Kompaniefeldwebel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Der Kompaniefeldwebel (KpFw; umgangssprachlich „Spieß“; „Mutter der Kompanie“) ist eine Dienststellung in der Bundeswehr. In einer Einheit (Kompanie oder vergleichbar) ist er Führer des Unteroffizierkorps und leitet den Innendienst. Der Kompaniefeldwebel wird/wurde bei der Artillerietruppe und der ehemaligen Heeresflugabwehrtruppe Batteriefeldwebel (BttrFw) bezeichnet, an Ausbildungsrichtungen Inspektionsfeldwebel (InFw), bei der Luftwaffe (außer Ausbildungskompanien) und der Heeresfliegertruppe Staffelfeldwebel (StffFw) und in der Marine Schiffs-/Geschwaderwachtmeister. Die Dienststellung wird vom Dienstposten-Inhaber Kompaniefeldwebel wahrgenommen, in dessen Abwesenheit von dessen Vertreter im Amt.

Aufgaben und Stellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulterschnur, goldgelb

Der Kompaniefeldwebel berät seinen Disziplinarvorgesetzten in Fragen des Innendienstes, leitet den Innendienst und den Geschäftsbetrieb im Auftrag seines Disziplinarvorgesetzten. Dabei ist der Innendienst ein Sammelbegriff für sich wiederholende Abläufe, Dienste und Maßnahmen, die für ein geordnetes Zusammenleben in der militärischen Gemeinschaft der Einheit unerlässlich sind. Der Kompaniefeldwebel vermittelt zwischen den Soldaten der Einheit und dem Disziplinarvorgesetzten und ist dessen wichtigster Mitarbeiter bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben im Innendienst, wirkt maßgeblich bei der Erziehung und Ausbildung der Unteroffiziere mit und ohne Portepee und der Mannschaften sowie bei der Umsetzung der Leitsätze der Inneren Führung im Bereich der Einheit mit und schafft die wesentlichen Voraussetzungen sowie trifft die notwendigen Folgemaßnahmen zur Unterstützung bei Einsätzen der Einheit.[1]

Als fürsorglicher Berater und zentraler Ansprechpartner für alle Soldaten und zivilen Mitarbeiter seiner Einheit hat der Kompaniefeldwebel eine Schlüsselfunktion für die Gestaltung der militärischen Gemeinschaft. Er nimmt entscheidenden Einfluss auf das Miteinander in dieser, auf den Ton und das Klima in der Einheit. Der Kompaniefeldwebel steht, unabhängig von der Dienstgradstruktur, an der Spitze des Unteroffizierkorps der Einheit, dessen Zusammenhalt er fördert, und soll durch Charakter, Können und Pflichterfüllung beispielgebend sein. Er ist Vorgesetzter mit besonderem Aufgabenbereich gemäß § 3 der Vorgesetztenverordnung (VorgV) gegenüber allen Unteroffizieren und Mannschaften der Einheit. Der Kompaniefeldwebel genehmigt und überwacht im Auftrag des Disziplinarvorgesetzten eine gerechte und ausgewogene Einteilung der Soldaten zu Sonderdiensten und regelt die Belegung der Stuben. Für die Reviere der Gemeinschaftsunterkunft stellt er einen Revierreinigungsplan auf. Im Einzelnen sind die Aufgaben des Kompaniefeldwebels in einer Dienstanweisung zu befehlen.[1]

Der Kompaniefeldwebel unterstützt den Einheitsführer zudem in den Bereich Personal und Verpflegung (Anforderung, Abholung und Ausgabe). Er leitet das Geschäftszimmer (GeschZi, GeZi) der Einheit und ist innerhalb seiner Teileinheit (Kompaniefeldwebeltruppe) unmittelbarer Vorgesetzter gemäß § 3 VorgV.

Der Dienstposten des Kompaniefeldwebels ist in der Regel für Oberstabsfeldwebel oder Oberstabsbootsmann dotiert, an Ausbildungseinrichtungen regelmäßig niedriger.

Kennzeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tätigkeitsabzeichen KpFw/Schiffswachtmeister der Bundeswehr

Kompaniefeldwebel oder Soldaten in vergleichbarer Dienststellung tragen die „Schulterschnur ‚Kompaniefeldwebel‘“. Sie ist eine geflochtene goldgelbe Schnur, die unter der rechten Schulterklappe eingeköpft getragen wird. Sie wird nur im Dienst und auch von Vertretern im Amt getragen. Das Jackett zum Gesellschaftsanzug wird ohne Schulterschnur getragen.[2]

Kompaniefeldwebeln wird nach sechs Monaten, fünf Jahren und zehn Jahren in fachbezogener Verwendung das streitkräftegemeinsame Tätigkeitsabzeichen Kompaniefeldwebel, Schiff-/Geschwaderwachtmeister in den Stufen Bronze, Silber bzw. Gold verliehen. Es ist als Kreis mit Eisernem Kreuz, beidseitig in vier Streifen gefasst, metallgeprägt, bronze-, silber- bzw. goldfarben ausgeführt.[2]

Formaldienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Antreteformationen steht der Kompaniefeldwebel äußerst links, bei Marschformationen als letzter Mann rechts hinten. Er grüßt bei geschlossenen Formationen wie die militärischen Führer durch Anlegen der Hand an die Kopfbedeckung. In Paradeaufstellungen trägt er wie die Offiziere und als Zugführer eingesetzte Unteroffiziere mit Portepee eine Pistole.[3]

Stellenzulage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kompaniefeldwebel (auch Vertreter im Amt) erhalten eine Stellenzulage nach Nr. 4a der Vorbemerkungen zu Anlage I des Bundesbesoldungsgesetzes (BBesG). Sie beträgt gemäß Anlage IX zum BBesG 135,00 Euro seit dem 1. März 2020 und davor 112,74 Euro. Die Stellenzulage ist nicht ruhegehaltfähig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptfeldwebel (hier:OFw 2. WK) mit „Kolbenringen“ (Funktionsinsignien) an den Ärmelaufschlägen.

Das Pendant in Wehrmacht und Nationaler Volksarmee war der Hauptfeldwebel, im österreichischen Bundesheer ist es der Dienstführende Unteroffizier (DfUO), in der Schweizer Armee der Hauptfeldweibel.

Der Soldat des alten Reichsheeres nannte den Feldwebel „Spieß“ nach der Stangenwaffe die dieser in der Linie führte, und mit dieser Soldaten niedermachte, die die Flinte ins Korn warfen um Fahnenflucht zu begehen. Er marschierte in der Linie daher links bzw. hinter der Linie, im Gegensatz zu den Offizieren die voraus und rechts der Linie marschierten und diese anführten und kommandierten. Der Begriff leitete sich nachmalig in den weiteren deutschen Armeen aus dem langen Offiziersdegen ab, den dieser trug und der im Soldatenmund ebenfalls „Spieß“ hieß. Der Vizefeldwebel, der dieselbe Waffe trug, war der „Vizespieß“. Heute wird nur der Kompaniefeldwebel „Spieß“ genannt. Mit dem Spieß der Landsknechte hat der Name des Kompaniefeldwebels nichts zu tun. Warum man dem Degen den Namen einer Stangenwaffe beigelegt hat, ist nicht bekannt.[4]

Mit der Herausbildung eines festen Dienstgradsystems (18. Jh.) erhielt der „Spieß“ den Rang „Feldwe(i)bel“. Bis zum Ersten Weltkrieg war der „etatmäßige Feldwebel“ (kurz: der „Etatsmäßige“) der höchste Unteroffiziersdienstgrad im deutschen Heer. Bereits 1889 hatte der „Etatsmäßige“ am Ärmelaufschlag des Waffenrocks zu der bereits vorhandenen Unteroffizierstresse eine zweite, etwas schmalere Tresse zur Unterscheidung vom Vizefeldwebel erhalten.

Sein Pendant in der österreichischen k.u.k. Armee war der „dienstführende Feldwebel“. Zu seinen Aufgaben gehörten vor allem strenge Dienstaufsicht und Kontrolle der Mannschaften.

Reichswehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst in der Reichswehr änderte sich das Anforderungsprofil des Spießes. Er erhielt nun auch Aufgaben, die unter dem Begriff Förderung der militärischen Kameradschaft subsumiert werden können. Neu hinzu trat nun der Dienstgrad Oberfeldwebel. Die Dienststellung wurde als Oberfeldwebel der Truppe bezeichnet.

Wehrmacht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wehrmacht knüpfte an die bisherige Tradition an, wobei administrative Aufgaben für den Spieß nach wie vor im Vordergrund standen – von der Postversorgung der Soldaten bis zu Personalangelegenheiten und Verpflegungsorganisation sowie der Versorgung mit Marketenderware ging der Zuständigkeitsbereich. Hier erhielt der Spieß die Dienststellungsbezeichnung Hauptfeldwebel (nicht zu verwechseln mit dem späteren Dienstgrad Hauptfeldwebel der Bundeswehr). In der Regel hatten dienstältere Portepee-Unteroffiziere im Rang eines Oberfeldwebels und mit abgeschlossener Zugführerausbildung diesen Dienstposten inne.

Die als „Kolbenringe“ bekannt gewordenen Dienststellungsabzeichen – zwei parallele, 9 mm breite silberfarbene Unteroffizierstressen oberhalb beider Ärmelumschläge an Uniformjacke und Uniformmantel – wurden am 17. Juli 1922 eingeführt.

Waffen-SS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Waffen-SS hatte der „Spieß“ die Dienststellungsbezeichnung SS-Stabsscharführer. Hier kamen in der Regel SS-Hauptscharführer (OR-7) oder erfahrene dienstältere SS-Oberscharführer (OR-6) zum Einsatz. Kennzeichen waren, wie in der Wehrmacht, zwei parallel aufgenähte, 9 mm breite, silberfarbene Unteroffizierslitzen, die „Kolbenringe“, oberhalb beider Ärmelaufschläge an Uniformjacke und Uniformmantel.

Ordnungspolizei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Äquivalent zum Hauptfeldwebel (Spieß) der Wehrmacht und SS-Stabsscharführer (Spieß) der Waffen-SS war der geschäftsführende Hauptwachtmeister in geschlossenen Polizeiformationen (z. B. Ausbildungsbataillone, Polizei-Hundertschaften). Hier fungierten seit 1939 als Statussymbol für den Spieß ebenfalls je zwei „Kolbenringe“ aus silberfarbener Unteroffizierslitze über beiden Ärmelaufschlägen, ähnlich den Hauptfeldwebeln der Wehrmacht. Die Bestimmung wurde 1940 auf die Hauptwachtmeister-Diensttuer ausgedehnt.

Nationale Volksarmee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ärmelstreifen Spieß Volksmarine

In der Nationalen Volksarmee der DDR hatte der Spieß, auch Innendienstleiter, ebenfalls wie in der Deutschen Wehrmacht die Dienststellungsbezeichnung Hauptfeldwebel. Die äquivalente Dienststellungsbezeichnung in der Volksmarine lautete Hauptbootsmann.

Als Distinktionsabzeichen wurden hier statt doppelter einfache Kolbenringe an beiden Unterärmeln von Uniformjacke und Mantel getragen.[5] Als Hauptfeldwebel/Hauptbootsmann kamen Berufsunteroffiziere der jeweiligen Einheit, später auch Fähnriche, zum Einsatz.

Österreichisches Bundesheer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bundesheer ist der Dienstführende Unteroffizier (DfUO), im Soldatenjargon wie der deutsche Kompaniefeldwebel auch „Spieß“ oder „Mutter der Kompanie“ genannt, der Leiter des Inneren Dienstes einer Einheit. (Kompanie, Batterie, Staffel) und traditionell der ranghöchste Unteroffizier seiner Einheit. Er ist nicht mit dem UvD (Unteroffizier vom Dienst) der Bundeswehr zu vergleichen. Als Leiter der Versorgungsgruppe (VersGrp) untersteht er direkt dem Kompanie- bzw. Einheitskommandanten (KpKdt bzw. EinhKdt), ihm unterstehen der Wirtschaftsunteroffizier (WiUO), der Kanzleiunteroffizier (KzlUO), der Nachschubsunteroffizier (NUO) und der Kraftfahrunteroffizier (KUO) mit ihren Gehilfen. Er nimmt innerhalb der Einheit somit die Aufgaben der Führungsgrundgebiete 1 und 4 (Personal bzw. Versorgung) wahr und ist für ihr inneres Funktionieren verantwortlich.

Davon zu unterscheiden ist der Kommandogruppenkommandant (KdoGrpKdt), ebenfalls ein höherer Unteroffizier, der den Einheitskommandanten in Fragen der Lage, der Einsatzführung und der Ausbildung berät und unterstützt (analog dem Führungsgrundgebiet 3).

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Streitkräften bestehen dem Kompaniefeldwebel vergleichbare Dienststellungen nicht nur auf Einheitsebene, sondern bis zur obersten Ebene der Teilstreitkräfte. So gibt es in den US-Streitkräften die Senior Enlisted Advisor als höchste Dienststellungen der Unteroffiziere, teilweise auch mit eigenem Dienstgrad.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Transfeldt, Karl-Hermann von Brand, Otto Quenstedt: Wort und Brauch im deutschen Heer. Geschichtliche und sprachkundliche Betrachtungen über Gebräuche, Begriffe und Bezeichnungen des deutschen Heeres in Vergangenheit und Gegenwart. 6. vermehrte Auflage. Helmut Gerhard Schulz, Hamburg 1967, S. 43/§ 59 „Spieß“.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Zentralrichtlinie A2-2630/0-0-2, Version 2. (PDF) In: Bundeswehr. Zentrum Innere Führung, 18. Oktober 2016, abgerufen am 25. März 2020 (beinhaltet Muster-Dienstanweisung für die KpFw).
  2. a b Anzugordnung für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. (PDF) In: https://www.reservisten.bundeswehr.de/. Zentrum Innere Führung, 1. Oktober 2019, abgerufen am 25. März 2020 (Kapitel 2.5, 4.2.6, 5.10.4).
  3. Zentralrichtlinie A2-221/0-0-1280, Version 1 – Formaldienstordnung. In: https://www.reservistenverband.de/. Amt für Heeresentwicklung, 1. Januar 2015, abgerufen am 25. März 2020.
  4. Wort und Brauch im deutschen Heer, Transfeldt – v. Brand – Quenstedt, 6. vermehrte Auflage, Hamburg 11 H.G. Schulz 1967, S. 43(§ 59) … Spieß
  5. Militärlexikon, 2. Auflg. 1973, L-Nr.: 5, ES-Nr.: 6C1, BstNr: 745.303.1, Tafel 58 …Ärmelstreifen Hauptfeldwebel