Konzerthaus Kopenhagen

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DR Byen mit Konzerthaus Kopenhagen, 2009
Das sich im Bau (2006) befindliche Konzerthaus, aus Sicht der Metro-Station

Das Konzerthaus Kopenhagen (DR Koncerthuset) ist das neue Konzerthaus des Dänischen Rundfunks und ein herausragendes Beispiel internationaler Gegenwartsarchitektur. Es ist Teil des Gesamtkomplexes DR Byen, dem Hauptsitz des Senders, und befindet sich im Norden des Kopenhagener Stadtteils Ørestad auf der Insel Amager. Das von dem französischen Architekten Jean Nouvel geplante Gebäude wurde nach zehnjähriger Planung im Januar 2009 eröffnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Planung wurde 1999 begonnen. Der Bau war mit Skandalen verbunden, da falsch berechnete Materialkosten und weitere Fehlkalkulationen des Pariser Architekturbüros von Jean Nouvel zunächst verschwiegen wurden. Hinzu kamen bautechnische Überraschungen. So war beispielsweise die Erde auf Amager viel weicher als erwartet, so dass das Konzerthaus aufwendig im Boden verankert werden musste. Für die Errichtung des Gebäudes waren 600 Millionen Kronen veranschlagt; am Ende kostete das Projekt 1,7 Milliarden Kronen (ungefähr 230 Millionen Euro). Als wegen der Budgetüberschreitungen die Politik weitere Zahlungen verweigerte, musste der Dänische Rundfunk die Fertigstellung alleine finanzieren. Ihr Generaldirektor trat zurück. Nach zweijähriger Verspätung wurde der Hauptsaal am 17. Januar 2009 mit einem Konzert (unter anderem mit dem Opernsänger Bo Skovhus) in Anwesenheit der königlichen Familie und der Regierung eröffnet.

Gebäude und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kubusförmige Gebäude hat eine blaue Glasfiberfassade und ist 45 m hoch, 100 m lang und 45 m breit. Es lässt die an drei Treppentürmen aufgehängte und auf sechs Säulen ruhende Betonkonstruktion des Saals durchschimmern. lm Innern befinden sich ein riesiges Foyer sowie vier durch weite Wandelgänge verbundene unterschiedlich große Konzertsäle. Der größte fasst 1.800 Besucher und hat eine Höhe von 24 m. Hervorstechend ist die Form. Es gibt keine rechten Winkel; in dem harmonisch erdfarbig leuchtenden Auditorium ist in unterschiedlichen Radien alles gebogen und gewölbt. Der Meteor in Peter Høegs Roman Fräulein Smillas Gespür für Schnee hatte Nouvel angeregt, den großen Saal so zu gestalten, als schwebe er frei in der Luft, „fast so, als wäre er vom Himmel gefallen und hätte sich dann in den Boden von Amager gerammt“.[1] In drei kleineren Sälen finden Rock-, Pop- und Jazz-Veranstaltungen statt. Auf die Fassade, die nachts kobaltblau leuchtet, kann das innere Geschehen mittels übergroßer Lichtprojektionen nach außen übertragen werden.

Der Japaner Yasuhisa Toyota hat das akustische Konzept erstellt. Ein 75 Tonnen schweres verstellbares Schallsegel schwebt über der Orchesterbühne und soll präzise die Akustik regulieren. Zuletzt wurde die Raumakustik des Hauptsaals deutlicher Kritik ausgesetzt. Niels Vilhelm Jordan und Peter Møller Juhl urteilten nach eingehenden Testmessungen, die Verwendung perforierter Gipsplatten und der Bau einer Zuhörergalerie nach Vorbild der Berliner Philharmonie seien Fehler gewesen und verhinderten eine Nachhallzeit von mehr als zwei Sekunden.[2] Der Vorsitzende des Aufsichtsrates Michael Christiansen wies die Vorwürfe zurück.

Konzertorgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde in den Jahren 2003 bis 2009 von J.L. van den Heuvel Orgelbouw errichtet. Das Instrument hat 91 Register auf vier Manualwerken und Pedal (Orgel) und ist damit die größte Orgel Dänemarks.[3]

I Grand Orgue C–c4
Principal 16′
Bourdon 16′
Montre 08′
Principal 08′
Flûte Harmonique 08′
Bourdon 08′
Viole de Gambe 08′
Grande Sesquialtera II 0
Prestant 04′
Flûte Traversière 04′
Quinte 223
Grande Septième 227
Doublette 02′
Grande Neuvième 179
Cornet III–IV 223
Fourniture VI 02′
Bombarde 16′
Trompette 08′
Clairon 04′
II Positif expressif C–c4
Flûte 16′
Principal 08′
Flûte Traversière 08′
Quintaton 08′
Flûte à Cheminée 08′
Salicional 08′
Unda Maris 08′
Prestant 04′
Cor de Chamois 04′
Quinte 223
Flûte à Bec 02′
Tierce 135
Larigot 113
Septième 117
Plein-Jeu V 01′
Cor Anglais 16′
Cor d’Harmonie 08′
Clarinet 08′
Trémolo
III Récit expressif C–c4
Bourdon d’Amour 16′
Violoncelle 08′
Flûte Harmonique 08′
Gambe 08′
Voix Céleste 08′
Bourdon 08′
Prestant 04′
Fugara 04′
Flûte Octaviante 04′
Nasard 223
Octavin 02′
Carillon II 135
Harmonia Aetheria III–VIII 0 02′
Bombarde 16′
Trompette Harmonique 08′
Basson-Hautbois 08′
Voix Humaine 08′
Clairon Harmonique 04′
Trémolo
IV Solo expressif C–c4
Stentorfon 08′
Solo Gambe 08′
Grosse Flûte I–II 08′
Flûte Octaviante 04′
Nasard Harmonique 0 223
Octavin 02′
Tierce Harmonique 135
Piccolo Harmonique 01′
Trompette Royal 08′
Trémolo
Chamade
Tuba Magna 16′
Tuba Mirabilis 08′
Cor Harmonique 04′
Pedal C–f1
Contre Bourdon 32′
Montre 16′
Flûte Basse 16′
Violon 16′
Soubasse 16′
Basse d’écho 16′
Grande Quinte 1023
Octave 08′
Flûte 08′
Violoncelle 08′
Bourdon 08′
Grande Tierce 625
Quinte 513
Grande Septième 447
Flûte 04′
Grande Neuvième 0 359
Cornet IV 223
Mixture V 04′
Contre Bombarde 32′
Bombarde 16′
Basson 16′
Trompette 08′
Baryton 08′
Clairon 04′
  • Koppeln :
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P, zusätzlich dazu noch Altkoppel II/I und Melodiekoppel IV/I
    • Suboktavkoppeln: I/I, II/I, III/I, III/II, III/III
    • Superoktavkoppeln: I/P, III/P
  • Spielhilfen:
    • drei programmierbare Registercrescendo mit Walze
    • 8x 1000-fache elektronische Setzeranlage mit externer Speichermöglichkeit
    • MIDI-Ein- und Ausgang für Aufnahme und Wiedergabe des Orgelspiels

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Bartetzko: Ein Blauwerk für Ørestad. Das neue Konzerthaus in Kopenhagen ist ein typischer Nouvel geworden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Januar 2009
  • Kristina Maidt-Zinke: Am Anfang war der Skandal. In: Süddeutsche Zeitung vom 20. Januar 2009
  • Søren Schauser: Vom Findelkind zum Wunschkind. In: Hamburger Abendblatt vom 8. Januar 2009
  • Konzerthaus Kopenhagen - Ein starkes Team vor Ort. Presseerklärung der Lindner AG, Arnstorf/Kopenhagen, Mai 2008

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Søren Schauser: Vom Findelkind zum Wunschkind.
  2. Signe Bjerre: Akustiker: Der Klang stirbt im Konzerthaus (dän.) Politiken.dk, 29. Juni 2012
  3. Nähere Informationen zur Orgel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Konzerthaus Kopenhagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 55° 39′ 28,6″ N, 12° 35′ 20,3″ O