Kollegah

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Dieser Artikel behandelt den Rapper Kollegah. Für dessen gleichnamiges Album siehe Kollegah (Album).
Kollegah (2014), Pressefoto

Kollegah, bürgerlich Felix Antoine Blume (* 3. August 1984 in Friedberg, Hessen[1]), ist ein deutscher Rapper, der bei dem Label Selfmade Records unter Vertrag steht. Er ist auch unter dem Pseudonym T.O.N.I. bekannt.

Leben

Felix Blume ist der Sohn eines kanadischen Vaters und einer deutschen Mutter und verbrachte seine Jugend teilweise vaterlos. Der Spitzname „Kollegah“ ist auf seinen Stiefvater zurückzuführen. Er wuchs in der Stadt Simmern im Hunsrück auf. Blume besuchte dort das Herzog-Johann-Gymnasium, wo er 2002 einen Malwettbewerb[2] des Themas Komm mit in eine andere Welt: Märchen – Mythen – Sagen der Volksbank Simmern gewann, was bei vielen Rap-Battles für seine Kontrahenten ein Anlass für verbale Angriffe war. Im Jahr 2004 bestand Felix Blume die Abiturprüfung.[3] In einem Interview erklärte Blume, dass er durch seinen algerischen Stiefvater in Kontakt mit der Religion kam, und daraufhin begann sich zu informieren und Bücher über den Islam zu lesen. Infolgedessen konvertierte er als 15-Jähriger zum Islam. Blume war zeitweise als Übersetzer tätig und übersetzte unter anderem 2003 das Buch Tod – Auferstehung – Hölle des umstrittenen Autors und islamischen Kreationisten Harun Yahya vom Englischen ins Deutsche.[1][4] Seine Übersetzertätigkeit ließ er 2003 aufgrund seiner beginnenden Rap-Karriere unter dem Pseudonym T.O.N.I. ruhen. Kollegah studiert seit 2009 Jura an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.[5][6] Dort erschien er nach eigenen Angaben allerdings nur zu den Klausuren.[7] Derzeit ist er scheinfrei. Seine Wahlheimat ist Düsseldorf.[8]

Strafprozess

In einem Prozess wegen einer Disco-Schlägerei, die sich in der Nacht des 29. Juni 2013 in Freilassing ereignet haben soll, wurde Kollegah gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er habe nach seinem Auftritt einen österreichischen Gast niedergeschlagen und dessen ebenfalls österreichischen Bekannten das Nasenbein gebrochen. Kollegah behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben und selbst getreten, geschlagen und gewürgt worden zu sein. Nachdem das Amtsgericht Laufen ihn mangels Beweisen freigesprochen hatte, legte die Staatsanwaltschaft, die eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren ohne Bewährung forderte, gegen die Entscheidung Berufung ein. Die Sache ging dann an das Landgericht Traunstein. Diese Instanz beendete das Verfahren mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft im März 2015, nachdem Kollegahs Anwalt aus Opportunitätsgründen die Einstellung des Verfahrens nach §§ 153 ff. StPO gegen eine Geldauflage vorgeschlagen hatte. Dabei wurde geregelt, dass Kollegah insgesamt 46.000 Euro zahlt, 40.000 Euro an Organisationen wie Frauen- und Mädchennotruf, je 3000 Euro an die beiden Geschädigten der Schlägerei. Das Strafverfahren wurde somit eingestellt.[9]

Werdegang

Kollegah live in München (2015)
Kollegah mit seinem Dobermann-Rüden Fler (2015)

Im Jahre 2004 trat Blume unter dem Namen Kollegah beim Bundesländerbattle für Hamburg an.[10] Von Dezember 2004 bis Mai 2005 war er im Internetportal Reimliga Battle Arena aktiv.[11] Dort gewann er 11 seiner 14 gewerteten Battles und konnte innerhalb kurzer Zeit einen hohen Stellenwert erreichen.[12] Sein erstes Mixtape Zuhältertape Vol. 1 bot er frei zum Download an. Er steht seit 2005 bei dem Label Selfmade Records unter Vertrag. Am 29. Dezember des gleichen Jahres veröffentlichte er dort das Zuhältertape X-Mas Edition, ein Re-Release seines ersten Mixtapes. Am 9. Juli 2006 publizierte er sein zweites Mixtape Boss der Bosse, welches vom Hip-Hop-Magazin Juice zum Mixtape des Monats ernannt wurde. Die Hälfte der Beats auf diesem Tonträger stammen von dem Produzenten Rizbo, Selfmade-Records. Kritisiert wurde Kollegah für einen schwachen Auftritt beim Hip-Hop- und Reggaefestival Splash Anfang 2006.[1][12][13] Er selbst rechtfertigt dies damit, dass er unvorbereitet aufgetreten sei und es sich um seinen allerersten Liveauftritt gehandelt habe.[12]

Im September 2007 sollte ursprünglich sein erstes Solo-Album mit dem Titel Alphagene über Selfmade Records erscheinen. Aufgrund eines Strafprozesses gegen Kollegah wegen Drogenbesitzes wurde das Release auf den 16. November verschoben. Kollegah war in Bad Kreuznach im Besitz von Amphetamin und Kokain gewesen[14] und wurde deswegen vor Gericht verurteilt.[15] Am 23. Oktober 2007 war erstmals ein Video von Kollegah in der MTV-Show Urban TRL wählbar. Der zum Lied Kuck auf die Goldkette 2007 gedrehte Clip konnte mehrere Male Platz 1 der TRL-Most-Wanted-Charts erreichen. Die beiden Musikstücke Showtime Again und Sommer vom Mixtape Boss der Bosse wurden in dem Spielfilm Nachtspuren verwendet.[16] Am 29. August 2008 veröffentlichte Kollegah sein zweites, nach sich selbst benannte Studioalbum Kollegah, mit welchem er Platz 17 in den deutschen Albumcharts belegen konnte. Im Jahre 2009 veröffentlichte der Rapper neben seiner Beteiligung an dem Selfmade Records-Labelsampler Chronik 2 und dem Kollaboalbum Jung, brutal, gutaussehend mit Farid Bang außerdem den dritten Teil seiner „Zuhältertape“-Reihe als Shop-Release. Im Jahre darauf brachte Selfmade Records alle drei „Zuhältertape“-Teile im Rahmen einer limitierten Box neu heraus. Dieser Box war außerdem das Hoodtape Volume 1 beigelegt, welches kurz vor Weihnachten 2010 als Hoodtape Volume 1 X-Mas Edition wiederveröffentlicht wurde. Sein am 14. Oktober 2011 veröffentlichtes drittes Soloalbum Bossaura erreichte Platz 5 der deutschen Albumcharts. Vor Veröffentlichung des zweiten Kollaboalbums Jung, brutal, gutaussehend 2 mit Farid Bang am 8. Februar 2013 wurden Single-Auskopplungen des Albums zum Download freigegeben. So gelangten neben Dynamit und Drive-By auch Du kennst den Westen und Stiernackenkommando in die deutschen Verkaufscharts. Mit dem Album selbst erreichte Kollegah zum ersten Mal die Spitze der deutschen Charts. Im Februar 2013 berichtete Media Control, dass sich in den vergangenen fünf Jahren kein anderes Hip-Hop-Album in der ersten Woche so gut verkauft habe wie Jung, brutal und gutaussehend 2. Spiegel Online kommentierte unter der Überschrift „Der deutsche Gangster-Rap ist zurück“, dass Farid Bang und Kollegah damit an verflossene Großzeiten der Gangsta-Rapper um das Aggro-Berlin-Label anknüpften.[17]

In der Phase der Musikpromotion zu seinem vierten Studioalbum King eröffnete Kollegah seinen eigenen YouTube-Kanal Bosshaft TV, auf dem er unter anderem zahlreiche Videoblogs und eine wöchentliche Late-Night-Show zeigte. Das Album erschien am 9. Mai 2014, erreichte durch über 100.000 Verkäufe innerhalb von 24 Stunden Gold-Status. Es setzte sich damit an die Spitze der deutschen, österreichischen und schweizerischen Charts. King wurde bereits in der ersten Verkaufswoche Kollegahs erfolgreichstes Album und brach diverse Verkaufsrekorde.[18] Unter dem Titel Bosstransformation brachte er sein eigenes Fitness- und Ernährungsprogramm auf den Markt. Nach eigenen Angaben schaffte er es dabei, seinen Körperfettanteil „von schwabbeligen 22 % auf staubtrockene 7 % zu senken und gleichzeitig erheblich Muskelmasse aufzubauen“.[19] Zu den von Kollegah häufig angesprochenen Topoi um Ernährung und Workout erschien im April 2014 sein ironischer Rap-Song Von Salat schrumpft der Bizeps.

