Kohleausstieg

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Kohleinfrastruktur: Der Kohlehafen und das Kohlekraftwerk in Mehrum
Die Anti-Kohlekraft-Bewegung fordert in Washington einen Kohleausstieg (2009)

Als Kohleausstieg bezeichnet man die politische Entscheidung, auf den Verbrauch von Kohle und somit ihre Förderung zu verzichten. Kohle wird derzeit in großen Mengen zur Erzeugung von elektrischer Energie in Kohlekraftwerken, zum Heizen, in der Chemieindustrie, Stahlindustrie und anderen Industriezweigen verwendet. Zur Kohleindustrie gehört auch die nötige Infrastruktur zur Förderung im Tagebau oder Bergwerk und der Transport (z. B. Kohlehäfen, Kohlenbahnen, Förderbänder usw.).

Gründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peking bei klarer Sicht und im Smog

Mit der Nutzung von Kohle gehen massive negative externe Effekte einher, die in ihren Erzeugungskosten nicht abgebildet werden. Das bedeutet, dass Umweltkosten und Gesundheitskosten grundsätzlich durch die Allgemeinheit und nicht durch den Stromproduzenten oder den Stromkunden bezahlt werden. Hierzu zählen insbesondere der Treibhauseffekt durch den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid und damit der beschleunigende Einfluss auf den Klimawandel, aber auch die Schädigung von Umwelt und Gesundheit durch den Ausstoß von Schadstoffen wie Ruß, Schwefeldioxid und Schwermetallen.

Ein wichtiger Grund für einen Kohleausstieg ist, eine gravierende globale Erwärmung sowie deren Folgen zu verhindern. Kohle emittiert pro kWh deutlich mehr Kohlenstoffdioxid als Erdöl oder Erdgas, wodurch sie überproportional zum Klimawandel beiträgt. Der Weltklimarat empfiehlt, die weltweite Energieversorgung schnell und grundlegend umzubauen. Auf die Kohleverstromung muss deswegen mittelfristig verzichtet werden.[1] Soll das Zwei-Grad-Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 % erreicht werden, dürfen im Zeitraum 2011 bis 2050 nach Daten des IPCC maximal zwischen 870 und 1.240 Gigatonnen (Mrd. Tonnen) Kohlenstoffdioxid freigesetzt werden. Umgerechnet auf die Reserven bedeutet dies, dass im globalen Kontext etwa ein Drittel der Ölreserven, die Hälfte der Erdgasreserven und mehr als 80 % der Kohlereserven nicht verbrannt werden dürfen.[2] Nach Hans-Joachim Schellnhuber muss der Kohleausstieg weltweit bis ca. 2035 abgeschlossen werden, um die Zwei-Grad-Grenze nicht zu überschreiten.[3]

Im Rheinischen Braunkohlerevier erfolgen zur Förderung von Braunkohle massive Eingriffe in die Kulturlandschaft.

Bei der Verbrennung von Kohle werden außerdem Feinstaub, Schwefeldioxid, Schwermetalle (z.B. Arsen und Quecksilber) sowie radioaktive Stoffe (z.B. Uran und Thorium) emittiert. Vielerorts (z.B. in China oder in Ukraine) werden die Abgase der Kraftwerke nicht oder kaum gefiltert; dort tragen die emittierten Schadstoffe erheblich zur Luftverschmutzung und Smog bei.[4] Zusätzlich kommt es bei der Förderung von Kohle zu Eingriffen in die Landschaft, zu einer Änderung des Grundwasserspiegels und damit einhergehend zu negativen ökologischen und sozialen Folgen.

Für die USA wurden externe Kosten der Kohlestromerzeugung in Höhe von 175 bis 523 Mrd. US-Dollar pro Jahr ermittelt. Bei einem konservativ gerechneten wahrscheinlichen Mittelwert von 345 Mrd. Dollar ergeben sich Kosten in Höhe von 17,8 US-Cent pro verbrauchter Kilowattstunde. Nicht berücksichtigt wurden hierbei einige negative Folgeeffekte wie z. B. Umwelteffekte durch Freisetzung giftiger Chemikalien und Schwermetalle in die Umwelt, Eutrophierung von Gewässern durch Stickstoffeintrag, Folgeeffekte sauren Regens und ein Teil der Folgen der globalen Erwärmung.[5]

Mittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Energiewende

Mittel- bis langfristig muss die Kohleinfrastruktur und die Energieerzeugung zugunsten nicht-fossiler und CO2-freier Energieträger (insbesondere Erneuerbarer Energien) ersetzt werden. Ferner müssen wirtschaftspolitische Instrumente angewandt werden, welche dazu dienen die „wahren“ Kosten einer Technologie abzubilden. Zur Internalisierung der externen Kosten existieren verschiedene Möglichkeiten. Durch die Besteuerung von CO2-Emissionen durch eine CO2-Steuer oder eine Kohleabgabe können diese Kosten wieder eingepreist werden. Ebenfalls möglich ist die Einführung eines funktionierenden Emissionsrechtehandels. Ein solcher Mechanismus existiert in der EU mit dem EU-Emissionshandel, der allerdings wegen seiner klimapolitischen Wirkungslosigkeit stark kritisiert wird.[6] So bieten die dort erzielten Preise für Emissionsrechte kaum Anreize zu einer Reduktion der Emissionen.[7] Langfristig sollen solche Instrumente eine Verteuerung der Kohleverstromung bewirken, was wiederum zu einem Kohleausstieg führen könnte. Gleichzeitig werden Gesundheitskosten und Umweltfolgekosten aber vermieden und die Allgemeinheit entlastet.

Ein weiteres Mittel ist die Nicht-Investition in Kohlefirmen bzw. der Rückzug von Investitionen. Investitionen verlagern sich zunehmend weg von fossilen Brennstoffen. Das aus diesem Sektor abgezogene Investitionsvolumen (sog. Divestment) hat sich im Jahr 2015 um den Faktor 50 erhöht, so die US-Beratungsfirma Arabella Advisors. Insbesondere Pensionsfonds und Privatinvestoren aus den USA, Großbritannien und Australien ziehen sich zurück. Die Investoren verweisen auf wirtschaftliche Risiken der Kohlenstoffnutzung und die höhere Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien.[8] Die Versicherungskonzerne AXA[9] und Allianz[10], der norwegische staatliche Ölfond[11] und die Rockefeller-Stiftung[12] kündigten im Laufe des Jahres 2015 an nicht mehr in Firmen, die mit Kohle ihr Geld verdienen, investieren zu wollen. Laut der Website 350.org nehmen weitere Firmen an der Divestment-Bewegung teil. Auch die Stadt Münster, die norwegische Hauptstadt Oslo, die skandinavischen Gemeinden Uppsala, Örebro und Roskilde, die britische Stadt Oxford, das niederländische Boxtel, das neuseeländische Dunedin, sowie 13 australische und 36 US-amerikanische Städte haben angekündigt nicht mehr in Kohle investieren zu wollen.[13]

Länder und Institutionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit nimmt die Kohlenutzung deutlich zu. Dominierender Faktor hierbei, mit im Zeitraum 1999–2011 gegenüber 1971–1999 zunehmender Bedeutung, war die erhöhte Energienachfrage aufgrund des Wirtschaftswachstums. Das Wachstum der Weltbevölkerung stand mit in etwa gleichbleibendem Gewicht an zweiter Stelle. Hinzu kam ein deutlich steigende Anteil der Kohle im Energiemix im Zeitraum 1999–2011, vor allem durch steigenden Kohleverbrauch in armen aber wachstumsstarken Ländern Asiens. Hierin enthalten sind auch steigende Emissionen durch die Verlagerung emissionsintensiver Güterproduktion in diese Länder.[14]

Beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau 2015 vereinbarten die Industrieländer, aus fossilen Energien bis zum Ende des Jahrhunderts vollständig auszusteigen. Zugleich verlor der bis zuletzt herrschende weltweite Kohle-Boom an Dynamik. Seit 2010 wurde nur ein Drittel der geplanten Kohlekraftwerke tatsächlich gebaut, zwei Drittel der Projekte wurden pausiert oder aufgegeben. Zudem haben große Investoren begonnen, sich aus dem Kohlegeschäft zurückzuziehen.[15][16]

