Kopftuch

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Frauen beim Erbsenschälen, Iszák Perlmutter, 1906
Symbolhaftes Kopftuch: die Madres de Plaza de Mayo bei Präsident Néstor Kirchner

Ein Kopftuch ist ein dreieckiges oder zu einem Dreieck gefaltetes Stück Stoff, mit dem der Kopf bedeckt wird. Es kann auf verschiedene Arten getragen werden, meist unter dem Kinn oder im Nacken verknotet, aber auch lose hängend oder in anderen Varianten. Für das Tragen eines Kopftuches gibt es vielfältige Gründe: vor allem praktische, kulturelle und religiöse Gründe, aber auch modische Gründe. Zu vielen Frauentrachten gehört ein Kopftuch.

Meist werden Kopftücher von Frauen und Kindern getragen, aber es gibt auch Kopftücher für Männer. Besonders bei kleinen Kindern steht die Schutzfunktion eines Kopftuchs oder einer anderen Kopfbedeckung im Vordergrund.

Gründe für das Tragen eines Kopftuchs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kopftücher werden hauptsächlich aus praktischen, kulturellen oder religiösen Gründen getragen. Zu den praktischen Gründen gehört der Schutz vor der Witterung (Kälte, Hitze, Wind, Sonne) und der Schutz vor Verschmutzung, zum Beispiel in staubigen Umgebungen. Ein Kopftuch kann dafür sorgen, dass die Haare bei der Arbeit nicht stören. Teilweise sind geeignete Kopfbedeckungen als Arbeitsschutz vorgeschrieben. Beispielsweise muss verhindert werden, dass lange Haare in rotierende Teile von Maschinen geraten können, entweder durch eine geeignete Kopfbedeckung (Mütze, Haarnetz oder Kopftuch) oder durch Aufstecken der Haare.[1] Hygienische Gründe erfordern das Tragen einer Kopfbedeckung zum Beispiel in Küchen und Krankenhäusern.

Kulturell unterlag die Bedeutung des Kopftuchs bzw. des Schleiers in allen Teilen der Welt einem starken Wandel. Ein Kopftuch, schwarz, farbig, oft auch prachtvoll bestickt, gehört zu vielen traditionellen Trachten. In Europa trugen bis vor kurzer Zeit viele Frauen das Kopftuch aus Tradition und tun es in vielen Ländern noch heute. Frauen aus dem indischen Raum tragen oft einen Sari und bedecken die Haare mit einem langen Stück Stoff. Aber auch ohne traditionellen Hintergrund kann ein Kopftuch als Zierde oder modisches Accessoire dienen. Das Kopftuch kann auch als Teil der Identität der Träger und Trägerinnen gelten und die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe ausdrücken. Ähnliches kennt man von den männlichen Sikhs und ihrem obligatorischen Turban.

Religiöse Vorschriften und Gebräuche spielen bei Kopfbedeckungen für Frauen eine Rolle (siehe Schleier). Das Kopftuch kann auch eine weltanschauliche oder politische Überzeugung ausdrücken. Ein Beispiel sind die Madres de Plaza de Mayo, die durch das Tragen weißer Kopftücher bei ihren Protestaktionen besondere Aufmerksamkeit erlangten.

Kopftücher für Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kopftuch in der westlichen Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trümmerfrauen mit Kopftuch
Das Kopftuch als Teil der Arbeitsschutz­bekleidung, Strehla 1966
Frau in Albanien mit weißem Kopftuch

Das Tragen von Kopftüchern war in Europa vor allem in den ländlichen Gebieten bis in die 1970er und 1980er Jahre allgemein üblich, entsprach der Mode und auch den herrschenden Konventionen.[2] Besonders verbreitet war das Tragen eines Kopftuches in der Nachkriegszeit (Stichwort Trümmerfrauen), um die Haare vor Schmutz zu schützen.

