Konsum Dresden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
KONSUM DRESDEN eG

Logo
Rechtsform eingetragene Genossenschaft
Gründung Konsumverein Pieschen 1882 / Vorwärts Dresden 4. Juni 1888
Sitz Dresden, Deutschland
Leitung

Gunther Seifert Vorstandsvorsitzender, Roger Ulke Vorstandsmitglied, Martin Bergner Aufsichtsratsvorsitzender

Mitarbeiterzahl

850 (2017)[1]

Umsatz 110,3 Mio (2017)[1]
Branche Einzelhandel
Website www.konsum.de

Die Konsum Dresden eG (Eigenschreibweise: KONSUM DRESDEN eG) ist eine Konsumgenossenschaft mit Sitz in Dresden. Sie unterhält 34 Konsum- und Frida-Märkte in Sachsen und einen im bayerischen Nürnberg.[2]

Die Genossenschaft machte 2016 etwa 104 Millionen Euro Umsatz, das Jahresergebnis betrug 613.200 Euro. Das Unternehmen hat insgesamt 22.129 Mitglieder, die eine prozentuale Rückvergütung, Rabatte auf ihre Einkäufe und Dividende erhalten.[3][4]

Die Genossenschaft entstand 1990 durch einen Zusammenschluss der Konsumgenossenschaften Dresden Stadt und Kreis Dresden-Land und gilt als Rechtsnachfolger der Konsumverein Vorwärts für Dresden und Umgebung eG,[5] der 1935/36 im Dritten Reich als Verbrauchergenossenschaft Dresden[6] gezwungen war, auf Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat zu liquidieren.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesamtvorstand des ZdK 1903, v. l. Karl Schmidtchen, Konrad Barth, Max Radestock aus Dresden-Pieschen (Vorsitzender), Heinrich Kaufmann (Sekretär)

1882 wurde in Pieschen auf der Konkordienstraße der erste sächsische Konsumverein gegründet.[8] Am 4. Juni 1888 wurde in Dresden der Konsumverein Vorwärts für Dresden und Umgebung eG gegründet.[9][10][11] Für die Genossenschaft sollten die Rochdaler Grundsätze gelten. Besonders hervorgehoben wurde: Es sollten unverfälschte und gute Waren gegen sofortige Barbezahlung verteilt werden. Seinerzeit waren die Lebensmittelkontrollen noch nicht ausgebaut und das Verfälschen von Lebensmitteln war auf allen Stufen der Produktion und des Handels üblich. Insbesondere ging es um das Strecken und Schönen der Lebensmittel, das nicht nur die Ware im Nährgehalt herabsetzte, sondern auch gesundheitliche Risiken barg. Die Abhängigkeit vom örtlichen Krämer durch „Anschreiben lassen“ war eine Unsitte, die die Arbeiterschicht in eine weitere Abhängigkeit trieb.

Zu den ersten konsumgenossenschaftlichen Einkaufsvereinigungen gehörte die Einkaufsvereinigung Dresden. Sie wurde als vierte deutsche Einkaufsvereinigung 1892 gegründet, 46 weitere folgten bis 1916 in ganz Deutschland. Die Einkaufsvereinigungen bündelten den gemeinschaftlichen konsumgenossenschaftlichen Einkauf mehrerer Konsumvereine einer Region.[12]

1894 erwarb der Konsumverein Vorwärts ein Grundstück und errichtete dort das erste eigene Lager für Lebensmittel.

