Kontemplation

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Kontemplation (lateinisch contemplari „anschauen“, „betrachten“) bedeutet allgemein Beschaulichkeit oder auch beschauliche Betrachtung. Kontemplation ist auch als mystischer Weg der westlichen Tradition bekannt. In der Regel wird durch ein kontemplatives Leben oder Handeln ein besonderer Empfindungszustand oder eine Bewusstseinserweiterung angestrebt. Eine kontemplative Haltung ist von Ruhe und sanfter Aufmerksamkeit bestimmt. Somit ähnelt sie der buddhistischen Einsichtsmeditation Vipassana.

Historischer Kontext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die römischen Auguren sagten die Zukunft voraus, indem sie in einem bestimmten vorher definierten Bereich des Himmels, dem templum (übersetzt auch Beobachtungsraum), den Vogelflug beobachteten und deuteten. Analog dazu war auf der Erde ein bestimmter heiliger Bezirk abgesteckt, der nur der Gottheit geweiht war, ebenfalls templum genannt. Beim contemplari besah man sich die himmlischen und die irdischen Bereiche (Plural templa) zusammen (con heißt zusammen) an und sann über die Verbindung nach.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deponentialform von lat. contemplari (ursprünglich wohl: = von göttlichen Kräften erfasst werden) weist auf eingebungshafte Erlebnisse und Versenkung unter Ausschaltung allen Wollens hin, vgl. auch → Anschauung, Intuition.[1]

Sprachliche Varianz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vita contemplativa bezeichnet eine kontemplative Lebensweise, beispielsweise bei Mönchen verschiedener Religionen. Man verwendet den Begriff auch häufig im Zusammenhang mit der Betrachtung der Natur oder eines Kunst­werks. Das Adjektiv kontemplativ bedeutet hier Konzentration auf geistige Inhalte. Die gängigste Verwendung hat jedoch ihre Bedeutung in der religiösen Auffassung im Sinne einer geistigen Versenkung in Gott oder in göttliche Werke und Anschauungen.

Christliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das vierzigtägige Fasten Jesu in der judäischen Wüste, bei dem ihm der Satan erschien, bildet einen Ausgangspunkt für die kontemplative Tradition im Christentum.

Im Katholizismus gibt es viele Heilige, die das Gebet als Kontemplation ausgeübt haben und aus diesem Geist heraus auch die Kirche mit geprägt haben, unter anderem Teresa von Ávila, die 1970 zur Kirchenlehrerin erhoben wurde, Johannes vom Kreuz und Niklaus von Flüe.

Auch in den evangelischen Kirchen hat sich eine kontemplative Tradition entwickeln können, die mitunter ihre Vorbilder in katholischen Heiligen hatte. Bedeutende Vertreter waren oft Laien, etwa der Schuster Jakob Böhme († 1624), der Bandweber Gerhard Tersteegen († 1769) oder der Schuhmacherlehrling George Fox († 1691), der Gründungsvater der Quäker. Meist standen sie aufgrund ihrer Lehre in Konflikt mit der kirchlichen Obrigkeit.

Das Ziel der Kontemplation ist es, sich für Gottes Geist zu öffnen. Dies kann in drei Schritten erfolgen: Reinigung, Erleuchtung und Seeleneinheit mit Gott.

In verschiedenen Traditionen und Orden sind unterschiedliche Formen der Kontemplation entwickelt worden. Dazu zählen die ignatianischen Exerzitien (geistliche Übungen), die benediktinische Kontemplation (lectio, meditatio, oratio) und der ostkirchliche Hesychasmus mit dem Jesusgebet (wiederholte Rezitation des Wortes Jesus bzw. des veränderbaren Satzes Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner, des Sünders).

Besonders geprägt wurde die kontemplative Lebensweise durch Teresa von Ávila, Meister Eckhart, Johannes vom Kreuz, Angelus Silesius, Hildegard von Bingen, Frère Roger. Wichtige lebende Lehrer der Kontemplation sind u. a. der Benediktiner und Zenmeister Willigis Jäger, Ferenc Jálics SJ, Anselm Grün, Peter Dyckhoff, Thomas Keating, John Main OSB und Laurence Freeman.

Im engeren Sinne nennt man eine Gemeinschaft (meist einen Orden oder eine Kommunität) dann kontemplativ, wenn deren Mitglieder sich ganz diesem Weg verschrieben haben und kaum eine nach außen wirksame Arbeit betreiben – im Unterschied zu denjenigen Orden, die karitativ oder missionarisch tätig sind.

Im Gegensatz zu vielen Formen östlicher Meditation, bei der man versucht, seinen Geist zu leeren, um eins mit der Gottheit zu werden, versteht die christliche Mystik unter Kontemplation ein sich Ausrichten auf einen bedingungslos liebenden Gott. Kontemplation ist Einübung einer Haltung. Die Erfahrung von Gottes Gegenwart kann nicht vom Betenden selbst hergestellt werden, sie ist Geschenk und reine Gnade; wohl aber muss in der Regel die offene, erwartungslose Bereitschaft, Gottesgnade zuzulassen, vorhanden sein, um sie überhaupt erfahren zu können.

Fernöstliche und esoterische Richtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rinzai-Zen-Buddhismus, einige New-Age-Bewegungen und das dem westlichen Lebensstil angepasste Eckankar gehen davon aus, dass es hilfreicher sei, eine innere Betrachtung (z. B. von liebevollen Gedanken, Postulaten oder von Menschen, die man liebt, aber auch einer Weisheit oder eines Sinnspruches) mit in die Kontemplation zu nehmen, als zu versuchen, den Geist vollkommen zu leeren. Diese Technik soll dem Gläubigen zum einen die Möglichkeit verleihen, sich mit universeller Liebe anzufüllen, andererseits wird so dem Umstand Rechnung getragen, dass eine vollkommene Stille im mentalen Bereich kaum zu erreichen und noch schwerer aufrechtzuerhalten ist. Insofern haben sich also bestimmte esoterische Schulen des Konzeptes der Kontemplation als eines einfacheren Weges zur Erleuchtung bedient.

In tiefer Kontemplation ist es nach Angaben von Praktikern ebenso möglich, transzendentale Erfahrungen zu machen wie in Meditation.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersichtsdarstellungen

Einführungen und Untersuchungen zu christlichen Traditionen

  • Edwin Egeter: Deutungsmuster im "christlichen Zen". Eine religionswissenschaftliche Untersuchung. Akademikerverlag, Saarbrücken 2013, ISBN 978-3-639-49413-6.
  • Franz Jalics: Kontemplative Exerzitien. Eine Einführung in die kontemplative Lebenshaltung und in das Jesusgebet. 7. Auflage. Echter, Würzburg 2001, ISBN 3-429-01576-6.
  • Dietmar Mieth: Die Einheit von vita activa und vita contemplativa in den deutschen Predigten und Traktaten Meister Eckharts und bei Johannes Tauler. Untersuchungen zur Struktur des christlichen Lebens. Pustet, Regensburg 1969.
  • Simon Peng-Keller: Kontemplation. Einübung in ein achtsames Leben. Kreuz Verlag, Freiburg i. Br. 2012, ISBN 978-3-451-61157-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Kontemplation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georgi Schischkoff, Martin Gessmann: Philosophisches Wörterbuch. 22. Auflage. Kröner Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 3-520-01322-3, S. 370.