Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte

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Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte e.V. ist ein 1960 gegründeter Verein zum Zwecke der „Förderung der mittelalterlichen Geschichtsforschung“,[1] der wichtige und weiterführende Fragestellungen der Mediävistik entwickeln will. Mittel dazu sind die Tagungen auf der Insel Reichenau, die zweimal im Jahr mit internationalen Fachleuten veranstaltet werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Verein institutionell voraus ging das „Städtische Institut für geschichtliche Landesforschung des Bodenseegebietes“, das von der Stadt Konstanz 1951 ins Leben gerufen wurde; bereits seit 1945 engagierte sich federführend der Konstanzer Stadtarchivar Otto Feger für die Gründung eines solchen Instituts. Als es 1950 gelang, den Mediävisten Theodor Mayer für die Pläne zu gewinnen, wurde am 30. Oktober 1951 das „Städtische Institut für Landschaftskunde des Bodenseegebietes“ gegründet. Heinrich Büttner hielt den Festvortrag. Seit 1957 finden die Tagungen ausschließlich auf der Insel Reichenau statt. Anne Christine Nagel betont bei der Tagungspraxis des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte den Hang zur Kontinuität mit der Zeit vor 1945. Das zweimalige Tagen im Jahr orientierte sich am „Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften“. Mayer hatte dies als Leiter bereits 1941 in dieser Form praktiziert. Außerdem waren die Konferenzen vor und nach dem Krieg interdisziplinär ausgerichtet und fanden unter einer vorgegebenen Themenstellung statt.[2]

Im März 1960 gründete sich dann der Verein „Konstanzer Arbeitskreis e. V.“ Nach Anne Christine Nagel geschah dies vor allem in der Absicht, um Zugang zu den vom Bundesinnenministerium in Aussicht gestellten Geldmitteln zu bekommen. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Mayer die Mediävisten Karl Bosl, Walter Schlesinger, Helmut Beumann, Heinrich Büttner, Eugen Ewig, Otto Feger und Franz Steinbach sowie der Münchener Byzantinist Hans-Georg Beck.[3] Die meisten Gründungsmitglieder waren relativ jung. Acht der zehn Gründungsmitglieder standen als Hochschullehrer im aktiven Dienst. Bis 1969 vergrößerte sich die Zahl der Mitglieder um acht, bis 1979 um sieben, bis 1989 um elf und bis 1999 um weitere neunzehn Mitglieder. Im Jahr 1999 hatte der Arbeitskreis 38 Mitglieder. Dabei waren 24 Hochschulorte im Kreis vertreten.[4] Anne Christine Nagel machte Mitte der 1960er Jahre einen „Klassenkampf, Professoren vs. Archivare“ aus, der das Klima im Konstanzer Arbeitskreis zwischenzeitlich vergiftete.[5]

Die Ergebnisse der Tagungen werden seit 1952 in der Schriftenreihe Vorträge und Forschungen publiziert. Im Jahr 2017 erschien der 84. Band; die Beiträge sind bis auf die jeweils drei neuesten Jahrgänge in digitaler Form abrufbar. Ergänzt werden diese Veröffentlichungen durch die Reihe „Sonderbände“, bei der es sich um Monographien handelt, die im Umkreis des Vereins entstanden sind und in der bis 2015 57 Bände erschienen sind.

Anne Christine Nagel befasste sich mit der Frage, ob und in welcher Form der Arbeitskreis „zur Reintegration der deutschen Historiker in die Gemeinschaft europäischer Geschichtswissenschaft“ beitrug.[6] Nach Nagel blieb der Kreis bis in die frühen 1980er Jahre „ein Außenseiterunternehmen“.[7] Diese Meinung ist in der Fachwelt umstritten.[8] Nach Nagels Fazit habe der Arbeitskreis „die Reintegration deutscher Geschichtswissenschaft in den europäischen Kontext sicherlich nicht behindert, [...] aber auch nicht in besonderem Maße befördert“.[9]

Vorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Fried (Hrsg.): Vierzig Jahre Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. Thorbecke, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-6905-7.
  • Traute Endemann (Hrsg.): Geschichte des Konstanzer Arbeitskreises. Entwicklung und Strukturen 1951–2001. Thorbecke, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-7995-6907-1.
  • Anne Christine Nagel: „Gipfeltreffen der Mediävisten“. Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. In: Ulrich Pfeil (Hrsg.) Die Rückkehr der deutschen Geschichtswissenschaft in die „Ökumene der Historiker.“ Ein wissenschaftsgeschichtlicher Ansatz (= Pariser Historische Studien. Bd. 89). Oldenbourg, München 2008, ISBN 3-486-58795-1, S. 73–89 (Digitalisat)
  • Anne Christine Nagel: Im Schatten des Dritten Reichs. Mittelalterforschung in der Bundesrepublik Deutschland 1945–1970 (= Formen der Erinnerung. Bd. 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-35583-1, S. 156–187.
  • Jürgen Petersohn (Hrsg.): Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. Die Mitglieder und ihr Werk. Eine bio-bibliographische Dokumentation (= Veröffentlichungen des Konstanzer Arbeitskreises für Mittelalterliche Geschichte aus Anlass seines fünfzigjährigen Bestehens 1951–2001. Bd. 2). Thorbecke, Stuttgart 2001, ISBN 3-7995-6906-5
  • Stefan Weinfurter: Standorte der Mediävistik. Der Konstanzer Arbeitskreis im Spiegel seiner Tagungen. In: Peter Moraw und Rudolf Schieffer (Hrsg.): Die deutschsprachige Mediävistik im 20. Jahrhundert (= Vorträge und Forschungen. Bd. 63). Thorbecke, Ostfildern 2005, ISBN 3-7995-6862-X S. 9–38 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Konstanzer Arbeitskreis
  2. Anne Christine Nagel: Im Schatten des Dritten Reichs. Mittelalterforschung in der Bundesrepublik Deutschland 1945–1970. Göttingen 2005, S. 176 f.
  3. Anne Christine Nagel: Im Schatten des Dritten Reichs. Mittelalterforschung in der Bundesrepublik Deutschland 1945–1970. Göttingen 2005, S. 177.
  4. Anne Christine Nagel: Im Schatten des Dritten Reichs. Mittelalterforschung in der Bundesrepublik Deutschland 1945–1970. Göttingen 2005, S. 178.
  5. Anne Christine Nagel: Im Schatten des Dritten Reichs. Mittelalterforschung in der Bundesrepublik Deutschland 1945–1970. Göttingen 2005, S. 186 f. mit Anm. 84, Zitat aus einem Brief des Konstanzer Stadtarchivars Otto Feger an Walter Schlesinger vom 19. April 1964.
  6. Anne Christine Nagel: „Gipfeltreffen der Mediävisten“. Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. In: Ulrich Pfeil (Hrsg.) Die Rückkehr der deutschen Geschichtswissenschaft in die „Ökumene der Historiker.“ Ein wissenschaftsgeschichtlicher Ansatz. München 2008, S. 73–89, hier: S. 75.
  7. Anne Christine Nagel: „Gipfeltreffen der Mediävisten“. Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. In: Ulrich Pfeil (Hrsg.) Die Rückkehr der deutschen Geschichtswissenschaft in die „Ökumene der Historiker.“ Ein wissenschaftsgeschichtlicher Ansatz. München 2008, S. 73–89, hier: S. 88.
  8. Matthias Werner: Die Anfänge des Deutschen Historischen Instituts in Paris und die Rückkehr der deutschen Geschichtswissenschaft in die ‚Ökumene der Historiker‘. Die Publikationen zum 50-jährigen Gründungsjubiläum des DHIP als Beitrag zur Wissenschafts- und Zeitgeschichte und ihre rheinischen Bezüge. In: Rheinische Vierteljahrsblätter. Bd. 79 (2015) S. 212–245, hier: S. 232.
  9. Anne Christine Nagel: „Gipfeltreffen der Mediävisten“. Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. In: Ulrich Pfeil (Hrsg.) Die Rückkehr der deutschen Geschichtswissenschaft in die „Ökumene der Historiker.“ Ein wissenschaftsgeschichtlicher Ansatz. München 2008, S. 73–89, hier: S. 89.