Kohlenflöze im Ruhrbergbau

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Steinkohleflöze in Tagesaufschlüssen am Südrand des Ruhrgebietes
Coal seam.jpg
Kohlefloez01.jpg
Steinbruch Muttental Drohne 01.jpg
Oben: Kohleflöze und Sandsteine der Sprockhövel-Formation in einem Steinbruch bei Wetter.
Mitte: Nicht abbauwürdiges, flach einfallendes Flöz „Geitling 3“ der Witten-Formation in einem auflässigen Sandsteinbruch bei Witten.
Unten: Die gleiche Schichtenfolge in einem Steinbruch im auf der anderen Ruhrseite gelegenen Muttental

Die Kohleflöze im Ruhrbergbau waren neben Metallen das Hauptanliegen des Ruhrbergbaus. Die Steinkohle entstand im Zeitalter des Karbon. Die Sedimentschichten im Bereich des Ruhrrevieres weisen bis zu einer Tiefe von 3000 Meter etwa 100 Kohleflözschichten auf.

Die Flöze fallen grob in Süd-Nord-Richtung ab, wobei sie ab der Mergelgrenze in Richtung Norden eine immer größer werdende Teufe erreichen und von anderen Sedimentschichten überlagert werden. Die Mächtigkeit der Flöze beträgt bis 3 Meter. In Abhängigkeit von den Randbedingungen (Kohlensorte, Abbauverfahren) wurden Flöze ab 60 bis 100 cm abgebaut.

Die Kohle kommt südlich der Mergelgrenze, also vor allem im Bereich des Ruhrtals, aufgrund der Variszischen Gebirgsbildung an einigen Stellen als schwarzes Sedimentgestein an der Tagesoberfläche zum Vorschein. Zu Beginn des Kohlebergbaus wurde nur oberflächennah nach Kohle gegraben. Diese Form von Kohlengräberei ging aber bereits im 18. Jahrhundert zu Ende, da die Nachfrage nach Kohle schnell anwuchs. An die tiefer liegenden Kohlenflöze gelangte man später mit Stollen, Erbstollen und schließlich mit Schächten im Tiefbau.

Südlich der Ruhr sind die Schichten des Karbon aufgrund der Erosion nicht mehr erhalten. Hier tritt das Devon zutage.

Benennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Benennung der Kohlenflöze erfolgte anfangs nach einer den Zechen eigenen Nomenklatur. In den 1930er Jahren wurden diese Namen geändert und mit der Ruhr-Einheits-Bezeichnung (abgekürzt: REB) vereinheitlicht. Die Flöze sind zu Flözgruppen zusammengefasst und werden als Schichten bezeichnet.

Sprockhöveler Schichten (früher: Magerkohle) mit den Flözen: Sengsbänksgen (das älteste bekannte Steinkohlenflöz im Ruhrbergbau), Sengsbank, Cremer, Gottessegen, Besserdich, Hinnebecke, Neuflöz, Dreckbank, Wasserbank, Hauptflöz, Schieferbank, Sarnsbänksgen, Sarnsbank

Wittener Schichten (früher: Esskohle) mit den Flözen: Mausegatt, Kreftenscheer 1–3, Geitling 1–3, Finefrau, Finefrau Nebenbank, Girondelle 1–9, Plaßhofsbank

Bochumer Schichten (früher: Fettkohle) mit den Flözen: Schöttelchen 2, Sonnenschein, Wasserfall, Dünnebank, Dickebank, Angelika, Karoline, Luise, Helene, Präsident, Johann 1,2, Wilhelm, Röttgersbank, Ernestine, Ida, Blücher 1–2, Karl, Wellington, Albert 1–4, Robert, Hugo, Mathilde 1–3, Matthias 1–3, Anna, Gretchen 1–2, Gustav, Hermann 1–2, Katharina

Essener Schichten (früher: Gaskohle) mit den Flözen: Viktoria 1–2, Laura, Zollverein 1–9, A, B, C, D, E, F, G, H, I, J, K, L

Horster Schichten (früher: Gasflammkohle) mit den Flözen: L, M, N, O 1–2, P 1–2, Q, R, S, T (Bismarck), U, V, W, X, Y 1–3, Ägir

Dorstener Schichten (früher: Flammkohle) mit den Flözen: Baldur, Chriemhilt 1–3, Donar, Erda, Freya 1–3, Gudrun, Hagen 1-2, Iduna, Kobold, Loki

Lithologische Charakteristik, Mächtigkeit und stratigraphische Einstufung der Kohleflözgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die derzeit gültige Alterseinstufung der Kohleflözgruppe erfolgte in den letzten durch die Subkommission für Karbonstratigrafie innerhalb der Deutschen Stratigraphischen Kommission.[1]

Die Sprockhövel-Formation (syn. Sprockhöveler Schichten, früher: Magerkohle) ist mit einer mittleren Mächtigkeit von 450 bis 550 m im Ruhrgebiet aufgeschlossen. Lithologisch dominieren Wechsellagerungen von Ton-, Schluff- und Sandsteinen, in die untergeordnet Steinkohlenflöze (< 1 % der Mächtigkeit) eingelagert sind. Stratigrafisch wird die Sprockhövel-Formation in das Namurium C eingestuft. Die Hangendgrenze markiert die Basis des marinen Horizontes über dem Flöz Sarnsbank.[2]

