Kohlfurth (Solingen)

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Kohlfurth
Stadt Solingen
Koordinaten: 51° 11′ 22″ N, 7° 6′ 36″ O
Höhe: etwa 115–130 m
Postleitzahl: 42651
Vorwahl: 0212
Kohlfurth (Solingen)
Kohlfurth

Lage von Kohlfurth in Solingen

Kohlfurth mit dem Café Hubraum
Kohlfurth mit dem Café Hubraum

Kohlfurth ist ein Ortsteil der bergischen Großstadt Solingen. Überregional bekannt ist das in einem bergischen Fachwerkhaus in Kohlfurth befindliche Café Hubraum, das vor allem bei Motorradfahrern beliebt ist.[1]

Lage und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kohlfurth liegt im Nordwesten des Solinger Stadtbezirks Mitte am westlichen Ufer der Wupper nahe der Grenze zum Stadtbezirk Gräfrath. Am Rande des Ortes befindet sich die Anschlussstelle Solingen-Kohlfurth der Landesstraße 74 (L 74). Die L 74 ist im Bereich Kohlfurth zur vierspurigen Kraftfahrstraße ausgebaut und begrenzt den Ortsteil durch ihren Verlauf nach Westen und Süden hin.

Zweimal wird der Ortsteil dadurch in Höhe der Kohlfurther Straße und der Straße Kohlfurth mit Brücken überspannt. Über die Kohlfurther Brücke, die in der Nähe des Café Hubraum als ehemalige Straßenbahnbrücke die Wupper quert, ist Kohlfurth mit dem Wuppertaler Wohnplatz Kohlfurtherbrücke verbunden.

Südlich von Kohlfurth liegt die Hofschaft und die Großwohnsiedlung Hasseldelle. Westlich liegen Schrodtberg mit dem Gewerbegebiet Schrodtberg, Stöcken und die Fleußmühle. Nördlich liegen die Wüstung Kohlfurther Eickholz und die Ortslage Aue. Südöstlich befinden sich auf Wuppertaler Stadtgebiet die Hofschaften Ober- und Unterkohlfurth. Diese liegen im Wohnquartier Kohlfurth des Stadtbezirks Cronenberg.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herkunft eines möglichen Bestimmungswortes Kohl im Hofschaftsnamen ist nicht abschließend geklärt. Laut Brangs verlief zwar zeitweise die Kohlenzufuhr vom Ruhrgebiet nach Solingen über den Ort, jedoch hat der Ort nachweislich schon in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bestanden, damit ist der Name Kohlfurth älter als jeder Kohlenverbrauch. Er vermutet weiterhin, dass eine Wupperfurt für den zweiten Namensbestandteil namensgebend sein könnte. Eventuell bestehen auch Verstrickungen mit dem Hofschaftsnamen Külf. Die wahrscheinlichste Herkunft ist die Ableitung einer Hofbezeichnung nach dem Külfbach, der bei Kohlfurth in die Wupper mündet. So wird 1471 Hof „in der Kolve“; 1598 Kulfert; 1656 Kullff; 1659 Kolfert; 1690 Kolffurt notiert. Kolf, Kolve oder Külf bedeutet Wasserloch.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kohlfurth hat als Hofschaft mindestens schon im Jahre 1363 bestanden. In diesem Jahr wurde der Ort erstmals in einem Dokument urkundlich erwähnt.[3] In dem Kartenwerk Topographia Ducatus Montani von Erich Philipp Ploennies, Blatt Amt Solingen, aus dem Jahre 1715 ist der Ort mit einer Hofstelle verzeichnet und als Colfert benannt. Der Hof gehörte zur Honschaft Solingen innerhalb des Amtes Solingen. Die Topographische Aufnahme der Rheinlande von 1824 verzeichnet den Ort als Kolfurt und die Preußische Uraufnahme von 1844 als Kohlfurth. In der Topographischen Karte des Regierungsbezirks Düsseldorf von 1871 ist der Ort als Kolfert verzeichnet.[4]

Nach Gründung der Mairien und späteren Bürgermeistereien Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte Kohlfurth zur Honschaft Dorp der Bürgermeisterei Dorp. 1815/16 lebten 125 Einwohner, 1830 139 Menschen im als Weiler kategorisierten Ort.[5][6] 1832 war Kohlfurth weiterhin Teil der Honschaft Dorp innerhalb der Bürgermeisterei Dorp.[7][8] Der nach der Statistik und Topographie des Regierungsbezirks Düsseldorf als Hofstadt kategorisierte Ort besaß zu dieser Zeit unter dem Namen Kolfert 20 Wohnhäuser, zwölf Fabriken bzw. Mühlen und 16 landwirtschaftliche Gebäude. Zu dieser Zeit lebten 156 Einwohner im Ort, allesamt evangelischen Bekenntnisses.[8] Die Gemeinde- und Gutsbezirksstatistik der Rheinprovinz führt den Ort 1871 mit 28 Wohnhäusern und 264 Einwohnern auf.[9] Im Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland werden 1885 38 Wohnhäuser mit 217 Einwohnern angegeben.[10]

Im 19. Jahrhundert wurde die durch den Ort verlaufende Kohlfurther Straße zur Provinzialstraße Elberfeld–Hitdorf ausgebaut, die die Stadt Elberfeld über Solingen mit dem Rheinhafen in Hitdorf verband, noch bevor es Eisenbahnanbindungen in der Region gab. Die Bürgermeisterei beziehungsweise Stadt Dorp wurde 1889 mit der Stadt Solingen vereinigt. Damit wurde Kohlfurth ein Ortsteil Solingens. 1895 besitzt der Ortsteil 34 Wohnhäuser mit 236 Einwohnern,[11] 1905 werden 32 Wohnhäuser und 221 Einwohnern angegeben.[12]

Durch Kohlfurth führte ab 1914 eine meterspurige Straßenbahn von Cronenberg nach Solingen, die die Wupper über die Kohlfurther Brücke überquerte. Die Strecke wurde bis zum Jahr 1969 betrieben und als Linie 5 ausgewiesen. An der Kohlfurther Brücke, im Wuppertaler Wohnplatz Kohlfurtherbrücke, betreibt der Verein Bergische Museumsbahnen e. V. das Bergische Straßenbahnmuseum (BSM). Ein paar letzte Gleisreste der Straßenbahn befinden sich auf Solinger Seite heute noch zwischen der Kohlfurther Brücke und dem Café Hubraum.

Die L 74 wurde in den frühen 1970er Jahren von Müngsten aus in Richtung des Sonnborner Kreuzes gebaut, ein erstes Teilstück von Müngsten bis Kohlfurth konnte am 5. September 1973 eröffnet werden, der restliche Ausbau der Strecke, mit der Wupperquerung bei Kohlfurther Eickholz, erfolgte bis 1975.[13] Seit dem 18. September 1984 steht in Kohlfurth das große historische Fachwerkhaus Kohlfurth 37 aus dem Jahre 1615 mit teils verschieferter und verschindelter Außenfassade unter Denkmalschutz.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Solingen-Kohlfurth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biker-Treff in der Kohlfurth. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Solinger Morgenpost. 19. Mai 2012, archiviert vom Original am 23. August 2016; abgerufen am 23. August 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rp-online.de
  2. Wolfgang Stock: Wuppertaler Straßennamen. Thales Verlag, Essen-Werden 2002, ISBN 3-88908-481-8
  3. a b Hans Brangs: Erklärungen und Erläuterungen zu den Flur-, Orts-, Hof- und Straßennamen in der Stadt Solingen. Solingen 1936
  4. Topographische Karte des Regierungsbezirks Düsseldorf. Entworfen und ausgeführt nach den Katastral-Aufnahmen und den denselben zum Grunde liegenden und sonstigen trigonometrischen Arbeiten durch den kgl. Regierungssekretär W. Werner. Hrsg. von dem kgl. Regierungssekretär F. W. Grube. 4. rev. Auflage / Verlag von A. Bagel in Wesel, 1859 / Ddf., 17. Dez. 1870. J. Emmerich, Landbaumeister. - Nach den ministeriellen Abänderungen berichtigt. Ddf. d. 1. Sept. 1871. Bruns.
  5. Johann Georg von Viebahn: Statistik und Topographie des Regierungsbezirks Düsseldorf, 1836
  6. Friedrich von RestorffTopographisch-statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinz, Nicolai, Berlin und Stettin 1830
  7. Friedrich von RestorffTopographisch-statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinz, Nicolai, Berlin und Stettin 1830
  8. a b Johann Georg von Viebahn: Statistik und Topographie des Regierungsbezirks Düsseldorf, 1836
  9. Königliches Statistisches Bureau Preußen (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staats und ihre Bevölkerung. Die Rheinprovinz, Nr. XI. Berlin 1874.
  10. Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland, Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und andere amtlicher Quellen, (Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band XII), Berlin 1888.
  11. Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland, Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1895 und andere amtlicher Quellen, (Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band XII), Berlin 1897.
  12. Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland, Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und andere amtlicher Quellen, (Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band XII), Berlin 1909.
  13. Ralf Rogge, Armin Schulte, Kerstin Warncke: Solingen – Großstadtjahre 1929–2004. Wartberg Verlag, 2004, ISBN 3-8313-1459-4, S. 49.
  14. Denkmalliste Solingen. (Memento des Originals vom 18. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www2.solingen.de (PDF; 129 kB) Stadt Solingen, 1. Juli 2015; abgerufen am 5. Juni 2016.