Kopftuch

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Simone de Beauvoir, Tel Aviv (1967)

Ein Kopftuch ist ein meist dreieckiges oder zu einem Dreieck gefaltetes Stück Stoff, mit dem der Kopf bedeckt wird. Es kann auf verschiedene Arten getragen werden, meist unter dem Kinn oder im Nacken verknotet, aber auch lose hängend oder in anderen Varianten. Für das Tragen eines Kopftuches gibt es vielfältige Gründe: vor allem praktische, kulturelle und religiöse Gründe, aber auch modische Gründe.

Meist werden Kopftücher von Frauen und Kindern getragen, aber es gibt auch Kopftücher für Männer. Besonders bei kleinen Kindern steht die Schutzfunktion eines Kopftuchs oder einer anderen Kopfbedeckung im Vordergrund.

Gründe für das Tragen eines Kopftuchs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kopftücher werden hauptsächlich aus praktischen, kulturellen oder religiösen Gründen getragen. Zu den praktischen Gründen gehört der Schutz vor der Witterung (Kälte, Hitze, Wind, Sonne) und der Schutz vor Verschmutzung, zum Beispiel in staubigen Umgebungen. Ein Kopftuch kann dafür sorgen, dass die Haare bei der Arbeit nicht stören. Teilweise sind geeignete Kopfbedeckungen als Arbeitsschutz vorgeschrieben. Beispielsweise muss verhindert werden, dass lange Haare in rotierende Teile von Maschinen geraten können, entweder durch eine geeignete Kopfbedeckung (Mütze, Haarnetz oder Kopftuch) oder durch Aufstecken der Haare.[1] Hygienische Gründe erfordern das Tragen einer Kopfbedeckung zum Beispiel in Küchen und Krankenhäusern.[2]

Kulturell unterlag die Bedeutung des Kopftuchs beziehungsweise des Schleiers in allen Teilen der Welt einem Wandel. Zu vielen Frauentrachten gehört ein Kopftuch. In Westeuropa trugen bis in die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts viele Frauen das Kopftuch aus Tradition, in anderen europäischen Ländern blieb die Tradition bis in die Gegenwart erhalten. Frauen aus dem indischen Raum tragen oft einen Sari und bedecken die Haare mit einem langen Stück Stoff. Ein Kopftuch kann als Zierde oder modisches Accessoire dienen. Das Kopftuch kann auch als Teil der Identität der Träger und Trägerinnen gelten und die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe ausdrücken. Ähnliches ist von den männlichen Sikhs und dem Tragen des Turbans bekannt.

Das weiße Kopftuch der Madres de Plaza de Mayo bei einer Audienz beim argentinischen Präsidenten Néstor Kirchner (2005)

Religiöse Vorschriften und Gebräuche spielen bei Kopfbedeckungen für Frauen eine Rolle (siehe Schleier). Das Kopftuch kann auch eine weltanschauliche oder politische Überzeugung ausdrücken. Ein Beispiel hierfür sind die Madres de Plaza de Mayo, die durch das Tragen weißer Kopftücher bei ihren Protestaktionen besondere Aufmerksamkeit erlangten.

Kopftücher für Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kopftuch in der westlichen Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trümmerfrauen mit Kopftuch, Berlin, 1946
Das Kopftuch als Teil der Arbeitsschutz­bekleidung, Strehla 1966

Das Tragen von Kopftüchern war in Europa vor allem in den ländlichen Gebieten bis in die 1980er Jahre üblich.[3][4] Besonders verbreitet war das Tragen eines Kopftuches in der Nachkriegszeit bei Trümmerfrauen, um die Haare vor Schmutz zu schützen.

