Konverb

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Mit dem Begriff Konverb (engl. converb) bezeichnet man in der Sprachwissenschaft spezialisierte adverbiale Verbformen.

Beispiel aus dem Türkischen:

Gülerek gitti.Lachend ging er/sie.“ (Konverb zu gülmek „lachen“)

Sie sind nicht finit und fungieren außerdem weder als Ergänzung des finiten Hauptverbs (sind also keine Verbalnomen) noch als nähere Bestimmung eines Nomens (sind also keine Attribute).

Wie aus dem Beispiel ersichtlich, können Konverben in der deutschen Übersetzung häufig durch freie Partizipien („lachend“) wiedergegeben werden.

Sprachen mit Konverben[Bearbeiten]

Daneben gibt es im Türkischen noch eine Reihe anderer Arten von Konverben. Weitere Beispiele für Konverben finden sich in anderen Turksprachen, in den mongolischen (wie dem Mongolischen) und tungusischen Sprachen, aber auch in den äthiosemitischen, omotischen und kuschitischen Sprachen Afrikas, in gewisser Weise auch in romanischen und slawischen Sprachen sowie in vielen anderen Sprachen der Welt, hauptsächlich jedoch in Sprachen mit der Grundwortstellung Subjekt-Objekt-Verb (SOV).

Syntax der Konverben[Bearbeiten]

Konverben sind in der Regel einem Hauptverb untergeordnet (ähnlich einem Nebensatz). Vor allem Gerundien, aber auch Partizipien kann man hierzu rechnen. Typischerweise werden sie durch Suffixe gekennzeichnet (wie z. B. -erek in dem obigen Beispiel). In bestimmten Sprachen können Konverben aber auch weder beigeordnet noch untergeordnet sein (s. Kosubordination). Konverben können insbesondere zum Zwecke der Satzverknüpfung (engl. clause chaining/clause linking) verwendet werden, wobei eine ganze Reihe solcher Verbformen hintereinander auftritt und durch ein finites Hauptverb abgeschlossen wird.

Weitere Begriffe[Bearbeiten]

Weitere Begriffe für Arten von Konverben sind Gerund(ium), medial verb, adverbial participle, absolute construction (für romanische Sprachen), gérondif (für das Französische), conjunctive/absolutive participle (für südasiatische Sprachen) und деепричастие/deepričastie (für das Russische und Sprachen des Kaukasus, Nord- und Zentralasiens).

Herkunft der Begriffe[Bearbeiten]

Der Begriff Konverb entstammt der Altaistik und wurde zuerst von Ramstedt (1903) verwendet (Haspelmath 1995). Der Terminus medial verb stammt aus der Beschreibung asiatischer Sprachen, in welchen wegen der typischen SOV-Stellung das Konverb immer in mittlerer Position steht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Haspelmath u. Ekkehard König (Hrsg.): Converbs in Cross-Linguistic Perspective. Mouton de Gruyter, Berlin u. New York 1995.
  • Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. Metzler, Stuttgart u. Weimar 1993.