Kopp Verlag

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Kopp Verlag
Rechtsform Eingetragener Kaufmann
Sitz Rottenburg am Neckar, Deutschland
Leitung Jochen Kopp, Geschäftsinhaber
Umsatz 5-10 Millionen Euro (2013) Geschätzt von der Wirtschaftsauskunftei Bürgel[1]
Branche Medien
Website www.kopp-verlag.de

Der Kopp Verlag e.K. ist ein deutscher Buchverlag und -versand mit Sitz in Rottenburg am Neckar, dessen Geschäftsinhaber Jochen Kopp ist. Der Verlag vertreibt Bücher und weitere Publikationen über gesellschaftliche und politische Themen, bewegt sich aber mit seinen Veröffentlichungen auch im Bereich der rechten Esoterik, der Pseudowissenschaft und der Verschwörungstheorien und ist umstritten aufgrund von Publikationen von rechtspopulistischen und rechtsextremen Autoren und Verlagen in seinem Angebot.

Profil[Bearbeiten]

Verlag[Bearbeiten]

Siehe auch: Jochen Kopp

Gegründet wurde der Verlag von dem ehemaligen Stuttgarter Polizisten Jochen Kopp.[2] Nach eigenen Angaben verschickt der Verlag „zwischen 10.000 und 25.000 Bücher pro Tag“[3] und hat rund 60 Mitarbeiter.[4]

Verlegt werden unter anderem Bücher in den Rubriken Prä-Astronautik, Ufologie, Erfundenes Mittelalter, Kreationismus, Astrologie, Geomantie sowie Germanische Mythologie, Islamismus, Freiwirtschaftslehre und sogenannten „Gender & Linke Lebenslügen“.[5]

Nach eigener Darstellung will er mit seinen Publikationen „auf unterdrückte Informationen, Entdeckungen und Erfindungen hinweisen“ sowie „die Öffentlichkeit auf […] Themen aufmerksam […] machen, die überberichtet werden“ und dadurch die „Aufmerksamkeit von wesentlich wichtigeren Berichten ablenken“. Er behauptet darüber hinaus, „Tabuthemen, Political Correctness und Zensur“ in Gesellschaft und Medien zu untersuchen.[6]

Ferner wird mit Kopp exklusiv eine achtseitige Zeitschrift herausgegeben.[7]

Kopp Online[Bearbeiten]

Zudem unterhält der Verlag mit „Kopp Online“ ein Internetportal mit dem Untertitel „Informationen, die Ihnen die Augen öffnen“. Neben Artikeln eigener Autoren wurden dort bis 2011 auch Videos in Form einer Nachrichtensendung veröffentlicht, die inhaltlich das Themenspektrum des Verlags abdeckten. Als Moderatoren wechselten sich Eva Herman und zunächst Hakim-Michael Meziani ab.

Eva Herman publizierte in Kopp Online, dass bei der Massenpanik bei der Loveparade 2010 „eventuell [...] ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen“ hätten, „um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!“.“[8] Im Frühling 2011 verbreitete dort Udo Ulfkotte die These, dass die EHEC-Epidemie von orientalischen Erntehelfern ausgelöst worden sei, die gezielt ihre Fäkalien in Kontakt mit den geernteten Lebensmitteln bringen würden, um auf diese Weise einen „Fäkalien-Dschihad“ gegen die deutschen Verbraucher zu führen. Gerhard Wisnewski spekulierte auf Kopp Online über eine Transsexualität Michelle Obamas[9] oder einer False-Flag-Aktion der amerikanischen Geheimdienste bei den Terroranschlägen in Paris und New York. Urheber seien nicht Islamisten, sondern „Werkzeuge der amerikanischen Global-Strategie“ um einen „Kampf der Kulturen“ führen zu können, wozu auch die „plötzlich erschienene“ Pegida-Bewegung gehöre. An anderen Stellen wurde jedoch mit der Pegida sympathisiert.[1] Der Eigentümer Jochen Kopp sagte dazu, seine Autoren seien in „ihren Ansichten frei“, er schätze „kritische Geister“ und die Begriffe „rechtspopulistisch“ oder „verschwörungstheoretisch“ würden als „Totschlagargument gebraucht, um Andersdenkende pauschal zu diskreditieren“.[1]