Eine Renaissance erlebte das Kopftuch in vielen Filmen der 1950er- und 1960er-Jahre, vor allem mit Audrey Hepburn und Grace Kelly (unter anderem in Frühstück bei Tiffany und Über den Dächern von Nizza), deren Name heute auch mit einer bestimmten Trageweise (unter dem Kinn gekreuzt und dann im Nacken verknotet) verknüpft ist. Die derzeit weltweit wohl bekannteste Frau, die häufig ein Kopftuch trägt, dürfte Königin Elisabeth II. sein, die deswegen sogar von der britischen Vogue schon lobend erwähnt wurde.[3]

Die Akzeptanz und damit Nutzung des Kopftuches sank zuerst in den Städten und später auch im ländlichen Raum. Es wurde von anderen Kleidungsstücken wie Hüten oder Mützen weitgehend verdrängt. Großteils ist es heute aber auch allgemein üblich, keine Kopfbedeckung zu tragen. Ingrid Loscheck stellt fest, dass „nach etwa 1960 Kopfbedeckungen bei beiden Geschlechtern außer Gebrauch kamen“. [4] Heute werden Kopftücher vorrangig aus religiösen und traditionellen, aber auch vereinzelt aus praktischen Gründen (Cabrio-Fahrerinnen, Feldarbeit) getragen. In Bereichen, in denen die Bedeckung der Haare zwingend vorgeschrieben ist (beispielsweise aus hygienischen Gründen im Lebensmittelbereich oder als Arbeitsschutz), werden Kopftücher auch heute noch regelmäßig benutzt, oft aber auch in einer Variante aus speziellem Papier, das nach einmaliger Benutzung entsorgt wird.

Üblich ist das Kopftuch in vielen ost-, mittel- und südeuropäischen Ländern. Dort wird es regelmäßig beim Gottesdienst, aber vielfach auch im Alltag, insbesondere von älteren Frauen getragen.

Kopftuch und Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im orthodoxen Judentum ist es für verheiratete Frauen Brauch, im Rahmen der Tzniut („Sittsamkeit“) ihr Haar zu bedecken. Das hierbei oft getragene Kopftuch wird Tichel oder Mitpachat genannt. Es weist die Trägerin als verheiratete Frau aus. Bereits der Tanach berichtet von einer Verschleierung der Frauen: So verschleiert sich Rebekka, die zukünftige Frau Isaaks.

„Rebekka blickte auf und sah Isaak. Sie ließ sich vom Kamel herunter und fragte den Knecht: Wer ist der Mann dort, der uns auf dem Feld entgegenkommt? Der Knecht erwiderte: Das ist mein Herr. Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich.“

Bibel: Genesis 24,64–65 EU

Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hutterinnen bei der Arbeit

Im Christentum wird das Kopftuch heute hauptsächlich von Frauen der orthodoxen Kirchen und in einigen mennonitischen bzw. täuferischen Gemeinschaften, wie etwa den Hutterern, getragen.

Das aus der Bibel abgeleitete Gebot der Kopfbedeckung für Frauen während des Gebets und des Gottesdienstes wird in einigen Kirchen, vor allem in Ost- und Südeuropa, praktiziert. Auch in vereinzelten Brüdergemeinden, in der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche, in Pfingstgemeinden, Norweger-Gemeinden, calvinistischen Gemeinden in den Niederlanden und Schottland und in den Gemeinden der baptistischen Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion bedecken viele Frauen ihren Kopf beim Gebet und beziehen sich hierbei auf eine biblische Aussage des Apostels Paulus:

„Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt. Sie unterscheidet sich dann in keiner Weise von einer Geschorenen.“

Islam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Badende junge Mädchen mit Kopftuch in Malaysia
Als Kopftuch getragener Seidenschal (in Dubai)

Die Gründe, ein Kopftuch zu tragen, sind unter muslimischen Frauen sehr vielfältig: Gepflogenheit, religiöses Selbstverständnis, religiöse Emanzipation, individueller Selbstausdruck (Kopftuch als Accessoire),[5] Vorschrift (z. B. aufgrund von Gesetzen in einigen islamischen Ländern), Druck aus dem sozialen Umfeld,[6] Symbol der Gruppenzugehörigkeit, und (in seltenen Fällen) Ausdruck des Protestes.

