Konrad Heresbach

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Kupferstich, erste Hälfte 16. Jahrhundert
Gut Heresbach
Gedenktafel

Konrad Heresbach (auch Conrad Heresbach, latinisiert Conradus Heresbachius; * 2. August 1496 auf Gut Heresbach bei Mettmann; † 14. Oktober 1576 auf Gut Lohrwardt in Mehr (Rees)) war ein deutscher Humanist und Altphilologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konrad Heresbach wurde als fünftes von sieben Kindern auf Gut Heresbach in der Honschaft Obmettmann bei Schöller geboren. Er trat mit sieben Jahren in die Klosterschule Werden ein, wechselte zwei Jahre später auf die Lateinschule in Hamm, dann auf die Domschule Münster, wo er wohl von Johannes Murmellius unterrichtet wurde. Am 20. Oktober 1512 ließ er sich in Köln immatrikulieren, verbrachte seine Artesstudien an der Bursa Montana und schloss im November 1513 mit dem Bakkalaureat und 1515 mit dem Magistergrad ab. Im Umfeld der Burse wurde auch – außerhalb des vorgeschriebenen Curriculums – Griechisch und Hebräisch studiert.

Sein anschließendes Jura-Studium in Köln und Orléans schloss er 1520 in Köln ab, wo er Ende des Jahres mit Erasmus von Rotterdam zusammentraf und mit ihm nach Basel reiste. Für Erasmus war er als Korrektor und Famulus tätig.[1] In Basel vermittelte ihm Erasmus eine Stelle beim Drucker Johann Froben. Doch nach einem halben Jahr wechselte Heresbach nach Freiburg, wo er weiter Jura hörte, aber auch als Griechischdozent wirkte, ohne damit jedoch auf Akzeptanz zu stoßen. Deshalb zog er sich Mitte 1523 für kurze Zeit wieder nach Basel zurück. In Freiburg war Heresbach Schüler von Ulrich Zasius, nach Erik Wolf dem „Ahnherr und Begründer einer deutschen Rechtswissenschaft“.[2]: S. 21 1522 promovierte er in Ferrara zum Doktor des Zivilrechts. Noch 1523 ging er zurück in seine Heimat und wirkte bis zu seinem Lebensende am Hof Johann Wilhelms in Düsseldorf. Als „staatsrechtlichen Leitfaden der fürstlichen Regierungskunst“ bezeichnet Guntram Fischer sein Werk de educandis erudiendisque principum liberis rei publicae gubermandae, das ihn als Initiator der Monheim’schen Schule qualifiziert.[2]: S. 21

In der Folge beteiligte er sich durch lateinische Übersetzungen an der Edition vier bedeutender griechischer Werke:

  • an Theodor Gazas griechischer Grammatik (Basel 1523),
  • der Geographica Strabons (Basel 1523),
  • den Historien des Herodot (Köln 1526) und
  • dem Peloponnesischen Krieg des Thukydides (Köln 1527).

Schon seit etwa 1523, sicher jedenfalls seit 1524, wirkte Heresbach als Prinzenerzieher am Hof des Herzogs von Jülich-Kleve-Berg. Beinahe fünf Jahrzehnte war er neben Johann Ghogreff, Johann von Vlatten und Johann Weyer einer der wichtigsten Politiker am Hof (ab 1534 auch als Geheimer Rat) und setzte sich für Toleranz auch in der Kirchenpolitik ein.[2]: S. 18 Konrad Heresbach engagierte sich für das Bildungswesen und errichtete eine heute noch bestehende Studienstiftung mit Sitz in Kalkar. Seine Privatbibliothek wurde lange im Weseler Willibrordi-Dom aufbewahrt.

Er schrieb mehr als 30 theologische, philologische, pädagogische und juristische Werke sowie eines über den Landbau und ein Kompendium über Jagd-, Vogel- und Fischfang.