Die Vorwärts zählte 1894 mit 6.238 Mitgliedern und einem Jahresumsatz von 1.205.000 Mark zu den großen Konsumvereinen in Deutschland.[13] Über Dresden hinaus hatte sie auch große Bedeutung für die Konsumgenossenschaftsbewegung in ganz Deutschland. Der Konsumverein Vorwärts gehörte 1894 zu den Gründungsgesellschaftern der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine (GEG).[14] Der Vorwärts-Vorstand Max Hoppe war einer der ersten fünf Aufsichtsratsmitglieder der GEG und wurde 1897 Aufsichtsratsvorsitzender.[15] Für die Gründung des nationalen Zentralverbandes deutscher Konsumvereine arbeitete der Geschäftsführer des Konsumvereins Pieschen, Max Radestock, den Satzungsentwurf des neu zu gründenden Zentralverbandes aus, der im Oktober 1902 von der entsprechenden Kommission beraten wurde. 1903 fand in Dresden die Gründungsversammlung des Zentralverbandes statt, dem die deutschen Konsumsumgenossenschaften der Hamburger, der roten, der sozialistischen Richtung angehörten. Radestock wurde ehrenamtliches Mitglied und Vorsitzender des Vorstands des neu gegründeten Verbandes.[16]

Die genossenschaftliche Eigenproduktion hatte in der Zeit um 1900 eine große Bedeutung für die wirtschafts- und sozialpolitische Sicht in der Genossenschaftsbewegung. Auch hier traten Dresdner Genossenschafter in Deutschland besonders hervor. Auf der Generalversammlung 1903 der GEG wurde die Errichtung eines großen Produktionsbetriebes für die genossenschaftliche Eigenproduktion von Seifen beschlossen. Das benötigte Baukapital zeichneten vorwiegend Genossenschaften. Von den vorgesehenen 300.000 Mark zeichnete der Konsumverein Pieschen mit 70.000 Mark den höchsten Betrag, an dritter Stelle lag der Vorwärts, Dresden, mit 30.000 Mark, insgesamt kamen mit 100.000 Mark also ein Drittel aus dem heutigen Gebiet von Dresden.[17]

Fleischverarbeitungsbetrieb der Konsumgenossenschaft, Zustand 2006

1931 eröffnete die Konsumverein Vorwärts eG ihre erste eigene Fleischverarbeitungsfabrik auf der Fabrikstraße in Dresden. Das Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit existiert heute noch und steht unter Denkmalschutz.[18][19]

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde der sozialdemokratische Name Vorwärts getilgt, und die Genossenschaft in die Verbrauchergenossenschaft Dresden überführt.[20] Die Vorwärts hatte mit Hilfe der Einlagen ihrer Genossen in eine Betriebszentrale investiert, sie aber schon wegen der Weltwirtschaftskrise nicht im geplanten Ausmaß errichten können. Aufgrund restriktiver nationalsozialistischer Gesetze und Verordnungen geriet die Genossenschaft nun in wirtschaftliche Schwierigkeiten und in Liqiditätsnot, so dass entsprechend dem Gesetz vom 21. Mai 1935 und vier Durchführungsverordnungen bis 26. Mai 1936 der Vorstand und Aufsichtsrat die Liquidation beschließen mussten. Insgesamt mussten 73 deutsche Konsumgenossenschaften auf diesen oder ähnlichen Wegen aufgeben. Betroffen waren fast ein Drittel aller Mitglieder einer Konsumgenossenschaft.[21] Die Grundstücke und Konsum-Verteilerstellen für Lebensmittel in Dresden wurden enteignet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Neugründung von Genossenschaften im Dresdner Raum laut SMAD-Befehl 176 wieder möglich. Insgesamt wurden 1946/48 im Stadtgebiet Dresden die vier Konsumgenossenschaften Nord, Ost, Süd und West ins Leben gerufen.[22] Sie fusionierten später zu den Konsumgenossenschaften Dresden Stadt und Kreis Dresden-Land. Das 1935/36 enteignete Eigentum wurde auf die Genossenschaften übertragen.

Infolge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone ab 1945 wurden 1956 bis 1959 die Genossenschaften im Dresdner Raum gezwungen, viele Konsum-Grundstücke abzugeben.[23]

1967 wurde die erste Konsum-Kaufhalle in Dresden gebaut. Zehn Jahre später eröffnete Konsum Dresden ihre erste eigene Gaststätte.