Die Witten-Formation (syn. Witten-Schichten, früher: Esskohle) ist im Ruhrgebiet mit einer Mächtigkeit von 340 bis 660 m aufgeschlossen. Lithologisch dominieren in der Witten-Formation Wechsellagerungen von Ton-, Schluff- und Sandsteinen, in die untergeordnet Steinkohlenflöze (ca. 1,1 % der Mächtigkeit) eingelagert sind. Stratigrafisch wird die Witten-Formation in das Westfalium A eingestuft. Die Hangendgrenze markiert die Basis des marinen Horizontes über dem Flöz Plaßhofsbank.[3]

Die Bochum-Formation (syn. Bochum-Schichten, früher: Fettkohle) ist im Ruhrgebiet mit einer Mächtigkeit von 450 bis 800 m aufgeschlossen. Lithologisch dominieren in der Bochum-Formation Wechsellagerungen von Ton-, Schluff- und Sandsteinen, in die untergeordnet Steinkohlenflöze (2,5 bis 6 % der Mächtigkeit) eingelagert sind. Stratigrafisch wird die Bochum-Formation in das höhere Westfalium A eingestuft. Die Hangendgrenze markiert der Fossil-Horizont über dem Flöz Katharina.[4]

Die Essen-Formation (syn. Essen-Schichten, früher: Gaskohle) ist im Ruhrgebiet mit einer Mächtigkeit von 450 m aufgeschlossen. Lithologisch dominieren in der Essen-Formation Wechsellagerungen von Ton-, Schluff- und Sandsteinen, in die untergeordnet Steinkohlenflöze (3 bis 5,5 % der Mächtigkeit) eingelagert sind. Stratigrafisch wird die Essen-Formation in das Westfalium B eingestuft. Die Hangendgrenze markiert die Basis des marinen Horizontes über Flöz L (Domina-Horizont).[5]

Die Horst-Formation (syn. Horster-Schichten, früher: Gasflammkohle) ist im Ruhrgebiet mit einer Mächtigkeit von 340 m aufgeschlossen. Lithologisch dominieren in der Horst-Formation Wechsellagerungen von Ton-, Schluff- und Sandsteinen, in die untergeordnet Steinkohlenflöze (4 bis 6 % der Mächtigkeit) eingelagert sind. Stratigrafisch wird die Horst-Formation in das höhere Westfalium B eingestuft. Die Hangendgrenze markiert die Basis des marinen Horizontes über Flöz Ägir.[6]

Die Dorsten-Formation (syn. Dorstener-Schichten, früher: Flammkohle, partim) ist im Ruhrgebiet mit einer Mächtigkeit von 365 m aufgeschlossen. Lithologisch dominieren in der Dorsten-Formation Wechsellagerungen von Ton-, Schluff- und Sandsteinen, in die untergeordnet Steinkohlenflöze (4 % der Mächtigkeit) eingelagert sind. Stratigrafisch wird die Dorsten-Formation in das Westfalium C eingestuft. Die Hangendgrenze markiert die Basis des Sandsteins über Flöz Nibelung.[7]

Die Lembeck-Formation (syn. Lembecker-Schichten, früher: Flammkohle, partim) ist im Ruhrgebiet mit einer Mächtigkeit von 420 m aufgeschlossen. Lithologisch dominieren in der Lembeck-Formation Wechsellagerungen von Ton-, Schluff- und Sandsteinen, in die untergeordnet Steinkohlenflöze (3 bis 4 % der Mächtigkeit) eingelagert sind. Stratigrafisch wird die Lembeck-Formation in das höhere Westfalium C eingestuft. Die Hangendgrenze ist im Ruhrgebiet nicht aufgeschlossen.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7
  • Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. 4. Auflage, Verlag Karl Robert Langewiesche, Nachfolger Hans Köster KG, Königstein i. Taunus 1994, ISBN 3-7845-6992-7
  • Heinz Kundel: Kohlengewinnung. 6. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1983, ISBN 3-7739-0389-8
  • Ernst-Ulrich Reuther: Einführung in den Bergbau. 1. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1982, ISBN 3-7739-0390-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kohleflöze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Flöz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. bgr.bund.de: Lithostratigraphisches Lexikon - Litholex, abgerufen am 19. Dezember 2014
  2. Volker Wrede: Sprockhövel-Formation, Litholex: ID 6006002, letztes update: 7. März 2013, BGR (Hrsg.), abgerufen am 19. Dezember 2014
  3. Volker Wrede: Witten-Formation, Litholex: ID 6006004, letztes update: 30. Januar 2013, BGR (Hrsg.), abgerufen am 19. Dezember 2014
  4. Volker Wrede: Bochum-Formation, Litholex: ID 6006003, letztes update: 30. Januar 2013, BGR (Hrsg.), abgerufen am 19. Dezember 2014
  5. Volker Wrede: Essen-Formation, Litholex: ID 6006005, letztes update: 30. Januar 2013, BGR (Hrsg.), abgerufen am 19. Dezember 2014
  6. Volker Wrede: Horst-Formation, Litholex: ID 6006006, letztes update: 30. Januar 2013, BGR (Hrsg.), abgerufen am 19. Dezember 2014
  7. Volker Wrede: Dorsten-Formation, Litholex: ID 6006007, letztes update: 30. Januar 2013, BGR (Hrsg.), abgerufen am 19. Dezember 2014
  8. Volker Wrede: Lembeck-Formation, Litholex: ID 6006008, letztes update: 30. Januar 2013, BGR (Hrsg.), abgerufen am 19. Dezember 2014