Kommunionfeier

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Als Kommunionfeier bezeichnet man in der katholischen Kirche einen gemeinschaftlichen Gottesdienst, in dem den Mitfeiernden die heilige Kommunion aus dem Tabernakel gereicht wird. In der Kommunionfeier selbst gibt es also keine Darbringung der Gaben, kein Hochgebet und damit keine Wandlung, da die eucharistischen Gestalten in einer früheren Messfeier konsekriert wurden.

Zur Kommunionfeier gehört als deren erster Teil stets ein Wortgottesdienst mit biblischen Lesungen. Sie wird geleitet von einem Priester, einem Diakon oder einem dazu beauftragten Laien.

Als Gemeinschaftsfeier ist die Kommunionfeier zu unterscheiden von der Kommunionspendung extra missam (außerhalb der Messfeier) an Einzelne, die diese in der Kirche erbitten (can. 918 CIC) oder, vor allem Kranke und Sterbende, in einer Privatwohnung, im Krankenhaus oder an sonstiger Stätte, etwa am Unfallort, erhalten (Krankenkommunion, Sterbekommunion).

Voraussetzung dieser Übungen ist die Überzeugung von der bleibenden Gegenwart Christi (Realpräsenz) in der Eucharistie (mit der daraus resultierenden Praxis der eucharistischen Aufbewahrung) sowie vom geistlichen Nutzen der „häufigen Kommunion“, das heißt des mehrmals wöchentlichen bis täglichen Eucharistieempfangs.[1].

Am Karfreitag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine besondere gemeinschaftliche Kommunionfeier, bei der in aller Regel ein Bischof oder Priester der Gemeinde vorstehen, ist im römischen Ritus Bestandteil der Feier vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitag, da am Sterbetag Christi keine heilige Messe gefeiert wird. Die Karfreitagsliturgie ist eingebettet in die Feier des Triduum Sacrums, der österlichem Feier von Leiden, Tod und Auferstehung Christi, die am Abend des Gründonnerstags mit der Messe vom Letzten Abendmahl beginnt und sich fortsetzt bis zur Feier der Osternacht und des Ostertages. In der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag werden auch die Gaben für die Kommunionfeier am Karfreitag konsekriert.

Das im deutschsprachigen Raum mancherorts praktizierte Unterlassen der Kommunionfeier am Karfreitag wird von der geltenden kirchlichen Ordnung nicht gedeckt und ist in der Liturgiewissenschaft umstritten.[2] Der geistliche Sinn des Empfangs der Kommunion am Karfreitag ist die innige, sakramentale Vereinigung der Christgläubigen mit dem leidenden und sterbenden Christus. Dagegen wird eingewandt, dass die Kommunionfeier „die Grundstruktur des alten Osterfastens, das Warten auf das Kommen des Auferstandenen zur österlichen Eucharistie, störend durchkreuze“.[3]

An Wochentagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An anderen Tagen des Jahres kann eine Kommunionfeier gehalten werden, etwa weil am Ort eine Eucharistiefeier – zum Beispiel wegen Priestermangels – nicht möglich ist. Dies gilt auch für Begräbnisfeiern und kirchliche Trauungen, denen ein Diakon vorsteht. In Pfarrkirchen ist die Kommunionfeier an Tagen ohne Messfeier anzubieten und auch sonst, wenn eine Gruppe von Gläubigen „aus gerechtem Grund“ darum bittet (can. 918 CIC in Verbindung mit Rituale Romanum, Die Spendung der heiligen Kommunion außerhalb der Messe, Ritus mit erweitertem Wortgottesdienst). Sie ist nicht an eine bestimmte Tageszeit gebunden.

Im altkirchlichen Mönchtum Palästinas fand an den gewöhnlichen Wochentagen nach jeder Vesper eine Kommunionfeier statt. In Taizé wird an jedem Werktag am Ende des Morgenlobs die Möglichkeit zum Empfang der Kommunion aus dem Tabernakel geboten, auf Wunsch auch unter beiden Gestalten.

An Sonntagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinsichtlich der Sonntage sind im heutigen Katholizismus unterschiedliche Einstellungen zu beobachten:

Die Gemeinsame Synode der westdeutschen Diözesen empfahl im Jahre 1975, als Ersatz für den Fall, dass kein Priester anwesend sein kann, einen Wortgottesdienst mit Kommunionfeier zu halten. Ein entsprechendes liturgisches Modell wurde mit Nr. 370 im Gotteslob den Gemeinden an die Hand gegeben.

Auch das vatikanische Direktorium „Sonntäglicher Gemeindegottesdienst ohne Priester“ (Directorium de celebrationibus dominicalibus absente presbytero) der Kongregation für den Gottesdienst vom 2. Juni 1988 sieht für diesen Notfall die Spendung der Kommunion an die Gemeinde vor: „Von den verschiedenen Arten der Gottesdienste, die gemäß der liturgischen Überlieferung dann gehalten werden, wenn keine Meßfeier stattfinden kann, wird der Wortgottesdienst sehr empfohlen, der – wo es angemessen erscheint – durch die Kommunion abgeschlossen werden kann. So können die Gläubigen gleichzeitig mit dem Wort und dem Leib Christi genährt werden. ,Wenn sie nämlich das Wort Gottes hören, erkennen sie, dass die Wundertaten des Herrn, die verkündigt werden, ihren Höhepunkt im Pascha-Mysterium erreichen, dessen Gedächtnis in der Messe sakramental gefeiert wird und an dem sie durch den Empfang der heiligen Kommunion teilhaben'.“ – „Die Feier eines Sonntagsgottesdienstes anstelle einer Messe besteht aus zwei Teilen: dem Wortgottesdienst und der Austeilung der Kommunion. In die Feier soll nichts eingefügt werden, was typisch für die Messe ist, vor allem keine Gabenbereitung und kein Eucharistisches Hochgebet.“