Neuere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konsum-Markt in der Alaunstraße inmitten des Szeneviertels Neustadt

1990 schlossen sich die Konsumgenossenschaften Dresden Stadt und Kreis Dresden-Land zur Konsum Dresden eG zusammen. Ab 1991 begann der Sanierungsprozess. Konsum Dresden baute ein auf marktwirtschaftliche Strukturen ausgerichtetes Vertriebsnetz auf.[24]

Seit 2000 gehören regionale und internationale Spezialitäten zum Sortiment. Aufgrund dieser konsequenten Neuausrichtung erwirtschaftet die Konsumgenossenschaft seit 2004 wieder Gewinne.[25]

Werbung für den Konsum auf einem Gelenktriebwagen NGT D8DD der Dresdner Straßenbahn

Nach Übernahme von Kaisers-Märkten im Jahr 2000 wurde Konsum Marktführer in Dresden.

2002 führte Konsum Dresden die Mitglieder-Card ein, mit der sich Genossenschaftsmitglieder ausweisen können. Diese Karte löste das Konsum-Rabattmarkenheft ab, welches es seit Gründung des Unternehmens im Jahr 1888 gab.

Im Jahr 2003 eröffnete sie die erste Filiale außerhalb ihres angestammten Gebietes Dresden und Umgebung in Plauen/Vogtland, die heute noch besteht.

2005 ließ die Genossenschaft als erstes Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen Deutschlands alle Filialen von der TÜV Nord Cert GmbH & Co. KG mit dem Frische-TÜV zertifizieren.[26] Aufgrund anhaltender Gewinne konnte das Unternehmen 2006 erstmals 5 Prozent Dividende auf gezeichnete Geschäftsanteile an Mitglieder auszahlen.

2007 konnte das Unternehmen den ersten KONSUM-Frische-Shop außerhalb seines angestammten sächsischen Vertriebsgebietes in Erlangen eröffnen. Die letztlich vier Märkte in Franken brachten dem Konsum hohe Verluste, sie wurden außer Nürnberg wieder geschlossen.[27]

Ab August 2019 wird Sören Goldemann als Vorstand Gunther Seifert nachfolgen.[28]

Das Mehrzahl der Belegschaft bekommt einen Stundenlohn, der leicht über dem Mindestlohn liegt. Wettbewerber zahlen hier deutlich mehr.[29]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahren wurde die Genossenschaft mit zahlreichen nationalen Preisen ausgezeichnet: Supermarkt des Jahres (2018)[30], Bio-Handelspreis (2008), Ein Herz für Bio (2008, 2007), Kreativ Award (2008, 2007), Turnarounder des Jahres (2007), Top-Arbeitgeber[31] (2007), Ehrenbrief der Interessengemeinschaft für gesunde Lebensmittel e. V. (2006), Ausbildungs-Ass in Gold (2003), Supermarkt des Jahres (2003), Deutscher Fruchtpreis (2001, 2002, 2004), Fleisch-Star (2001).

Bedeutende Konsumgenossenschafter aus Dresden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwin Hasselmann: Geschichte der deutschen Konsumgenossenschaften. Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 1971.
  • Heinrich Kaufmann: Festschrift zum 25jährigen Bestehen des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine. Herausgegeben im Auftrag des Vorstandes und Ausschusses des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, Druck der Verlagsgesellschaft deutscher Konsumvereine m.b.H., Hamburg 1928, 543 Seiten mit Anhang.
  • Stadtarchiv Dresden, Bestand 14.8: Konsum Dresden e.G.
  • Entstehungsgeschichte des deutschen Genossenschaftswesens; Dr. Otto Ruhmer – Hamburg 1937

