Komitat Hont

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Komitat Hont
(1910)
Wappen von Hont
Verwaltungssitz: Ipolyság
Fläche: 2.633 km²
Bevölkerung: 132.441[1]
Volksgruppen: 55 % Magyaren
39 % Slowaken
5 % Deutsche[2]
Komitat Hont

Komitat Hont (deutsch auch Honter Gespanschaft; ungarisch Hont(h) vármegye, slowakisch Hontianska župa, lateinisch comitatus Honthensis) ist der Name einer historischen Verwaltungseinheit (Gespanschaft/Komitat) im Königreich Ungarn und nach 1918 kurzzeitig auf dem Gebiet der Tschechoslowakei.

Das Gebiet liegt zu 3/4 in der heutigen Südslowakei und zu 1/4 im nördlichen Ungarn. Der Name Hont wird jetzt als inoffizielle Bezeichnung für dieses Gebiet verwendet.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte des Komitats Hont um 1890

Das Komitat Hont grenzte im Norden an das Komitat Sohl (Zólyom), im Osten und Südosten an das Komitat Neograd (Nógrád), im östlichen Süden entlang der Donau an das Komitat Pest-Pilis-Solt-Kiskun, im Südwesten an das Komitat Gran (Esztergom) und im Westen und Nordwesten an das Komitat Bars.

Es lag also ungefähr zwischen der Stadt Banská Štiavnica (deutsch Schemnitz) und der Donau, das Gebiet um die Stadt Krupina (deutsch Karpfen) wurde jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts angegliedert. Das Gebiet wurde von den Flüssen Krupinica und Eipel (slowakisch Ipeľ, ungarisch Ipoly) durchflossen und hatte 1910 132.441 Einwohner auf einer Fläche von 2633 km².

Verwaltungssitze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war der Verwaltungssitz des Komitates die Burg Hont (im heutigen Ungarn an der Grenze zur Slowakei südöstlich von Šahy gelegen) zusammen mit dem Ort Ipeľské Predmostie, ab dem 16. Jahrhundert während der türkischen Besetzung gab es keine eigentliche Hauptstadt, und ab dem frühen 19. Jahrhundert wurde Šahy (deutsch Eipelschlag, ungarisch Ipolyság) zum Verwaltungssitz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Komitat entstand im 11. Jahrhundert (erster Quellenbeleg 1156) durch Abspaltung aus dem Komitat Neograd. Um das Jahr 1300 kam auch das (nicht angrenzende) Gebiet von Kleinhont (ungarisch Kishont) hinzu, dieses behielt aber einen Sonderstatus und wurde 1802 (vorübergehend auch schon 1786–1790) Teil des Komitats Gemer und Kleinhont.

Von 1552 bis 1685 war der Großteil des Komitats entweder direkter Bestandteil des Osmanischen Reiches (und gehörte dort zu einer Verwaltungseinheit, die als Sandschak Neograd/Nógrad bezeichnet wurde) oder war zumindest diesem Reich gegenüber tributpflichtig.

Zur Zeit der Abspaltung von Kleinhont kam es 1802 auch zu kleinen Grenzveränderungen an der Nordgrenze, und im späten 19. Jahrhundert kam das Gebiet um Krupina zum Komitat hinzu.

1918 kam der größte Teil des Komitats (völkerrechtlich durch den Vertrag von Trianon 1920 bestätigt) zur neu entstandenen Tschechoslowakei, ein kleiner Teil des Gebietes südöstlich des Eipel verblieb bei Ungarn.

Der tschechoslowakische Teil bestand bis 1922 als Hontianska župa fort. Aufgrund des Ersten Wiener Schiedsspruchs 1938 wurde der südliche Teil von Ungarn besetzt, und der nördliche Teil kam 1940 bis 1945 zur neu gegründeten Graner Gespanschaft (slowakisch Hronská župa) innerhalb der 1939–1945 eigenständigen Slowakei. Die Grenzen wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 ebenso wie die Tschechoslowakei wiederhergestellt. Nach der neuerlichen Spaltung der Tschechoslowakei 1993 kam das Gebiet zur eigenständigen Slowakei und liegt seit 1996 im Neutraer (slowakisch Nitriansky) und im Neusohler Landschaftsverband (slowakisch Banskobystrický kraj).

Das Gebiet des Komitats wurde in der Tschechoslowakei chronologisch wie folgt administrativ eingegliedert:

  • 1918–1922: Hontianska župa (Honter Gespanschaft), CS
  • 1923–1928: Zvolenská župa ((Alt-)Sohler Gespanschaft) + Nitrianska župa (Neutraer Gespanschaft), CS
  • 1928–1939: Slovenská krajina/zem (Slowakisches Land), CS
  • 1940–1945: Pohronská župa (Graner Gespanschaft), SK
  • 1945–1948: Slovenská krajina (Slowakisches Land), CS
  • 1949–1960: Banskobystrický kraj (Neusohler Landschaftsverband) + Nitriansky kraj (Neutraer Landschaftsverband) – nicht mit den heutigen zu verwechseln, CS
  • 1960–1990: Západoslovenský kraj (Westslowakischer Landschaftsverband) + Stredoslovenský kraj (Mittelslowakischer Landschaftsverband), CS
*seit 1996: Banskobystrický kraj (Neusohler Landschaftsverband) + Nitriansky kraj (Neutraer Landschaftsverband), SK

Der ungarische Teil von Hont wurde nach dem Ende des Königreichs 1918 mit dem Komitat Neograd zum neuen Komitat Nógrád-Hont vereinigt. 1938 bis 1945 wurde es mit Teilen der ehemaligen nun besetzten Komitate Bars und Hont zum Komitat Bars-Hont vereinigt, dessen Hauptstadt Levice wurde. Seit 1950 ist das ungarische Gebiet von Hont unter den heute noch bestehenden Komitaten Pest und Nógrád aufgeteilt.

Bezirksunterteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1802 bestand das Komitat aus drei Stuhlbezirken (ungarisch járások, slowakisch slúžnovské okresy, lateinisch processus) und dazu dem Bezirk Kleinhont. Nachdem 1802 Kleinhont abgespalten wurde, teilte man das Komitat neu in vier Stuhlbezirke auf.

Luftaufnahme: Szob

Das Komitat bestand im frühen 20. Jahrhundert aus folgenden Stuhlbezirken (nach dem Namen des Verwaltungssitzes benannt):

Stuhlbezirke (járások)
Stuhlbezirk Verwaltungssitz
Bát Bát, heute Bátovce
Ipolynyék Ipolynyék, heute Vinica
Ipolyság Ipolyság, heute Šahy
Korpona Korpona, heute Krupina
Szob Szob
Vámosmikola Vámosmikola
Stadtkreis (törvényhatósági jogú város)
Selmecbánya és Bélabánya, heute Banská Štiavnica und Banská Belá
Stadtbezirk (rendezett tanácsú város)
Korpona, heute Krupina

Die Städte Vámosmikola und Szob liegen im heutigen Ungarn.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A magyar szent korona országainak 1910. évi népszámlálása; Budapest 1912, Seite 12 ff.
  2. A magyar szent korona országainak 1910. évi népszámlálása; Budapest 1912, Seite 22 ff. – Volkszählung von 1910