Kompressionsstrumpf

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Kompressionsstrümpfe. Faltenbildung wie hier am linken Bein (im Bild: rechts) sollte vermieden werden.

Kompressionsstrümpfe (orthopädische Strümpfe oder ugs. Gummistrümpfe, Stützstrümpfe) und Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS)[1] sind als wesentlicher Bestandteil der Kompressionstherapie ein medizinisches Hilfsmittel, das bei Bedarf vom Arzt verordnet wird. Man behandelt mit Kompressionsstrümpfen: Krampfadern (Varizen), Beinvenenthrombosen und deren Folge, das Postthrombotische Syndrom, sowie auch das Lymphödem und „offene Beine“ und das Lipödem. Etwa 90 Prozent der erwachsenen Durchschnittsbevölkerung in Deutschland haben zumindest geringfügige Veränderungen an den Beinvenen, jedoch nur 23 Prozent sind in entsprechender ärztlicher Behandlung.[2]

Wirkprinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kompressionsstrümpfe erzeugen von außen Druck auf das Gewebe des umschlossenen Beines, um dessen geschädigtes Venen- oder Lymphsystem zu entlasten. Ein Kompressionsstrumpf ist so gefertigt, dass der ausgeübte Druck von oben nach unten analog zum Gewebedruck in Richtung der Schwerkraft zunimmt. Dieser Druck ist dem Krankheitsgrad des Patienten angepasst und in die Kompressionsklassen („CCL“, „Ccl“ oder „KKL“) I–IV eingeteilt. Die Kompressionsklasse I ist die leichteste Kompressionsklasse.

Kompressionsstrümpfe werden in folgende Kompressionsklassen eingeteilt:[3]

Kompressionsklassen
Kompressionsklasse Kompressionsdruck in mmHG Kompression in KPa
KKL I 18–21 2,4–2,8
KKL II 23–32 3,1–4,3
KKL III 34–46 4,5–6,1
KKL IV über 49 mind. 6,5
Medizinische Kompressionsstrümpfe in verschiedenen Farben und Formen, u.a. mit aufgesetztem Strass und in Batik-Optik

Für Betroffene, die aus physischen Gründen, wie mangelnder Beweglichkeit oder geringer Körperkraft, nicht in der Lage sind, einen Kompressionsstrumpf mit einer hohen KKL anzulegen, kommt die Verordnung von zwei Kompressionsstrümpfen mit geringerer KKL in Frage. Werden diese übereinander gezogen, addieren sich die Kompressionsklassen auf. Eine weitere Möglichkeit der Versorgung dieser Patienten ist das Verordnen einzelner Bestandteile, wie Vorfußkappe, Strümpfe und Capri/Radlerhose.[4]

Nur der Zustand der Entstauung einer Extremität kann erhalten bleiben (Erhaltungstherapie), aktiv entstauen kann ein Kompressionsstrumpf nicht. Daher kommt ein Medizinischer Kompressionsstrumpf erst nach erfolgreicher Entstauung des Beines, beispielsweise durch Kompressionsverbände im Rahmen der Kompressionstherapie, zum Einsatz. Kompressionsstrümpfe und Kompressionsverbände dienen als Widerlager für die Muskelbewegung, etwa so wie eine Muskelfaszie. Somit können sie nur dann Wirkung in der Erhaltungstherapie haben, wenn der Träger des Kompressionsstrumpfs sich ausreichend bewegen kann. Bei immobilen Menschen wirken Kompressionsstrümpfe nur eingeschränkt. Um die arterielle Durchblutung nicht zu unterbinden, sollte vor der Verordnung der Knöcheldruckindex (KDI) mit einem Taschen-Doppler bestimmt werden. Der KDI sollte über 0,8 liegen. Bei Patienten mit pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) und Polyneuropathie sollte eine Kompressionstherapie nur unter ärztlicher Kontrolle und Verantwortung durchgeführt werden.

