Konstancin-Jeziorna

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Konstancin-Jeziorna
Wappen von Konstancin-Jeziorna
Konstancin-Jeziorna (Polen)
Konstancin-Jeziorna
Konstancin-Jeziorna
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Masowien
Powiat: Piaseczno
Fläche: 17,10 km²
Geographische Lage: 52° 5′ N, 21° 7′ OKoordinaten: 52° 5′ 0″ N, 21° 7′ 0″ O
Höhe: 75-100 m n.p.m.
Einwohner: 17.023
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 05-510, 05-511, 05-520
Telefonvorwahl: (+48) 22
Kfz-Kennzeichen: WPI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW721
DW724
Nächster int. Flughafen: Warschau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 78,28 km²
Einwohner: 24.673
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 315 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1418023
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Kazimierz Jańczuk
Adresse: ul. Piaseczyńska 77
05-520 Konstancin-Jeziorna
Webpräsenz: www.konstancinjeziorna.pl



Der Palast in Obory von der Gartenseite
Das alte Papierwerk im Jahr 2007
Das Gradierwerk

Konstancin-Jeziorna ist eine Kleinstadt im polnischen Landkreis Piaseczno in der Woiwodschaft Masowien. Der an den Südrand Warschaus grenzende Kurort wurde in einen Kiefernwald gebaut. Er ist für seine zahlreichen Villen bekannt, von denen viele unter Denkmalschutz stehen, und gilt als eine der prominentesten Wohnadressen in Polen.[2]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Stadtgebiet gehören weite Flächen an Agrarland und Wälder. Im Osten wird es von der naturbelassenen, nicht schiffbaren Weichsel mit ihren Sandstränden begrenzt. In dem unter Naturschutz stehenden Uferstreifen zwischen dem Fluss und einem kilometerlangen Deich gegen Hochwasser haben sich Biber angesiedelt. Durch die Stadt verläuft der Fluss Jeziorka. Die südlichen und westlichen Ortsteile wurden in einen Kiefernwald gebaut, an den sich ein Naturschutzgebiet anschließt. Das Mikroklima des Ortes sorgt dafür, dass Konstancin ein bevorzugtes Naherholungsgebiet der Warschauer ist. Konstancin-Jeziorna grenzt im Norden an die Warschauer Stadtteile Wilanów und Ursynów, im Westen an die Kreisstadt Piaseczno. Benachbarte Städte sind weiterhin Karczew, etwa fünf Kilometer östlich am anderen Ufer der Weichsel und etwa 13 Kilometer südlich Góra Kalwaria.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere der Ortschaften, aus denen sich die heutige Stadt zusammensetzt, entwickelten sich an einem Handelsweg nach Warschau. Die wahrscheinlich älteste Siedlung ist Cieciszew. Dort bestand bereits im 13. Jahrhundert eine Pfarrgemeinde.[3]

In den 1680er Jahren wurde der Palast in Obory gebaut. Ende des 18. Jahrhunderts wurde im heutigen Ortsteil Jeziorna ein Papierwerk errichtet. Nach der Dritten Teilung Polens gehörten die Orte zum russischen Teilungsgebiet, 1807 zum von Napoléon Bonaparte gegründeten Herzogtum Warschau, 1815 zu Kongresspolen, somit zum Zarenreich.

Konstancin wurde erst 1897 gegründet. Es wurde von den Grafen Witold Skórzewski und Władysław Mielżyński zur Sommerfrische für betuchte Bürger Warschaus errichtet. Das Gelände südlich des Flusses Jeziorka umfasste 225 Morgen Wald und Brachland. Es wurde in zwei Phasen erschlossen. Zunächst wurden zwei Parks, ein Hotel, ein Kasino, ein Bahnhof, Strom- und Wasserversorgung angelegt. Dann wurden 262 Parzellen Bauland (jeweils zwischen 3000 und 10000 m²) verkauft. Auf jeder von ihnen durfte nur ein freistehendes Wohnhaus gebaut werden, dessen Straßenfront mindestens sechs Meter breit sein musste. Daraus erklärt sich die prächtige Villenarchitektur, die größtenteils noch erhalten ist. Zu Beginn nutzte vor allem die sehr wohlhabende Schicht die Möglichkeiten des Ortes, später entstanden auch Pensionen, welche die Erholung auch für die Mittelschicht möglich machte.

Während des Ersten Weltkrieges kam es auf dem Gebiet der heutigen Stadt zu Gefechten zwischen Russen und Deutschen. Nach Ende des Krieges wurden die Orte Teil des wiederentstandenen Polens, viele Mitglieder der neuen Staatselite bezogen Villen in Konstancin. Im Zweiten Weltkrieg requirierten die deutschen Besatzer zahlreiche Villen, unter ihnen der „Gouverneur des Distrikts Warschau“, der SA-Oberführer Ludwig Fischer. Am 29. August 1943 befahl Fischer seiner Wachmannschaft, mit gezielten Schüssen die Zuschauer eines Fußballspiels in Konstancin auseinanderzutreiben; dabei gab es mehrere Tote. Die Besatzungsbehörden hatten Sportveranstaltungen für Polen verboten.[4]

Nach Niederschlagung des Warschauer Aufstandes durch die Deutschen marschierte Anfang 1945 die Rote Armee ein. Während der Volksrepublik Polen wurden die meisten Villen enteignet und von der Parteielite in Besitz genommen. Hier lebten unter anderem Bolesław Bierut, Władysław Gomułka und Edward Gierek.

