Komitat Baranya

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Baranya ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Baranya (Begriffsklärung) aufgeführt.
Baranya
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Über dieses Bild
Baranya.jpg
Baranya
Komitatssitz: Pécs
Fläche: 4.430 km²
Einwohner: 368.135  Stand: 2016
Luftaufnahme Pécs

Baranya [ˈbɒrɒɲɒ] (deutsch Branau[1]), ist das südlichste Komitat (Verwaltungsbezirk) in Ungarn. Es grenzt an Kroatien sowie an die Komitate Somogy, Tolna und Bács-Kiskun.

Der Komitatssitz ist Pécs (Fünfkirchen). Die Stadt besteht als Sopianae schon seit der Römerzeit und gehört seit 2000 zum Weltkulturerbe. Nahe der jetzigen gotischen Kathedrale wurde am Mons Sacrum ein Friedhof der Urchristen gefunden; bemerkenswert auch die 2-geschossige Péter-Pál-Grabkammer mit Krügen und alt-biblischen Gemälden wie dem Garten Eden.

Andere historisch bedeutende Städte sind Mohács und Pécsvárad. International bekannt sind ferner das Heilbad in Harkány und das Weinbaugebiet Villány-Siklós. Die Verkehrsverbindungen sind relativ gut, fast alle Städte verfügen über einen Bahnhof, wobei mehrere Streckenabschnitte bereits stillgelegt wurden. Seit 31. März 2010 ist die Region über die M6 und M60 erreichbar. Die Hauptstraßen von und nach Pécs sind passabel (z. B. die B6 und B57); auf manchen Straßen im Raum Mecsek sind allerdings „unfallgefährliche Straßenabschnitte“ ausgeschildert. Auf den Nebenstraßen ist der Verkehr sehr gering.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ungarns Süden und sein warmes Klima wird bisweilen mit den Hügeln der Toskana verglichen – mediterrane Pflanzen und warmer Wind, Kultur und alte Burgen, kräftiger Rotwein, Feigen und Edelkastanien. Das Komitat ist auch reich an Mineralwässern und weist in den Bergen Karsterscheinungen auf.

Die Drau bildet die Südgrenze des Komitats, und im Osten fließt die Donau. Ein kleines Gebiet zwischen Donau und Draumündung gehörte vor 1921 noch zum Komitat und jetzt zu Kroatien (Gespanschaft Osijek-Baranja). Die Gegend, in der auch Akazien wachsen, wird von der Hügel- bzw. Bergkette des Mecsek durchzogen. Auf vielen Kirchtürmen befinden sich Storchennester. Die Bergregionen (höchster Gipfel ist der Zengő mit 684 m) sind großteils mit Laubwald bedeckt. Besonders erwähnenswert sind mehrere ausgedehnte, fast reine Edelkastanien-Wälder, die in dieser Form nur noch an wenigen anderen Orten der Welt zu finden sind (z. B. an den Südhängen des Günser Gebirges in Österreich).

Die Städte und größeren Orte des Komitats sind neben Pécs und Mohács

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Regierungsverordnung Nr. 218/2012 vom 13. August 2012 wurden zum 1. Januar 2013 die statistischen Kleinregionen (ung. Kistérség) abgeschafft und durch eine annähernd gleiche Anzahl von Kreisen (ung. Járás) ersetzt. Die Kleingebiete blieben für Planung und Statistikzwecke noch eine Zeitlang erhalten, wurden dann aber am 25. Februar 2014 endgültig abgeschafft. Bis zur Auflösung gab es 9 Kleingebiete im Komitat. Lediglich eine Verwaltungseinheit blieb während der Reform unverändert (Siklós).[2][3]

Die Kreise des Komitats Baranya

Ehemalige Einteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Ende 2012 existierten folgende Kleingebiete (ungarisch kistérség) im Komitat Baranya:

