Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij

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Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij
KNRM-Fahne
Abkürzung KNRM
Zweck Seenotrettung
Gründungsdatum 1824
Sitz IJmuiden
Rettungsboote 75
Stationen 45
Webpräsenz knrm.nl
Funkrufname Den Helder Rescue

Die Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij (KNRM) ist die Seenotrettungsorganisation der Niederlande. Im Auftrag der niederländischen Küstenwache ist sie zuständig für den Such- und Rettungsdienst (SAR) an der niederländischen Nordsee-Küste einschließlich dem Wattenmeer zwischen den Inseln. Daneben bewacht sie die großen Binnengewässern IJsselmeer, Markermeer und die Randmeere von Flevoland sowie das gesamte Rhein-Maas-Delta in Südholland und Zeeland.

Aufgaben und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rettungsboote der KNRM

Die KNRM ist eine Stiftung mit Sitz in IJmuiden. Für die SAR-Dienste werden 45 Stationen (Stand 2017) unterhalten, die durch das Coastguard Centre (MRCC) in Den Helder koordiniert werden. Die Rettungsstationen sind 24 Stunden am Tag verfügbar und fast ausschließlich mit Freiwilligen besetzt. Ca. 1.300 Mitarbeiter sorgen dafür, dass jährlich über 3.000 Menschen aus Gefahr auf See gerettet werden. Zu diesem Zweck stehen 75 Rettungsboote zur Verfügung.

Als neue Aufgabe hat die KNRM die Rettungswacht (Lifeguard) in den Sommermonaten auf den vier Westfriesischen Inseln Vlieland, Terschelling, Ameland und Schiermonnikoog übernommen. Auf einem mit rot-gelben Flaggen abgesteckten Strandbereich beaufsichtigen die KNRM Rettungsschwimmer die Freizeitaktivitäten am Strand.

Die Finanzierung erfolgt, wie auch bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), durch private Spenden. Im Gegensatz zur DGzRS sieht die KNRM ihre Kernaufgabe darin, Menschen zu retten unter dem Motto „Menschen retten und helfen. Schnell, professionell und kostenlos“. Die technische Hilfeleistung erfolgt nur sehr begrenzt, z.B. gibt es keine umfangreiche Einrichtungen zur Brandbekämpfung wie auf den deutschen Schiffen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

älteres Rettungsboot der KNRM

Im Oktober 1824 geschah ein Schiffsunglück vor der Küste von Huisduinen. Bei der dramatischen Rettungsaktion kamen drei Schiffbrüchige und sechs Rettungsschwimmer ums Leben. Dies wurde zum Anlass genommen, um ein organisiertes Rettungssystem mit Rettungsstationen entlang der holländischen Küste aufzubauen. So wurde am 11. November 1824 die Koninklijke Noord- en Zuid-Hollandsche Redding-Maatschappij (KNZHRM), auch Noord genannt, gegründet. Sie war für die nördlichen Küstenabschnitte einschließlich der Zuiderzee zuständig. Neun Tage später am 20. November 1824 ging die Koninklijke Zuid-Hollandsche Maatschappij tot Redding van Schipbreukelingen (KZHMRS), auch Zuid genannt, an den Start mit der Zuständigkeit für die Küste südlich von Scheveningen mit dem Mündungsdelta von Rhein, Maas und Schelde. Gleichzeitig erging ein Aufruf an die niederländische Bevölkerung Geld für die organisierte Rettung zu spenden. Seitdem haben viele Freiwillige dafür gesorgt, dass längs der niederländische Küste Rettungsstationen aufgebaut wurden, um in Not geratene Menschen auf hoher See zu retten.

Die heutige Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij entstand 1991 durch die Fusion der beiden Organisationen Noord und Zuid. Lag ursprünglich der Schwerpunkt der Arbeit auf Rettungsaktionen für die kommerzielle Schifffahrt, so ist im Laufe der Zeit die Hilfeleistung für in Not geratene Wassersportlern stark angewachsen.

