Kormáks saga

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Die Kormáks saga ist eine Isländersaga, vermutlich aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie gilt als eine der ältesten Sagas, gehört zu den sechs Skaldenbiographien[1] und ist eine der wenigen Sagas, in denen eine Liebesgeschichte den Fokus bzw. einen wichtigen Teil der Handlung bildet.[2]

Überlieferung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Saga ist in der Möðruvallabók um 1340 überliefert, ein kurzer Abschnitt findet sich in der jüngeren und in einigen Punkten abweichenden Handschrift AM 162 F, fol. aus dem späten 14. Jahrhundert.[3]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schauplatz der Handlung ist hauptsächlich das nordwestliche Island, das Hauptthema der Saga die lebenslange unglückliche Liebe des Skalden Kormákr zu Steingerdr. In der Saga ist ein Fluch der zauberkundigen Thórveig die Ursache, dass beide letztlich nicht zusammenfinden. Wegen dieses Fluchs versäumt Kormákr den bereits festgesetzten Hochzeitstermin, weswegen Steingerdr mit ihm nichts mehr zu tun haben will. Sie wird in der Folge zweimal verheiratet und entscheidet sich letztlich für ihren zweiten Ehemann und gegen Kormákr.[4] Daneben gibt es noch weitere Nebenhandlungen, so z. B. um Steingerdrs ersten Ehemann Bersi, die nur sehr lose mit der Haupthandlung verknüpft sind.

Charaktere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Zentrum der Handlung steht eindeutig Kormákr, kreativer Dichter und tapferer Krieger, eine Figur voller Widersprüche, die in der Saga nicht wirklich aufgelöst werden. Er macht Karriere im Ausland, der eigentliche Antrieb hinter seinem Handeln ist jedoch, für einen Sagahelden ungewöhnlich, die Liebe zu einer Frau, die für ihn letztlich (aus Selbstverschulden bzw. wegen eines Fluches) unerreichbar bleibt. Sie ist für ihn umso wichtiger, desto mehr sie sich von ihm distanziert, kommt es jedoch von ihrer Seite zu einer gewissen Annäherung oder es bietet sich eine andere Möglichkeit auf eine positive Wendung an (z. B. eine Aufhebung des Fluches), so ist er es, der auf Distanz geht bzw. solche Möglichkeiten nicht nutzt. Kormákr ist außerdem eigensinnig, er lehnt vernünftige Ratschläge ab, versucht seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen und ist keineswegs bereit, sich mit gegebenen Tatsachen abzufinden.[5]
  • Steingerdr ist in erster Linie die Projektionsfläche für Kormákrs Leidenschaft. An der ersten Begegnung ist sie aktiv beteiligt, es entsteht der Eindruck, dass sie Kormákrs Gefühle zunächst erwidert. Beim Zustandekommen der Verlobung mit ihm ist sie die treibende Kraft. Nachdem Kormákr die Hochzeit platzen lässt, will sie von ihm nichts mehr wissen. Ihren ersten Ehemann Bersi, mit dem sie gegen ihren Willen verheiratet wird, lehnt sie ab und lässt sich später von ihm scheiden, wobei sie recht unsympathisch rüberkommt. Ihr zweiter Ehemann macht zwar in der Handlung keine gute Figur und will sie letztlich sogar für Kormákr frei geben, aber sie hält an ihm bzw. dieser Ehe fest.

Bezug zu anderen Isländersagas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Handlungsablauf der Hallfreðar saga weist einige Parallelen zur Kormáks saga auf. Beide Skaldenfiguren sind außerdem Vorbilder für die Figur des Skalden Gunnlaug in der Gunnlaugs saga ormstungu. Kormákrs Onkel Steinarr taucht in der Egils saga als ein Gegenspieler von Egils Sohn Thorstein auf.

Historizität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kormákr Ogmundarson (gest. um 968) gilt als historische Figur. Ihm werden Preislieder auf den norwegischen König Harald II. Gråfell und den Ladejarl Sigurd Håkonsson zugeschrieben. In der Saga werden außerdem Lausavísur (dt: lose Strophen) überliefert, die zwar älter als der Sagatext sein dürften, über deren Verfasser Unklarheit besteht.[6]

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sammlung Thule, Altnordische Dichtung und Prosa, Bde.1-24, herausgegeben von Felix Niedner und Gustav Neckel, Jena, 1912–1930.
  • Kormáks saga Ogmundarsonar, in: Klaus Böldl, Andreas Vollmer, Julia Zernack (Hrsg.): Die Isländersagas in 4 Bänden mit einem Begleitband. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-10-007629-8. Bd. 3. S. 55–126.

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jónas Kristjánsson: Eddas und Sagas. Die mittelalterliche Literatur Islands. Übertragen von Magnús Pétursson und Astrid van Nahl, H. Buske, Hamburg, 1994, S. 233–236.
  • Kormáks saga, in: Kindlers Neues Literaturlexikon. Studienausgabe. München, 1988. Bd. 18, S. 917f.
  • Claudia Müller: Erzähltes Wissen. Die Isländersagas in der Möðruvallabók (AM 132 fol.) (= Texte und Untersuchungen zur Germanistik und zur Skandinavistik, Bd. 47; zugl. Bonn, Univ.Diss., 1999), P. Lang, Frankfurt am Main, 2001.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zu den Skaldenbiographien oder Skaldensagas gehören neben der Kormáks saga noch die Hallfreðar saga, die Bjarnar saga Hítdœlakappa und die Gunnlaugrs saga ormstungu, außerdem die Egils saga und die Fóstbrœðra saga. Zu dieser Bezeichnung vgl. Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, 2. neubearbeitete und stark erweiterte Auflage, de Gruyter, New York / Berlin, 2005, Band 28, S. 559–562.
  2. Andere Sagas, bei denen das der Fall ist, sind z. B. die Laxdæla saga und die Gunnlaugs saga ormstungu.
  3. Kindlers Neues Literaturlexikon. Studienausgabe. München, 1988. Bd. 18, S. 917
  4. Nach Kindlers Neuem Literaturlexikon. Studienausgabe. München, 1988. Bd. 18, S. 917 und Thomas Esser, in: Klaus Böldl, Andreas Vollmer, Julia Zernack (Hrsg.): Die Isländersagas in 4 Bänden mit einem Begleitband. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-10-007629-8. Bd. 3. S. 557.
  5. Claudia Müller: Erzähltes Wissen. Die Isländersagas in der Möðruvallabók (AM 132 fol.) (= Texte und Untersuchungen zur Germanistik und zur Skandinavistik, Bd. 47; zugl. Bonn, Univ.Diss., 1999), P. Lang, Frankfurt am Main, 2001, S. 137f.
  6. Kindlers Neues Literaturlexikon. Studienausgabe. München, 1988. Bd. 18, S. 917