Wellness-Produkte[Bearbeiten]

Zudem verkauft Kopp unter der Rubrik Wohlbefinden sogenannte „Vital-Produkte“ in einer eigenen Produktlinie sowie weitere Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetika, Tees, Öle, Gewürze etc.

Rezeption[Bearbeiten]

Mediale Rezeption erhielt der Verlag zunächst 2010 aufgrund der Tätigkeiten Eva Hermans. Er ist auch in der Folgezeit aufgrund seines Themenspektrums sowie einzelner Autoren umstritten, darunter auch des Holocaustleugners David Irving, der ehemaligen NPD-Funktionäre Rolf Kosiek und Olaf Rose sowie des Verschwörungtheoretikers Jan Udo Holey, die bereits in Verfassungsschutzberichten erwähnt wurden. Laut der Landtagsabgeordneten Haller-Heid (SPD) lasse sich „die Liste fragwürdiger Autoren aus der rechten Szene [...] lange fortführen.“[10] Gleichzeitig wird in Medien eingeräumt, dass auch eurokritische „seriös[e]“ Autoren publizieren wie etwa die durch mehrfache Verfassungsklagen bekannt gewordenen „etablierten Professoren Joachim Starbatty, Wilhelm Nölling, Karl Albrecht Schachtschneider und Dieter Spethmann“; zudem würden zunehmend Grenzen zwischen rechts und links „verschwimmen“.[9]

Medien[Bearbeiten]

Die Welt bezeichnet ihn 2010 als „kleinen, aber sendungsbewussten“ Verlag und ein „auf Esoterik, Verschwörungstheorien und Desinformation spezialisiertes Unternehmen“. „Ufologen und Verschwörungstheoretikern“ sei der Name nicht erst ein Begriff, „seit er den neuen Bestseller von Eva Herman veröffentlicht hat“.[11][12][13] Sein Angebot reiche nach Angaben des Schwäbischen Tagblatts „von Ufo-Theorien über die ‚Germanische Neue Medizin‘ des selbst ernannten Wunderheilers Geerd Hamer bis hin zu vorgeblichen Enthüllungsgeschichten über den ‚kommunistischen Hintergrund der Öko-Bewegung‘ oder die ‚Islamisierung‘ des Abendlandes.“[14]

Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik schrieb 2010 in einem Beitrag, dass sich die Autorenliste des Kopp-Verlags wie ein „Who-is-Who der deutschen Verschwörungsliteratur“ lese, darunter einige Autoren „mit Nähe zu rechtem und esoterischem Gedankengut“, die „in der rechten Szene gerne rezipiert werden“. Vertrieben würden zudem auch Bücher von Jan Udo Holey, dessen Werke „mit rechtsextremer Esoterik“ durchsetzt seien.[15]

Die FAZ nannte Anfang 2015 den Kopp-Verlag als Bestandteil einer wachsenden „Angstindustrie“[1], ebenso bezeichnete 2014 Spiegel Online das Geschäftsmodell des Verlags im Schüren von Angst, nannte Titel wie Albtraum Zuwanderung, Das Szenario eines Dritten Weltkriegs, Vorsorgeplan für Staatsbankrott, Zwangsenteignung und Bürgerkrieg und resümierte: „Mit seiner Mischung aus Rechtspopulismus, Kapitalismuskritik und Tabubrecher-Attitüde ist der Kopp-Verlag so etwas wie der Pionier des aktuellen Gegenzeitgeists - eines Geists, der sich gegen eine vermeintliche Political Correctness der etablierten Medienlandschaft richtet, weil diese angeblich ständig irgendeine Wahrheit unterdrückt.“[9]

