Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij

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Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij (KNRM)
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Rechtsform Stiftung
Gründung 1991, IJmuiden
Sitz Haringkade 2
1976 CP IJmuiden
Niederlande (Koordinaten: 52° 27′ 26,6″ N, 4° 35′ 39,9″ O)
Ursprung Zusammenschluss der KNZHRM und der KZHMRS
Aktionsraum Niederländische Nordsee
Schwerpunkt gemeinnützige Hilfsorganisation zur Seenotrettung
Budget rd. 17 Mio. Euro
Freiwillige 1325 (34 Frauen)
Angestellte 70
Besitzer Direktor: Dr. Dedan P.J.Schmidt
Motto Menschen retten – schnell, professionell und kostenlos
Website knrm.nl
2017: 2119 Einsätze und 3521 gerettete Personen

Die Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij (KNRM) ist die Seenotrettungsorganisation der Niederlande. Im Auftrag der niederländischen Küstenwache ist sie zuständig für den Such- und Rettungsdienst (SAR) an der niederländischen Nordsee-Küste einschließlich des Wattenmeers zwischen den Inseln. Daneben bewacht sie die großen Binnengewässern IJsselmeer, Markermeer und die Randmeere von Flevoland sowie das gesamte Rhein-Maas-Delta in Südholland und Zeeland.

Aufgaben und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rettungsboote der KNRM

Die KNRM ist eine Stiftung mit Sitz in IJmuiden. Für die SAR-Dienste werden 45 Stationen (Stand 2018) unterhalten, die vom Kustwachtcentrum in Den Helder (JRCC) alarmiert und koordiniert werden. Die Rettungsstationen sind 24 Stunden am Tag verfügbar und fast ausschließlich mit Freiwilligen besetzt. Ca. 1.300 Mitarbeiter sorgen dafür, dass jährlich über 3.000 Menschen aus Gefahr auf See gerettet werden. Zu diesem Zweck stehen 78 Rettungsboote (Stand 2018) zur Verfügung, die nach Alarmierung in 15 Minuten zum Einsatz bereit sind.[1]

Seit 2010 hat die KNRM als weitere Aufgabe die Rettungswacht (Lifeguard) in den Sommermonaten auf den vier Westfriesischen Inseln Vlieland, Terschelling, Ameland und Schiermonnikoog übernommen. Auf einem mit rot-gelben Flaggen abgesteckten Strandbereich beaufsichtigen ca. 100 KNRM-Rettungsschwimmer die Freizeitaktivitäten am Strand. Als Partner der Rettungsbrigade (Reddingsbrigade Nederland) unterstützt die KNRM deren Tätigkeiten an der Nordseeküste sowie in den Gewässern von Zeeland und dem IJsselmeer.

Mit dem Radio Medizinischen Dienst (RMD) bietet die KNRM Unterstützung bei schweren Unfällen oder Erkrankungen an Bord eines Seeschiffes oder einer Yacht auf der ganzen Welt. Ein Kapitän kann dazu beim RMD kostenlos einen Arzt um Rat fragen. Die Ärzte sind rund um die Uhr für Notfälle erreichbar und in der Lage, auch über große Entfernungen zu diagnostizieren. Mehr als 750 Mal wird jedes Jahr ein Rat durch den RMD gegeben.[2]

Die KNRM bietet mit speziellen Küstenrettungsfahrzeugen auch eine Unterstützung an Land. Die Rettungsstationen an der Nordseeküste übernehmen mit diesen KHV-Lastwagen (KHV Kusthulpverlening) den Transport der leichten Strandrettungsboote und unterstützen die Suche an Land im Rahmen der SAR-Aufgaben. Auch bei Einsätzen von Polizei und Feuerwehr sind die KHV-LKW Bestandteil der Rettungskette. Normalerweise übernimmt die KNRM damit den Transport von Unfallopfern im Strand- und Dünenbereich, da die Fahrzeuge auch in schwer zugänglichem Gelände agieren können.[3]

Die Finanzierung erfolgt, wie auch bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), durch private Spenden. Im Gegensatz zur DGzRS sieht die KNRM ihre Kernaufgabe darin, Menschen zu retten unter dem Motto „Menschen retten und helfen. Schnell, professionell und kostenlos“.[4] Die technische Hilfeleistung erfolgt nur sehr begrenzt, z. B. gibt es keine umfangreiche Einrichtungen zur Brandbekämpfung wie auf den deutschen Schiffen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

