Kongō (Schiff, 1912)

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Kongō
Die Kongō nach dem Umbau
Die Kongō nach dem Umbau
Schiffsdaten
Flagge JapanJapan (Seekriegsflagge) Japan
Schiffstyp Schlachtkreuzer
ab 1936: Schnelles Schlachtschiff
Klasse Kongō-Klasse
Bauwerft Vickers, Barrow
Kiellegung 17. Januar 1911
Stapellauf 18. Mai 1912
Indienststellung August 1913
Verbleib am 21. November 1944 nach einem U-Boot-Angriff gesunken
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
Original: 214,6 m
1936: 222,65 m (Lüa)
Breite Original: 28 m
1936: 31,02 m
Tiefgang max. Original: 8,7 m
1936: 9,72 m
Verdrängung Standard: 26.750 t
Standard ab 1936: 32.670 t
 
Besatzung 1.221 (1913)
1.437 Mann (1939)
Maschinenanlage
Maschine ab 1936: 8 Kampon Dampfkessel
4 Dampfturbinen
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
Original: 64.000 PS
ab 1936: 136.000 PS
Höchstgeschwindigkeit ab 1936 30,3 kn (56 km/h)
Höchst-
geschwindigkeit
27,5 kn (51 km/h)
Propeller 4
Bewaffnung

Hauptbewaffnung:

Mittel- und Flugabwehrartillerie ab 1914:

  • 16 × 1 15,2 cm L/50
  • 4 × 8 cm L/40 Jahr 41
  • 4 × Torpedorohre Ø 53,3 cm

Mittel- und Flugabwehrartillerie ab 1944:

Panzerung
  • Gürtelpanzer: 152–203 mm
  • Zitadelle: 75–340 mm
  • Panzerdeck: 70–120 mm

Hauptgeschütztürme

  • Front: 229 mm
  • Decke: 152 mm

Vorderer Kommandoturm

  • Seiten: 254 mm

Die Kongō (jap. 金剛), benannt nach einem Berg bei Osaka[1] (von Sanskrit Vajra für einen unzerbrechlichen Stein (Diamant) oder dem Donnerkeil als Waffe Indras), war ein japanisches Kriegsschiff, das im Ersten und Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde. Sie war das Typschiff der aus vier Einheiten bestehenden und nach ihr benannten Kongō-Klasse.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kongō selbst war das letzte große Kriegsschiff der japanischen Marine, das im Ausland gebaut wurde. Ihre drei Schwesterschiffe entstanden dann nach dem Vorbild und den Originalplänen der Kongō in Japan, darunter die Kirishima als erstes auf einer japanischen Privatwerft gebautes japanisches Großkampfschiff.

Der Entwurf stammte aus Großbritannien und lehnte sich eng an die damals modernsten Schlachtkreuzer der Royal Navy an, die sogenannten „splendid cats“ (frei dem Sinn nach übersetzt: phantastische Großkatzen) der Lion-Klasse sowie die Tiger. Gegenüber der HMS Lion wurde für die Kongō eine günstigere Aufstellung der Geschütztürme mit besserer Zusammenfassung der Maschinenanlage gewählt sowie eine vollwertige Mittelartillerie ergänzt – Verbesserungen, die auch die britische Tiger übernahm. Das japanische Schiff erhielt zudem ein stärkeres Hauptkaliber (14 Zoll = 35,6 cm gegenüber 13,5 Zoll = 34,3 cm). Die Kongō teilte allerdings auch die Schwächen der großen, schnellen und stark bewaffneten britischen Schiffe, nämlich ihre unzureichende Panzerung, die der Lion zweimal fast zum Verhängnis geworden wäre und die die Katastrophe der mit fast der gesamten Besatzung am Skagerrak vernichteten Queen Mary verursachte.

Allgemeine Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauauftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unternehmen Vickers und Siemens konkurrierten um den Bauauftrag für die Kongō, und beide arbeiteten dabei auch mit Bestechungsgeldern für das Marineministerium. Für Vickers war dabei angeblich der Waffenhändler Basil Zaharoff erfolgreich.[3] Der Korruptionsfall wurde in Japan 1914 als Siemens-Skandal öffentlich und führte zum Rücktritt des japanischen Premierministers Yamamoto Gonnohyōe.