Die Geschichte der Seenotrettung in den Niederlanden ist im Nationalen Rettungsmuseum 'Dorus Rijkers' dargestellt. Es befindet sich auf der historischen Reichswerft in Den Helder in einem alten Motorenarbeitsplatz der Königlichen Marine. Ältere Rettungsboote können hier besichtigt werden.

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boot der Johannes-Frederik-Klasse
Boot der Valentijn-Klasse
Valentijn-Boot auf Traggestell
Boot der Arie-Visser-Klasse
Boot der NH-1816-Klasse
Boot der Nikolaas-Klasse
Boot der Lifeguard

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den SAR-Dienst stehen 75 Rettungseinheiten unterschiedlicher Größe zur Verfügung (Stand 2017). Davon sind 34 größere Seenotrettungsboote mit mehr als 10 Meter Länge. Alle Rettungsboote sind vom Aufbau her Festrumpfschlauchboote (RIB) und nutzen für den Antrieb Waterjets. Gegenüber Schraubenantrieb besitzen die Waterjets den Vorteil, dass sie keine beweglichen Teile im Wasser aufweisen und dadurch keine Gefahr für Menschen im Wasser darstellen.

Johannes-Frederik-Klasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ersatz der alten und langsamen Rettungsboote wurde in den 1970er-Jahren von der KNRM ein neuer Typ konzipiert. Mit ganz neuem Design sollte eine hohe Seetüchtigkeit, gute Manövrierfähigkeit, geringer Tiefgang und hohe Geschwindigkeit erreicht werden. Das erst Boot der Johannes-Frederik-Klasse konnte im Jahr 1988 als Allwetter-Rettungsboot in Dienst gestellt werden. Der Aluminiumrumpf mit einem umlaufenden Gummiwulst macht das RIB-Boot fast unsinkbar und kann auch in schwerer See gefahren werden. Im Kenterfall kann es sich selbst aufrichten, da der Decksaufbau einen geschlossenen Hohlkörper bildet, der durch die tief liegenden Motoren und die im Boden befindlichen Tanks immer nach oben strebt. Die zwei Dieselmotoren von jeweils 680 PS ermöglichen eine Höchstgeschwindigkeit von 35 Knoten. Das 14,40 Meter lange Schiff besitzt einen Tiefgang von 0,75 Meter und wird von einer vierköpfigen Besatzung gefahren. Im Rettungsfall bietet es 90 Personen Platz. Im Wasser treibende Schiffbrüchige können über eine absenkbare Klappe im Heck leicht an Bord genommen werden.

Die Johannes-Frederik-Klasse wurde ursprünglich entworfen, um auch vom Strand aus in See gesetzt werden zu können. Aber dafür erwies sich das Schiff als zu lang und zu schwer, sodass es nur auf Stationen mit Hafeninfrastruktur stationiert wird.

Valentijn-Klasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Nichteignung der Johannes-Frederik-Klasse als Strandrettungsboot musste für diesen Zweck ein kleineres Boot entworfen werden, das aber über die gleichen Fahreigenschaften verfügen sollte. Das erste Boot der Valentijn-Klasse konnte 1990 in Noordwijk aan Zee stationiert werden. Auf einem speziellen Traggestell mit Raupenfahrwerk verlastet werden die Boote in einem Schuppen am Deich untergestellt. Ein Traktor mit Raupenketten zieht das Gespann zum Strand und ins Wasser, von wo das Boot in See gehen kann. Bei 10,60 Meter Länge wiegt ein Valentijn fast fünf Tonnen weniger als ein Boot der Johannes-Frederik-Klasse. Zwei Motoren leisten jeweils 430 PS und geben dem Boot eine Geschwindigkeit von 34 Knoten. Bis 1997 wurden zehn solcher Einheiten in Dienst gestellt.

Die Boote der Valentijn-Klasse sind nicht für extrem schlechtes Wetter konzipiert und haben sich hervorragend im IJsselmeer und Wattenmeer bewährt. Sie weisen einen halboffenen Fahrstand auf und werden als semi-selbstaufrichtend bezeichnet, weil zum Aufrichten nach einer Kenterung ein Airbag aktiviert werden muss. Mit 4 Mann Besatzung finden 50 Personen Aufnahme. Der Tiefgang beträgt wie bei der Johannes-Frederik-Klasse 0,75 Meter.