älteres Rettungsboot der KNRM

Im Oktober 1824 geschah ein Schiffsunglück vor der Küste von Huisduinen.[5] Bei der dramatischen Rettungsaktion kamen drei Schiffbrüchige und sechs Retter ums Leben. Dies wurde zum Anlass genommen, um ein organisiertes Rettungssystem mit Rettungsstationen entlang der holländischen Küste aufzubauen. So wurde am 11. November 1824 die Koninklijke Noord- en Zuid-Hollandsche Redding-Maatschappij (KNZHRM), auch Noord genannt, gegründet. Sie war für die nördlichen Küstenabschnitte einschließlich der Zuiderzee zuständig. Neun Tage später am 20. November 1824 ging die Koninklijke Zuid-Hollandsche Maatschappij tot Redding van Schipbreukelingen (KZHMRS), auch Zuid genannt, an den Start mit der Zuständigkeit für die Küste südlich von Scheveningen mit dem Mündungsdelta von Rhein, Maas und Schelde. Gleichzeitig erging ein Aufruf an die niederländische Bevölkerung Geld für die organisierte Rettung zu spenden. Seitdem haben viele Freiwillige dafür gesorgt, dass längs der niederländische Küste Rettungsstationen aufgebaut wurden, um in Not geratene Menschen auf hoher See zu retten.

Die heutige Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij entstand 1991 durch die Fusion der beiden Organisationen Noord und Zuid. Lag ursprünglich der Schwerpunkt der Arbeit auf Rettungsaktionen für die kommerzielle Schifffahrt, so ist im Laufe der Zeit die Hilfeleistung für in Not geratene Wassersportlern stark angewachsen.

Die Geschichte der Seenotrettung in den Niederlanden ist im Nationalen Rettungsmuseum 'Dorus Rijkers' dargestellt. Es befindet sich auf der historischen Reichswerft der Königlichen Marine in Den Helder. Ältere Rettungsboote können hier besichtigt werden.

Die KNRM hat seit ihrer Gründung 69 Seenotretter im Einsatz auf See verloren.[6] Zum Gedenken wurde 1934 von Königin Wilhelmina das Nationale Monument für das Rettungswesen mit Glockenspiel in Den Helder am Platz Helden der Zeeplein eingeweiht.

Bootsklassen in der Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boot der Johannes-Frederik-Klasse
Boot der Valentijn-Klasse
Valentijn-Boot auf Traggestell
Boot der Arie-Visser-Klasse
Boot der NH-1816-Klasse
Boot der Nikolaas-Klasse
Boot der Atlantic-75-Klasse
Boot der Lifeguard

Die Rettungsboote der KNRM haben im Laufe der Zeit eine starke technische Entwicklung erfahren. Die anfangs gebauten Ruderrettungsboote erhielten Luftkästen, um diese möglichst 'unsinkbar' zu machen. Jedoch dauerte es oft lange, bis ein Ruderrettungsboot ein Schiff in Seenot erreichen konnte. Mit dem Einbau von Motoren Anfang des 20. Jahrhunderts konnte die Anmarschzeit erheblich verkürzt werden. Eine weitere, große Neuerung bildete das selbstaufrichtende Rettungsboot: Ein System von Ventilen sorgte dafür, dass asymmetrische Tanks im Schiff nach einer Kenterung das Schiff wieder aufrichtete. Dieses Prinzip wird seit den 1930er Jahren immer angewendet. Ab den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts lösten Aluminiumrümpfe die alten und schweren Stahlrümpfe ab, wodurch eine weitere Steigerung der Fahrtgeschwindigkeit erzeugt werden konnte.

Für den SAR-Dienst stehen heute 78 Rettungseinheiten unterschiedlicher Größe zur Verfügung.[7] Davon sind 34 größere Seenotrettungsboote mit mehr als 10 Meter Länge. Alle Rettungsboote sind vom Aufbau her Festrumpfschlauchboote (RIB) und nutzen für den Antrieb Waterjets. Gegenüber Schraubenantrieb besitzen die Waterjets den Vorteil, dass sie keine beweglichen Teile im Wasser aufweisen. Bei Grundberührungen können keine Beschädigungen des Antriebs erfolgen und für Menschen im Wasser stellen sie keine Gefahr dar. Der Nachteil des relativ geringen Wirkungsgrads eines Waterjet-Antriebs muss durch höhere Motorleistung ausgeglichen werden. Die Boote erreichen Geschwindigkeiten bis zu 35 Knoten.

Geschlossene Allwetterboote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ersatz der alten und langsamen Rettungsboote wurde in den 1970er-Jahren von der KNRM ein neuer Typ konzipiert. Mit ganz neuem Design sollte eine hohe Seetüchtigkeit, gute Manövrierfähigkeit, geringer Tiefgang und hohe Geschwindigkeit erreicht werden. Das erste Boot der Johannes-Frederik-Klasse konnte im Jahr 1988 als Allwetter-Rettungsboot in Dienst gestellt werden.

Die Johannes-Frederik-Klasse wurde ursprünglich entworfen, um auch vom Strand aus in See gesetzt werden zu können. Aber dafür erwies sich das Schiff als zu lang und zu schwer, sodass für diesen Zweck ein kleineres Boot konstruiert werden musste, das aber über die gleichen Fahreigenschaften verfügen sollte. Das erste Boot der Valentijn-Klasse konnte 1990 in Noordwijk aan Zee stationiert werden. An der Nordseeküste lagern die Boote in einem speziellen Tragegestell auf Raupenketten und müssen zum Einsatz mit einem Raupenschlepper ins Wasser verbracht werden.

