Konrad Heresbach

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Aquarell nach Gemälde von 1660
Gut Heresbach
Gedenktafel

Konrad Heresbach (auch Conrad Heresbach, latinisiert Conradus Heresbachius; * 28. August 1496 auf Gut Heresbach bei Mettmann; † 14. Oktober 1576 auf Gut Lohrwardt in Mehr (Rees)) war ein deutscher Humanist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konrad Heresbach wurde als fünftes von sieben Kindern auf Gut Heresbach in der Honschaft Obmettmann bei Schöller geboren. Er trat mit sieben Jahren in die Klosterschule Werden ein, wechselte zwei Jahre später auf die Lateinschule in Hamm, dann auf die Domschule Münster, wo er wohl von Johannes Murmellius unterrichtet wurde. Am 20. Oktober 1512 ließ er sich in Köln immatrikulieren, verbrachte seine Artesstudien an der Bursa Montana und schloss im November 1513 mit dem Bakkalaureat und 1515 mit dem Magistergrad ab. Im Umfeld der Burse wurde auch – außerhalb des vorgeschriebenen Curriculums – Griechisch und Hebräisch studiert.

Sein anschließendes Jura-Studium in Köln und Orléans schloss er 1520 in Köln ab, wo er Ende des Jahres mit Erasmus von Rotterdam zusammentraf und mit ihm nach Basel reiste. Dort vermittelte ihm Erasmus eine Stelle beim Drucker Johann Froben. Doch nach einem halben Jahr wechselte Heresbach nach Freiburg, wo er weiter Jura hörte, aber auch als Griechischdozent wirkte, ohne damit jedoch auf Akzeptanz zu stoßen. Deshalb zog er sich Mitte 1523 wieder nach Basel zurück. In der Folge beteiligte er sich durch lateinische Übersetzungen an der Edition vier bedeutender griechischer Werke:

  • an Theodor Gazas griechischer Grammatik (Basel 1523),
  • der Geographica Strabons (Basel 1523),
  • den Historien des Herodot (Köln 1526) und
  • dem Peloponnesischen Krieg des Thukydides (Köln 1527).

Schon seit etwa 1523, sicher jedenfalls seit 1524, wirkte Heresbach als Prinzenerzieher am Hof des Herzogs von Jülich-Kleve-Berg. Beinahe fünf Jahrzehnte war er einer der wichtigsten Politiker am Hof (ab 1534 auch als Geheimer Rat) und setzte sich für Toleranz auch in der Kirchenpolitik ein.

Konrad Heresbach engagierte sich für das Bildungswesen und errichtete eine heute noch bestehende Studienstiftung. Seine Privatbibliothek wurde lange im Weseler Willibrordi-Dom aufbewahrt.

Er schrieb mehr als 30 theologische, philologische, pädagogische und juristische Werke sowie eines über den Landbau.

In Düsseldorf soll ihm das Haus „Zum Goldenen Hirsch“ gehört haben. In seinem Sterbeort Mehr ist die Hauptstraße als Heresbachstraße nach ihm benannt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heresbach-Denkmal in Wesel

Das Konrad-Heresbach-Gymnasium in Mettmann trägt seinen Namen. 1996 wurde in Wesel auf dem Großen Markt eine Bronze-Plastik in Form eines aufgeschlagenen Buches (geschaffen von Kuno Lange) aufgestellt, auf der ein Wort von Konrad Heresbach steht: „… denn es gilt Irrtümer, nicht Menschen auszurotten.“

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clarissimi Viri Conradi Heresbachii Ivreconsulti de laudibus Græcarum literarum oratio. Olim Friburgi in celeberrimo conuentu & Doctorum & Procerum, habita. Ioan. Stvrmii De Edvcatione Principum … Rogeri Aschami Et Ioannis Sturmij Epistolæ duæ, de nobilitate Anglicana, Straßburg 1551
  • De Edvcandis Ervdiendisqve Principvm Liberis, Reipvblicæ Gvbernandæ Destinatis, Deqve Repvblica christiana administranda: Ad Illvstrissimvm VVilhelmvm Dvcem … Libri duo. Avctore Conrado Heresbachio Ivreconsulto, & eiusdem Principis Consiliario, Frankfurt am Main 1570 (später auch unter dem Titel De educandis erudiendisque liberis, reipublicae gubernandae destinatis, deque republica Christiane administranda Epitome: Libri duo. Accessit diarium, seu quotidianae preces hebdomadis accommodatae. Item Celeuma exhortatorium ad praeparationem Christiane moriendi)
  • Rei rusticae libri quatuor. Universam rusticam disciplinam complectentes etc., 4 Bücher, Köln 1570 (fünf weitere Auflagen; Neuausgabe als Nachdruck der lateinischen Originalausgabe mit deutscher Übersetzung unter dem Titel Vier Bücher über Landwirtschaft. Band 1: Vom Landbau, Meisenheim 1970)
  • zusammen mit Johannes Sturm: Psalmorum Davidicorum simplex et dilucida Explicatio, Basel 1578 (postum)
  • Christianae iurisprudentiae epitome, Neostadii in Palatinatu 1586 (postum)
  • Conradi Heresbachii Thereutices hoc est de venatione aucupio atque piscatione compendium. In usum heroum et patrumfamilias ruri agentium concinnatum = Handbüchlein der Thereutik, das heißt über Jagd, Vogelfang und Fischerei, Text lateinisch und deutsch, Veröffentlichungen zur Humanismusforschung (Band 2), Boppard am Rhein 1977, ISBN 3-7646-1657-1

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartwig Lohse: Heresbach, Konrad. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 606 f. (Digitalisat).
  • Jutta Prieur (Hrsg.): Humanismus als Reform am Niederrhein. Konrad Heresbach 1496–1579 (Ausstellung Wesel, Willibrordidom, Heresbachkapelle 11. Oktober - 17. November 1996; Düsseldorf, Stadtmuseum 5. Februar - 9. März 1997) (= Schriften der Heresbach-Gesellschaft Kalkar 5), Bielefeld 1996, ISBN 3-89534-194-0
  • Manfred Weise: Heresbach und die Dunkelmänner. Seine Rolle in den geistigen Konflikten des frühen 16. Jahrhunderts. In: Konrad Heresbach. Mettmann 1996, S. [13]-30
  • Meinhard Pohl (Hrsg.): Der Niederrhein im Zeitalter des Humanismus. Konrad Heresbach und sein Kreis (= Schriften der Heresbach-Stiftung, Band 5). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 1997, ISBN 3-89534-211-4
  • Marcus Bernhardt (Hrsg.): Geist & Macht. Konrad Heresbach. Humanist und Diplomat am jülich-klevischen Hof (= Führer des Stadtgeschichtlichen Museums Jülich 13). Jülich 1999, ISBN 3-934176-02-X (Ausstellungskatalog)
  • Martin Szameitat: Konrad Heresbach – Ein niederrheinischer Humanist zwischen Politik und Gelehrsamkeit (= Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte 177). Rudolph Habelt, Bonn 2010, ISBN 978-3-7749-3698-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Konrad Heresbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien