Konsumverein Zürich

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Konsumverein Zürich, Stauffacher

Der Konsumverein Zürich (KVZ) war ein Schweizer Unternehmen im Detailhandel. Das 1851 von acht Grütlianern gegründete Unternehmen trug als erstes den Namen Konsumverein und gilt als älteste wirklich erfolgreiche Konsumgenossenschaft in der Schweiz und auf dem europäischen Kontinent. 1995 wurde der KVZ von Coop übernommen.

Vorläufer der Konsumvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert begannen die Konsumenten erstmals ins Marktgeschehen einzugreifen, indem sie Konsumvereine oder -genossenschaften gründeten. Die Vorläufer der Konsumvereine in der Schweiz, die wegen Lebensmittelknappheit und hohen Preisen gegründeten Fruchtvereine, verbreiteten sich ausgehend von der 1839 gegründeten Aktienbäckerei in Schwanden in den Kantonen Glarus, St. Gallen, Schwyz, Bern, Waadt und Genf in der Form von Selbsthilfeorganisationen zur Vermittlung von Brot. Diese Vereinigungen hatten ähnliche Prinzipien wie die 1844 gegründeten Gesellschaft der Pioniere von Rochdale, die unter anderem die Warenreinheit (unverfälschte Ware), Barzahlung, Verteilung der Überschüsse aufgrund der getätigten Einkäufe (Rückvergütung), begrenzte Kapitalverzinsung, Bildung von Reserven aus den Überschüssen (Spargenossenschaft), Förderung der Weiterbildung und demokratische Verwaltung (ein Mann, eine Stimme) umfassten. Der Fabrikarbeiterverein Schwanden liess die Prinzipien von Rochdale 1864 als erster in seine Statuten einfliessen. Die Konsumgesellschaften hatten bis zur Einführung des Obligationenrechts 1881 die Form von Aktiengesellschaften, waren jedoch dem Charakter nach Genossenschaften, die bestrebt waren, den Mitgliedern gute Lebensmittel zu beschaffen und so billig als möglich abzugeben.

Konsumverein Zürich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung des Konsumvereins Zürich erfolgte am 26. September 1851 in der Form einer Assoziation zum Ankauf von Zigarren und Hemdtuch, um gemäss Statuten den Handelswucher auszuschalten.[1] Die Initianten waren Karl Bürkli, Sohn einer Zürcher Patrizierfamilie und Frühsozialist, sowie der Lehrer und Jurist Johann Jakob Treichler, ein Schüler Wilhelm Weitlings. Bürkli taufte die Assoziation «Consumverein».

Als erstes kauften die Genossenschafter eine Ladung Zigarren, dann einen Stapel Hemdtuch, später Hafermehl, Gerste, Reis, Erbsen, Kaffee, Seife, Kerzen und Öl. Verkauft wurde ohne Gewinn, es wurde nur eine Kommissionsgebühr verrechnet. Bürkli war bis 1854 Leiter (Faktor) des Konsumvereins. Nachdem sein Experiment in Texas, ein Phalanstère nach Charles Fourier zu errichten, gescheitert war, kehrte er nach Zürich zurück und arbeitete von 1858 bis 1861 erneut als Leiter des Konsumvereins.

Der Konsumverein mit seinen Filialen und Ablegern war zugleich eine Art frühsozialistische Parteiorganisation. Die beiden wichtigsten Funktionäre dieser Gesellschaft, Johann Jakob Treichler und Jakob Bürkli, wurden in den Kantonsrat gewählt. 1853 bestanden bereits fünf Konsumläden, und 1854 zählte der Consumverein Zürich 2'450 Mitglieder, und der Umsatz betrug jährlich über 600'000 Franken. Es waren meist Arbeiter der Zürcher Industriebetriebe, vor allem aus der späteren Escher Wyss, die Anteilscheine zeichneten.

Konsumverein Zürich

Die grossen Erfolge des Konsumvereins Zürich blieben nicht ohne Einfluss auf die Umgebung. Bald konstituierten sich Konsumvereine in Rüschlikon, Affoltern am Albis, Altstetten, Brüttisellen, Rorbas, Schwamendingen und Wollishofen, kurz darauf in Horgen und Thalwil. Im Laufe des Jahres 1853 bildeten sich über 30 Konsumvereine im Kanton Zürich. 1861 verlor Karl Bürkli wegen innerer Streitigkeiten seine Stelle als Verwalter. 1858 beschloss der KVZ, keine weiteren Mitglieder mehr aufzunehmen. Der Konsumverein Zürich wurde 1878 in eine geschlossene Aktiengesellschaft umgewandelt, die ihre Dividende auf die bisherigen Mitglieder beschränkte. Dem 1890 gegründeten Verband Schweizerischer Konsumvereine (VSK, 1969 in Coop umbenannt) schloss sich der Konsumverein Zürich nicht an.

Ehemaliges Verwaltungsgebäude des Konsumvereins Zürich von 1906, Architekten Leuenberger und Flückiger

Die erste KVZ-Filiale (heute «BachserMärt Paradiesli») bestand von 1920 bis 1981 in Zürich-Seefeld.[2] In der Stadt Zürich und in der Agglomeration entstand mit weiteren KVZ-Filialen eine Ladenkette. Die Filialen wurden später in «K3000»-Läden umbenannt. 1977 wurde in der damals neuen Wohnsiedlung Am Suteracher in Zürich-Altstetten ein Lebensmittelladen des K3000 gebaut. 1987 wurde an der Stelle einer früheren KVZ-Filiale das Einkaufszentrum Letzipark erstellt, in dem der Konsumverein mit einer modernen, grosszügig bemessenen «K3000»-Vorzeigefiliale und einer Filiale des Discounters «Billi» vertreten war.

1991 erwarb der Coop eine Mehrheitsbeteiligung am Konsumverein Zürich, dem 1995 die komplette Übernahme folgte. Die Übernahme war möglich geworden, weil das genossenschaftliche Kopfstimmprinzip vom KVZ aufgegeben wurde. Mit der Umwandlung von 45 KVZ-Filialen in «Coop»-Filialen verschwand bis 1996 der Name «K3000» vom Schweizer Markt. Der Weinhandel wurde verkauft und die Grossbäckerei und Weinkellerei geschlossen. Im März 1998 wurde die KVZ-Imbisskette Lord Sandwich aufgegeben und als Coop Take It neu eröffnet.

Das KVZ-Expansionsobjekt, der Harddiscounter Billi, wurde vorerst durch den KVZ weitergeführt und 1998 an Denner verkauft.[3] Dreizehn K3000-Läden der KVZ-Gruppe gingen zu Spar, die seit 1989 im Schweizer Detailhandel mitmischt.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Krebser: Antwort auf die Aeusserung Karl Bürkli’s: «Die Konsumvereine seien nicht dazu da, den Mitgliedern ökonomische Vortheile zu gewähren». Ein Kommentar zur Beilegung der gegenwärtigen Statutenrevision im Konsum-Verein Zürich. Konsum Verein Zürich, Verlag Dr. Suremann, Zürich 1872.
  • Johann Jakob Honegger: Memorial zur fünf und zwanzigjährigen Geschichte des Consum-Vereins Zürich. 1878.
  • Konsumverein Zürich: Bericht über die Feier des 50jährigen Bestehens des Konsumverein Zürich, Sonntag den 14. Juli 1901. Verlag Konsumverein Zürich, Zürich 1901.
  • E. Künzle, K. Bänninger: Geschichte des Konsumvereins Zürich, 1851–1926. Verlag J. Rüegg, Zürich 1926.
  • Konsumverein Zürich: Zum Zürcher Kongress des Internationalen Genossenschaftsbundes. Verlag Schweizerischer Konsum-Verein, Basel 1946.
  • Gaston Kohli: Festschrift zum hundertjährigen Bestehen des Konsumvereins Zürich 1851–1951. Im Auftrage des Verwaltungsrates Zürich. Eigenverlag, Zürich 1951.
  • Konsumverein Zürich: K-3000-Information: aktuelles vom Konsum-Verein Zürich. In: Magazin des Konsum-Verein Zürich. Zürich 1975.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Konsumverein Zürich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zweck des KVZ in den Statuten vom 18. Januar 1852:
    § 1. Der Konsumverein hat folgenden Zweck: 1. beabsichtigt er, die Konsumenten den Produzenten näher zu bringen, indem derselbe die Produkte womöglich von der Bezugsquelle bezieht, um so den dazwischen liegenden Handelswucher, welcher durch Verteuerung und Verfälschung der Waren Produzenten und Konsumenten aussaugt, unnütz und unschädlich zu machen; 2. bringt er mit diesem eine Sparkasse in Verbindung, deren freiwillig eingelegte Gelder zum Vorteil des Konsumvereins arbeiten.
    § 2. Die Verrichtungen des Vereins bestehen im Ankauf von Produkten in grösseren Quantitäten, womöglich von erster Hand, und im Verkauf derselben an die Mitglieder in beliebiger Menge, zu dem nach Abzug einer Kommissionsgebühr herauskommenden Preise.
    (E. Kuhn-Carpentier: Geschichte der Schweizerischen Genossenschaften bis 1896. In: Frauenbestrebungen. Frauenkommission des Lebensmittelvereins Zürich, Zürich 1916, 1. Teil (archiviert in E-Periodica der ETH Zürich))
  2. Genossenschaft Paradiesli: Geschichte
  3. Der Neue steht schon in den Startblöcken. In: Handelszeitung. 22. August 1996 (archiviert auf der Website der Schweizer Versicherung)
  4. Alles andere als auf «Spar»-Flamme. (Memento des Originals vom 9. Oktober 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pme.ch In: Handelszeitung. 22. Februar 1996 (archiviert auf der Website des PME Magazine)