Nach einigen Jahren Erfahrung mit der Valentijn-Klasse wurde unter dem Namen Valentijn 2000 ein verbessertes Design erstellt. Neben einem größeren Achterdeck wurden die Boote 0,4 Meter länger und erfuhren eine Effizienzsteigerung durch einen stärkeren Antrieb und besserer Steuerung der Motoren. Von diesem Typ wurden bis 2007 noch sieben weitere Boote beschafft.

Arie-Visser-Klasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Betrieb der Allwetterboote der Johannes-Frederik-Klasse konnte deren Reichweite nicht befriedigen, da nur 4,5 Stunden Einsatzzeit bei voller Leistung zur Verfügung stand. Die Weiterentwicklung führte zur Arie-Visser-Klasse, die mit sechs Mann Besatzung gefahren wird. Mit der Verlängerung auf 18,80 Meter Länge konnten größere Tanks eingebaut werden, sodass ein Aktionsradius von 16 Stunden bei voller Leistung zur Verfügung steht. Die Schiffe haben circa 1 Meter Tiefgang und können 120 Personen aufnehmen. Die Motorenleistung musste auf 1000 PS erhöht werden, um die gleiche Höchstgeschwindigkeit von 35 Knoten zu erreichen. Die weiteren Eigenschaften wie z.B. selbstaufrichtend blieben erhalten. Zwischen 1999 und 2009 nahm die KNRM zehn Boote der Arie-Visser-Klasse in Betrieb. Waren die ersten Einheiten noch weiß lackiert hat man später auf eine Lackierung aus Kostengründen verzichtet, da Aluminium nicht besonders geschützt werden muss.

NH-1816-Klasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2014 wurde der Prototyp einer ganz neuen Klasse NH 1816 in Dienst gestellt. Der Name stammt von dem Hauptsponsor für die Entwicklung, der niederländischen Versicherungsgesellschaft Nh1816 Verzekeringen. Mit 19,3 Meter ist dies das größte Schiff in der Flotte, das in IJmuiden stationiert wurde. Bei einer Besatzung von sechs Mann bietet es Platz für 120 Schiffbrüchige, von denen 24 Personen unter Deck Platz finden. Als All-Wetter-Boot soll es zukünftig die Arie-Visser-Klasse ersetzen.

Das Boot wurde in enger Zusammenarbeit der KNRM mit der Damen-Schiffswerft sowie der Hochschule in Delft entwickelt und mit einer innovativen Bugform ausgestattet. Dieser Bug durchschneidet das Wasser und mindert das Stampfen, um eine gleichmäßige und hohe Fahrgeschwindigkeit sicher zu stellen. Ein Aluminiumrumpf mit Aufbauten aus Kunststoffen machen das Boot sehr leicht, sodass nur ein Tiefgang von 1,10 Meter erreicht wird. Mit zwei unabhängig voneinander arbeitenden Dieselmotoren von je 900 kW Leistung wird eine Höchstgeschwindigkeit von 31 Knoten erreicht. Ein großes Tankvolumen macht dabei einen Aktionsradius von 175 Seemeilen möglich. Wie bei den vorhandenen Booten hat das NH 1816 eine Heckklappe zur Aufnahme von schwimmenden Personen.

Offene Rettungsboote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Ergänzung der Stationen mit größeren Booten sowie für Rettungsstationen an Binnengewässern besitzt die KNRM Schlauchboote in offener Bauweise. Nach Beschaffung und Erprobung verschiedener RIBs in der Vergangenheit ist 2008 die Nikolaas-Klasse definiert worden. Bei vier Mann Besatzung können 20 Personen Aufnahme finden. Waterjets erzeugen eine Geschwindigkeit von 34 Knoten. Von diesen 9,30 Meter langen Booten wurden bisher 14 Stück beschafft. Ein etwas kleineres Boot stellen die zehn Boote der Atlantic-Klasse dar, die eine Länge von 7,50 Meter aufweisen. Die neuesten RIBs sind die leichten 'Floatjes' der Float-Klasse mit 5,10 Meter Länge.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien