Kommunistische Partei Deutschlands (1990)
| Kommunistische Partei Deutschlands | |
|---|---|
| Parteivorsitzender | Torsten Schöwitz |
| Stellvertretender Vorsitzender | Dieter Rolle |
| Gründung | 31. Januar 1990 |
| Gründungsort | Ost-Berlin |
| Hauptsitz | Franz-Mehring-Platz 1 10243 Berlin |
| Jugendorganisation | Kommunistischer Jugendverband Deutschland (KJVD) |
| Zeitung | Die Rote Fahne |
| Ausrichtung | Marxismus-Leninismus, Kommunismus |
| Mitgliederzahl | 165 (Stand: 31. Dezember 2013)[1] |
| Mindestalter | 16 Jahre |
| Website | k-p-d.org |
Die Kommunistische Partei Deutschlands (Kurzbezeichnung: KPD) ist eine im Januar 1990 in Ost-Berlin gegründete Kleinpartei, die, um sie von anderen Parteien gleichen Namens, insbesondere der 1956 in Westdeutschland verbotenen KPD abzugrenzen, in einigen Publikationen auch als „KPD-Ost“ oder „KPD (Rote Fahne)“ bezeichnet wird.
Aufgrund des Einigungsvertrags fällt sie als politische Partei der ehemaligen DDR nicht unter das KPD-Verbot von 1956 und wurde daher zur Teilnahme an allen Wahlen zum Deutschen Bundestag und zu den Landtagen zugelassen. Die Partei ist in parlamentarischen Vertretungen des Bundes und der Länder nicht vertreten, auf Kommunalebene errang sie Mandate.
Die KPD gibt als Zentralorgan die monatlich erscheinende Zeitung Die Rote Fahne sowie in Broschürenform die Schriftenreihe der KPD heraus.
Der Verfassungsschutz Brandenburg schätzt die Partei als linksextremistisch ein.[2]
Inhaltsverzeichnis
Politische Positionen
Die KPD bekennt sich zur Existenz des Sozialismus in der DDR und den anderen ehemaligen Volksdemokratien Europas und bezieht sich auf die Sowjetunion unter Josef Stalin als auch Leonid Breschnew sowie auf die DDR unter Walter Ulbricht und Erich Honecker. Ihre Ausrichtung ist marxistisch-leninistisch. Auf dem XX. Parteitag der KPD wurde beschlossen, sie zu einer bolschewistischen Partei zu entwickeln.
Die KPD ist eine der wenigen politischen Organisationen in Deutschland, die das Wirken Stalins überwiegend positiv beurteilen und die politischen Veränderungen unter Nikita Chruschtschow „revisionistisch“ einschätzen. Auch bewertet sie die Juche-Ideologie von Nordkoreas Staatschef Kim Il-sung beziehungsweise die Songun-Politik seiner Nachfolger Kim Jong-il und Kim Jong-un positiv.[3]
Struktur
Die KPD ist in Parteizellen, Regional- und Landesorganisationen untergliedert. Das höchste Organ der Partei ist der Parteitag. Zwischen den Parteitagen ist dies das von den Parteitagsdelegierten gewählte Zentralkomitee (ZK). Es setzt die Parteitagsbeschlüsse um, vertritt die Partei nach außen, beruft innerparteiliche Kommissionen (zum Beispiel eine Kommission für internationale Zusammenarbeit) ein und wird vom Sekretariat des Zentralkomitees bei der Organisation und Koordination der Parteiarbeit unterstützt. Das Sekretariat übernimmt des Weiteren zwischen den Plenarsitzungen des ZK dessen Aufgaben.[4]
Landesverbände
Es existieren acht Landesorganisationen der KPD: in Berlin, in Brandenburg, in Mecklenburg-Vorpommern, in Sachsen, in Sachsen-Anhalt, in Thüringen, in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen.
Jugendverband
Am 27. April 2002 bildete sich in Berlin der Kommunistische Jugendverband Deutschlands (KJVD) als Jugendorganisation dieser KPD. Das Organ des KJVD war Der Jungkommunist, welcher mittlerweile als Rubrik der Roten Fahne erscheint.
Wahlen
Die KPD nahm bisher an folgenden Wahlen teil:
| Jahr | Wahl | Stimmen | % | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| 1990 | Volkskammerwahl | 8.819 | 0,1 % | |
| 1990 | Stadtverordnetenversammlung von (Ost-)Berlin | 3.255 | 0,2 % | |
| 1990 | Bundestagswahl | 1.630 | 0,0 % | |
| 1994 | Landtagswahl in Brandenburg | 174 | 0,0 % | nur Erststimmen |
| 1994 | Bundestagswahl | 426 | 0,0 % | nur Erststimmen |
| 1999 | Landtagswahl in Sachsen | 1.814 | 0,1 % | |
| 2002 | Bundestagswahl | 1.624 | 0,0 % | 686 Erststimmen |
| 2004 | Landtagswahl in Thüringen | 1.842 | 0,2 % | |
| 2006 | Landtagswahl in Sachsen-Anhalt | 957 | 0,1 % | Listenverbindung mit der DKP, 757 Erststimmen |
| 2011 | Landtagswahl in Sachsen-Anhalt | 1.653 | 0,2 % | |
| 2014 | Landtagswahl in Thüringen | 1.177 | 0,1 % |
Bei der Bundestagswahl 1994 erhielt der Parteivorsitzende Werner Schleese (* 1937) im Bundestagswahlkreis Erfurt 160 Stimmen (0,1 Prozent)[5] und im Bundestagswahlkreis Berlin-Lichtenberg erzielte Irma Gabel-Thälmann 266 Stimmen (0,17 Prozent).