Verfassungsschutz[Bearbeiten]

Nach einer kleinen Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Rita Haller-Haid 2015 im Landtag von Baden-Württemberg wurde bestätigt, dass das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg den Verlag beobachtet. So würden offen zugängliche Unterlagen und dessen Veröffentlichungen regelmäßig gesichtet werden. Für eine nachrichtendienstliche Beobachtung gibt es nach Angaben des Innenministeriums Baden-Württemberg jedoch keine hinreichenden Anhaltspunkte. Extreme Aussagen des Kopp-Verlages - auch in seinem Online-Dienst - seien durch die Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt.[16] Es bestätigt weiterhin, dass sich im aktuellen Verlagsangebot von Kopp Bücher befänden, die von rechtsextremen Verlagen herausgegeben oder von rechtsextremen Autoren stammen: „Diese Schriften bedienen sich naturgemäß rechtsextremistischer und antisemitischer Argumentationsmuster“.[10]

Negativauszeichnungen[Bearbeiten]

Negativauszeichnungen erhielt der Verlag mit dem Goldenen Brett 2014, vergeben vom Verein Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften und dem „Goldenen Aluhut“ 2015, vergeben von der Silberberger & Schulze GbR, aufgrund der Verbreitung von Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaften.[17][18]

Autoren (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrike Heß-Meining: Right-Wing Esotericism in Europe. In: Uwe Backes, Patrick Moreau (Hrsg.): The Extreme Right in Europe. Current Trends and Perspectives (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Vol. 46). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen u.a. 2012, ISBN 978-3-525-36922-7, S. 383–408, hier: S. 402 f.
  • Anna Hunger: Gut vernetzt – Der Kopp-Verlag und die schillernde rechte Publizistenszene. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 425 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Die Angstindustrie, FAZ vom 17. Januar 2015
  2. Anna Hunger, Brücke nach rechts, in: Kontext Ausgabe 160, 26./27. April 2014, S. 1.
  3. Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 17. Januar 2015, S. 21, "Die Angstindustrie".
  4. Anna Hunger, Brücke nach rechts, in: Kontext Ausgabe 160, 26./27. April 2014, S. 2.
  5. Gender & Linke Lebenslügen auf kopp-verlag.de
  6. Das Ziel des Kopp Verlags (Memento vom 17. März 2010 im Internet Archive) auf kopp-verlag.de
  7. Kopp exklusiv
  8. Hete Henning: Zugpferd Eva Herman - Was der Rottenburger Kopp-Verlag macht Verlagsporträt, Schwäbisches Tagblatt, 15. August 2010
  9. a b c Verschwörungstheorien: Das Geschäft mit der Angst, Spiegel Online vom 22. Mai 2015
  10. a b Verlag im Fokus des Verfassungsschutzes, Blick nach Rechts vom 13. November 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015
  11. Eva Hermans Kampf gegen die Loveparade, Die Welt vom 26. Jul 2010
  12. Eva Herman und die "Wolken der Entfesselung", Die Welt vom 27. Juli 2010
  13. Ich weiß Dinge, die ihr niemals glauben würdet, Die Welt, abgerufen am 27. November 2014.
  14. Trittbrettfahrer der Loveparade-Katastrophe, Schwäbisches Tagblatt vom 28. Juli 2010
  15. Eva Herman und die rechten Ufologen, evangelisch.de des Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik vom 26. Juli 2010.
  16. Verfassungsschutz prüft Rottenburger Verlag - Rechts oder rechtens, swr.de vom 30. Oktober, abgerufen am 17. Dezember 2015
  17. Goldener Aluhut für Kopp-Verlag und Xavier Naidoo, Augsburger Allgemeine vom 26. Oktober 2015
  18. Preis für Gaga-Forschung: Wer ist der Doofste im ganzen Land?, Spiegel Online vom 31. Oktober 2015