Kolpingwerk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo des Kolpingwerkes
Adolph Kolping, Begründer des Kolpingwerkes

Das Kolpingwerk ist ein internationaler katholischer Sozialverband mit Sitz in Köln. Er ist benannt nach Adolph Kolping (1813–1865), der zweiter Präses des von Johann Gregor Breuer 1846 in Elberfeld gegründeten Gesellenvereins war und später in Köln und an vielen anderen Orten weitere Gesellenvereine gründete. 1850 schlossen sich die ersten dieser Vereine zu einem Verband zusammen, der 1935 in „Kolpingwerk“ umbenannt wurde.

Das Kolpingwerk ist gegenwärtig in mehr als 60 Ländern der Erde tätig. Mit seinen rund 450.000 Mitgliedern, die in weltweit etwa 5.800 Kolpingsfamilien beheimatet sind, zählt das Kolpingwerk zu den großen Sozialwerken der Katholischen Kirche.

Das Kolpingwerk in Deutschland hat aufgrund seiner Geschichte und mit einer Zahl von 275.349 Mitgliedern (Stand 15. Oktober 2004) weltweit die größte Bedeutung. Hier sind etwa 26.000 ehrenamtliche Vorstandsmitglieder in rund 2700 Kolpingsfamilien tätig. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es (Stand 2006) 260 Kolpinghäuser, 200 Einrichtungen der Kolping-Bildungswerke und mehr als 810 öffentliche Straßen und Plätze mit Namen „Adolph Kolping“.

Kernstück und Schwerpunkt der verbandlichen Arbeit des Kolpingwerkes ist das Engagement mit und für die Familie, als deren Anwalt sich das Werk versteht. Die Internationalität des Verbandes gewinnt immer mehr an Bedeutung. Davon zeugen das Entstehen und Wachsen der Nationalverbände sowie die kontinentalen und interkontinentalen verbandlichen Partnerschaften (Vernetzung).

Aufbau des Kolpingwerkes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolpingbanner, wie es Kolpingsfamilien bei festlichen Anlässen tragen

Das Internationale Kolpingwerk hat seinen Sitz in Köln. Es ist in 61 Ländern der Erde vertreten und hat rund 450.000 Mitglieder. Die Mitglieder sind in 5.800 Kolpingsfamilien weltweit organisiert.

Ferner gibt es:

  • Kolpingwerk Europa – mit 21 Nationalverbänden
  • Kolpingwerk Deutschland, Sitz in Köln – Bundesverband – mit 265.000 Mitgliedern organisiert in 2.700 örtlichen Kolpingsfamilien bundesweit.
  • Landes- und Regionalverbände
  • 27 Diözesanverbände in Deutschland
  • Bezirksverbände
  • 2.700 Kolpingsfamilien bundesweit

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

10 Mark Gedenkmünze zum 150-jährigen Bestehen des Kolpingwerkes aus dem Jahr 1996
150 Jahre Kolpingwerk, Deutsche Briefmarke 2000.

Das Kolpingwerk begann als katholische Gemeinschaft für wandernde Handwerksgesellen. 1847 wurde Kolping zweiter Präses des 1846 von Johann Gregor Breuer gegründeten katholischen Gesellenvereins, 20 Jahre später waren es bereits über 200 Gesellenvereine, die auf Kolping zurückgehen. Schon bald wurden eigene Spar- und Krankenkassen gebildet und Gesellenheime gebaut. 1864 bezeichnete Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler (Mainz) die Gesellenvereine als „einen katholischen Beitrag zur Lösung der Arbeiterfrage“. Als den sozialen Wirkungsfaktor dieser Vereine stellte er das „genossenschaftliche Prinzip“, getragen vom „Geiste des Christentums“ heraus. [1] 1871 war die Bezeichnung „Kolpingsfamilie“ erstmals in einer kirchlichen Ansprache zu hören. [2] Es entstand ein ganz Deutschland umspannendes Netzwerk.

In der Weimarer Republik öffneten sich auch politische Möglichkeiten für den demokratisch organisierten Verein, 1922 wurde der erste Gesellentag in Köln abgehalten. Als Reaktion auf den Erfolg in Deutschland bildeten sich in ganz Europa und auch auf anderen Kontinenten weitere Nationalverbände. In der Zeit des Nationalsozialismus erfahren die Gesellenvereine erhebliche Beeinträchtigungen. Um einem Verbot zu entgehen, ändern die Katholischen Gesellenvereine 1935 ihre Bezeichnung in „Kolpingsfamilien“. Das Kolpingwerk wurde in der Zeit des Nationalsozialismus zwar in seiner Tätigkeit eingeschränkt, aber nicht verboten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Kolpingarbeit in den drei westlichen Besatzungszonen wieder aufgenommen werden. Lediglich in der ehemaligen Sowjetzone, der späteren DDR, konnte die Kolpingarbeit nur im engen kirchlichen Bereich fortgeführt werden. Die einzelnen Kolpingsfamilien waren während der Existenz der DDR zwar nicht verboten, ihre Arbeit war aber erheblich eingeschränkt.

