Korkmodell

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Korkmodell des Konstantinsbogens (18. Jh.), ausgestellt im Herzoglichen Museum Gotha mit einer der umfassendsten Korksammlungen in Deutschland

Ein Korkmodell ist ein vorwiegend aus Kork gefertigtes Architekturmodell. Die Kunst der Korkbildnerei wird auch als Phelloplastik (griech. φελλός „Kork“) bezeichnet. Die Technik wurde um 1780 in Rom von dem Architekten Augusto Rosa entwickelt.[1] Andere bedeutende Hersteller von Korkmodellen waren Antonio Chichi (1743–1816) und Carl May (1747–1822). Ein zeitgenössischer Phelloplastiker ist Dieter Cöllen.

Das Wort Phelloplastik wurde von Karl August Böttiger gebildet, wie dieser selbst mitteilt in einer Anmerkung zu dem Artikel Ueber Herrn Meys [sic] Felloplastik von Jakob Dominikus in Der Neue Teutsche Merkur, herausgegeben von Christoph Martin Wieland, Jg. 1800, I. Teil, S. 325ff[2]: Man wird mir dieses neugeschaffene, aber nach der Analogie von ανδριαντοπλαςικη [sic!][3], κηροπλαςικη [sic!] u. s. w. gebildete Wort gern verzeihen, wenn man aus dieser interessanten Nachricht den sinnreichen und einer weit allgemeinern Unterstützung würdigen Künstler genauer kennen lernte. Φελλος nannten die Griechen die Korkeiche und ihre Produkte. Mithin heißt Felloplastik Bildnerey in Kork.

Dargestellt wurden überwiegend antike Gebäude, da Kork sich besonders gut dafür eignet, die charakteristischen verwitterten Maueroberflächen wiederzugeben. In der Regel wurden sie in großen Maßstäben und mit großer Präzision, häufig auch mit archäologischem Anspruch hergestellt. An den Fürstenhöfen des 18. Jhs. waren sie hochgeschätzt, und obwohl (oder weil) wegen des hohen Aufwandes nur einige hundert Stück hergestellt wurden, waren sie an allen wichtigen Fürstenhöfen vertreten. Da sie im späten 18. / frühen 19. Jh. häufig an die damals neu gegründeten Modellsammlungen und Architekturschulen überwiesen wurden, spielten sie eine große Rolle in der Vermittlung der antiken Architektur in den Ländern nördlich der Alpen. Trotz ihrer Fragilität haben sie sich häufig besser erhalten als hölzerne Modelle, die von holzzerstörenden Insekten bedroht sind.

Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel finden sich heute 33 Korkmodelle. Diese Modelle wurden von Antonio Chichi in Rom gefertigt und von dort an den Hof von Friedrich II., dem Landgrafen von Hessen-Kassel, verschickt.[4]

Die weltweit größte Sammlung von Korkmodellen mit 54 Bestandsnummern (nach Kriegsverlusten) befindet sich in Aschaffenburg (Schloss Johannisburg), andere Sammlungen sind u. a. in London (Soane Museum), Darmstadt (Hessisches Landesmuseum), im Schloss Ludwigslust und in der Eremitage in Sankt Petersburg und im Herzoglichen Museum Gotha. Das größte moderne Korkmodell wird im Praetorium in Köln ausgestellt.[5]

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Satz nach Günther Wasmuth (Hrsg.): Wasmuths Lexikon der Baukunst, Berlin, 1929–1932 (4 Bände), Lemma Phelloplastik
  2. abgedruckt in: Werner Helmberger / Valentin Kockel (Hg.), Rom über die Alpen tragen. Landshut/Ergolding (Arcos) 1993, S. 85.
  3. In dem von mir als Literatur angegebenen Werk lässt sich nicht erkennen, ob im Original nicht evtl. eine Ligatur für στ zu lesen ist.
  4. Absatz nach museumslandschaft hessen kassel (Hrsg.): antikensammlung, Faltblatt o.D. wohl 2008/2009. An anderer Stelle des Textes ist fälschlicherweise von 30 Modellen die Rede
  5. Korkmodelle im Praetorium. Stadt Köln. Abgerufen am 5. März 2014.