Konradsburg

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Konradsburg (2013); mittig rechts: Brunnenhaus, ganz rechts: Chor der ehemaligen Klosterkirche
Chor der ehemaligen Klosterkirche (2004)
Krypta der ehemaligen Klosterkirche während der Restaurierung 2010

Die Konradsburg (Ersterwähnung 1021) ist eine Burg bei Ermsleben im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt. Sie wurde errichtet zum Schutze des Reichsgutes Harz. Allerdings erinnern weder Wehrtürme noch ein Bergfried oder Palas an eine wehrhafte Burganlage.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhenburg liegt direkt nordöstlich des Mittelgebirges Harz im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt. Sie befindet sich etwa 6 km westlich von Aschersleben und etwa 2 km südlich vom Falkensteiner Ortsteil Ermsleben auf dem 236,2 m ü. NHN[1] hohen Burgberg. Südlich unterhalb der Burg liegt am kleinen Bach Liethe die Ansiedlung Burggrund mit einem auf 198,3 m[1] gelegenen Teich.

Die Konradsburg ist als Nr. 201[2] in das System der Stempelstellen der Harzer Wandernadel einbezogen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glocke auf der Konradsburg

Benediktinerabtei und Kartäuserkloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1120 verließen die Konradsburger den etwa drei Kilometer südlich von Ermsleben und etwa acht Kilometer westlich von Aschersleben gelegenen Bergsporn, errichteten im Selketal die Burg Falkenstein und nannten sich ab 1142 nur noch Falkensteiner. Auf der Konradsburg wurde ein Benediktinerkloster gegründet, und somit war sie für die folgenden Jahrhunderte ein geistiges und wirtschaftliches Zentrum des Umlandes. Es heißt, dass die Umwandlung der Burg in ein Kloster eine Sühneleistung für den von Egeno II. von Konradsburg um 1080 an dem Grafen Adalbert II. von Ballenstedt begangenen Mord gewesen sei.

Im Jahr 1477 übernahmen Kartäuser die Abtei. Im Verlauf des Bauernkriegs wurde das Kloster 1525 niedergebrannt. Die Mönche gaben es im Jahre 1526 auf. 1530 übergab Kardinal Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Mainz und Magdeburg und katholischer Administrator des Bistums Halberstadt, die Kartause und ihren Güterbesitz dem Domkapitel von Halle.[3]

Domäne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1712 wurde die Konradsburg einer landwirtschaftlichen Nutzung (Domäne bis 1945) zugeführt. Im Zentrum des einstigen Kreuzganges steht das Brunnenhaus, ein zweigeschossiger Fachwerkbau, der vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammt. Darin befindet sich der über 45 m tiefe, wahrscheinlich klosterzeitliche Brunnen mit seiner technischen Schauanlage – einem Eselstretrad. Die übrigen Gebäude entstanden im 18. und 19. Jahrhundert zu wirtschaftlichen Zwecken.

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1945 setzte eine kurze landwirtschaftliche Nutzung durch Einzelbauern ein. Bemühungen der Stadt Ermsleben und der katholischen Kirche Aschersleben konnten, unter damaligen Bedingungen, eine zunehmende Bestandsgefährdung und Verwahrlosung der Konradsburg in den 1970er Jahren nicht verhindern. Ein rapider Verfall prägte das Bild der Konradsburg.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauliche und ergrabene Reste belegen das Ausmaß des ehemaligen Klosters. Von der dreischiffigen, romanischen Basilika sind heute der hohe Chor und die darunterliegende Krypta erhalten geblieben. Der Chorraum vermittelt, trotz seiner Schlichtheit, eindrucksvoll die Größe der einstigen Basilika. Die Krypta ist eine fünfschiffige, kreuzgratgewölbte Halle, getragen von Säulen und Pfeilern. Kapitelle und Kämpfer, ausgestattet mit einer vielfältig beeinflussten Bauzier (z. B. rheinisch-französisch) geben Zeugnis der Baukunst um 1200. Die an die Kirche angrenzende Bebauung lässt in den Grundzügen noch Ost- und Nordflügel des Klausurbereiches erkennen.

Förderkreis Konradsburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von Westen vom Weg zum Forsthaus Friedrichshohenberg zum Burgberg mit der Konradsburg

Seit 1982 engagieren sich junge Menschen auf der Konradsburg, 1984 bis 1988 unterstützt von Studenten der Kunstwissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin. Der Verfall der Anlage konnte gestoppt und ein Teil der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Am 1. Juni 1990 gründete die Initiative den Förderkreis Konradsburg e. V., der die Burganlage bewirtschaftet. In den Folgejahren wurden außerdem mehrere gefährdete Baudenkmale in der näheren Umgebung durch den Verein übernommen, saniert und genutzt, so die Turmwindmühle Endorf, die Alte Ziegelei Wieserode und das Forsthaus Friedrichshohenberg. 1994 wurde der Verein von der UNESCO in das Projekt „Schätze der Welt“ aufgenommen. Zwischen 2001 und 2009 betrieb der Verein einen Schäfereibetrieb am Fuße der Burg. Die Konradsburg ist eine Station an der Straße der Romanik.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Konradsburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Konradsburg (Förderkreis Konradsburg), auf konradsburg.com
  • Konradsburg, in Rekonstruktionszeichnung Deutscher Burgen, auf burgrekonstruktion.de

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  2. Harzer Wandernadel: Stempelstelle 201 / Konradsburg, auf harzer-wandernadel.de
  3. Analecta Cartusiana, abgerufen am 22. April 2018

Koordinaten: 51° 42′ 51,6″ N, 11° 20′ 50,3″ O