Am 23. Oktober 2015 kündigte Kollegah mit dem Song Genozid die Veröffentlichung des vierten Teils der Zuhältertapes an. Dieses am 11. Dezember 2015 erschienene Produkt schaffte es innerhalb einer Woche an die Spitze der deutschen Albumcharts, wobei es – noch vor Weihnachten 2015 – Helene Fischers Weihnachten auf Platz 2 verdrängte.[20] Mit der Veröffentlichung des Zuhältertapes erreichten auch 17 Lieder des Albums die deutschen Singlecharts, was ein Rekord in der Chartgeschichte darstellt.[21]

Im März 2016 gründete Kollegah sein eigenes Label Alpha Music Empire. Als erstes Signing wurde der Rapper Seyed bekannt gegeben, dessen Debütalbum Engel mit der AK am 3. Juni 2016 erscheinen wird.[22]

Stil

Kollegahs Stil lehnt sich stark an den Gangsta-Rap an, wobei er ihn selbst anfangs als Zuhälterrap bezeichnete. Diesen Begriff lehnte er allerdings in einem Interview ab und stellte ihn als bloße Übertragung des amerikanischen Begriffs pimp rap ins Deutsche dar.[23] Zu seiner Musikpromotion gehört insbesondere das Rollenspiel als „der Boss“ und „Westdeutschlands King“, der sich mit Statussymbolen und devotem Personal umgibt, insbesondere einem Butler namens „Frederic“ und „Pasa“, seinem bosnischen Leibwächter.[24] Mit Vorliebe werden dabei Stereotype gezeigt, die die Lebenswelt eines Bosses der organisierten Kriminalität imaginieren. Musikalisch ist Kollegah besonders für seine Punchlines, seine Reimketten sowie seine Doubletime-Raptechnik bekannt. Mittlerweile orientiert sich Kollegah auch am Storytelling-Rap, was auf dem Album Hoodtape Volume 1 deutlich wird und sich auch bei seiner ersten Single Alpha oder dem Lied Regen von seinem 2014 veröffentlichten Album King ebenfalls bemerkbar macht.[1]

Kritik

Kollegah Live in München (2015)

Gegen ein im Dezember 2011 in Bremen geplantes Konzert Kollegahs protestierten die DGB-Jugend, die Landesgleichstellungsstelle unter Ulrike Hauffe und eine Initiative aus der örtlichen Schwulenszene. Eine Kollegah-Show sei eine „zutiefst menschenverachtende“ Veranstaltung, hieß es in einem offenen Brief an die Veranstalter. Blume schreibe „ausschließlich abscheuliche Texte, in denen Frauen und nicht heterosexuell Orientierte bis zum tiefsten denkbaren Niveau degradiert und beleidigt werden“.[25] Eine ähnliche Protestaktion hatte es bereits im November 2011 vor einem geplanten Auftritt Kollegahs in Bielefeld gegeben.[26] Die öffentlichen Proteste gegen Kollegahs „Zuhälter-Rap“ hatten den unerwarteten Effekt, dass das Bielefelder Konzert wegen der starken Nachfrage der Fans in einen größeren Saal verlegt werden musste.[27]

Diskografie

Hauptartikel: Kollegah/Diskografie

Studioalben

Jahr Titel Chartplatzierungen[28] Anmerkungen Cover
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH
2007 Alphagene 51
(1 Wo.)
Alphagene Cover.jpg
2008 Kollegah 17
(2 Wo.)
48
(1 Wo.)
Kollegah-Cover.jpg
2011 Bossaura 5
(4 Wo.)
14
(2 Wo.)
19
(1 Wo.)
Bossaura - Cover.jpg
2014 King 1 3-fach-Gold
(23 Wo.)
1 Gold
(15 Wo.)
1
(11 Wo.)
Verkäufe: + 307.500[29] Kollegah - King - Cover.jpg
2015 Zuhältertape Volume 4 1 Gold
(… Wo.)
2
(11 Wo.)
2
(9 Wo.)
Verkäufe: + 100.000; wurde im Gegensatz zu den anderen Zuhältertapes auch außerhalb des Selfmade Shops verkauft Kollegah - Zuhältertape Volume 4 - Cover.jpg

Auszeichnungen

Auszeichnungen für Musikverkäufe

Goldene Schallplatte

Platin-Schallplatte

  • Deutschland
  • 2014: für das Album King

Weitere Auszeichnungen

ECHO Pop

  • 2015: Best Interactive Act national
  • 2015: Hip-Hop/Urban für King
  • 2016: Best Interactive Act national
  • 2016: Hip-Hop/Urban national für Zuhältertape Vol. 4

1 Live Krone

  • 2014 gewann Kollegah die 1 Live Krone als bester Hip-Hop-Act mit der Single Du bist Boss.

Deutscher Webvideopreis

  • 2014: in der Kategorie AAA für das Video Armageddon auf Bosshaft TV
  • 2014: in der Kategorie Epic für das Video Armageddon auf Bosshaft TV
  • 2014: in der Kategorie Newbie für das Video Freuet euch, der Boss ist da auf Bosshaft TV

Weblinks

 Commons: Kollegah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Dennis Kraus: Kollegah, Slipper statt Sneaker. In: Backspin Hip Hop Magazin. September 2008 (Bericht über Kollegah.). Backspin 96, S. 10–16
  2. http://hjg3.bildung-rp.de/fileadmin/archiv/2001_2002/schulleben.htm (Memento vom 22. März 2013 im Internet Archive)
  3. Moment mal: Wie aus Protest PR wird. Kreiszeitung.de, abgerufen am 7. März 2013.
  4. Online-Ausgabe des Buches
  5. Interview mit der HHNoise August/September 2011. In: HHNoise. Abgerufen am 1. September 2011.
  6. Bekannte Studierende der Johannes Gutenberg-Universität. Johannes-Gutenberg-Universität, abgerufen am 27. Dezember 2015
  7. „Mütter durchnehmen ist mehr wert als Abitur“. welt.de, 17. Mai 2013, Interview mit Boris M. Peltonen; abgerufen am 5. Juni 2014
  8. Tobias Budde: Rapper Kollegah landet vor Michael Jackson. rp-online.de, 5. Juni 2014; abgerufen am 5. Juni 2014
  9. Verfahren wegen Disco-Schlägerei eingestellt. Rapper „Kollegah“ muss 46.000 Euro zahlen. lto.de, 16. März 2015; abgerufen am 27. Dezember 2015
  10. Kollegah battlet bei Bundesländerbattle. badaboom badabang blog, 2004
  11. Kollegahs RBA-Profil
  12. a b c Niko Hüls: Die Akte Kollegah. In: Backspin Hip Hop Magazin. November 2007 (Interview mit Kollegah, Backspin 90; S. 40–42).
  13. Davide Bortot: Heisser Herbst – Kollegah. In: Juice Magazin. November 2007 (Einzelne Berichte über die Interpreten der am meisten erwarteten Alben 2007; Juice, S. 68–70).
  14. Kollegah: Drogenhandel verdirbt Releasedate. Laut.de, abgerufen am 7. März 2013.
  15. Kollegah und Farid Bang fordern Heino heraus.
  16. Nachtspuren Filmcrew-Übersicht. nachtspuren.de. Abgerufen am 6. Juni 2009.
  17. Charterfolg für Kollegah und Farid Bang: Der deutsche Gangster-Rap ist zurück. Spiegel Online, 19. Februar 2013; abgerufen am 24. Dezember 2015
  18. Kollegah: Verkaufsrekorde mit „King“. Musikmarkt.de, abgerufen am 22. Mai 2014.
  19. Kollegah mit eigenem Fitnessprogramm Bosstransformation. rap.de, 30. Januar 2014; abgerufen am 27. Dezember 2015
  20. Kollegah verdrängt Helene Fischer von Platz eins. focus.de, 18. Dezember 2015; abgerufen am 18. Dezember 2015
  21. Kollegah ist der Boss der Offiziellen Deutschen Charts. Bundesverband Musikindustrie, 18. Dezember 2015, abgerufen am 28. Dezember 2015.
  22. Kollegah gründet eigenes Label // Erstes Signing kündigt Release an - 16BARS.DE. In: 16BARS.DE. Abgerufen am 24. März 2016 (de-de).
  23. 1Live-Talk vom 11. Juni 2014 (mp3 (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive), ab 19:00 min.): „Da möchte ich mich schon lange von distanzieren. Ich verachte den Beruf des Zuhälters total und das ist ein Begriff, der ist aus der Anfangszeit entstanden […] 2005, 2006 hab ich Mixtapes aufgenommen und hab die Zuhältertapes genannt, […] einfach nur als Übertragung des amerikanischen ‚Pimp-Raps‘, einfach so ‚man ist der Coolste, […] Bling-Bling und so ein Scheiß. […] Ich muss da mal Wikipedia kontaktieren, dass die das da rauslöschen‘“
  24. Nora Gantenbrink: Mit dem Boss am Ballermann. stern.de, 11. Dezember 2015; abgerufen am 25. Dezember 2015
  25. Christian Jakob: Kollegah ist nicht willkommen. taz.de, 5. Dezember 2011; abgerufen am 5. Juni 2014
  26. Carmen Pförtner: Streit um Kollegahs „Zuhälter-Rap“. nw-news.de, 30. November 2011; abgerufen am 5. Juni 2014
  27. Eckhard Stengel: „Zuhälter-Rap“ soll auf den Index – Bremen wehrt sich gegen Musiker Kollegah. noz.de, 12. Dezember 2011; abgerufen am 5. Juni 2014
  28. Chartquellen: DE1 DE2 AT CH
  29. Quellen für Auszeichnungen: DE AT