Eine Renaissance erlebte das Kopftuch in Filmen der 1950er- und 1960er-Jahre, vor allem mit Audrey Hepburn und Grace Kelly (unter anderem in Frühstück bei Tiffany und Über den Dächern von Nizza), deren Name heute auch mit einer bestimmten Trageweise (unter dem Kinn gekreuzt und dann im Nacken verknotet) verknüpft ist. Die derzeit weltweit wohl bekannteste Frau, die häufig ein Kopftuch trägt, dürfte Königin Elisabeth II. sein, die unter anderem deswegen von der britischen Vogue schon positiv erwähnt wurde.[5]

Das von den Frauen der Region um Champéry traditionell getragene, scharlachrote Kopftuch (1912)

Die Nutzung des Kopftuches ging zuerst in den Städten und später auch im ländlichen Raum zurück; es wurde überwiegend von anderen Kleidungsstücken wie Hüten oder Mützen weitgehend verdrängt. Oft ist es heute aber auch allgemein üblich, gar keine Kopfbedeckung zu tragen. Ingrid Loscheck stellt fest, dass „nach etwa 1960 Kopfbedeckungen bei beiden Geschlechtern außer Gebrauch kamen“. [6]

Frau in Albanien mit weißem Kopftuch (2012)

Üblich ist das Kopftuch in vielen ost-, mittel- und südeuropäischen Ländern. Dort wird es regelmäßig beim Gottesdienst, aber vielfach auch im Alltag getragen.

Kopftuch und Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im orthodoxen Judentum ist es für verheiratete Frauen Brauch, im Rahmen der Zniut („Sittsamkeit“) ihr Haar zu bedecken. Das hierbei oft getragene Kopftuch wird Tichel oder Mitpachat genannt. Es weist die Trägerin als verheiratete Frau aus. Bereits der Tanach berichtet von einer Verschleierung der Frauen: So verschleiert sich Rebekka, die zukünftige Frau Isaaks.

„Rebekka blickte auf und sah Isaak. Sie ließ sich vom Kamel herunter und fragte den Knecht: Wer ist der Mann dort, der uns auf dem Feld entgegenkommt? Der Knecht erwiderte: Das ist mein Herr. Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich.“

Bibel: Genesis 24,64–65 EU

Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hutterinnen bei der Arbeit

Im Christentum wird das Kopftuch in der Gegenwart hauptsächlich von Frauen der orthodoxen Kirchen und in einigen mennonitischen bzw. täuferischen Gemeinschaften, wie etwa den Hutterern, getragen. Dabei sind für die Kopftücher der Frauen der hutterischen Schmiedeleut weiße Polkatupfen auf schwarzem Grund vorgeschrieben, wodurch sie besonders leicht zu erkennen sind.

Zur Ordenstracht der Schwestern einiger neuerer Kongregationen, etwa der Kleinen Schwestern Jesu und der Kleinen Schwestern vom Lamm, gehört ein Schleier, der einem Kopftuch ähnelt.

Das aus der Bibel abgeleitete Gebot, dass Frauen beim Gebet und im Gottesdienst das Haupt beziehungsweise das Haar bedecken, wird in einigen Kirchen, vor allem in Ost- und Südeuropa, praktiziert. Auch in vereinzelten Brüdergemeinden, in der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche, in Pfingstgemeinden, Norweger-Gemeinden, calvinistischen Gemeinden in den Niederlanden und Schottland und in den Gemeinden der baptistischen Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion bedecken viele Frauen ihren Kopf beim Gebet und beziehen sich hierbei auf den Apostel Paulus:

„Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt. Sie unterscheidet sich dann in keiner Weise von einer Geschorenen.“

Siehe auch: Schleier

Islam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Islam gibt es für Frauen sehr verschiedene Gründe, ein Kopftuch zu tragen: Gepflogenheit, religiöses Selbstverständnis, religiöse Emanzipation, individueller Selbstausdruck (Kopftuch als Accessoire),[7] Vorschrift (z. B. aufgrund von Gesetzen in einigen islamischen Ländern), Druck aus dem sozialen Umfeld,[8] Symbol der Gruppenzugehörigkeit, und (in seltenen Fällen) Ausdruck des Protestes.

Kopftücher für Männer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hexen mit Kopftüchern bei der schwäbisch-alemannischen Fastnacht
Rocker tragen oft ein Kopftuch, das zum Beispiel die Zugehörigkeit zu einem Club signalisieren kann

In westlichen Ländern ist das Kopftuch für Männer traditionell als Kopfbedeckung von Piraten überliefert, wobei allerdings nicht gesichert ist, was daran Tatsache und was Legende ist.

In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gehört ein Kopftuch zur traditionellen Kostümierung vieler Narren, insbesondere der Hexenzünfte bei den Umzügen.

Gegenwärtig findet sich bei Männern gelegentlich das Bandana (von Hindi bandhana, „binden“). Ein Bandana ist kleiner als ein „normales“ Kopftuch (meist nur 50 bis 60 Zentimeter Kantenlänge) und wird der Art eines Piraten-Kopftuchs getragen. Es kann als modisches Accessoire oder als Schutz vor Sonnenstrahlung dienen. Mit einem Bandana kann auch eine bestimmte Gruppenzugehörigkeit ausgedrückt werden.

Im arabischen Raum tragen Männer als übliche Kopfbedeckungen die Kufiya, oft rotweiß oder schwarzweiß gemustert oder einfarbig. Im Oman wird ein Tuch um den Kopf in einer besonderen Technik gewickelt, die an einen Turban erinnert.[9]

Die Männer der Saharavölker, wie der Tuareg, Peul, Tukulor und Mauretanier, bedecken den Kopf zum Schutz vor Sonne, Wind und Sand mit einem Tuch, meist in einer an den Turban erinnernden Form. Der Tagelmust der Tuareg wird auf Französisch auch Chèche genannt. Er besteht aus einer rechteckigen Stoffbahn aus Baumwolle, die zwischen vier und zehn Meter lang ist. Er bedeckt das Gesicht des Mannes, nur die Augen bleiben frei.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der ersten Frauenfußballmannschaften nannte sich „Eintracht Kopftuch“.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sabine Berghahn, Alexander Nöhring; Petra Rostock (Hrsg.): Der Stoff, aus dem Konflikte sind. Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Transcript, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-89942-959-6.
  • Monika Höglinger: Verschleierte Lebenswelten – zur Bedeutung des Kopftuchs für muslimische Frauen; ethnologische Studie. Vorwort von Andre Gingrich, Nachwort von Barbara Frischmuth. 2. Auflage, Edition Roesner, Maria Enzersdorf 2003, ISBN 3-902300-03-5.
  • Peter Kühn: Das Kopftuch im Diskurs der Kulturen. Bautz, Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-221-8.
  • Meral Akkent, Gaby Franger: Das Kopftuch – Basörtü. Dagyeli Verlag, Frankfurt 1996, ISBN 978-3-92432061-4.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arbeitsschutz will gelernt sein – Ein Leitfaden für Sicherheitsbeauftragte (PDF). Berufsgenossenschaft Holz und Metall, Januar 2013, S. 14: Haare schützen.
  2. Küchenhygiene, Bundesministerium für Gesundheit, Österreich, 2013, S. 18
  3. http://www.badische-zeitung.de/erklaers-mir/erklaer-s-mir-was-bedeutet-das-kopftuch--107432726.html Abgerufen am 9. Juli 2015 08:09
  4. https://orf.at/stories/2343943/2343944/ Abgerufen am 22.07.2018 17:10
  5. https://www.welt.de/vermischtes/article1333656/Elizabeth-II-zur-Glamour-Koenigin-gewaehlt.html
  6. Ingrid Loscheck: Reclams Mode- und Kostümlexikon. Stuttgart 1999, S. 311 ff, 143f
  7. (Kreative Variationen zum Thema Verschleierung – Qantara),
    Baden im Burkini (Deutschlandradio),
    Kopftuchmode: Das Accessoire des Islam (Das Accessoire des Islam – FAZ),
    Integration: Die schönen Töchter Kreuzbergs (Die schönen Töchter Kreuzbergs – FAZ)
  8. Der Staat muss neutral sein, Ehrhart Körting, DIE WELT, 11. März 2004 ([1])
  9. How to wear a Shmagh-Youtube–Video
  10. http://www.elbe-wochenblatt.de/kirchdorf/sport/eintracht-kopftuch-gegen-fc-united-strumpfhose-d47568.html