Kopp Verlag

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Kopp Verlag
Rechtsform e.K.
Sitz Rottenburg am Neckar, Deutschland
Leitung Jochen Kopp, Geschäftsinhaber
Umsatz 10 Millionen Euro (2016)[1]
Branche Medien
Website www.kopp-verlag.de

Der Kopp Verlag ist ein deutscher Medienverlag und Medien- und Warenversand mit Sitz in Rottenburg am Neckar. Geschäftsinhaber ist Jochen Kopp als eingetragener Kaufmann. Der Verlag vertreibt eigene und fremdverlegte Bücher und andere Medien zu gesellschaftlichen und politischen Themen und führt u. a. rechtsesoterische, pseudowissenschaftliche, verschwörungstheoretische sowie rechtspopulistische und rechtsextreme Titel. Außerdem werden Produkte aus den Bereichen Wellness, Outdoor-Ausrüstung, Survival und Selbstschutz vertrieben.

Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde der Verlag von dem ehemaligen Stuttgarter Polizisten Jochen Kopp.[2] Nach eigenen Angaben verschickt der Verlag „zwischen 10 000 und 25 000 Bücher pro Tag“[3] und hat rund 60 Mitarbeiter.[4]

Verbreitet werden unter anderem Bücher in den Rubriken Prä-Astronautik, Ufologie, Erfundenes Mittelalter, Kreationismus, Astrologie, Geomantie sowie Germanische Mythologie, Islamismus, Freiwirtschaftslehre und sogenannten „Gender & Gender Mainstreaming“.[5]

Nach eigener Darstellung will er mit seinen Publikationen „auf unterdrückte Informationen, Entdeckungen und Erfindungen hinweisen“ sowie „die Öffentlichkeit auf […] Themen aufmerksam […] machen, die überberichtet werden“ und dadurch die „Aufmerksamkeit von wesentlich wichtigeren Berichten ablenken“. Er behauptet darüber hinaus, „Tabuthemen, Political Correctness und Zensur“ in Gesellschaft und Medien zu untersuchen.[6]

Ferner wird mit Kopp exklusiv eine achtseitige Zeitschrift herausgegeben.[7]

Kopp Online[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verlag unterhielt mit Kopp Online ein Internetportal mit dem Untertitel „Informationen, die Ihnen die Augen öffnen“. Neben Artikeln eigener Autoren wurden dort bis 2011 auch Videos in Form einer Nachrichtensendung veröffentlicht, die inhaltlich das Themenspektrum des Verlags abdeckten. Als Moderatoren wechselten sich Eva Herman, Roland Kieber und zunächst Hakim-Michael Meziani ab.

Eva Herman publizierte in Kopp Online, dass bei der Massenpanik bei der Loveparade 2010 „eventuell […] ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen“ hätten, „um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen. Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.“[8][9] Im Frühling 2011 verbreitete dort Udo Ulfkotte die These, dass die EHEC-Epidemie von orientalischen Erntehelfern ausgelöst worden sei, die gezielt ihre Fäkalien in Kontakt mit den geernteten Lebensmitteln bringen würden, um auf diese Weise einen „Fäkalien-Dschihad“ gegen die deutschen Verbraucher zu führen. Gerhard Wisnewski spekulierte auf Kopp Online über eine Transsexualität Michelle Obamas[10] oder eine False-Flag-Aktion der US-Geheimdienste bei den Terroranschlägen in Paris und New York. Urheber seien nicht Islamisten, sondern „Werkzeuge der amerikanischen Global-Strategie“, um einen „Kampf der Kulturen“ führen zu können, wozu auch die „plötzlich erschienene“ Pegida-Bewegung gehöre. An anderen Stellen wurde jedoch mit der Pegida sympathisiert.[11] Der Eigentümer Jochen Kopp sagte dazu, seine Autoren seien in „ihren Ansichten frei“, er schätze „kritische Geister“, und die Begriffe „rechtspopulistisch“ oder „verschwörungstheoretisch“ würden als „Totschlagargument gebraucht, um Andersdenkende pauschal zu diskreditieren“.[11]

Im April 2017 wurde der redaktionelle Teil von Kopp Online geschlossen. Als Grund nannte der Verlag wirtschaftliche Probleme.[12]

Produktpalette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer eigenen Büchern und Medien vertreibt Kopp auch ausgewählte Produkte anderer Verlage, die in seinen Themenbereich passen. Medien werden auf Bestellung ausgeliefert. Zudem verkauft Kopp unter der Rubrik Wohlbefinden sogenannte „Vital-Produkte“ in einer eigenen Produktlinie sowie weitere Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetika, Tees, Öle, Gewürze etc. In einem weiteren Bereich werden Survival- und Selbstschutzprodukte angeboten, etwa Wasseraufbereiter, Gürtelmesser, Stichschutzwesten, Elektroschocker, Atemschutzmasken, Rucksäcke in Tarnfarben oder Langzeitlebensmittel wie die 10 Jahre haltbaren „Panzer-Kekse“, die neben Büchern angeboten werden, die vor einer laufenden Destabilisierung Europas und der Währungssysteme warnen.

