu ist der Erbgang bei A und 0 sowie bei B und 0 dominant/rezessiv. A und B setzen sich jeweils gegenüber dem Allel für 0 (Fehlen beider Antigene) durch, bzw. das Vorhandensein des jeweiligen Allels auf jeweils nur einem Chromosom reicht aus, um beide Antigene zu bilden. [1]

Ein weiteres Beispiel für Kodominanz ist das weniger bekannte MN-Blutgruppensystem.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neil A. Campbell, Jane B. Reece: Biologie. Spektrum-Verlag 2003, ISBN 3-8274-1352-4, Seite 303–305.