Konrad Goehl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Konrad Goehl (* 24. Juni 1938) ist ein deutscher Altphilologe, Mittellateiner und Medizinhistoriker.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konrad Goehl stammt aus Ansbach und studierte Griechisch, Latein und Germanistik an den Universitäten Erlangen und München. Bis 1996 arbeitete er als Oberstudienrat im Schuldienst. 1984 wurde er an der Universität Würzburg mit einer Arbeit über Guido d’Arezzo den Jüngeren und dessen im 12. Jahrhundert entstandenes, auf der Humoralpathologie beruhendes[1] medizinisches Werk Liber mitis zum Doktor der Philosophie promoviert.[2] Für die Würzburger medizinhistorischen Mitteilungen verfasste er zahlreiche Aufsätze.[3] 1999 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der interdisziplinären Forschergruppe Klostermedizin. Zusammen mit deren Leiter Johannes Gottfried Mayer gab er 2001 den Macer floridus von Odo Magdunensis, das allgemeine Standardwerk der mittelalterlichen Kräuterheilkunde, erstmals in einer neuhochdeutschen Fassung heraus.

Im Deutschen Wissenschafts-Verlag folgten weitere Ausgaben und Übersetzungen zentraler Werke der mittelalterlichen Arzneikunde, u. a. zum Circa instans sowie zum Kanon der Medizin von Avicenna. Zudem lehrt und forscht Goehl in der Klassischen Philologie an der Universität Würzburg und assistiert Udo W. Scholz bei der Herausgabe der Persius-Scholien der Traditionsfamilie C.

Konrad Goehl lebt in der Nähe von Augsburg.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Guido d’Arezzo der Jüngere und sein ‚Liber mitis‘. 2 Bände. Hort Wellm, Pattensen/Han. 1984 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 32), ISBN 3-921456-61-4 (zugleich Phil. Dissertation Würzburg)
  • Guido d’Arezzo als Avicenna-Leser. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 1, 1983, S. 23–35.
  • Zur Stuhlschau des Theophilus. in Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 2, 1984, S. 29–77, sowie Ergänzungen und Berichtigungen zu 'Zur Stuhlschau des Theophilus. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 3, 1985, S. 385 f.
  • Guido d’Arezzo der Jüngere als Purgiermeister. in Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 4, 1986, S. 39–61.
  • Lesefrüchte aus der griechisch-lateinischen Galen-Ausgabe von Karl Gottlob Kühn. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 5, 1987, S. 97–110.
  • Ein Humoralpathologe liest das Wintergedicht des Horaz. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 7, 1989, S. 101–104.
  • Die Palatina-Fassung des ‚Liber mitis‘ von Guido d’Arezzo dem Jüngeren. Mit Kommentar und Wörterbuch herausgegeben. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 12, 1994, S. 91–142.
  • Das ‘Gicht-’ und ‘Schnupfenregiment’ des Anonymus Luneburgensis. Untersuchungen zu zwei norddeutschen Konsilien des Jahres 1442 mit kritischer Ausgabe des Textes. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 13, 1995, S. 133–198.
  • mit Johannes Gottfried Mayer: Signa mortui foetus. Das tote Kind im Mutterleib. Ein neuer Text zur mittelalterlichen Gynäkologie. In: Sudhoffs Archiv. Band 84, 2000, S. 232–235.
  • mit Johannes Gottfried Mayer: Ein gynäkologisch-kosmetisches Fragment aus der Mitte des 13. Jahrhunderts im Propsteiarchiv Kempen als Gegenstand der medizinhistorischen Forschung. In: Die Handschriften des Propsteiarchivs Kempen. Köln 1999, S. 59–76.
  • Xenophon und die Medizinhistorikerin. Wie ein Beziehungsversuch nicht gelang. Notwendige Ergänzung zu dem Aufsatz: ‘Bolismus oder bulimia – Krankheit der modernen Zeit?’ von Milada Ríhová. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 19, 2000, S. 533–540.
  • mit Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag., Königshausen & Neumann, Würzburg 2000, ISBN 3-8260-1851-6.
  • mit Johannes Gottfried Mayer: Das Darmstädter Johannes-Alexandrinus-Fragment. In: Sudhoffs Archiv. Band 84, 2000, S. 201–221.
  • mit Johannes Gottfried Mayer: Nachträge zum "Darmstädter Johannes-Alexandrinus-Fragment. In: Sudhoffs Archiv. Band 88, 2004, S. 96–102.
  • als Herausgeber mit Johannes Gottfried Mayer: Höhepunkte der Klostermedizin: der "Macer floridus" und das Herbarium des Vitus Auslasser. Reprint-Verlag, Leipzig 2001, ISBN 3-8262-1120-0.
  • mit Johannes Gottfried Mayer: Das Verhältnis der mittelalterlichen Kräuterbücher zu ihren lateinischen Quellen: dargestellt am 'Älteren deutschen Macer', dem 'Leipziger Drogenkompendium' (Leipzig UB, 1224) sowie dem 'Gart der Gesundheit' (Mainz 1485). In: Sprachwissenschaft. Band 28, 2003, S. 273–292.
