Kopfball

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem Kopfball im Sport. Für das gleichnamige Wissensmagazin im Fernsehen siehe Kopfball (Show)
Kopfbälle.jpg
UEFA13 GER 04 Maier Leonie 130711 GER-NL 0-0 205914 3627.jpg
Einfaches Herausköpfen des Balles. (links) Der gezielte Einsatz erfolgt mit der Stirn. (rechts)

Kopfball ist bei Ballsportarten eine Technik, den Spielball mit dem Kopf zu spielen.

Fußball[Bearbeiten]

Während im Fußballspiel für Feldspieler das absichtliche Berühren des Balles mit Hand oder Arm (Handspiel) als regelwidrig geahndet wird, ist das Spielen des Balles mit dem Kopf erlaubt. Ein Kopfball, korrekter auch Kopfstoß genannt, wird insbesondere eingesetzt, um einen halbhoch oder hoch heranfliegenden Ball in Richtung Tor zu befördern, an den Mitspieler weiterzuleiten oder einen gegnerischen Angriff abzuwehren (zum Beispiel nach Flanke oder Eckball).

Vorbereitung eines Kopfballtors (Leo Maric gegen Sven Tramm, 1998)

Kopfstöße können im Stand, häufig aber auch im Lauf oder im Sprung (von einem oder beiden Beinen)[1] ausgeführt werden und finden oft im Zweikampf mit einem gegnerischen Spieler statt. Wichtige Voraussetzungen für erfolgreiches Kopfballspiel sind deshalb neben der Körpergröße eine hohe Sprungkraft sowie die Fähigkeit, die Flugbahn des Balls zu berechnen, daraus den richtigen Absprungzeitpunkt und die Sprunghöhe zu wählen und den Kopfstoß kontrolliert (Richtung und Stoßstärke) auszuführen. Neben geschossenen oder geworfenen Bällen kann diese Technik auch mit einem Kopfballpendel trainiert werden.

Einige Stürmer sind oder waren als Kopfball-Spezialisten bekannt und gefürchtet, meistens Spieler von besonderer Körpergröße oder Sprungkraft. Insbesondere „Goldkopf“ Sándor Kocsis konnte sich den Ruf des weltbesten Kopfballspielers in seiner Karriere erarbeiten, aber auch Horst Hrubesch war in Deutschland als besonders guter Kopfballspieler bekannt.

Weitere Sportarten[Bearbeiten]

In den großen Ballsportarten, wie u. a. Basketball, Handball und Volleyball, ist es ebenso regelkonform, den Ball mit dem Kopf zu spielen. Jedoch kommt dies nur sehr selten vor, da das Kopfballspiel weitaus weniger präzise als das mit der Hand ist.

Gesundheitsrisiken[Bearbeiten]

Neuesten Untersuchungen zufolge können Kopfbälle zu Schädel-Hirn-Traumata führen. Besonders als der Fußball noch aus Leder war und bei Nässe sehr schwer wurde, konnten Langzeitfolgen bei Fußballern auftreten, wie etwa Jeff Astle. Das private Albert Einstein College in New York hat herausgefunden, dass etwa 2000 Kopfbälle pro Jahr sich gesundheitlich negativ auswirken können. Jedoch hat gemäß der Universität Regensburg ein kurzes Kopfballtraining keine Auswirkungen und ist damit gesundheitlich nicht relevant.[2] In den vergangenen Jahren erschienen verschiedene Studien, die einen Zusammenhang zwischen intensivem Kopfballspiel, Hirnveränderungen und kognitiven Defiziten andeuten: So analysierten etwa Wissenschaftler der New Yorker Yeshiva Universität per diffusionsgewichteter Magnetresonanztomografie unnormale weiße Stellen im Gehirn von Fußballern, die laut eigener Angaben jeweils mehr als 885 Bälle im Jahr köpfen.[3] Diese Spieler schnitten bei kognitiven Tests schlechter ab als Spieler, die seltener köpften. Auch ein Forscherteam aus den USA und Deutschland hatte in den Gehirnen von Profifußballern im Vergleich zu Leistungsschwimmern großflächigere Veränderungen in der weißen Substanz entdeckt, die für die Nervenkommunikation bedeutsam ist.[4] Die Autoren schließen einen Zusammenhang zum Kopfballspiel nicht aus. Allerdings räumen sie selbst methodische Grenzen ihrer Studien ein – nur wenige Dutzend Probanden, kein Langzeitfokus.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kopfball im Fußballsport – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Kopfball – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Bauer Fußball perfekt, BLV Verlagsgesellschaft München 1978
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDavid Binnig: Fatale Beschleunigung. In: Zeit Online. Zeit Online GmbH, 01.06.2013, abgerufen am 1. Juni 2013.
  3. Michael L. Lipton, MD, PhD et al, Soccer Heading Is Associated with White Matter Microstructural and Cognitive Abnormalities: [1], RSNA, abgerufen am 19. Dezember 2014
  4. Inga K. Koerte et al.White Matter Integrity in the Brains of Professional Soccer Players Without a Symptomatic Concussion JAMA, abgerufen am 19. Dezember 2014
  5. Schädigen Kopfbälle auf Dauer das Gehirn?. In: test.de vom 19. Dezember 2014, abgerufen am 20. Januar 2015