Die Boote der Johannes-Frederik-Klasse hatten nur eine begrenzte Reichweite, da nur 4,5 Stunden Einsatzzeit zur Verfügung stand. Die Weiterentwicklung führte zur Arie-Visser-Klasse, die als Besonderheit von einem professionellen Skipper geführt werden. Die Reichweite dieser Allwetterboote wurden dem überwachten Seegebiet der Niederlande angepasst, das ca. 250 km (140 sm) in die Nordsee reicht, sodass die Boote bei voller Leistung 16 Stunden oder ca. 500 Seemeilen gefahren werden können.

In enger Zusammenarbeit mit der Damen-Schiffswerft und der Hochschule in Delft entwickelte die KNRM den Prototyp einer ganz neuen Klasse, die als Nachfolger der Arie-Visser-Klasse vorgesehen ist. Der Bootsname Nh 1816 würdigt den Hauptsponsor für die Entwicklung, die niederländische Versicherungsgesellschaft Nh1816 Verzekeringen. Seit 2014 liegt das neue Boot in IJmuiden.

Offene Rettungsboote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Rettungsstationen an Binnengewässern hat die KNRM kleinere RIB-Boote in offener Bauweise beschafft, die in Norwegen entwickelt wurden. Mit vier Mann Besatzung können bis zu 20 Personen aufgenommen werden.

In der gleichen Größe existiert ein Boot bei der Station Den Oever vom Typ Harder 2000, dass in den Niederlanden gebaut wurde. Die Johanna Margareta war der Prototyp einer geplanten neuen Klasse der KNRM, der ab dem Jahr 2000 entwickelt wurde und als Nachfolger der vorhandenen Schlauchboote des Typs Atlantic-21 aus den 1970er Jahren vorgesehen war. Jedoch war die Neuentwicklung zu schwer für den Zweck, sodass eine weitere Beauftragung nicht erfolgte.

Anstelle der Harder wurden die Nachfolgetypen Atlantic-75 beschafft und mit 18 Exemplaren in die Flotte integriert. Sie ergänzen Stationen mit größeren Booten und stehen bei den 'kleineren' Strand-Rettungsstationen an der Nordsee im Einsatz. Wie die Vorgänger werden diese 7,50 Meter langen RIB-Boote von der britischen Seenotrettungsgesellschaft RNLI (Royal National Lifeboat Institution) beschafft.

Eine weitere Klasse stellt die Float-Klasse dar. Die leichten 'Floatjes', wie sie liebevoll genannt werden, haben ein Länge von 5,10 Meter Länge und werden zumeist für Übungszwecke verwendet.

Für die Aufgaben der Lifeguards auf den Westfriesischen Inseln stehen der KNRM 130 PS starke Jetskis zur Verfügung. Diese sind auf einem Spezialanhänger verladen und können schnell mit einem Geländewagen an den Strand und ins Wasser gebracht werden. Zur Aufnahme und Rettung von schwimmenden Personen führen die kleinen Boote eine Kunststoffmatratze mit sich, auf der sich Ertrinkende gut festhalten können.

Tabelle der Bootsklassen der KNRM[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

geschlossener Rettungsboote
Klasse Länge maximale
Geschwindigkeit
Besatzung Anzahl
Gerettete
in Dienst seit Anzahl
gebaut
davon
dienstbereit
Reserve
Johannes-Frederik-Klasse 14,4 m 34 Knoten 4 75 1988 8 4 2
Valentijn-Klasse 10,6 m 34 Knoten 4 50 1990 18 16 1
Arie-Visser-Klasse 18,8 m 34 Knoten 6 120 1999 10 10 0
NH-1816-Klasse 19,3 m 31 Knoten 6 120 2014 1 1 0
offene Rettungsboote
Nikolaas-Klasse 9,3 m 34 Knoten 4 20 2009 16 14 2
Harder-Klasse 9,0 m 34 Knoten 3 20 2003 1 1 0
Atlantic-Klasse 7,5 m 32 Knoten 3 15 2003 18 16 2
Float-Klasse 5,1 m 27 Knoten 3 5 1991 10 10 0
Stand : 2018

Die Zentrale der KNRM befindet sich in IJmuiden. Dort liegen neben den einsatzbereiten Schiffen Nh 1816 und Koos van Messel die Schiffe der Reserveflotte und Schiffe der historischen Einheiten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die SAR-Dienste der KNRM
  2. Der Radio Medizinischer Dienst der KNRM
  3. KNRM an Land – Kusthulpverlening
  4. Über die Mission der KNRM
  5. Die Geschichte der KNRM
  6. Monument für das Rettungswesen in Den Helder
  7. Die Rettungsboote der KNRM