Konstantin Bodin

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Zar Konstantin Bodin (Phantasieporträt des 19. Jahrhunderts)

Konstantin Bodin war zwischen 1082 und 1106 König von Raszien sowie 1072 als Peter III. kurzzeitig Zar von Bulgarien.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konstantin Bodin war der Sohn von Mihailo Vojislavljević und war von 1082 bis 1106 ein serbischer König. Den Königstitel erbte er von seinem Vater, der von Papst Gregor VII. die Königskrone im Austausch für kirchenpolitische Zugeständnisse erhielt. Sein Vater errichtete ein Erzbistum in Bar/Antivari um ein Organisationszentrum für die serbische katholische Kirche zu etablieren. Die römische Kurie war besonders an neuen aufstrebenden Völkern gegen die Glaubenskonkurrenten in Ostrom interessiert, da man gerade durch die Schismen und den beiderseitigen Exkommunizierungen von Papst in Rom und Patriarch in Konstantinopel 1054 an Expansion interessiert war.

Unter Konstantin Bodin erfuhr das Reich seine bis zu diesem Zeitpunkt größte Ausdehnung. Ihm gelang es nahezu alle serbischen und weitere slawische Stämme zu vereinigen, die noch nicht von anderen größeren Herrschaftsgebilden, wie dem Bulgarenreich, den Ungarn oder Byzanz unterworfen waren. Er regierte über Zeta (Dioklitien) und die Küstenländer (Südmontenegro, Herzegowina, Süddalmatien), Raszien (Westserbien, Nordmontenegro) und Bosnien (Zentral- und Ostbosnien), gewann weite Gebiete an der Donau und im heutigen Albanien bis nach Tirana. Ihm folgte 1106 sein Bruder Dobroslav.

Konstantin Bodin trat schon vor seiner Machtübernahme dem Byzantinischen Reich und dessen rigoroser Hellenisierungs- und Kirchenpolitik entgegen. Als Familienmitglied der Komitopuli mütterlicherseits und Erbe des Hauses der Vojislavljević väterlicherseits nahm er 1072 mit seinem Vater an der Spitze eines slawischen Aufstandes gegen Byzanz im heutigen Mazedonien teil und ließ sich auf Initiative des bulgarischen Magnaten Georgi Vojtech in Prizren zum bulgarischen Zaren krönen. Dieser Aufstand missglückte und dem neugewonnenen christlich-orthodoxen Titel konnte er auch mit Unterstützung seines Vaters nicht soviel Nachdruck verleihen, dass er ihn hätte behalten können.

Der größte Teil der Bevölkerung des Bodinschen Reiches war jedoch spätestens nach der Missionierung durch die Slawenapostel Method und Kyrill, soweit sie genug christlich war, nur mit dem griechisch-orthodoxen Ritus bekannt, was die spätere Machtübernahme durch seine Verwandten, den serbischen Herrschern in Raszien, zugutekam. Das Reich zerfiel und konnte unter dem Banner der katholischen Glaubensauslegung nicht mehr geeint werden. Erst ab der serbischen Herrscherdynastie der Uroševic und später der Nemanjiden ab dem 13. Jahrhundert, die durch kluges Kalkulieren zwischen den katholischen und griechisch-orthodoxen religiösen Machtzentren eine Etablierung der autokephalen serbisch-orthodoxen Kirche ermöglichen, gelingt es eine einigende Kraft auf die einzelnen serbischen Stämme auszuüben.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigste zeitgenössische Quelle zu Konstantin Bodin stellt die Fortsetzung des byzantinischen Geschichtswerks des Johannes Skylitzes (Skylitzes Continuatus) dar. Auch in der von der Anna Komnena verfassten Alexiade findet er Erwähnung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean-Claude Cheynet: Pouvoir et contestations à Byzance (963–1210) (= Publications de la Sorbonne. Série Byzantina Sorbonensia. Bd. 9). Reimpression. Publications de la Sorbonne Centre de Recherches d'Histoire et de Civilisation Byzantines, Paris 1996, ISBN 2-85944-168-5, S. 79 Nr. 98.
  • John Van Antwerp Fine: The Early Medieval Balkans. A critical Survey from the Sixth to the late Twelfth Century. University of Michigan Press, Ann Arbor MI 1991, ISBN 0-472-08149-7, S. 213–224.
  • Edgar Hösch: Geschichte der Balkanländer. Von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Beck, München 1988; 5., aktualisierte und erweiterte Auflage. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-57299-9, S. 58, 74.
  • Paul Stephenson: Byzantium′s Balkan Frontier. A Political Study of the Northern Balkans 900–1204. Cambridge University Press, Cambridge 2000, ISBN 0-521-77017-3, hier: S. 142–148.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VorgängerAmtNachfolger
(vakant; letzter Titelträger: Peter II.)Zar von Bulgarien
1072
(vakant; nächster Titelträger: Peter IV.)
Mihailo VojislavljevićKönig von Raszien
1082–1106
Dobroslav