Kopp-Kongress[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. und 2. Oktober 2016 lud der Kopp-Verlag zum „Ersten großen Kopp-Kongress“ in die Stadthalle in Leinfelden-Echterdingen; eine Teilnahmekarte kostete 150 Euro. Als Referenten waren zahlreiche Kopp-Autoren eingeladen, u. a. Michael Brückner, Andreas von Bülow, Erich von Däniken, Thomas Mehner, Armin Risi, Hans Tolzin, Claus W. Turtur, Udo Ulfkotte, Willy Wimmer und Gerhard Wisnewski. Die Moderation übernahm Markus Gärtner.[13][14]

Pressevertreter waren bei dem Kongress nicht erwünscht. Die Veranstaltung wurde im Satiremagazin Extra 3 des NDR Fernsehens gewürdigt.[15][16]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mediale Aufmerksamkeit erhielt der Verlag zunächst 2010 aufgrund einer Anfrage der Landtagsabgeordneten Rita Haller-Haid (SPD). In diesem Zusammenhang wurde auch die Tätigkeit von Eva Herman genannt. Laut Haller-Haid lasse sich „die Liste fragwürdiger Autoren aus der rechten Szene […] lange fortführen.“[17] Gleichzeitig wird von Stefan Kaiser auf Spiegel Online eingeräumt, dass auch eurokritische „seriös[e]“ Autoren im Kopp-Verlag publizierten, wie etwa die durch mehrfache Verfassungsklagen bekannt gewordenen „etablierten Professoren Joachim Starbatty, Wilhelm Nölling, Karl Albrecht Schachtschneider und Dieter Spethmann“; zudem würden zunehmend Grenzen zwischen rechts und links „verschwimmen“.[10]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Welt bezeichnete Kopp 2010 als „kleinen, aber sendungsbewussten“ Verlag und ein „auf Esoterik, Verschwörungstheorien und Desinformation spezialisiertes Unternehmen“. „Ufologen und Verschwörungstheoretikern“ sei der Name nicht erst ein Begriff, „seit er den neuen Bestseller von Eva Herman veröffentlicht hat“.[18][19][20] Sein Angebot reicht nach Angaben des Schwäbischen Tagblatts „von Ufo-Theorien über die ‚Germanische Neue Medizin‘ des selbst ernannten Wunderheilers Geerd Hamer bis hin zu vorgeblichen Enthüllungsgeschichten über den ‚kommunistischen Hintergrund der Öko-Bewegung‘ oder die ‚Islamisierung‘ des Abendlandes“.[21]

Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik schrieb 2010 in einem Beitrag, dass sich die Autorenliste des Kopp-Verlags wie ein „Who-is-Who der deutschen Verschwörungsliteratur“ lese, darunter einige Autoren „mit Nähe zu rechtem und esoterischem Gedankengut“, die „in der rechten Szene gerne rezipiert werden“. Vertrieben würden zudem auch Bücher von Jan Udo Holey, dessen Werke „mit rechtsextremer Esoterik“ durchsetzt seien.[22]

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) nannte Anfang 2015 den Kopp-Verlag als Bestandteil einer wachsenden „Angstindustrie“.[11] Ebenso konstatierte 2014 Spiegel Online, das Geschäftsmodell des Verlags basiere auf dem Schüren von Angst; der Autor nannte Titel wie Albtraum Zuwanderung, Das Szenario eines Dritten Weltkriegs, Vorsorgeplan für Staatsbankrott, Zwangsenteignung und Bürgerkrieg und resümierte: „Mit seiner Mischung aus Rechtspopulismus, Kapitalismuskritik und Tabubrecher-Attitüde ist der Kopp-Verlag so etwas wie der Pionier des aktuellen Gegenzeitgeists – eines Geists, der sich gegen eine vermeintliche Political Correctness der etablierten Medienlandschaft richtet, weil diese angeblich ständig irgendeine Wahrheit unterdrückt.“[10]

Verfassungsschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch eine Kleine Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Rita Haller-Haid im Landtag von Baden-Württemberg wurde im Dezember 2015 bekannt, dass das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg den Verlag in regelmäßigen Abständen anhand öffentlich zugänglicher Veröffentlichungen prüft. Hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen des Verlags gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung lagen laut der Antwort des Innenministeriums Baden-Württemberg jedoch nicht vor. Eine systematische und nachrichtendienstliche Beobachtung des Verlags sei deshalb nicht gerechtfertigt. Insgesamt zeige sich, dass das aktuelle Verlagsangebot nur wenige Bücher umfasse, die von rechtsextremistischen Verlagen herausgegeben werden oder von rechtsextremistischen Autoren stammen. Diese Schriften bedienten sich „naturgemäß rechtsextremistischer und antisemitischer Argumentationsmuster“. Die Bücher, die in der öffentlichen Diskussion als Beleg für eine rechtsextremistische Ausrichtung des Verlags herangezogen würden, seien „in der Regel im Buchhandel frei erhältlich und können auch über eine Vielzahl von anderen Anbietern im Internet bezogen werden.“[23][24]

Negativauszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Negativauszeichnungen erhielt der Verlag mit dem Goldenen Brett 2014, vergeben vom Verein Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, und dem Goldenen Aluhut 2015, vergeben von der Silberberger & Schulze GbR aufgrund der Verbreitung von Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaften.[25][26]

Autoren (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kopp-Verlag verlegt und vertreibt Publikationen der folgenden Autoren:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrike Heß-Meining: Right-Wing Esotericism in Europe. In: Uwe Backes, Patrick Moreau (Hrsg.): The Extreme Right in Europe. Current Trends and Perspectives (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Vol. 46). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen u. a. 2012, ISBN 978-3-525-36922-7, S. 383–408, hier S. 402 f.
  • Anna Hunger: Gut vernetzt – Der Kopp-Verlag und die schillernde rechte Publizistenszene. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 425 ff.
  • Rüdiger Soldt: Neues aus der Hohlerde – Der Kopp-Verlag wurde mit Ufo-Büchern groß. Dann kam die Flüchtlingskrise. Seither sammeln sich um den Verlag Kosmologen, Rechtsextreme und Verschwörungstheoretiker. In: FAZ, 23. Februar 2017, S. 3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kopp-Verlag: Auf dem Heimatplaneten für rechtsextreme Ufologen, FAZ, 23. Februar 2017
  2. Anna Hunger, Brücke nach rechts, in: Kontext Ausgabe 160, 26./27. April 2014, S. 1.
  3. FAZ vom 17. Januar 2015, S. 21, „Die Angstindustrie“.
  4. Anna Hunger, Brücke nach rechts, in: Kontext Ausgabe 160, 26./27. April 2014, S. 2.
  5. Gender & Gesellschaft auf kopp-verlag.de
  6. Das Ziel des Kopp Verlags (Memento vom 17. März 2010 im Internet Archive) auf kopp-verlag.de
  7. Kopp exklusiv
  8. Für Eva Herman ist Loveparade eine „Orgie“, WAZ.de am 26. Juli 2010
  9. Hete Henning: Zugpferd Eva Herman – Was der Rottenburger Kopp-Verlag macht Verlagsporträt, Schwäbisches Tagblatt, 15. August 2010.
  10. a b c Verschwörungstheorien: Das Geschäft mit der Angst, Spiegel Online vom 22. Mai 2015.
  11. a b c Die Angstindustrie, FAZ vom 17. Januar 2015.
  12. Kopp-Verlag – Keine Spenden, keine Nachrichten, DRadio Wissen, abgerufen am 20. April 2017.
  13. Erster großer Kopp-Kongress. In: info.kopp-verlag.de. Kopp Verlag, 30. Juni 2016, abgerufen am 7. Oktober 2016.
  14. Anja Rützel: Schwerste Allgemeine Verunsicherung. In: Spiegel Online. Der Spiegel, 3. Oktober 2016, abgerufen am 7. Oktober 2016 (paywall).
  15. Jakob Leube, Tobias Döll: Der kleine Mann beim Kongress des Kopp-Verlags. In: Extra 3. NDR Fernsehen, 5. Oktober 2016, abgerufen am 7. Oktober 2016 (NDR – YouTube).
  16. Moritz Tschernak: Fürchtet euch! In: Übermedien. Stefan Niggemeier, 4. Oktober 2016, abgerufen am 7. Oktober 2016.
  17. Verlag im Fokus des Verfassungsschutzes, Blick nach Rechts vom 13. November 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015.
  18. Eva Hermans Kampf gegen die Loveparade, Die Welt vom 26. Jul 2010.
  19. Eva Herman und die „Wolken der Entfesselung“, Die Welt vom 27. Juli 2010.
  20. Ich weiß Dinge, die ihr niemals glauben würdet, Die Welt, abgerufen am 27. November 2014.
  21. Trittbrettfahrer der Loveparade-Katastrophe, Schwäbisches Tagblatt vom 28. Juli 2010.
  22. Eva Herman und die rechten Ufologen, evangelisch.de des Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik vom 26. Juli 2010.
  23. Landtag von Baden-Württemberg: Drucksache 15/7467 vom 2. Oktober 2015.
  24. Verfassungsschutz prüft Rottenburger Verlag – Rechts oder rechtens, swr.de vom 30. Oktober, abgerufen am 17. Dezember 2015.
  25. Goldener Aluhut für Kopp-Verlag und Xavier Naidoo, Augsburger Allgemeine vom 26. Oktober 2015.
  26. Preis für Gaga-Forschung: Wer ist der Doofste im ganzen Land?, Spiegel Online vom 31. Oktober 2015.