Koinzidenz von Bedürfnissen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Problem der Koinzidenz der Bedürfnisse (oft Doppelkoinzidenz der Bedürfnisse bzw. Wünsche) umfasst eine Gruppe von Transaktionskosten, die in geldlosen Volkswirtschaften anfallen, bei denen Tausch oder andere Arten von Transaktionen dominieren und dort starke Einschränkungen im Handel und im Verhalten der Beteiligten bewirken. Die Ursache des Problems liegt in der Unwahrscheinlichkeit, dass Wünsche, Bedürfnisse oder Ereignisse, die dazu führen, eine Transaktion auszuführen, zur gleichen Zeit und am gleichen Ort auftreten.

Geprägt wurde der Begriff „Doppelkoinzidenz der Bedürfnisse“ von dem englischen Ökonomen William Stanley Jevons († 1875).[1]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Beispiel wäre ein Barmusiker, der mit Alkohol oder Lebensmitteln „bezahlt“ wird, Dinge, die sein Vermieter nicht als Monatsmiete für eine Wohnung annehmen würde. Wenn aber stattdessen der Vermieter des Musikers für eine Party seinen Mieter engagiert, dem er für den Gig die Monatsmiete erlässt, so existiert jetzt eine Doppelkoinzidenz der Bedürfnisse.

Entsprechende Sachgeschäfte haben mehrere Einschränkungen, vor allem Zeitbeschränkungen. Wenn jemand beabsichtigt, seine Früchte gegen Weizen zu handeln, könnte er dies nur tun, wenn die Früchte und der Weizen zur gleichen Zeit und am selben Ort zur Verfügung stehen und nur dann, wenn sich jemand findet, der Weizen gegen Früchte tauschen möchte.

Das kann in einer sehr kurzen Zeitspanne möglich sein oder es kann nie stattfinden. Mit Geld könnte das Obst aber direkt verkauft werden, wenn es reif ist. Mit dem Erlös kann Weizen gekauft werden, wenn er geerntet wird. Mit Geld können demnach Waren „flüssiger“, d. h. liquide werden.

Neben dem Tauschhandel haben auch andere Arten von Sachgeschäften Probleme mit der „Koinzidenz der Bedürfnisse“ leiden, nämlich dem Fehlen von Geld. Wenn Vermögen, z. B. durch Eheschließung oder Erbschaft, umverteilt wird oder durch die Erhebung von Steuern oder Tributen dem aktuellen Besitzer entzogen werden, ist es unwahrscheinlich, dass diese Ereignisse mit dem Wunsch des Empfängers übereinstimmen werden, auf die Waren des Schuldners ohne weiteres zu verzichten, es sei denn, sie fänden zwischen Rohstoffen statt, d. h. Geld. Beim Fehlen des Geldes würden alle diese Transaktionen unter dem Grundproblem des Tauschhandels leiden – sie erforderten eine unwahrscheinliche Koinzidenz der Bedürfnisse und Ereignisse.

Preisermittlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für n Produkte ergeben sich relative Preise.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

David Graeber sammelte in seinem Buch Schulden: Die ersten 5000 Jahre Belege für die These, dass das Problem der „Koinzidenz der Bedürfnisse“ nur ein „Mythos“ ist, der rückwirkend die Entstehung der Währung zu erklären und zu rechtfertigen versuche und keine tatsächlich anthropologisch oder historisch verifizierte Darstellung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joseph M. Ostroy, Ross M. Starr: Die Transaktion – Rolle des Geldes. In: Handbook of Monetary Economics. Elsevier, 1990