China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der u.a. durch Emissionen von Kohlekraftwerken verursachte Smog in den Großstädten Chinas stellt ein schwerwiegendes Umwelt- und Gesundheitsproblem dar, hier am Beispiel Pekings an zwei verschiedenen Tagen im August 2005
Kohlekraftwerk in China

Kohle ist Chinas wichtigster Energieträger. 2015 lag der Anteil am chinesischen Gesamtenergieverbrauch bei 64,4 %, wobei dieser Anteil seit Jahren rückläufig ist, da der Kohleverbrauch weniger stark wächst als andere Energieträger. Im Stromsektor lag der Anteil der Kohle 2007 noch bei 83 %, bis 2015 fiel der Anteil mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien und der Kernenergie auf 72 %.[17] 2013 erreichte der Kohleverbrauch in China auch in absoluten Zahlen seinen Höchststand (eine andere Statistik nennt 2014), anschließend fiel der Verbrauch wieder, 2014 um 2,9 %, 2015 um 3,6 %. Da dieser Rückgang des Kohleverbrauches trotz eines Wirtschaftswachstums von 7,3 bzw. 6,9 % erzielt wurde, womit das Wachstum vom Kohleverbrauch entkoppelt wurde, wird dieser Rückgang von einem Teil der Forscher als eine dauerhafte Trendwende in der chinesischen Energiepolitik sowie ein wichtiger Schritt bei den weltweiten Klimaschutzbemühungen betrachtet.[17]

Ein wichtiges Motiv für die Reduzierung des Kohleanteils an der chinesischen Energiebilanz sind die erheblichen gesundheitlichen Folgen der Kohleverbrennung. 2013 starben in China insgesamt ca. 1,6 Millionen Menschen an Luftverschmutzung, wobei ein großer Teil davon durch die Energieversorgung verursacht wurde.[18] Insbesondere nach dem „Verschmutzungsschock“ 2013 und 2014, als teilweise Hunderte Millionen Chinesen unter starkem Smog und Feinstaubbelastung litten und aufgrund dessen die Luftverschmutzung ein großes ökonomisches und soziales Thema in dem Staat war, wurden die Bemühungen intensiviert und eine Reihe von Maßnahmen hin zu einem umweltfreundlicheren Energiesystem eingeleitet. So wurde unter anderem ein Plan verabschiedet, die Feinstaub- und Smogbelastung zu reduzieren; zudem wurde in besonders schwer belasteten Regionen ein Neubauverbot für Kohlekraftwerke erlassen und für 2015 die Einführung der Euro-5-Norm im Verkehrssektor festgelegt, um Fahrzeuge mit besonders hoher Luftverschmutzung von den Straßen zu entfernen. National tritt die Euro-5-Norm 2017 in Kraft. Bis 2030 soll zudem der Anteil der Kohle am gesamten Energieverbrauch von 66,6 % auf unter 50 % fallen, während der Anteil der erneuerbaren Energien von knapp 10 % im Jahr 2012 auf 25 % im Jahr 2030 gesteigert werden soll. Obwohl die Maßnahmen vor allem zur Reduzierung der Umweltverschmutzung beschlossen wurden, hätte das Erreichen dieser Ziele zugleich auch deutlich rückläufigen Treibhausgasausstoß zur Folge.[19]

Laut einer Analyse von Greenpeace wollen 12 von 34 chinesischen Provinzen ihren Kohleverbrauch reduzieren. In vielen Regionen Chinas ist die Luft durch Emissionen unter anderem aus Kohlekraftwerken verschmutzt.[20]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Energiewende

Zentrale Elemente der Energiewende in Deutschland sind der Atomausstieg und der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien. Gefördert wird der Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, das garantiert, dass Strom aus erneuerbaren Quellen bevorzugt ins Stromnetz eingespeist wird. Als Ziel dieses Gesetzes wurde definiert:

„insbesondere im Interesse des Klima- und Umweltschutzes eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu ermöglichen, die volkswirtschaftlichen Kosten der Energieversorgung auch durch die Einbeziehung langfristiger externer Effekte zu verringern, fossile Energieressourcen zu schonen und die Weiterentwicklung von Technologien zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien zu fördern.“

§ 1(Abs. 1 EEG 2000)

Zudem wurde die Internalisierung Externer Kosten der konventionellen Energieerzeugung als wichtiges Ziel der Energiepolitik betont. Eine begleitende Erklärung führte u. a. aus, dass die sozialen und ökologischen Folgekosten der konventionellen Energiegewinnung nicht von den Betreibern getragen würden, sondern von der Allgemeinheit, den Steuerzahlern und zukünftigen Generationen und das EEG diese Wettbewerbsnachteile faktisch nur kompensiere.[21] 2010 beschloss der Bundestag, den Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bis 2050 auf 80 % zu steigern, den Primärenergieverbrauch im selben Zeitraum verglichen mit dem Jahr 2008 um 50 % zu senken und den Treibhausgasausstoß in Einklang mit den EU-Zielen um 80 bis 95 verglichen mit dem Jahr 1990 zu reduzieren.[22] Dies ist nur mit einer sehr starken Reduzierung des Kohleeinsatzes bzw. mit einem vollständigen Kohleausstieg realisierbar.

Im Koalitionsvertrag 2013 der großen Koalition (Kabinett Merkel III) wurde die Kohle als Brückentechnologie bis zur Umstellung auf Erneuerbare Energien bezeichnet. Dieser Vertrag enthält unter anderem den Satz: „Die konventionellen Kraftwerke (Braunkohle, Steinkohle, Gas) als Teil des nationalen Energiemixes sind auf absehbare Zeit unverzichtbar.“ Der Satz wurde von Ulrich Freese in den Koalitionsvertrag eingebracht. Freese ist Gewerkschafter (IG BCE), SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Aufsichtsratsrats von Vattenfall[23]; er ist seit langem ein Lobbyist der Kohleindustrie, speziell der Braunkohleindustrie.[24][25][26]

Laut genehmigtem Rahmenbetriebsplan der RWE für den Tagebau Garzweiler im Rheinischen Braunkohlerevier in Nordrhein-Westfalen endet der Abbau im Jahr 2045. Die rot-grüne Landesregierung (Kabinett Kraft II, seit Juni 2012) erachtet den Abbau von Braunkohle bis 2030 für notwendig.[27]

Demo gegen den Kohleausstieg: Landesminister (Groschek, Dulig, Gerber), Gewerkschafter (IG BCE, Verdi) und RWE-Manager am 25. April 2015 in Berlin

Bundeswirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel stellte Mitte 2015 den Nationalen Klimaschutzbeitrag für Kraftwerke vor. Dieser soll bewirken, dass im Stromsektor weitere 22 Mio. Tonnen CO2 zusätzlich eingespart werden, um die Klimaziele für 2020 zu erreichen. Ein Kohleausstieg ist jedoch nach Aussage des BMWi ausdrücklich nicht Ziel des Klimaschutzbeitrages. Andere Akteure aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft betonen jedoch, dass ein Kohleausstieg integraler Bestandteil der Energiewende sei, und es diesen zu gestalten gelte. Ein Ausstieg aus der Kohleverstromung zu einem späteren Zeitpunkt, würde die Kohlereviere umso abrupter und schmerzhafter treffen.

Die Gegner eines Kohleausstiegs machten und machen im Rahmen der Diskussion um den Klimaschutzbeitrag mobil: Am 25. April 2015 organisierten die Gewerkschaften IG BCE und Verdi eine Demonstration an der neben 15.000 Beschäftigten der Braunkohleindustrie auch Unternehmensvertreter sowie Landes- und Kommunalpolitiker teilnahmen.[28] Die Gewerkschaft IG BCE fährt auch eine Plakat- und Anzeigenaktion gegen einen Kohleausstieg in Deutschland.[29]