  • mit Johannes Gottfried Mayer und Gundolf Keil: Der Aderlaßmann aus Michelstadt: Ein Plakat aus dem Mittelalter. In: Bewahren und Erforschen, Festschrift Kurt Hans Staub., Michelstadt 2003, S. 56–74.
  • Die medizinisch-pharmazeutischen Fragmente Allendorf Rechnungseinband 1641 (Nr. 20) sowie Mengeringhausen Rechnungseinband 1639 (Nr. 62) aus dem Landeskirchlichen Archiv Kassel. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 26, 2007, S. 297–333.
  • Regimen sanitatis Salernitanum. Mittelalterliche Gesundheitsregeln aus Salerno, in neue Reime gebracht. Deutscher Wissenschafts-Verlag Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-86888-010-6.
  • Guido d'Arezzo. Liber mitis: un trattato di medicina fra XII e XIII secolo. Goehl, Konrad [Ed.]. Licciardello, Pierluigi [Publ.]. - Ospedaletto, Pisa 2009
  • Der "Liber mitis" von Guido d'Arezzo. In: 750 anni degli statuti universitari aretini. 2006, S. 141–149.
  • Anmerkungen zur Bedeutung Guidos d'Arezzo des Jüngeren und seines Liber mitis. In: Fachprosa - Grenzüberschreitungen. Hrsg. von Gundolf Keil, Band 4/5, 2008/09, Baden-Baden 2010, S. 15–25.
  • mit Johannes Gottfried Mayer und Katharina Englert: Die Pflanzen der Klostermedizin in Darstellung und Anwendung. Mit Pflanzenbildern des Benediktiners Vitus Auslasser (15. Jh.) aus dem Clm 5905 der Bayerischen Staatsbibliothek München. (= DWV-Schriften zur Medizingeschichte, Bd. 5). Baden-Baden, Deutscher Wissenschafts-Verlag 2009, ISBN 978-3-86888-007-6.
  • Gottfried von Franken: Das älteste Weinbuch Deutschlands. Deutscher Wissenschafts-Verlag Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-86888-014-4.
  • mit Johannes Gottfried Mayer: Das Pelz- und Weinbuch Gottfrieds von Franken. in Würzburg - Herbipolis, Stadt der Gärten, der Pflanzen und des Weines. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2139-7, S. 103–110.
  • mit Jorit Wintjes: Zwiebelsaft gegen Epilepsie. Claudius Galenus behandelt einen fallsüchtigen Knaben. Galens Schrift Pro puero epileptico consilium. Deutscher Wissenschafts-Verlag Baden-Baden 2010, ISBN 978-3-86888-025-0.
  • Frauengeheimnisse im Mittelalter. Die Frauen von Salern. Gynäkologisches und kosmetisches Wissen des 12. Jahrhunderts. Deutscher Wissenschafts-Verlag Baden-Baden 2010, ISBN 978-3-86888-018-2.
  • mit Jorit Wintjes: Die "Ecloga" des Theodulus. Deutscher Wissenschafts-Verlag Baden-Baden 2012, ISBN 978-3-86888-052-6.
  • mit Jorit Wintjes: Mariengebete aus karolingischer Zeit. Deutscher Wissenschafts-Verlag Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-86888-056-4.
  • mit Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Kräuterbuch der Klostermedizin. Reprint-Verlag Leipzig 2013, ISBN 978-3-8262-3057-8.
  • Avicenna und seine Darstellung der Arzneiwirkungen. Deutscher Wissenschafts-Verlag Baden-Baden 2014, ISBN 978-3-86888-078-6.
  • Wie Gerhard Eis das Weinbuch Gottfrieds las. In: Fachprosa - Grenzüberschreitungen (hrsg. von Gundolf Keil), 8/9 (2012/13), Baden-Baden 2014, S. 299–309.
  • Das 'Circa Instans'. Die erste große Drogenkunde des Abendlandes. Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden, 2015. ISBN 978-3-86888-096-0.
  • Beobachtungen und Ergänzungen zum ‘Circa instans’. In: Medizinhistorische Mitteilungen (hrsg. von Gundolf Keil) 34 (2015), Baden-Baden 2016, S. 69–77.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Konrad Goehl und Gundolf Keil: ‚Liber mitis‘. Zum Titel von Guidos Purgiertrakat. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 4, 1986, S. 179–184.
  2. Zum rätselhaften Titel Liber mitis siehe: Konrad Goehl: Anmerkungen zur Bedeutung Guidos d’Arezzo des Jüngeren und seines „Liber mitis“. In: Gundolf Keil (Hrsg.): Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Bd. 4/5 (2008/09), Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2010, S. 23.
  3. WmM-Autorenverzeichnis 1 (1983) – 24 (2005). S. 13 f.