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Konsum Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Sächsische Zeitung vom 2./3. Juni 2018, S. 23
  2. Standorte & Öffnungszeiten. Konsum Dresden eG, abgerufen am 17. Oktober 2017.
  3. Zahlen & Fakten rund um KONSUM DRESDEN (Jahresbilanz 2016). Konsum Dresden eG, abgerufen am 24. Juli 2018.
  4. Pressemitteilung KONSUM DRESDEN weiterhin auf Erfolgskurs, 15. Juni 2016.
  5. Sächsisches Hauptstaatsarchiv, Bestand Sig. 1549
  6. Vgl. Anzeige in Genossenschaftsfamilie, Mitte Juni 1935, 28. Jg. Nr. 11, Familienblatt des Reichsbundes der deutschen Verbrauchergenossenschaften G.m.b.H. (GEG) Hamburg
  7. Erwin Hasselmann: Geschichte der deutschen Konsumgenossenschaften. Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 1971, Seite 482
  8. Pieschen. In: dresdner-stadtteile.de. Abgerufen am 4. September 2009.
  9. Amtsgericht Dresden: Genossenschaftsregister Nr. 18
  10. Sächsisches Hauptstaatsarchiv, Bestand Sig. 1549
  11. Dresdner Anzeiger, 18. Juni 1888
  12. Vgl. Heinrich Kaufmann: Festschrift zum 25jährigen Bestehen des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine. Herausgegeben im Auftrag des Vorstandes und Ausschusses des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, Druck der Verlagsgesellschaft deutscher Konsumvereine m.b.H., Hamburg 1928, Seite 290 ff
  13. Erwin Hasselmann: Geschichte der deutschen Konsumgenossenschaften. Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 1971, Seite 266
  14. Heinrich Kaufmann: Die Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine m. b. H. GEG. Zum 25jährigen Bestehen 1894–1919. Hamburg 1919, Seite 30 ff.
  15. Vgl. Erwin Hasselmann: Geschichte der deutschen Konsumgenossenschaften. Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 1971, Seite 265
  16. Heinrich Kaufmann: Festschrift zum 25jährigen Bestehen des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine. Herausgegeben im Auftrag des Vorstandes und Ausschusses des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, Druck der Verlagsgesellschaft deutscher Konsumvereine m.b.H., Hamburg 1928, Seite 68 ff.
  17. Vgl. August Müller: Die Seifenfabrik der Grosseinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine in Gröba-Riesa. Verlag: Grosseinkaufs-Gesellschaft Deutscher Konsumvereine mit beschränkter Haftung, Hamburg 1910, Seite 23 ff
  18. Das neue Dresden
  19. die Betriebszentrale Konsumverein (Konsumgenossenschaft Vorwärts). In: archINFORM.
  20. Vgl. Anzeige in Genossenschaftsfamilie, Mitte Juni 1935, 28. Jg. Nr. 11, Familienblatt des Reichsbundes der deutschen Verbrauchergenossenschaften G.m.b.H. (GEG) Hamburg
  21. Vgl. Erwin Hasselmann: Geschichte der deutschen Konsumgenossenschaften. Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 1971, Seite 482
  22. Genossenschaftsregister Nr. 32
  23. Dresdner Stadtarchiv, Bestand 14.8: Konsum Dresden e.G.
  24. Geschichte der Konsumgenossenschaften in Ostdeutschland nach 1989 (Memento vom 12. Februar 2013 im Webarchiv archive.is), Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften e.V.
  25. Im Selbsthilfeprinzip Genossenschaftswesen in Dresden, Reihe Dresdner Hefte, Nr. 91; Günther Schmiechen – Dresden 2007
  26. Bettina Klemm: Konsum setzt auf freiwilligen Frische -Tüv. In: Sächsische Zeitung. 17. November 2005 (kostenpflichtig online [abgerufen am 13. Juni 2013]).
  27. Michael Rothe: Konsum Dresden im Wechselbad. In: Sächsische Zeitung. 13. Juni 2013 (kostenpflichtig online [abgerufen am 13. Juni 2013]).
  28. sz-online: Konsum Dresden bekommt neuen Chef. In: SZ-Online. (sz-online.de [abgerufen am 29. April 2018]).
  29. sz-online: Konsum feiert Super-Jahrgang mit Geschmäckle. In: SZ-Online. (sz-online.de [abgerufen am 7. Juli 2018]).
  30. KONSUM DRESDEN eG | KONSUM holt mit dem „Supermarkt des Jahres 2018“ Deutschlands wichtigsten Handelspreis nach Dresden! Abgerufen am 29. April 2018 (deutsch).
  31. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.mgv-info.deMitteldeutscher Genossenschaftsverband e. V. (PDF; 35 kB)