Im Jahr 2016 änderte die Gewerkschaft Verdi den Kurs und ließ in einer Studie den Kohleausstieg durchrechnen und kommt zu dem Schluss, dass ein sozialverträglicher Ausstieg machbar und finanzierbar sei.[30][31][32] Kurz darauf stellten die Grünen ihren "Fahrplan für en Kohleausstieg" vor.[33]

Mehrfach gab es in jüngerer Zeit auch Demonstrationen der Anti-Kohlekraft-Bewegung gegen Kohleverstromung, beispielsweise im August 2014 in Form einer Menschenkette mit ca. 7500 Teilnehmern von Brandenburg bis Polen.[34]

Ende 2015 stellte die Denkfabrik Agora Energiewende einen Plan für einen Kohlekonsens analog zum Atomkonsens vor, der mit den Kraftwerksbetreibern einen einvernehmlichen Ausstieg aus der Kohle bis 2040 regeln sollte. Dieser Plan basiert auf dem 2-Grad-Ziel.[35] Im Juni 2016 zeigte die HTW Berlin in einer Studie, dass der Kohleausstieg zum Erreichen der Pariser Klimaschutzbeschlüsse und zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 °C bereits bis spätestens 2030 abgeschlossen sein sollte.[36]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA verursacht die Kohleverstromung externe Kosten von rund 350 Mrd. Dollar pro Jahr (s. o.). Die Obama-Administration erarbeitet derzeit regulatorische Maßnahmen, welche dazu führen sollen, dass im Jahr 2030 insgesamt 30 Prozent weniger CO2 aus der Verbrennung von Kohle freigesetzt werden sollen – verglichen mit den Emissionen im Jahr 2005. Dies würde die Abschaltung von hunderten Kohlekraftwerken und den zügigen Zubau von Gaskraftwerken, Windparks und Solarkraftwerken bedeuten.[37]

Neuseeland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. August 2015 kündigte der Kraftwerksbetreiber Genesis Energy Limited an, die letzten beiden Kohlekraftwerke in Neuseeland bis 2018 zu schließen, womit Neuseeland den vollständigen Ausstieg aus der Kohleverstromung vollziehen würde.[38] Im Jahr 2014 deckte Neuseeland bereits fast 80 % seines Elektrizitätsbedarfes mit erneuerbaren Energien; bis 2025 soll der Anteil auf 90 % steigen.[39]

Norwegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Norwegische Parlament beschloss am Freitag, den 5. Juni 2015 einstimmig, dass der staatliche Pensionsfonds Norwegens mit einem Anlagevermögen von umgerechnet fast 600 Milliarden Euro Anteile an Unternehmen, die 30 Prozent oder mehr ihrer Gewinne durch Geschäfte mit Kohle machen, abstoßen solle. Schätzungen zufolge sind 50 bis 75 Unternehmen davon betroffen.[40][41]

Kanada[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen vollständigen Ausstieg aus der Verstromung von Kohle hat bisher die kanadische Provinz Ontario durchgeführt, als 2014 das letzte Kohlekraftwerk vom Netz ging. [42] Der Prozess zum Verzicht auf Kohlestrom wurde im Jahr 2003 eingeleitet. Damals waren in Ontario eine Kraftwerksleistung von 7.500 Megawatt am Netz, was einem Viertel der Kapazität insgesamt entsprach.[43]

Vatikan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Laudato si (Enzyklika)

In der Enzyklika Laudato si spricht sich Papst Franziskus für einen Ausstieg aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern wie der Kohle aus.

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vereinigten Königreich wurde das letzte Kohlebergwerk am 18. Dezember 2015 geschlossen.[44] Neben dem Ausstieg aus der Kohleförderung hat Großbritannien auch ein Ende der Kohlenutzung angekündigt: Bis 2025 sollen die zwölf Kohlekraftwerke vom Netz gehen.[45]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kohlenstoffblase

Ein langfristiger Ausstieg aus der Verstromung von Kohle oder deren Besteuerung könnte zur Folge haben, dass der Wert von Unternehmen, deren Geschäftsmodelle auf der Verstromung von Kohle basieren, sinken würde.[46] Investitionen von institutionellen Anlegern wie Pensionsfonds in die Kohlewirtschaft könnten auf lange Sicht mit einem höheren Risiko verbunden sein, als heute von Analysten vielfach angenommen wird. Bergbauunternehmen führen Kohlereserven und nicht geförderte Bodenschätze oft als Anlagevermögen in ihren Bilanzen. Würde diese Kohle im Rahmen eines Ausstiegs aus der Technologie nicht mehr verbrannt, müssten diese Posten abgewertet werden.[47]