In Düsseldorf soll ihm das Haus Zum Goldenen Hirsch gehört haben.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heresbach-Denkmal in Wesel

Das Konrad-Heresbach-Gymnasium in Mettmann trägt seinen Namen. 1996 wurde in Wesel auf dem Großen Markt eine Bronze-Plastik in Form eines aufgeschlagenen Buches (geschaffen von Kuno Lange) aufgestellt, auf der ein Wort von Konrad Heresbach steht: „… denn es gilt Irrtümer, nicht Menschen auszurotten.“ In seinem Sterbeort Mehr sowie in Düsseldorf, Kleve, Wesel und im Solinger Stadtteil Wald sind Straßen nach ihm benannt.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • De laudibus Graecarum literarum oratio. Straßburg 1551 (online)
  • De educandis erudiendisque principum liberis reipublicae gubernandae destinatis deque republica christiana administranda. Frankfurt am Main 1570 (online)
  • Rei rusticae libri quatuor. Universam rusticam disciplinam complectentes etc., 4 Bücher, Köln 1570 (digital) (fünf weitere Auflagen; Neuausgabe als Nachdruck der lateinischen Originalausgabe mit deutscher Übersetzung unter dem Titel Vier Bücher über Landwirtschaft. Band 1: Vom Landbau, Meisenheim 1970)
  • zusammen mit Johannes Sturm: Psalmorum Davidicorum simplex et dilucida explicatio, Basel 1578 (postum)
  • Christianae iurisprudentiae epitome, Neustadt an der Weinstraße 1586 (postum)
  • Thereutices, hoc est de venatione, aucupio atque piscatione compendium. Köln 1570; 1577 ins Englische übersetzt; Text lateinisch und deutsch: Veröffentlichungen zur Humanismusforschung. Band 2. Boppard am Rhein 1977.
  • Diarium seu quotidianae preces hebdomadis accommodatae. Item Celeuma exhortatorium ad praeparationem Christiane moriendi. Frankfurt am Main 1592 (online)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartwig Lohse: Heresbach, Konrad. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 606 f. (Digitalisat).
  • Jutta Prieur (Hrsg.): Humanismus als Reform am Niederrhein. Konrad Heresbach 1496–1579 (Ausstellung Wesel, Willibrordidom, Heresbachkapelle 11. Oktober – 17. November 1996; Düsseldorf, Stadtmuseum 5. Februar – 9. März 1997) (= Schriften der Heresbach-Stiftung, Band 4), Bielefeld 1996, ISBN 3-89534-194-0.
  • Manfred Weise: Heresbach und die Dunkelmänner. Seine Rolle in den geistigen Konflikten des frühen 16. Jahrhunderts. In: Herbert Prokasky (Hrsg.): Konrad Heresbach. 1496–1576. Versuch einer Annäherung; zu seinem 500. Geburtstag. Mettmann 1996, S. [13]-30.
  • Meinhard Pohl (Hrsg.): Der Niederrhein im Zeitalter des Humanismus. Konrad Heresbach und sein Kreis (= Schriften der Heresbach-Stiftung, Band 5). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 1997, ISBN 3-89534-211-4.
  • Marcus Bernhardt (Hrsg.): Geist & Macht. Konrad Heresbach. Humanist und Diplomat am jülich-klevischen Hof (= Führer des Stadtgeschichtlichen Museums Jülich 13). Jülich 1999, ISBN 3-934176-02-X (Ausstellungskatalog).
  • Martin Szameitat: Konrad Heresbach – Ein niederrheinischer Humanist zwischen Politik und Gelehrsamkeit (= Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte 177). Rudolph Habelt, Bonn 2010, ISBN 978-3-7749-3698-0.
  • Christian Majowski: Konrad Heresbach. Erster Vertrauter des Landesherrn Wilhelm V. In: Ein Gelehrten-Netzwerk im 16. Jahrhundert. Mercators Nachbarn. Mercator-Verlag, Duisburg 2020, ISBN 978-3-946895-31-2, S. 114–124.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Konrad Heresbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Grimm: Neue Beiträge zur „Fisch-Literatur“ des XV. bis XVII. Jahrhunderts und über deren Drucker und Buchführer. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel – Frankfurter Ausgabe. Nr. 89, 5. November 1968 (= Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 62), S. 2871–2887, hier: S. 2883.
  2. a b c Guntram Fischer: Düsseldorf und seine Rechtsakademie, Triltsch, Düsseldorf 1983 ISBN 3-7998-0024-7