Seit Ende der 1960er Jahre konnten auch Frauen und Mädchen Mitglied der einzelnen Kolpingsfamilien werden.

Mit den ersten Gesellenvereinen und deren Fortbildungsmöglichkeiten und Freizeitgestaltung war in Deutschland die Keimzelle der katholischen Sozialbewegung entstanden, deren Wirkung sich auch im säkularen Raum der Sozialpädagogik bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts fortsetzte. [3]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute engagieren sich das Kolpingwerk und die örtlichen Kolpingsfamilien unter anderem in der Jugend- und Erwachsenenbildung, für humanitäre Projekte in der Dritten Welt und in der katholischen Jugend- und Seniorenarbeit. Die Kolpingjugend wird von allen Mitgliedern bis 29 Jahre gebildet und hat in Deutschland rund 50.000 Mitglieder. Von 1986 bis 2004 war Heinz Schemken Vorsitzender des Kolpingwerkes Deutschland, seit 2004 ist es Thomas Dörflinger. Im November 2012 wurde Josef Holtkotte zum Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland gewählt. Bundespräses des Kolpingwerkes Österreich ist seit 2007 Gerald Gump, Nationalpräses des Schweizer Kolpingwerkes ist seit 2010 Jean-Marc Chanton. Generalpräses des Internationalen Kolpingwerkes ist seit Oktober 2011 Ottmar Dillenburg. Er ist auch Vorsitzender des Sozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerkes e.V. (SEK), der Fachorganisation für Entwicklungszusammenarbeit von KOLPING INTERNATIONAL. Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerkes ist seit September 2012 Markus Demele.

Der Kolpinggruß lautet „Treu Kolping“ mit der Antwort „Kolping treu“.[4]

Kolpinghäuser, Kolping-Bildungswerke und weitere Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In 260 Kolpinghäusern und 200 Einrichtungen des Kolping-Bildungswerkes wird bundesweit Jugend- und Erwachsenenbildung geleistet.

Kolping Jugendwohnen gGmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kolping-Jugendwohnen gGmbH bietet Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz fern der Heimat annehmen möchten, die Möglichkeit der Unterkunft, Verpflegung und sozialpädagogischen Begleitung. Das Kolping-Jugendwohnen vermittelt hierbei Aspekte des Lebens in Gemeinschaft, was angesichts zunehmender Individualisierung und wachsender Mobilität auf Grunde des demografischen Wandels ein immer wichtiger werdender Baustein im Bereich der sozialen Kompetenzvermittlung sein wird.

Durch die gleichzeitige Erbringung von Unterkunft, Verpflegung und sozialpädagogischer Begleitung ergeben sich für das Jugendwohnen bzw. die unterschiedlich akzentuierten Bedarfslagen der jungen Menschen entsprechend Zugänge aus verschiedenen Sozialleistungsgesetzen (SGB II, III, VIII, IX, XII, BAföG). Damit verbunden sind unterschiedliche Zielsetzungen und fachliche Anforderungen an die zu erbringende Leistung. Eine zentrale Stellung kommt hierbei der Kinder- und Jugendhilfe zu, die nicht nur zur Verwirklichung des Rechts aller jungen Menschen auf die Förderung ihrer Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit beitragen, sondern auch junge Menschen vor Gefahren für ihr Wohl schützen soll (§ 1 Abs. 3, Nr. 1 und 3 SGB VIII). Entsprechend ist es ihre Aufgabe, über Betriebserlaubnisverfahren nach § 45 SGB VIII sowie Leistungs-, Entgelt- und Qualitätsentwicklungsvereinbarungen nach §§ 78a ff SGB VIII – insbesondere auch für Minderjährige – eine entsprechende Ausstattung von Einrichtungen des Jugendwohnens zu gewährleisten.

Die Kolping Jugendwohnen gGmbH gründet auf dem Leitbild von Adolph Kolping und arbeitet auf der Grundlage von Standards, die sich aus den Leitlinien der Kolpinghäuser im Verband der Kolpinghäuser sowie aus den 13 Qualitätsversprechen der Jugendwohnheime in Deutschland ergeben, die sich im Rahmen der Initiative Auswärts Zuhause zusammengeschlossen haben. So kann die Kolping Jugendwohnen gGmbH ein qualitativ hochwertiges Angebot zur Mobilitätsförderung junger Menschen gewährleisten.

Die Kolping Jugendwohnen gGmbH wurde im Jahre 2009 in Köln gegründet. Ziel ist es, das Jugendwohnen bei Kolping inhaltlich und strukturell professionell in die Zukunft zu führen. Dabei geht es darum, den Trägern von Kolping Jugendwohnheimen bundesweit das Angebot zu machen, dass die Kolping Jugendwohnen gGmbH den Betrieb dieses Jugendwohnheims übernimmt, sodass die Verwaltung des Vermögens (hier: Immobilie Kolpinghaus) und der Betrieb (hier Jugendwohnen im Kolpinghaus) voneinander getrennt werden. Unternehmerisches Ziel der Kolping Jugendwohnen gGmbH ist es, als bundesweiter Akteur und Betreiber von Kolping-Jugendwohnheimen, diese zukunftsfest zu machen, Synergien zu schaffen und damit das Jugendwohnen bei Kolping langfristig und nachhaltig zu sichern.

Jugendgemeinschaftsdienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der internationalen Arbeit des Kolpingwerkes heraus wurden die Kolping-Jugendgemeinschaftsdienste (JGD) 1953 gegründet. Kern ist die ursprüngliche Aktion „Versöhnung über den Gräbern“, die mit dem Ziel der Wiederannäherung deutscher und französischer Jugendlicher in der Nachkriegszeit begann. Die Idee der Völkerverständigung hat durch Begegnung und gemeinsame Arbeit an gemeinnützigen Projekten eine Ausweitung erfahren. Heute bezieht sich dieser Gedanke der Völkerverständigung auf alle Völker, Nationen, Religionen und Kulturen und ist extra breit auf der Grundlage der Aktivitäten des Internationalen Kolpingwerkes angelegt.

Beim Kontakt mit anderen Kulturen und Gesellschaftsordnungen sollen Toleranz und Verständnis gestärkt werden. Begegnung und Austausch sollen auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit beruhen.

Als Teil eines katholischen Sozialverbandes sehen die JGD es auch als ihren Auftrag, durch internationale Verständigung zur Konkretisierung christlicher Anliegen beizutragen und ihre Arbeit im Sinne der Programme des Kolpingwerkes Deutschland und des Internationalen Kolpingwerkes zu gestalten.

Kolping-Familienferienstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolping-Familienferienstätte Ferienparadies Pferdeberg bei Duderstadt

Die Kolping-Familienferienstätten sind ein Verbund von neun Ferienanlagen für Familien in Deutschland. Die Kolping-Familienferienstätten und deren regionale Träger verstehen sich als Einrichtungen und Teil des Kolpingwerkes. Sie sind dem Leitbild und der Zielsetzung gemeinnütziger Familienerholung sowie dem christlichen Menschenbild des Kolpingwerks und dessen Begründer Adolph Kolping verpflichtet.

Die Zielsetzung der Ferienstätten ist die Förderung von Familien, insbesondere solchen in wirtschaftlich oder sozial problematischen Lebenslagen. Auch zur Orientierung und Lebenshilfe in persönlichen Problemphasen sollen sie den Menschen im Sinne Adolph Kolping nützen, dafür werden Angebote geistlicher und spiritueller Art bereitgehalten. Die Ferienanlagen sind in einem Rahmen gestaltet, der den christlicher Glauben erlebbar und erfahrbar werden lässt, dazu gehört unter anderem die jedem Haus angegliederte Kapelle und regelmäßige Gottesdienste.

Die Ferienanlagen stehen, trotz eindeutig katholischer Prägung, allen unabhängig von Mitgliedschaft im Kolpingwerk oder von konfessioneller Gebundenheit oder Religionszugehörigkeit offen. In ihrem Selbstverständnis wollen sie sich dem zusammenwachsenden Europa nähern und sehen sich als Träger der kulturellen Vielfalt und als Forum für interkulturelle und interreligiöse Begegnung.

Die Familienferienstätten des Kolpingwerkes sind in der bundesweiten „Arbeitsgemeinschaft der Kolping-Familienferienstätten“ mit Sitz in Köln zusammengeschlossen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kolpingwerk ist neben seinem sozialen und missionarischen Engagement auch für den Einfluss der katholischen Kirche in der Politik von großer Bedeutung. Tausende von Abgeordneten wirken in den Parlamenten der Bundesländer sowie der Städte und Gemeinden. 38 Mitglieder des Bundestages [5] gehören dem Kolpingwerk an.

Darüber hinaus ist das Kolpingwerk Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kolpingwerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Emmanuel von Ketteler, Bischof von Mainz: Die Arbeiterfrage und das Christentum, Mainz 1864, in „Texte zur katholischen Soziallehre I I, 1. Halbband“, Seite 202, hrsg. vom Bundesverband der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), 1976 (Kevelaer)
  2. Hubert Göbels: Adolph Kolping – der Volkserzieher, in: „Kolping, ausgewählte pädagogische Schriften“, besorgt von H. Göbels, Schöningh, Paderborn 1964, S. 231; erschienen in Schöninghs Sammlung pädagogischer Schriften, Quellen zur Geschichte der Pädagogik, hrsg. von Prof. Dr. Th. Rutt, Paderborn
  3. Friedhelm Vahsen: Einführung in die Sozialpädagogik, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1975, S. 56 (Verlag W. Kohlhammer)
  4. Erläuterung des Grußes "Kolping treu"
  5. Selbstdarstellung auf kolping.de.