Kohlewirtschaft Kolumbiens

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Die Kohlewirtschaft Kolumbiens ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige des Landes. Kolumbien ist weltweit der drittwichtigste Lieferant für Steinkohle. Der Abbau ist aber auch Ursache von Vertreibung, Mord und Menschenrechtsverletzungen.[1]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2002 gab es in Kolumbien Kohlevorkommen im Umfang von 7,4 Milliarden Tonnen. Diese ließen sich hauptsächlich am Fuße der Anden sowie auf der Halbinsel La Guajira lokalisieren.

In der Nordhälfte Kolumbiens gab es Kohlevorkommen, die auf das Tertiär und die Kreidezeit zurückgehen. Kohle aus der Kreidezeit war z. B. unmittelbar nördlich von Bogotá zu finden. Solche Kohle enthielt wenig Schwefel und Asche und eignete sich zur Produktion von Koks. Kohle aus dem Tertiär fand man an der Grenze zu Venezuela, in El Cerrejón, im äußersten Norden des Landes, an der Nordküste, sowie im Valle del Cauca. Die Kohle dort enthielt ebenfalls wenig Schwefel und Asche und eignete sich ideal zur Verbrennung in Kohlekraftwerken.[LT 1]

Im Jahr 2012 stellte man 5,6 Milliarden Tonnen Kohlevorkommen fest.[EIA 1] Im Jahr 1995 hatte Kolumbien, im Vergleich mit allen anderen Ländern Südamerikas, die größten Kohlevorkommen.[KW, CO 1]

Abbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1981 produzierte Kolumbien vier Millionen Tonnen Kohle,[RS, HV 1] im Jahr 1991 26,5 Mio. t[KW, CO 1] und im Jahr 2006 65,5 Mio. t. Im Jahr 2006 zeichnete sich Kolumbien für mehr als 80 Prozent der Kohleproduktion von Süd- und Zentralamerika verantwortlich.[RS, HV 1] Im Jahr 2012 produzierte Kolumbien ca. 89 Mio. t.[EIA 1]

Von 1980 bis 1991 wuchs die Kohleproduktion Kolumbiens mit einer jährlichen Wachstumsrate von ca. 17,8 % an.[KW, CO 2]

Die ursprünglich stärkere Regierungsbeteiligung am Kohleabbau hat seit dem Jahr 2000 abgenommen. Stattdessen stiegen private Investoren aus Inland und Ausland stärker ins Geschäft ein. So hat der Staat beispielsweise die Anteile einer staatseigenen Firma an El Cerrejón verkauft und neue Richtlinien für den Kohleabbau erlassen.

Die größten Kohleminen Kolumbiens befinden sich im Norden des Landes, nämlich in den Regionen La Guajira und im Departamento del César. Die Kohlemine El Cerrejón ist die größte Kohlemine Südamerikas.[RS, HV 2]

Inländische Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 war Kohle für 15,7 % der Energieproduktion Kolumbiens verantwortlich.[KW, CO 3] 2012 konsumierte das Land ca. 5 Millionen Tonnen Kohle. Dies entspricht ca. 5,6 % der Produktion.[EIA 1]

Export[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europa
  
68 %
Südamerika und Karibik
  
15 %
Vereinigte Staaten
  
7 %
China
  
5 %
Restliches Asien
  
3 %
Sonstige
  
2 %
Verteilung der Kohleexporte Kolumbiens 2012[EIA 2]

Mitte der 1960er Jahre führten die erhöhten Kohleexporte zum Bau privat finanzierter Häfen.[RS, HV 1]

1991 beliefen sich die Kohleexporte Kolumbiens auf 16,1–16,3 Mio. t; gegenüber 1981 ein Anstieg von über 50 %.[KW, CO 2] Damals war Kolumbien somit für 88 % der Kohleexporte Südamerikas verantwortlich. Von 1988 bis 1991 wuchs die exportierte Kohle jährlich um durchschnittlich 16 Prozent.[KW, CO 1]

Zwischen 1999 und 2003 war Kohle, gemessen an der Masse, mit 57 % das Hauptexportgut Kolumbiens.[RS, HV 3]

Unfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 wurden laut der Agencia Nacional de Minería (Nationale Bergbaubehörde, ANM) in Kolumbien 114 Bergwerksunglücke (nicht nur im Kohlebergbau) mit 124 Toten registriert. Januar–Mai 2017 kam es in Kolumbien zu 28 Bergwerksunglücken (drei Fünftel davon in Kohlegruben) mit 23 Toten und 33 Verletzten. Die Anzahl der illegalen Kohlenminen hat in den letzten Jahren zugenommen. Im Juni 2017 wurden in einer „illegalen Kohlegrube“ in Cucunuba durch eine Methangasexplosion mindestens acht Menschen getötet und einer verletzt; fünf wurden vermisst.[2]

Vertreibung und Morde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drohungen, Vertreibung, Morde – jahrelang haben paramilitärische Einheiten Platz für den lukrativen Kohleabbau im Nordosten Kolumbiens geschaffen. Zwischen 1996 und 2006 wurden fast 60.000 Menschen vertrieben und 2.600 Menschen ermordet. Profiteure der Menschenrechtsverletzungen sind auch deutsche Energieversorger.[3]

Die billige Energie aus Lateinamerika hat für die Menschen dort einen hohen Preis: Viele wurden in der Provinz Cesar für den Kohleabbau vertrieben, verschleppt oder sogar misshandelt und getötet. Minenkonzerne sollen Paramilitärs damit beauftragt haben. Im Zusammenspiel mit Grundbesitzern und korrupten Regierungsbeamten sollen sie so an große Grundstücke in den heutigen Kohlegebieten gekommen sein. Die Nichtregierungsorganisation Pax schreibt in einem Bericht von mehr als 2.500 gezielten Ermordungen und fast 60.000 Vertriebenen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Billige Kohle aus Kolumbien - Umweltverschmutzung und ein blutiges Geheimnis deutschlandfunk.de, abgerufen am 24. Juni 2017
  2. Mindestens acht Tote bei Grubenunglück in Kolumbien orf.at, 24. Juni 2017, abgerufen 24. Juni 2017
  3. Kolumbiens Kohle - Deutschlands Doppelmoral deutschlandfunk.de, abgerufen am 24. Juni 2017

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. S. 69.
  1. a b c S. 173.
  2. S. 158.
  3. S. 174.
  1. a b c S. 115
  2. a b S. 113
  3. S. 116
  1. a b c S. 7.
  2. S. 9.