Code Kleingebiet Verwaltungssitz Einwohner
(31. Dezember 2012)
Fläche
in km²
Anzahl der
Gemeinden
davon
Städte
3201 Komló Komló 37.473 314,60 19 1
3202 Mohács Mohács 47.587 846,29 43 2
3203 Sásd Sásd 13.737 383,87 27 2
3204 Sellye Sellye 13.235 463,33 35 1
3205 Siklós Siklós 36.106 652,99 53 3
3206 Szigetvár Szigetvár 25.446 668,91 46 1
3207 Pécs Pécs 176.519 570,83 39 2
3208 Pécsvárad Pécsvárad 12.283 258,49 19 1
3209 Szentlőrinc Szentlőrinc 14.756 270,28 20 1

Aktuelle Einteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Komitat Baranya gliedert sich in 10 Kreise (ungarisch Járás) mit 301 Ortschaften: die Stadt Pécs mit Komitatsrechten (ungarisch Megyei jogú város), 13 Städte ohne Komitatsrecht (ungarisch Varos), 3 Großgemeinden (ungarisch Nagyközség) und 284 Landgemeinden (Dörfer, ungarisch Közég).[4]

Ortschaftstyp Anzahl Fläche (in km²) Bevölkerung Bevölkerungs-
dichte (Ew/km²)
absolut anteilig im Durchschnitt absolut anteilig im Durchschnitt
Stadt mit Komitatsrecht 1 162,77 3,67 % 145.347 39,48 % 893,0
Städte ohne Komitatsrecht 13 483,19 10,91 % 37,17 95.351 25,90 % 7.335 197,3
Großgemeinde 3 87,14 1,97 % 29,05 6.455 1,75 % 2.152 74,1
Landgemeinden 284 3.696,50 83,45 % 13,02 120.982 32,86 % 426 32,7
Komitat Baranya gesamt 301 4.429,60 14,72 368.135 1.223 83,1

Die derzeitigen Kreise sind:

Code Kreis Kreissitz Einwohner
(1. Januar 2013)
Fläche
in km²
Anzahl der
Gemeinden
davon
Städte
024 Bóly Bóly 11.879 220,03 16 1
025 Hegyhát Sásd 12.662 360,72 25 2
026 Komló Komló 35.084 292,48 20 1
027 Mohács Mohács 34.901 600,98 26 1
028 Pécs Pécs 180.138 623,07 40 2
029 Pécsvárad Pécsvárad 11.787 246,44 17 1
030 Sellye Sellye 14.383 493,69 38 1
031 Siklós Siklós 36.106 652,99 53 3
032 Szentlőrinc Szentlőrinc 15.044 282,43 21 1
033 Szigetvár Szigetvár 25.158 656,76 45 1

Größte Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Szentlőrinc
Benediktinerabtei Pécsvárad

Alle Ortschaften ohne Namenszusatz sind Städte.

Stadt/Gemeinde Deutscher Name Einwohner
(1. Januar 2016)
Pécs Fünfkirchen 147.719
Komló Kummlau 24.066
Mohács Mohatsch 17.738
Szigetvár Inselburg 10.755
Siklós Sieglos 9.501
Szentlőrinc Sankt Lorenz 6.750
Kozármisleny Mischlen 5.934
Harkány Harkan 4.087
Pécsvárad Petschwar 4.051
Bóly Deutschbohl 3.974
Hosszúhetény, Landgemeinde Hetting 3.360
Sásd Ried 3.165
Sellye Schelle 2.727
Villány Wieland 2.545
Beremend, Großgemeinde Berend 2.399
Lánycsók, Landgemeinde Lantschuk 2.397
Mágocs Magotsch 2.376
Szászvár, Großgemeinde Saswar 2.297
Pellérd, Landgemeinde 2.255
Hidas, Landgemeinde Hidasch 2.030

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung des Komitats[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bemerkenswert ist eine stetige Abnahme der Bevölkerung seit den 80-er Jahren. Fettgesetzte Datumsangaben sind Volkszählungsergebnisse.[5]

