Korsar (Bootsklasse)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Korsar auf dem Altmühlsee
Klassenzeichen
Korsar black.svg
Bootsmaße
Länge üA: 5,0 m
Breite üA: 1,70 m
Tiefgang: 0,1 bis 1,0 m
Gewicht (segelfertig): 130 kg
Segelfläche
Segelfläche am Wind: 14,7 m²
Großsegel: 8,7 m²
Genua: 6,0 m²
Spinnaker: 14,8 m²
Sonstiges
Takelungsart: Slup
Yardstickzahl: 103 (GER)
106 (AUT)
Klasse: national
Korsar am Blausteinsee

Der Korsar ist ein Segelboot, eine Bootsklasse, die hauptsächlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreitet ist. Sein Segelzeichen ist ein schwarzer Säbel, auch: Krummschwert, der mit dem Griff nach unten und der Ausbuchtung der Klinge zum Bug hin orientiert montiert wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bayerischen Seglerverband unter seinem damaligen Vorsitzenden Kurt Kallhard wünschte sich eine Jolle, die dem Piraten seglerisch überlegen war und die damaligen Neuentwicklungen auch in kleineren Booten nutzte. [1] Sie sollte jedoch leichter als ein Flying Dutchman (FD) zu segeln sein. [2] Ernst Lehfeld wurde mit der Konstruktion beauftragt, der daraufhin den Korsaren entwickelte. 1958 wurden die ersten Exemplare der Zweimannjolle in der Bootswerft Mader und der Bootswerft Vötterl gebaut. [1] Der Prototyp wurde von Klaus Rösch und Herbert Schuster auf dem Waginger See getestet.

Der Korsar erlangte schnell eine große Beliebtheit, und schon 1960 konnte die Baunummer 100 verzeichnet werden. [3] 1965 wurde er zweite Jugendmeisterschaftsklasse des Deutschen Seglerverbandes (DSV). [4] Der DSV beantragte auch die Zulassung als Internationale Klasse [5], was jedoch erfolglos blieb. [6]

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war das Schiff ausschließlich aus formverleimtem Sperrholz, jedoch begann schon nach wenigen Jahren die Produktion von Booten aus Kunststoff.[7] Aufgrund seiner Beliebtheit gab es fortwährend Neuentwicklungen, wie zum Beispiel 1970 die Einführung der Spinnakertrompete. [8]

Heute besteht es aus Kunststoff oder aus einer Kombination aus Kunststoffrumpf und Holzdeck. Man kann ihn mit Doppelboden, tiefergelegtem Doppelboden oder Halbdoppelboden bekommen. Seit 1999 gibt es den Korsar mit ergonomisch abgerundetem Deck. Den Innenausbau kann man individuell selbst gestalten.

Die Segeleigenschaften des Korsaren liegen zwischen 470er und Flying Dutchman (FD). In der Beschlagsanordnung gleicht er weitgehend dem FD: Spinnakertrompete, verstellbare Wanten, Trapez, Schwertverstellung, Fockroller, flexible Masten und diverse Trimmeinrichtungen gehören heute zur Standardausrüstung des Regattabootes.

Dank seiner geringen Benetzungsfläche kommt der Korsar schon bei wenig Wind ins Gleiten. Das Idealgewicht der Mannschaft liegt zwischen 140 und 160 kg. Auch für eine leichtere Frauen- oder gemischte Mannschaft bleibt der Korsar bei stärkerem Wind durch seine vielen Trimmmöglichkeiten beherrschbar. [9]

Regatta und Wettfahrten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf vielen Seen Europas werden von Segelvereinen Regatten für Korsare ausgerichtet. Einige Highlights des Jahres sind zum Beispiel die Travemünder Woche, Warnemünder Woche, der Riva Cup am Gardasee (Italien), Deutsche, Österreichische, Schweizer Meisterschaft und der Euro-Cup. Man kann von März bis November auch auf vielen regionalen Regatten um den Sieg kämpfen.

Derzeit gibt es mehr als 50 Ranglistenregatten in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Niederlanden und in Polen, durch die am Ende eines Jahres die beste Mannschaft ermittelt wird. Die deutsche Rangliste beinhaltet über 100 Mannschaften.

Der Korsar in Zahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittlerweile gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz über 1.000 Mitglieder in den Korsarenvereinigungen. Außerdem sind derzeit etwa 5.000 Schiffe registriert, wobei es Berichte über deutsche Auswanderer gibt, die ihre Boote nach Chile und Kalifornien mitgenommen haben. [10] Der Korsar ist mit über 3.800 gebauten Booten als Trapezjolle nach den olympischen Klassen eine der stärksten Klassen des Deutschen Seglerverbandes (DSV). [11] Mit weiteren 500 Booten in der Schweiz, 800 Booten in Österreich sowie zunehmender Beliebtheit in Polen ist der Korsar eine der verbreitetsten Bootsklassen in Mitteleuropa.

Segelzeichen und Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das schwarze Segelzeichen des Korsars wird Säbel oder Krummschwert, verkürzt auch Schwert genannt.

Der Griff ist unten, das asymmetrische Zeichen wird mit seinem Spiegelbild auf der anderen Seite des Segels deckungsgleich so montiert, dass die Ausbuchtung der in der Ebene gekrümmten Klinge nach vorne zu Mast und Bug weist.

Dieses Klassezeichen kommt in leicht variierter Form vor. Die Klinge kann auf ihrer gesamten Länge oder nur etwa in der oberen Hälfte gekrümmt sein. Der Griff kann am unteren Ende einen einseitigen (zur Seite der Klingenausbauchung hin) Wulst als Knauf aufweisen – oder auch nicht.

Der Begriff geht auf die Korsaren, staatlich beauftragte Kaperer zurück; nicht jedoch auf die Insel Korsika.

Gegenspieler in der Bedeutung der Klassenbezeichnung ist der später entwickelte und so benannte Pirat nach den rechtlosen Piraten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Korsar (dinghy) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Zweimann-Einheitsjolle Korsar in: Yacht 7/1959, S. 208.
  2. L. Amschler: "Der kleine Vetter des Flying Dutchman" in: Yacht 14/1963, S. 30.
  3. Dr. K. Kallhard: Leichtbau-Jolle Korsar 1960 mit Spinnaker in: Yacht 6/1960, S. 180.
  4. "Schwert contra Beil?" in: Yacht 5/1966, S. 30.
  5. K. Schubert: "Mit dem Korsarenschwert in der Hand" in: Yacht 23/1970, S. 48.
  6. "Korsar - Senkrechtstarter ohne Lizenz" in: Yacht 2/1974, S. 26 ff.
  7. Korsar aus Kunststoff in: Yacht 2/1963, S. 20.
  8. K. Schubert: "Steckt die Zukunft der Jollen in zwei Rümpfen?" in: Yacht 5/1970, S. 107.
  9. "Vier auf einen Streich. 470er, Korsar, Jeton und Strale im Vergleich" in: Yacht 12/1974, S. 43 ff.
  10. "Klein, leicht, aber ganz groß in Fahrt" Welt am Sonntag, 7. September 2008, S. 69. Auf: www.korsar.de/, abgerufen 6. März 2017.
  11. L. Johannsen: "Doppelstunde Deutsch" in: Yacht 1/2009, S. 46.