Konsistenztheorie von Klaus Grawe

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Die Konsistenztheorie von Klaus Grawe (1998, 2004) versucht Aspekte des psychischen Funktionierens des Menschen psychologisch zu erklären. Dabei bemühte sich Grawe, die Theorie erfahrungswissenschaftlich zu untermauern.

Erklärung der Theorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Theorie geht davon aus, dass der Organismus nach Übereinstimmung bzw. Vereinbarkeit der gleichzeitig ablaufenden neuronalen und psychischen Prozesse strebt. Diesen Zustand bezeichnete Grawe als Konsistenz.

Je höher die Konsistenz ist, desto gesünder sei der Organismus. Jeder Mensch habe vier Grundbedürfnisse (Orientierung/Kontrolle, Lustgewinn/Unlustvermeidung, Bindung, Selbstwerterhöhung/-schutz), die evolutionär angelegt seien und nach Bedürfnisbefriedigung strebten. Hierzu zitiert Grawe auch ein von Seymour Epstein postuliertes Grundbedürfnis nach Orientierung und Kontrolle.[1]

In Interaktion mit der Umwelt bilden sich, Grawe zufolge, motivationale Schemata mit dem Ziel der Befriedigung dieser Bedürfnisse heraus. Motivationale Schemata sind Grawe zufolge die Mittel, die das Individuum im Laufe seines Lebens entwickelt, um seine Grundbedürfnisse zu befriedigen und sie vor Verletzung zu schützen.[2]

Dabei gebe es Annäherungsschemata und Vermeidungsschemata.[3]

Annäherungsschemata dienten der Erfüllung der Grundbedürfnisse und Vermeidungsschemata dienten der Verhinderung von Verletzungen, Bedrohungen oder Enttäuschungen der Grundbedürfnisse.[4]

Würden die aktivierten motivationalen Ziele verfehlt, trete Inkongruenz auf.[5]

Werden annähernde und vermeidende Tendenzen gleichzeitig aktiviert und hemmen sich dadurch gegenseitig, spricht Grawe von einem motivationalen Konflikt oder motivationaler Diskordanz. Dies sei auch der Fall, wenn sich überhaupt verschiedene Schemata, gleich ob annähernd oder vermeidend, gegenseitig lahm legten.[6]

"Diskordanz und Inkongruenz stellen" in Grawes Theorie "zwei besonders wichtige Formen von Inkonsistenz im psychischen Geschehen dar".[7] Konsistenz werde erreicht, wenn die Grundbedürfnisse ausgeglichen und die motivationalen Ziele erreicht werden.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Grawe: Neuropsychotherapie. Hogrefe Verlag, 2004, ISBN 978-3-8409-1804-9, S. 230.
  2. vgl. Grawe, Klaus: Neuropsychotherapie. Hogrefe. Göttingen u.a. 2004, S. 188
  3. Grawe, Klaus: Neuropsychotherapie. Hogrefe. Göttingen u.a. 2004, S. 188f.
  4. Grawe, Klaus: Neuropsychotherapie. Hogrefe. Göttingen u.a. 2004, S. 188f.
  5. Grawe, Klaus: Neuropsychotherapie. Hogrefe. Göttingen u.a. 2004, S. 189
  6. Grawe, Klaus: Neuropsychotherapie. Hogrefe. Göttingen u.a. 2004, S. 189f.
  7. Grawe, Klaus: Neuropsychotherapie. Hogrefe. Göttingen u.a. 2004, S. 190
  8. Grawe, Klaus: Neuropsychotherapie. Hogrefe. Göttingen u.a. 2004, S. 186ff.