Einsatzgeschichte der Kongō[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kongō nach der ersten Modernisierung, 1929

Nachdem die Kongō von der japanischen Marine als Schlachtkreuzer in Dienst gestellt worden war, fungierte sie zunächst im Ersten Weltkrieg bei mehreren Besetzungsaktionen der japanischen Armee gegen deutsche Kolonien im Pazifik als Sicherung.

1924 wurden die Rohre der Hauptgeschütze und Teile der Feuerleitanlage ersetzt, um erkannte Leistungsschwächen auszubessern. Nach dem Washingtoner Abkommen wurde die Kongō 1929 als eines der wenigen Großkampfschiffe, die Japan zugestanden wurden, radikal zum Schlachtschiff modernisiert. Durch Erneuerung der Maschinenanlage, die Verstärkung ihrer Panzerung und die Aufrüstung mit Aufklärungsflugzeugen wurde der Kampfwert der Kongō gesteigert. Die zweite Modernisierungsphase von 1935 bis 1937 führte zu einer weiteren Steigerung der Geschwindigkeit; ihr Rumpf wurde um 8 m verlängert und die Flugabwehrbewaffnung verstärkt. Der ehemalige Schlachtkreuzer wurde nun als Schnelles Schlachtschiff in den japanischen Bestandslisten geführt.

1938 nahm die Kongō am Krieg gegen China teil. Aufklärungsflugzeuge der Kongō warfen einige Bomben auf Fuzhou. Eine weitere Modernisierung fand 1941 statt: Die Feuerbekämpfungsanlagen an Bord wurden aufgerüstet, und die Turmpanzerung an den vier Haupttürmen wurde verstärkt.

Kongō und Haruna wurden der Zweiten Flotte zugeteilt und liefen von Saiki in Richtung Macau aus. Anschließend sicherte sie die Landung japanischer Soldaten auf den Philippinen bei Aparri und Vigan ab. Die Kongō war auch Teil der Deckungsgruppe für die Flugzeugträger, die Colombo auf Ceylon angriffen.

1942 erhielt die Kongō zeitgleich mit ihrem Schwesterschiff Kirishima ein erstes Suchradar vom Typ 21 Kai 1, verbunden mit der A5-Antenne mit übereinander angeordneten Sende- und Empfangsteilen (4 × 6 Elemente) auf dem Vormars an der Vorderseite des Feuerleitgeräts für die schwere Artillerie.

Kongō und Haruna beschossen 1942 den Flugplatz Henderson Field und andere US-Installationen auf Guadalcanal. Am 26. Oktober 1942 wurde die Kongō während der Schlacht bei den Santa-Cruz-Inseln von Torpedobombern der Enterprise angegriffen, aber nicht beschädigt.

Sie fungierte in den folgenden Wochen als Deckungsgruppe für die Küstenbeschussoperation des Schwesterschiffs Kirishima gegen Guadalcanal.

Wie bei ihrem Schwesterschiff Haruna entschied man sich auch bei der Kongō nach dem Verlust ihrer Schwesterschiffe Hiei und Kirishima für eine Verstärkung des Panzerschutzes der Ruderanlage. Beim Modernisierungsumbau Ende 1943 bis Anfang 1944 wurden die Anzahl der 6-Zoll-Kasemattgeschütze auf acht (beiderseits vier) reduziert, die schwere Flak auf 12 × 12,7 cm in sechs Zwillingen verstärkt und auch die leichte Flak nachgerüstet (auf nunmehr 34 Rohre Kaliber 25 mm in sechs Drillingen und acht Zwillingen). Im Juli 1944 schließlich wurden zwei Seesuch- und Feuerleitradare Typ 22 Kai 4M (später Kai 4S) jenseits des Brückenturms und ein Luftwarnradar Typ 13 am Großmast nachgerüstet und die leichte Flak auf den Endstand von 100 Rohren (plus 10 transportierbare Zusatzgeschütze) Kaliber 25 mm gebracht (18 Drillinge, 8 Zwillinge, 30 plus 10 Einzellafetten).

Die Haruna oder möglicherweise Kongō unter Beschuss während der Schlacht in der Philippinensee

1944 nahm die Kongō an der See- und Luftschlacht im Golf von Leyte teil. Während der Schlacht bei Samar erzielte die Kongō am 25. Oktober Treffer auf dem US-Zerstörer Hoel und dem Geleitflugzeugträger Gambier Bay. Sie versenkte den US-Geleitzerstörer Samuel B. Roberts.

In der Nacht vom 21. November 1944 durchfuhr die Kongō gemeinsam mit der Yamato und der Nagato die Formosastraße. Um 1:46 Uhr schoss das amerikanische U-Boot Sealion einen Fächer von sechs Torpedos auf den japanischen Flottenverband ab. Zwei Torpedos trafen die Kongō, ein weiterer den Zerstörer Urakaze. Während die Urakaze mit der gesamten Besatzung sofort unterging, konnte die Kongō noch mit 16 Knoten ablaufen. Zwei ihrer Kesselräume waren aber vollgelaufen, und sie hatte bereits Schlagseite. Um 5:20 Uhr morgens verlor die Besatzung den Kampf gegen den Wassereinbruch. Die Kongō, von zwei Zerstörern gesichert, stoppte. Um 5:24 Uhr registrierte das verfolgende US-U-Boot eine starke Explosion, und die Kongō verschwand von seinem Radar. Vermutlich kenterte sie als Folge der Schlagseite und die Munition in einem ihrer Magazine explodierte.[2] Etwa 1.200 Seeleute gingen mit der Kongō auf der Position 26° 9′ N, 121° 23′ OKoordinaten: 26° 9′ 0″ N, 121° 23′ 0″ O im dort 106 m tiefen Wasser unter. Die Begleitzerstörer konnten bei schwerer See nur 237 Überlebende retten. Der Oberbefehlshaber der 3. Division, Vizeadmiral Suzuki, und der Kommandant der Kongō, Konteradmiral Shimazaki, gingen mit dem Schiff unter.

Wrack[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die genaue Position des Wracks der Kongō ist unklar.

Fußnote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einheit tons [ts], auch long tons genannt, hat 1016 kg, im Gegensatz zur metrischen Tonne mit 1000 kg. Diese Unterscheidung nur der Ordnung halber, da bei den hier genannten internationalen Flottenverträgen diese Einheit verwendet wird.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur Quellen spezifisch zur Kongo-Klasse oder zu den Schlachtschiffen der japanischen Marine:

  • Gakken Pictorial Series: Vol.21 IJN Kongo Class Battleships. Tokyo 1999
  • Maru Special: Japanese Naval Vessels (erste Serie in 56 Bänden), Band 9: Kongo. Tokyo 1976, mit Band 54 Schlachtschiffe – Ergänzung. Tokyo 1981.
  • Maru Special: Japanese Naval Vessels (zweite Serie), Band 112: Geschichte der Kongo-Klasse. Tokyo 1986, mit Band 116: Geschichte der japanischen Schlachtschiffe. Tokyo 1986.
  • Kaijinsha (Publ.): The Imperial Japanese Navy. (in 14 Bänden), Band 2 (Schlachtschiffe 2), Kongo-Klasse, Tokyo 2. Auflage 1995
  • Chihaya Masataka, Abe Yasuo: IJN Kongo Battleship 1912–1944. Windsor 1971
  • Steve Wiper: IJN Kongo Class Battleships. Tucson 2001.
  • Watanabe Yoshiyuki: Battleships of Japan. Gakken, Tokyo 2004.
  • Fukui Shizuo: Japanese Naval Vessels Illustrated. 1869–1945. (in drei Bänden), Band 1, Battleships and Battlecruisers. Tokyo 1974
  • Todaka Kazushige: Japanese Naval Warship. (bislang in 6 Bänden) Band 2, Battleships and Battle Cruisers. Kure Maritime Museum, Kure 2005.
  • Ishiwata Kohji: Japanese Battleships. Ships of the World Band 391, Tokyo 1988.
  • Model Art No. 6: Drawings of IJN Vessels. Band 1, Schlachtschiffe und Zerstörer. Tokyo 1989.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kongō – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Donald M. Goldstein, Katherine V. Dillon: The Pacific War papers. Japanese documents of World War II. Free Press, 2005, ISBN 1-57488-632-0, S. 300.
  2. a b Analyse des Materials zu Untergang von Mr. Tully
  3. Zaharoff: Furcht vor dem Sieg. In: Der Spiegel 47/1965, 17. November 1965, abgerufen am 28. Dezember 2014