Bei den Kommunalwahlen in Sachsen-Anhalt 2004 errang die KPD in Zeitz einen Sitz im Stadtrat, den sie bei den Kommunalwahlen 2009 mit einem Wahlergebnis von 1,7 % behauptete.[6] Bei den folgenden Wahlen 2014 erreichte sie jedoch keinen Sitz mehr.
Vor der Bundestagswahl 2013 erreichte die Partei nicht die für die Aufstellung einer Landesliste in Berlin erforderlichen 2000 Unterschriften.[7]
Parteifinanzen und Vermögen
Die Partei ist, auf Grund ihrer geringen Anzahl an Stimmen bei Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen, nicht anspruchsberechtigt auf Mittel der staatlichen Parteifinanzierung. In der Bundestagsdrucksache 18/1080 ist der Rechenschaftsbericht des Jahres 2012 aufgeführt.[8] Demnach erhielt die Partei in diesem Jahr rund 17.000 Euro, darunter
- Mitgliedsbeiträge: 63,66 %
- Spenden: 15,04 %
- Einnahmen aus Veranstaltungen und Verkauf von Druckschriften: 21,30 %
Das Reinvermögen wurde für 2012 mit rund 5600 Euro angegeben.
Parteitage seit 1990
| Parteitage seit 1990 | Parteitage der KPD vor 1946 mitgezählt | Datum | Ort |
|---|---|---|---|
| 1. | XVI. | 29./30. September 1990 & 15. Dezember 1990 | Ziegenhals & Berlin |
| 2. | XVII. | 24. Oktober 1992 | Berlin |
| 3. | XVIII. | 17./18. Dezember 1994 | Berlin |
| 4. | XIX. | 25./26. Januar 1997 | Berlin |
| 5. | XX. | 27./28. März 1999 | Rüdersdorf |
| 6. | XXI. | 24. März 2001 | Klosterfelde |
| 7. | XXII. | 15. Dezember 2001 | Strausberg |
| 8. | XXIII. | 29. März 2003 | Strausberg |
| 9. | XXIV. | 11. Juni 2005 | Berlin |
| 10. | XXV. | 21. April 2007 | Berlin |
| 11. | XXVI. | 12. Dezember 2009 | Berlin |
| 12. | XXVII. | 26. November 2011 | Berlin |
| 13. | XXVIII. | 30. November 2013 | Berlin |
| 14. | XXIX. | 22. November 2015 | Berlin |
| 15. | XXX. | 3. Februar 2018 | Berlin |
Kooperationen und Abspaltungen
Nach dem vergeblichen Versuch eines Wahlbündnisses mit Linkspartei.PDS und WASG 2005 trat ein Teil der KPD-Mitglieder aus der Partei aus und gründete im Mai selben Jahres die Kommunistische Partei Deutschlands (Bolschewiki) (KPD (B)). 2006 traten die KPD und die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) gegen den Widerstand der DKP-Parteiführung gemeinsam zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt an. 2008 scheiterten Bestrebungen zu einer Wiedervereinigung von KPD und KPD (B). Auf Betreiben der ehemaligen DKP-Mitglieder Frank Flegel und Michael Opperskalski gründete sich im Herbst 2008 die Kommunistische Initiative, um einen Einigungsprozess mit dem längerfristigen Ziel der Bildung einer einheitlichen marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei in Gang zu setzen. Dieser Gruppe schlossen sich zunächst zahlreiche Mitglieder der KPD und KPD (B) sowie einzelne DKP-Mitglieder, Personen aus den Nachfolgeorganisationen der KPD/ML und parteilose Kommunisten an. 2010 spaltete sich die Kommunistische Initiative – Gera 2010 ab, der sich viele der KPD-Mitglieder anschlossen.
Die KPD (B) löste sich 2011 auf und rief ihre Mitglieder dazu auf, sich der Kommunistischen Initiative anzuschließen. Sie arbeiteten dort im Arbeitskreis Einheit mit, lösten sich aber bereits im April 2012 wieder von der Kommunistischen Initiative und wirken nun selbstständig unter dem Namen Arbeitskreis Einheit.
Bekannte Mitglieder
Erich Honecker war nach seinem Ausschluss aus der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands Mitglied der KPD,[9] seine Frau Margot war Ehrenmitglied der Partei.[10] Irma Gabel-Thälmann trat 1990 aus Enttäuschung über die Neubewertung der Rolle ihres Vaters aus der Partei des Demokratischen Sozialismus aus und der KPD bei. Zeitweise waren der Philosoph Eike Kopf, der zahlreiche Broschüren über China für die Schriftenreihe der KPD schrieb, der Historiker Ulrich Huar sowie das Dresdner Stadtoriginal Hans-Jürgen Westphal Mitglieder der KPD.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Deutscher Bundestag: Rechenschaftsbericht der Partei (PDF; 16,9 MB)
- ↑ Landesamt für Verfassungsschutz Brandenburg Glossar: Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), abgerufen am 7. Juli 2014.
- ↑ Die Verdienste des Präsidenten Kim Il Sung um den Aufbau des Staates auf der Webseite der KPD
- ↑ Statut der KPD
- ↑ Landeshauptstadt Erfurt. Stadtverwaltung. Statistisches und Wahlamt: Ergebnisse der Bundestags- und Landtagswahlen im Oktober 1994 in der Stadt Erfurt (Kommunalstatistisches Heft 18). PDF
- ↑ Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
- ↑ Pressemitteilung des Bundeswahlleiters: Bundestagswahl 2013 – Zulassung der Landeslisten, abgerufen am 30. Mai 2015.
- ↑ Bundestags-Drucksache 18/1080.
- ↑ Thomas Kunze: Staatschef a.D.: die letzten Jahre des Erich Honecker. Links-Verlag, 2001, S. 159.
- ↑ Die Rote Fahne. Juni 2012, S. 2.