Kopftücher für Männer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Narren mit Kopftüchern bei der schwäbisch-alemannischen Fastnacht
Rocker tragen oft ein Kopftuch, das zum Beispiel die Zugehörigkeit zu einem Club signalisieren kann

In westlichen Ländern ist das Kopftuch für Männer traditionell als Kopfbedeckung von Piraten überliefert, wobei allerdings nicht abschließend gesichert ist, was daran Tatsache und was Legende ist.

In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gehört ein Kopftuch zur traditionellen Kostümierung vieler Narren bei den Umzügen.

Gegenwärtig findet sich bei Männern gelegentlich das Bandana (von Hindi bandhana, „binden“). Ein Bandana ist kleiner als ein „normales“ Kopftuch (meist nur 50 bis 60 Zentimeter Kantenlänge) und wird der Art eines Piraten-Kopftuchs getragen. Es kann als modisches Accessoire oder als Schutz vor Sonnenstrahlung dienen. Mit einem Bandana kann auch eine bestimmte Gruppenzugehörigkeit ausgedrückt werden.

Im arabischen Raum tragen Männer als übliche Kopfbedeckungen die Kufiya, oft rotweiß oder schwarzweiß gemustert oder einfarbig. Im Oman wird ein Tuch um den Kopf in einer besonderen Technik gewickelt, die an einen Turban erinnert.[7]

Die Männer der Saharavölker, wie der Tuareg, Peul, Tukulor und Mauretanier, bedecken den Kopf zum Schutz vor Sonne, Wind und Sand mit einem Tuch, meist in einer an den Turban erinnernden Form. Der Tagelmust der Tuareg wird auch Schesch (franz. Chèche) genannt, er besteht aus einer rechteckigen Stoffbahn aus Baumwolle, die zwischen vier und zehn Meter lang ist. Er bedeckt das Gesicht des Mannes, nur die Augen bleiben frei.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die früher durchaus übliche Verbreitung des Kopftuches als allgemein genutztes Kleidungsstück verdeutlich sich beispielsweise auch daran, dass eine der ersten Frauenfußballmanschaften – Frauenfußball war damals nach den Statuten des Deutschen Fußball-Bundes noch verboten – sich selbst den Namen FC Kopftuch gab.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sabine Berghahn, Alexander Nöhring; Petra Rostock (Hrsg.): Der Stoff, aus dem Konflikte sind. Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Transcript, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-89942-959-6.
  • Monika Höglinger: Verschleierte Lebenswelten – zur Bedeutung des Kopftuchs für muslimische Frauen; ethnologische Studie. Vorwort von Andre Gingrich, Nachwort von Barbara Frischmuth. 2. Auflage, Edition Roesner, Maria Enzersdorf 2003, ISBN 3-902300-03-5.
  • Peter Kühn: Das Kopftuch im Diskurs der Kulturen. Bautz, Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-221-8.
  • Meral Akkent, Gaby Franger: Das Kopftuch – Basörtü. Dagyeli Verlag, Frankfurt 1996, ISBN 978-3-92432061-4.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arbeitsschutz will gelernt sein – Ein Leitfaden für Sicherheitsbeauftragte (PDF). Berufsgenossenschaft Holz und Metall, Januar 2013, S. 14: Haare schützen.
  2. http://www.badische-zeitung.de/erklaers-mir/erklaer-s-mir-was-bedeutet-das-kopftuch--107432726.html Abgerufen am 9. Juli 2015 08:09
  3. https://www.welt.de/vermischtes/article1333656/Elizabeth-II-zur-Glamour-Koenigin-gewaehlt.html
  4. Ingrid Loscheck: Reclams Mode- und Kostümlexikon. Stuttgart 1999, S. 311 ff, 143f
  5. (Kreative Variationen zum Thema Verschleierung – Qantara),
    Baden im Burkini (Deutschlandradio),
    Kopftuchmode: Das Accessoire des Islam (Das Accessoire des Islam – FAZ),
    Integration: Die schönen Töchter Kreuzbergs (Die schönen Töchter Kreuzbergs – FAZ)
  6. Der Staat muss neutral sein, Ehrhart Körting, DIE WELT, 11. März 2004 ([1])
  7. How to wear a Shmagh-Youtube–Video
  8. http://www.elbe-wochenblatt.de/kirchdorf/sport/eintracht-kopftuch-gegen-fc-united-strumpfhose-d47568.html