Anwendung bei Ulcus cruris[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit einigen Jahren stehen spezielle Ulkusstrümpfe für Patienten mit Ulcus cruris zur Verfügung, sogenannte Ulkusstrumpfsysteme, die auch bei einer bestehenden Wunde verwendet werden können. Beim Ulcus cruris handelt es sich um eine chronische Wunde, die typischerweise an der Innenseite des Unterschenkels auftritt. Vor der Entwicklung von Ulkusstrümpfen war eine Kompressionsversorgung von Patienten mit einem floriden Ulcus cruris daher nur mit Kompressionsbinden möglich. Die meisten Ulkus-Strumpfsysteme bestehen aus zwei Strümpfen, die übereinandergezogen die KKL III erwirken.[5] Der obere Strumpf ist bei einigen Modellen mit einem Reißverschluss versehen, was dem Betroffenen die Selbstanlage erleichtert.

Anwendung nach einer Thrombose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Thrombose entsteht in den Venen im Knöchelbereich ein dauerhaft erhöhter Druck, der über die gestörten Venen bis in die kleinsten Hautgefäße fortgeleitet wird. Gegen diesen Druck muss von außen ein Gegendruck aufgebaut werden. Dazu dient der Kompressionsstrumpf. Am Anfang der Thrombosebehandlung hilft er, die Beschwerden und die Schwellung schnell zu beseitigen. Langfristig verhindert der Strumpf krankhafte Hautveränderungen und die Entwicklung eines offenen Beins. Er muss nur tagsüber am Thrombosebein getragen werden. Der Arzt verordnet den Strumpf etwa alle sechs Monate neu, er wird in einem Fachgeschäft individuell angepasst. Im Allgemeinen reicht ein wadenlanger Strumpf aus. Kompressionsstrümpfe werden in vier Stärkegraden(Klassen) hergestellt. Im Normalfall ist die Kompressionsklasse 2 die richtige zur Behandlung einer tiefen Beinvenenthrombose.[6]

Anwendung bei der Prophylaxe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Marathonläuferin mit Kompressionsstrümpfen

In schwächerer Ausführung (KKL < I) sind Kompressionsstrümpfe auch als prophylaktisches Mittel gegen Reisethrombosen oder als Unterstützung für Angehörige dauernd stehender Berufe (z. B. Verkäufer) in Verwendung. Kompressionsstrümpfe werden auch im Sport (z. B. Nordic Walking, Marathon) eingesetzt.

Regelmäßig werden Kompressionsstrümpfe nach Operationen oder auch für Träger von Gipsverbänden o. ä. verordnet. Medizinische Thromboseprophylaxe-Strümpfe (MTPS oder MTS) haben einen gezielten Druckverlauf, der zum Herzen abnimmt.[7] Eine Evidenz der Wirkung medizinischer Thromboseprophylaxestrümpfe existiert nicht.[8] Marc Kraft präsentierte 2013 im Rahmen der 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung, dass sich eine klinische Wirksamkeit für bestimmte Produkte demonstrieren lässt, und dass aufgrund der Heterogenität der Produkte deren Wirksamkeit bisher umstritten war.[1] Stützstrümpfe (außer MTPS) haben keinen kontrollierten Druckverlauf und sind deshalb für Menschen mit Venenerkrankungen nicht geeignet.

Anwendung im Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kompressionsstrümpfe scheinen vor allem bei der Regeneration, der Reduktion von Muskelkater und der Vermeidung von Übersäuerung bei anaerober Belastung ihre Berechtigung zu haben.[9][10]

Fertigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Kompressionsstrumpf besteht aus Zweizugmaterial (Längs- und Querdehnung). Die Fadenqualität ist heute nur noch selten eine Naturfaser (Baumwolle), gemischt mit einer elastischen Chemiefaser (früher Gummi). Die aktuell meist verwendeten Vollsynthetikfasern sind wesentlich haltbarer. Um nahtlos zu sein, wird ein Kompressionsstrumpf im Rundstrickverfahren gestrickt. Verfügt der Träger des Strumpfs über ungewöhnliche Körperproportionen, kann eine Maßfertigung sinnvoll sein. Eine zweite Variante sind flachgestrickte Strümpfe, die nicht im Rundstrickverfahren hergestellt, sondern mit einer Naht wie eine Röhre zusammengenäht werden. Die Optik leidet zwar unter diesem Verfahren, jedoch können so die Konturen der Beine wesentlich besser bekleidet werden. Flachgestrickte Strümpfe werden in der Regel bei starken Venenleiden oder Ödemen eingesetzt und haben die Kompressionsklassen II, III oder sogar IV.

Ausführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Befestigung mit Strumpfhalter

Kompressionsstrümpfe sind in Knie (AD)-, Halbschenkel (AF)-, Oberschenkel-Länge (AG) und ebenso als Strumpfhose (AT, für beide Geschlechter), gegebenenfalls auch als Umstandsstrumpfhose (ATU) in Sanitätshäusern, bei Orthopädietechnikern und Apotheken erhältlich. Wahlweise sind sie mit Zehenöffnung (offene Spitze) oder ohne Zehenöffnung (geschlossene Spitze) erhältlich. Bei den AF- und AG-Kompressionsstrümpfen ist der Oberrand des Strumpfes mit einem silikonbesetzten Halteband (Haftrand) ausgestattet, alternativ kann man auch Strumpfhalter verwenden. Kompressionsstrümpfe gibt es in vielen Standard- und Trendfarben, sie sind in ihrer Transparenz heute kaum noch von Nylonstrümpfen zu unterscheiden. Getragen wird ein Kompressionsstrumpf gewöhnlich nur am Tage, solange der Körper sich in aufrechter Haltung befindet.

Es gibt auch Kompressionsstrümpfe für Hände und Arme, da auch die oberen Gliedmaßen von Krankheiten (z. B. Lymphödeme nach Operationen oder Chemotherapie) betroffen sein können, die eine Kompression erfordern.

Anlegen des Strumpfes mit Gestell.jpg

An- und Ausziehhilfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An- und Ausziehhilfen sind ebenfalls im Fachhandel erhältlich und vom Arzt verordnungsfähig. Es wird zwischen Gestellen und Gleitern unterschieden. Letztere bestehen aus gleitfähigen künstlichen Fasern, beispielsweise Ballonseide. Je nach Produkt erleicherten sie nur das Anlegen, oder das An- und Ausziehen der Strümpfe. Die sogenannten Gestelle (siehe Bild rechts) eignen sich für Patienten, die ihre Füße nicht mehr gut erreichen können. Sie sind - im Gegensatz zu den Gleitern - immer sowohl für offene, als auch für geschlossene Kompressionsstrümpfe geeignet.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Compression stockings – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefanie Reich-Schupke, Markus Stücker: Moderne Kompressionstherapie - Ein praktischer Leitfaden: Viavital Verlag, Köln 2013, ISBN 978-3-934371-50-7
  • Kerstin Protz, Joachim Dissemond, Knut Kröger: Kompressionstherapie Ein Überblick für die Praxis. Springer Verlag, Berlin u.a. 2016, ISBN 978-3-662-49743-2

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Endlich verbesserte Datenlage zu Medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen. abgerufen 18. Juni 2016.
  2. Bonner Venenstudie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie, 2003. Abgerufen am 18. Juni 2016 (PDF; 717 kB).
  3. Leitlinien Medizinischer Kompressionsstrumpf. Deutsche Gesellschaft für Phlebologie online, abgerufen am 18. Juni 2016.
  4. Kerstin Protz, Joachim Dissemond, Knut Kröger: Kompressionstherapie Ein Überblick für die Praxis. Springer Verlag, Berlin u.a. 2016, Seite 102
  5. Stefanie Reich-Schupke, Markus Stücker: Moderne Kompressionstherapie - Ein praktischer Leitfaden: Viavital Verlag, Köln 2013, Seite 78-79
  6. Thrombose – Vorbeugen und behandeln. Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V., Berlin 2009, S. 12.
  7. Leitlinie Medizinischer Thromboseprophylaxe-Strumpf (MTS). Deutsche Gesellschaft für Phlebologie online, abgerufen am 24. Juni 2016.
  8. K. Kröger et al.: Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe - Gibt es eine Evidenz? In: Dtsch Med Wochenschr 2011; 136: 276–279 doi:10.1055/s-0031-1272524, Volltext (PDF; 159 kB).
  9. JR Jakeman, C Byrne, RG Eston: Efficacy of lower limb compression and compression treatment of manual massage and lower limb compression on symptoms of exercise-induced muscle damage in women. In: J Strength Cond Res, 24(11), 2010, S. 3157–3165
  10. Arnd Krüger: Technische Hilfsmittel. In: Leistungssport, 42(1), 2012, S. 21
  11. Kerstin Protz, Joachim Dissemond, Knut Kröger: Kompressionstherapie Ein Überblick für die Praxis. Springer Verlag, Berlin u.a. 2016, Seite 45-46
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