Mehrere Investoren sind deshalb aus der Finanzierung von Kohleprojekten ausgestiegen oder haben diese deutlich reduziert. Z. B. beteiligen sich die Weltbank und die Europäische Investitionsbank nur noch in Ausnahmen an der Finanzierung von Kohleprojekten.[48][49]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Rosenbloom, James Meadowcroft: The journey towards decarbonization: Exploring socio-technical transitions in the electricity sector in the province of Ontario (1885–2013) and potential low-carbon pathways. Energy Policy 65, (2014), 670–679, doi:10.1016/j.enpol.2013.09.039
  • Nils Johnson, Volker Krey, David L. McCollum, Shilpa Rao, Keywan Riahi, Joeri Rogelj: Stranded on a low-carbon planet: Implications of climate policy for the phase-out of coal-based power plants. Technological Forecasting & Social Change (2014), doi:10.1016/j.techfore.2014.02.028
  • Christophe McGlade, Paul Ekins: The geographical distribution of fossil fuels unused when limiting global warming to 2 °C. Nature 517, (2015), 187-190, doi:10.1038/nature14016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. April 2014, Intergovernmental Panel on Climate Change Arbeitsgruppe drei, Summary for Policymakers.
  2. Christophe McGlade, Paul Ekins: The geographical distribution of fossil fuels unused when limiting global warming to 2 °C. Nature 517, (2015), 187-190, doi:10.1038/nature14016
  3. China's coal peak hailed as turning point in climate change battle. In: The Guardian, 25. Juli 2016. Abgerufen am 26. Juli 2016.
  4. Deutschlandfunk, Kohlekraft: Smog-Land China als Klimaretter, 11. April 2014
  5. Epstein et al: Full cost accounting for the life cycle of coal. In: Annals of the New York Academy of Sciences 1219, (2011), 73–98, S. 93, doi:10.1111/j.1749-6632.2010.05890.x
  6. EU reformiert Handel mit Verschmutzungsrechten. In: Der Standard, 6. Mai 2015, abgerufen am 12. Mai 2015
  7. Kirsten Selder: Renewable Energy Sources Act and Trading of Emission Certificates: A national and a supranational tool direct energy turnover to renewable electricity-supply in Germany. In: Energy Policy. 64, 2014, S. 309, doi:10.1016/j.enpol.2013.08.030
  8. Arabella Advisors: Measuring the Growth of the Global Fossil Fuel Divestment and Clean Energy Investment Movement
  9. Finanzwirtschaft zieht sich aus Kohle zurück
  10. sueddeutsche.de: Allianz steigt aus Kohle-Finanzierung aus
  11. Finanzwirtschaft zieht sich aus Kohle zurück
  12. Wind statt Öl: Rockefeller-Stiftung investiert mehr in erneuerbare Energien
  13. http://gofossilfree.org/commitments/
  14. Jan Christoph Steckel, Ottmar Edenhofer, Michael Jakob: Drivers for the renaissance of coal. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 2015, doi:10.1073/pnas.1422722112 (PDF).
  15. Germanwatch: Indizien für eine Trendwende in der internationalen Klima- und Energiepolitik. Bonn 2015, PDF
  16. Kate Sheppard: Bank Of America Backs Away From Funding Coal Mining. In: Huffington Post. 6. Mai 2015, abgerufen am 11. August 2015.
  17. a b Ye Qi et al.: China’s post-coal growth. Nature Geoscience 2016, doi:10.1038/ngeo2777.
  18. Scientists: air pollution led to more than 5.5 million premature deaths in 2013 . In: The Guardian, 12. Februar 2016. Abgerufen am 26. Juli 2016.
  19. Peter Sheehan, Enjiang Cheng, Alex English, Fanghong Sun, China’s response to the air pollution shock. In: Nature Climate Change 4, (2014), 306-309, doi:10.1038/nclimate2197.
  20. Deutschlandfunk, Kohlekraft: Smog-Land China als Klimaretter, 11. April 2014
  21. Staffan Jacobsson, Volkmar Lauber, The politics and policy of energy system transformation—explaining the German diffusion of renewable energy technology. In: Energy Policy, 34, (2006), 256–276, S. 267f, doi:10.1016/j.enpol.2004.08.029
  22. Hans-Martin Henning, Andreas Palzer: A comprehensive model for the German electricity and heat sector in a future energy system with a dominant contribution from renewable energy technologies—Part I: Methodology. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews, 30, (2014), 1003–1018, S. 1004, doi:10.1016/j.rser.2013.09.012
  23. genauer gesagt (Stand 2013): Vattenfall Europe Generation AG (Cottbus) stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrates; Vattenfall Europe Mining (Cottbus) stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrates; Vattenfall (Berlin) als Mitglied des Aufsichtsrates und Mitglied des Präsidiums (vattenfall.de)
  24. Die Welt, Braunkohle-Lobby schrieb am Koalitionsvertrag mit, 13. Dezember 2013
  25. Lausitzer Rundschau, Greenpeace löst Skandalisierungswelle aus, 13. April 2013
  26. Berliner Kurier 22. Juni 2014: Dubiose Spendenförderung des SPD-Politikers Ulrich Freese - Die Spur der Kohle
  27. Die Welt, Kraft windet sich im Landtag wegen Kohle-Ausstieg, 9. April 2014
  28. Die Zeit, Tausende demonstrieren für und gegen Braunkohle, 25. April 2015
  29. Süddeutsche Zeitung, Kohleausstieg: Ärger an der Tagebaukante, 11. Juni 2015
  30. Ver.di, Gutachten: Sozialverträgliche Ausgestaltung eines Kohlekonsens, September 2016
  31. Der Westen, Ein Preisschild für den Kohleausstieg, 16.09.2016
  32. Rheinische Post, Verdi fordert Milliarden für Kraftwerker, 16. September 2016
  33. FAHRPLAN KOHLEAUSSTIEG - Die grüne Roadmap für den Umstieg in eine lebensfreundliche Stromversorgung
  34. Braunkohlegegner organisieren Menschenkette, Die Welt vom 22. August 2014
  35. Agora Energiewende: Elf Eckpunkte für einen Kohlekonsens. Konzept zur schrittweisen Dekarbonisierung des deutschen Stromsektors (PDF, 2015)
  36. Volker Quaschning: Sektorkopplung durch die Energiewende. Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin (PDF, 2016)
  37. The New York Times, A Challenge From Climate Change Regulations, 22. April 2015
  38. Market release: GNE announces timetable to end coal-fired generation in New Zealand
  39. New Zealand will shut down its last large coal-fired power generators in 2018. In: Sciencealert, 10. August 2015. Abgerufen am 16. August 2015.
  40. FAZ, Norwegens Ölfonds Die schwarze Liste wird länger, 31. Januar 2014
  41. FAZ, Norwegisches Parlament bestätigt Rückzug aus Kohlegeschäften, 5. Juni 2015
  42. Provinz Ontario, Pressemitteilung, Creating Cleaner Air in Ontario – Province Has Eliminated Coal-Fired Generation, 15. April 2014
  43. Universität Yale, How Ontario Is Putting an End To Coal-Burning Power Plants, 2. April 2013.
  44. nzz.ch: Das Ende der britischen Kohle-Ära 18. Dezember 2015
  45. nzz.ch: Das Ende der britischen Kohle-Ära 18. Dezember 2015
  46. The Guardian, Carbon bubble makes Australia's coal industry ripe 'for financial implosion', 28. April 2013
  47. Die Zeit, Carbon bubble – Bohren, bis die Blase platzt, 21. Februar 2014
  48. Handelsblatt, Bund erwägt Ausstieg aus Kohlekraftfinanzierung, 10. April 2014
  49. Reuters, EU finance arm curbs loans to coal-fired power plants, 24. Juli 2013