In Deutschland und Österreich hingegen besteht inzwischen verbreitet die Neigung oder gar Weisung, bei Wort-Gottes-Feiern, die anstelle einer Sonntagsmesse gefeiert werden, in der Regel die Kommunion nicht auszuteilen. Damit soll erreicht werden, dass die Gläubigen heilige Messe und Kommunionfeier nicht fälschlich gleichsetzen. In der Rahmenordnung „Liturgische Sonntagsfeier ohne Priester“ der Diözese Linz (1994) heißt es beispielsweise: „In der Frage der Kommunionspendung soll ein Weg gegangen werden, der die theologischen Bedenken gegen die Kommunionausteilung in gleicher Weise ernst nimmt wie die gewachsene Kommunionfrömmigkeit. Um die zentrale Stellung der Eucharistiefeier zu erhalten und zu fördern, kann die Kommunion gelegentlich, aber nicht regelmäßig gespendet werden. Wortgottesdienste sollen nicht mit Kommunionspendung gehalten werden, wenn am selben Tag eine Messfeier ist. […] Immer öfter bewusster Verzicht auf die Kommunionspendung bei gleichzeitigem Bemühen um festliche Gestaltung des Wortgottesdienstes.“

Auch an Sonntagen gilt can. 918 CIC: Wenn Gläubige aus einem gerechten Grund um den Empfang der Kommunion außerhalb der Feier der Eucharistie bitten, „ist sie ihnen außerhalb der Messe zu spenden; dabei sind die liturgischen Riten zu beachten“. Die kirchliche Ordnung sieht für diesen Fall die Ausspendung der Kommunion nach einem vorherigen – bei Einzelpersonen kurzen bzw. bei einer Gemeinschaftsfeier erweiterten – Wortgottesdienst vor. Das zugehörige liturgische Buch trägt in seiner deutschsprachigen Ausgabe den Titel Kommunionspendung und Eucharistieverehrung außerhalb der Messe und ist Teil des Rituale Romanums (zum Text s. unten).

In den Ostkirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ostkirchliche Entsprechung der gemeinschaftlichen Kommunionfeier ist die byzantinische Liturgie der vorgeheiligten Gaben oder Präsanktifikaten-Liturgie. Sie wird im byzantinischen Ritus in der Fastenzeit, bis zum 14. Jh. an jedem ihrer Werktage, als Kombination von Vesper und Kommunionspendung an die Gemeinde stets unter Leitung eines Priesters gefeiert. In der Hagia Sophia war sie einst regelmäßig auch für den Trauungsritus (Krönung), für die Kaiserkrönung und die Adelphopoisis (Feier der Annahme an Bruders Statt) vorgesehen, bis zum 14. Jh. auch am Karfreitag. Die nach dem Herrenbruder Jakobus benannte palästinische Form der Präsanktifikaten-Liturgie kam im Mittelalter außer Gebrauch, erlebt gegenwärtig jedoch im griechischen Raum eine gewisse Wiedergeburt. Daneben waren und sind in den Ostkirchen verschiedene Formen der Kommunionspendung extra missam (außerhalb der Messfeier) üblich, die auch von einem Diakon oder, wo gegeben, von einer Diakonin vorgenommen werden. Ebenfalls gepflegt werden Krankenkommunion und Sterbekommunion.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Messbuch:

Ostkirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • S. Alexopoulos: The Presanctified Liturgy in the Byzantine Rite. A Comparative Analysis of its Origins, Evolution, and Structural Components (Liturgia Condenda 21). Peeters, Leuven 2009. ISBN 978-90-429-2109-2
  • Tat’jana I. Afanas’eva: Славянская литургия Преждеосвященных Даров XII-XV вв.: текстология и язык. Sankt-Petersburg 2004. ISBN 5-288-03381-1
  • Ioannes M. Phountoules: Λειτουργία προηγιασμένων δωρων ̓Ιακώβου του ̓Αδελφοθέου. Thessalonike 1979.
  • Stéphane Verhelst: Les Présanctifiés de saint Jacques. In: Orientalia Christiana Periodica 61 (1995) 381–405.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Kommunionfeier – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pius X., Dekret Sacra Tridentina Synodus der Konzilskongregation über den täglichen Empfang der heiligen Eucharistie. In: Acta Apostolicae Sedis 38 (1905) 400-409; vgl. Heinrich Bleienstein: Die häufige und tägliche Kommunion der Gläubigen. Ihre Erlaubtheit und erhöhte Fruchtbarkeit im Lichte der Geschichte. In: Geist und Leben 26 (1953) 167-188.
  2. Hansjörg Auf der Maur: Feiern im Rhythmus der Zeit I. Herrenfeste in Woche und Jahr. Regensburg 1983, ISBN 3-7917-0788-4 (Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft. Teil 5.), S. 137; Roland Breitenbach: Karfreitag. In: Hubert Ritt (Hrsg.): Gottes Volk, Heil für alle Völker. Aschermittwoch bis Osternacht. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1995 (Bibel und Liturgie im Leben der Gemeinde 3/95), S. 60–66, hier 60.
  3. Rupert Berger: Pastoralliturgischen Handlexikon. Freiburg 1999 [1].