Datum Einwohnerzahl Datum Einwohnerzahl
01.01.19601 395.342 01.01.2007 398.215
01.01.1970 421.765 01.01.2008 396.633
01.01.1980 432.617 01.01.2009 394.911
01.01.1990 417.400 01.01.2010 393.758
01.01.2001 408.147 01.01.2011 391.455
01.02.2001 407.448 01.10.2011 386.441
01.01.2002 406.330 01.01.2012 380.904
01.01.2003 404.709 01.01.2013 377.142
01.01.2004 402.260 01.01.2014 373.984
01.01.2005 400.313 01.01.2015 371.110
01.01.2006 398.355 01.01.2016 368.135

11960: Anwesende Bevölkerung; sonst Wohnbevölkerung

Bevölkerungsentwicklung der Kreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für alle Kreise ist eine negative Bevölkerungsbilanz ersichtlich.[5]

Kreisname Bevölkerungsstand am 1. Januar
2013 2014 2015 2016
Bóly 11.879 11.748 11.607 11.533
Hegyhát 12.662 12.515 12.405 12.179
Komló 35.084 34.776 34.210 33.790
Mohács 34.901 34.512 34.084 33.794
Pécs 180.138 178.968 178.291 177.461
Pécsvárad 11.787 11.669 11.567 11.478
Sellye 14.383 14.178 13.986 13.767
Siklós 36.106 35.716 35.539 35.149
Szentlőrinc 15.044 14.847 14.586 14.418
Szigetvár 25.158 25.055 24.835 24.566
Komitat Baranya 377.142 373.984 371.110 368.135

Geschichte und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

600 Jahre nach den Römern gründete König Stephan I. der Heilige das Bistum Pécs. In der Gotik entstand die Kathedrale mit vier sehenswerten Türmen und die erste ungarische Universität unter König Lajos dem Großen. Im Mittelalter entstanden viele Ritterburgen (siehe auch Vár), von denen jene auf dem Berggipfel von Siklós besonders gut erhalten ist. Mit Szigetvár ist der Name Miklós Zrínyi verbunden, dem Verteidiger der Burg in den Türkenkriegen von 1566.

Die Kultur der Renaissance machte Bischof Janus Pannonius heimisch – sichtbar am berühmten Porzellan des Zsolnay-Museums und am Lapidarium im Museumshof. Bis heute bietet die Region zahlreiche Kulturprogramme wie das Landestreffen für Theater in Pécs, verschiedene Sommer-Festivals und den mit Venedig vergleichbaren Fasching in Mohács.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die staatliche Direktion der Museen des Komitats Baranya ist Träger von 6 Komitatsmuseen.[6] Komitatssitz ist die Stadt Pécs (Fünfkirchen).

* Komitatsmuseum

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Claus Heinrich Gattermann: Die Baranya in den Jahren 1686 bis 1713. Kontinuität und Wandel in einem ungarischen Komitat nach dem Abzug der Türken. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-32-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Komitat Baranya – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Komitat Baranya (deutsch Branau) ist nicht zu verwechseln mit der oberösterreichischen Stadt Braunau. Anton Tafferner (geb. 1910) versuchte in den 1920er Jahren die Bezeichnung Baranya durch den deutschklingenden Namen Branau zu ersetzen, was nicht gelang. Es wurde allgemein nur der Name Baranya verwendet.
  2. Gazetteer of Hungary, 1st January, 2013. KSH, abgerufen am 4. Februar 2017 (PDF, ungarisch/englisch, auch XLS-Datei).
  3. Detailed Gazetteer of Hungary. KSH, abgerufen am 4. Februar 2017 (ungarisch/englisch).
  4. KSH: Gazetteer of Hungary, 1st January, 2016. In: Minden helység adata. KSH, abgerufen am 7. März 2017 (ungarisch/englisch, auch PDF-Datei).
  5. a b 6.1.1. Resident population by sex, 1st January (2001–) (STADAT table). KSH, abgerufen am 9. Februar 2017 (englisch).
  6. Direktion der Museen des Komitats Baranya BMMI (Baranya Megyei Múzeumok Igazgatósága)

Koordinaten: 46° 4′ N, 18° 12′ O