1962 wurde in Konstancin ein Krankenhaus eröffnet. Im Jahre 1969 wurde die Verwaltung von Konstancin und Jeziorna zusammengelegt und es entstand die heutige Stadt Konstancin-Jeziorna.[5] 1976 wurde im Ortsteil Królewska Góra ein Rehabilitationszentrum für Unfallopfer gebaut.

Von 1975 bis 1998 gehörte die Gemeinde zur Woiwodschaft Warschau.[6] Nach der politischen Wende von 1989/90 konnten viele Alteigentümer wieder ihre Häuser übernommen. Auch wurden Dutzende neuer Villen sowie mehrere Siedlungen höheren Standards gebaut.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • das Museum der Geschichte der Erzählungen (Muzeum Opowiadaczy Historii)
  • das Museum der Papierherstellung (Muzeum Papiernictwa)

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Palast in Obory: Das Gebäude wurde in den 1680er Jahren im Barockstil im Ortsteil Obory errichtet, seine heutige Gestalt erhielt es nach einem Umbau im Jahr 1893.
  • Altes Papierwerk (Stara Papiernia): Ende des 18. Jahrhunderts wurde im heutigen Ortsteil Jeziorna ein Papierwerk errichtet, das erste Masowiens und eines der ersten in Polen. Mitte des 19. Jahrhunderts kam eine Arbeitersiedlung dazu. Zur selben Zeit wurde in einem Kilometer Entfernung eine moderne, wesentlich größere Papierfabrik errichtet, die Warszawskie Zakłady Papiernicze; sie stellte 2012 ihren Betrieb ein. Das alte Papierwerk brannte 1984 aus. In den 1990er Jahren wurden die Gebäude wiederaufgebaut und zu einem Einkaufszentrum umgewidmet. Dazu gehören Cafés und Restaurants. Auf diese Weise ist ein neues Ortszentrum entstanden.

Kurort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konstancin-Jeziorna ist ein Kurort. 1980 wurde ein Gradierwerk errichtet. In den Sanatorien und Kurkliniken stehen 437 Betten zur Verfügung.[7]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) Konstancin-Jeziorna hat eine Fläche von 78,28 km², auf welcher etwa 23.500 Menschen leben. Zur Gemeinde gehören die Schulzenämter (sołectwo) Bielawa, Borowina, Cieciszew, Ciszyca, Czarnów, Czernidła, Dębówka, Gassy, Habdzin, Jeziorna, Kawęczyn, Kawęczynek, Kępa Oborska, Kępa Okrzeska, Kierszek, Łęg, Nowe Wierzbno, Obórki, Okrzeszyn, Opacz, Parcela, Piaski, Słomczyn, Stare Wierzbno und Turowice.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ost-West-Richtung führt die Woiwodschaftsstraße 721 (droga wojewódzka 721) durch die Stadt. In Nord-Süd-Richtung verläuft die Woiwodschaftsstraße 724.

Einen eigenen Bahnanschluss hat Konstancin-Jeziorna nicht mehr; nach Warschau gibt es Linienbusverbindungen. Seit 2013 verbindet eine Fähre von April bis November den Ortsteil Gassy mit der Kleinstadt Karczew auf dem Ostufer der Weichsel.[8]

Der nächste internationale Flughafen ist der Frédéric-Chopin-Flughafen Warschau, welcher etwa 15 Kilometer nordwestlich von Konstancin-Jeziorna liegt. Zwischen den Ortsteilen Obory und Gassy befindet sich ein Flugplatz für Kleinflugzeuge und Hubschrauber, die Rundflüge über Warschau und die Region anbieten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tomasz Lachowski, Konstancin. Obrazy z przeszłości (Konstancin. Pictures from the past), Verlag Definition Design, ISBN 83-923130-5-4, 2008 (in Polnisch und Englisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Konstancin-Jeziorna – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. Die Stunde der Patrioten Polens zweiter Abschied von den Kommunisten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. September 2005.
  3. Angaben zur Geschichte der Stadt, soweit nicht anders angegeben, laut: Tomasz Lachowski: Konstancin. Obrazy z przeszłości/Pictures from the Past. Warschau 2008.
  4. Thomas Urban: Schwarze Adler, Weiße Adler. Deutsche und polnische Fußballer im Räderwerk der Politik. Göttingen 2011, S. 85-86.
  5. (Memento vom 28. Juni 2008 im Internet Archive)
  6. Dz.U. 1975 nr 17 poz. 92 (polnisch) (PDF-Datei; 783 kB)
  7. pl-info.net, Konstancin-Jeziorna (Memento vom 17. Mai 2008 im Internet Archive), abgerufen am 20. Juli 2008
  8. Prom znów łączy Konstancin-Jeziornę z Karczewem, www.konstancinjeziorna.pl, 26. April 2017.