Kostromino (Kaliningrad)

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Siedlung
Kostromino/Kortmedien,
sowie Groß Allendorf, Großheim, Grünheim und Neumühl

Костромино
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Prawdinsk
Frühere Namen Kortmedien, Groß Allendorf
und Neumühl (Kreis Wehlau),
sowie Grünheim mit
Großheim (Kreis Gerdauen)
Bevölkerung 222 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+3
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 233 802 009
Geographische Lage
Koordinaten 54° 27′ N, 21° 14′ O54.4521.233333333333Koordinaten: 54° 27′ 0″ N, 21° 14′ 0″ O
Kostromino (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Kostromino (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Kostromino (russisch Костромино, deutsch Kostromino, Groß Allendorf, Großheim, Grünheim und Neumühl) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)), der als „Siedlung“ (russisch: possjolok) fünf ehemals verschiedene und bis 1945 durch eine Kreisgrenze getrennte Ortschaften vereinigt. Er liegt im Rajon Prawdinsk (Kreis Friedland (Ostpr.)) und gehört zur Gorodskoje posselenije Schelesnodoroschnoje (Stadtgemeinde Schelesnodoroschny (Gerdauen)).

Geographische Lage[Bearbeiten]

Kostromino liegt im nördlichen Abschnitt einer Nebenstraße (Teilstück der früheren deutschen Reichsstraße 141), die Schelesnodoroschny (Gerdauen) (an der russischen Fernstraße A 196, ehemalige Reichsstraße 131) mit Druschba (Allenburg) verbindet. Das Gebiet der Siedlung reicht vom Tal des Flüsschens Omet (russisch: Stogowka) im Westen bis zum Masurischen Kanal (Kanal Masurski) im Osten. Ein Bahnanschluss besteht nicht.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Siedlung Kostromino[Bearbeiten]

Vor 1945 zog sich mitten durch das Gebiet der heutigen Siedlung Kostromino die Grenze zwischen den dem Landkreis Wehlau im Norden und dem Landkreis Gerdauen im Süden, die beide zum Regierungsbezirk Königsberg in der preußischen Provinz Ostpreußen gehörten. Infolge des Zweiten Weltkrieges kam die Region als Teil des nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion in das Gebiet der Oblast Kaliningrad,[2] das seit 1991/92 zur Russischen Föderation gehört.

Kostromino liegt heute im Rajon Prawdinsk (Kreis Friedland (Ostpr.)). Die fünf Ortschaften sind unter diesem Namen als Siedlung innerhalb der Gorodskoje posselenije Schelesnodoroschnoje (Stadtgemeinde Schelesnodoroschny (Gerdauen)) zusammengefasst.

Kostromino/Kortmedien[Bearbeiten]

Das frühere Kortmedien liegt direkt an der Straße von Schelesnodoroschny nach Druschba. Zwischen 1874 und 1945 war der Ort in den Amtsbezirk Neumühl[3] im Landkreis Wehlau eingegliedert. Im Jahre 1910 waren hier 124 Einwohner[4] registriert, deren Zahl bis 1933 auf 182 anstieg und 1939 noch 164 betrug[5]. Zu Kortmedien gehörte vor 1945 der Ortsteil Carlswalde.

Kostromino/Neumühl[Bearbeiten]

Nördlich von Kortmedien liegt das ehemalige Neumühl, ebenfalls an der Straße Schelesnodoroschny–Druschba. Zwischen 1874 und 1945 war Neumühl Amtsdorf und namensgebender Ort des Amtsbezirks Neumühl[3] im Landkreis Wehlau. Hier lebten im Jahre 1910 171 Menschen[4]. Ihre Zahl stieg bis 1933 auf 264 an und betrug 1939 noch 248[5].

Kostromino/Groß Allendorf[Bearbeiten]

Das einstige Groß Allendorf liegt östlich von Kortmedien und Neumühl unweit des Masurischen Kanals. Zwischen 1874 und 1945 war es ebenfalls ein Amtsdorf und damit namensgebender Ort des Amtsbezirks Groß Allendorf[6] im Landkreis Wehlau. Die Einwohnerzahl des Jahres 1910 mit 151 Menschen[4] verdoppelte sich bis 1933 auf 302 und betrug 1939 noch 295[5]. Vor 1945 gehörte zu Groß Allendorf der Ortsteil Allendorfshof.

Kostromino/Grünheim und Großheim[Bearbeiten]

Das frühere Grünheim mit dem Ortsteil Großheim und auch Mühling und Partsch (beide russisch: Cholmogorje) liegt südlich von Kortmedien ebenfalls an der Straße Schelesnodoroschny–Druschba. Im Jahre 1384 ist die Ortsbezeichnung Kackaym überliefert, 1487 Kakaym, und danach hieß der Ort bis zum 20. Februar 1893 Kackheim, als er in „Grünheim“ umbenannt wurde.

1874 wurde Grünheim in den Amtsbezirk Schloß Gerdauen[7] eingegliedert und gehörte bis 1945 zum Landkreis Gerdauen. Von 1930 bis 1945 gehörte Grünheim dann dem Amtsbezirk Trausen[8] (russisch: Lipnjaki) an.

Im Jahre 1910 lebten in Grünheim 174 Menschen[9]. Ihre Zahl stieg bis 1933 auf 269 und betrug 1939 noch 225[10].

Bis 2009 waren Grünheim und Großheim in den Wischnjowski sowjet (Dorfsowjet Wischnjowoje (Altendorf)) eingegliedert.

Kirche[Bearbeiten]

Die Bevölkerung der fünf bis 1945 getrennten Ortschaften war überwiegend evangelischer Konfession. Die Orte waren auf zwei Kirchspiele verteilt:

  • Kortmedien, Neumühl und Groß Allendorf gehörten zum Kirchspiel Allenburg[11] (russisch: Druschba) im Kirchenkreis Wehlau (Snamensk),
  • Grünheim mit Großheim gehörte zum Kirchspiel Gerdauen[12] (Schelesnodoroschny) im gleichnamigen Kirchenkreis.

Beide Kirchenkreise waren in die Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Heute liegt das Gebiet der Siedlung Kostromino im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu gegründeten evangelischen Gemeinde in Druschba (Allenburg). Sie ist Filialgemeinde der Auferstehungskirchengemeinde in Kaliningrad (Königsberg) und gehört zur ebenfalls neu gebildeten Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland[13] (ELKER).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Die Umbenennung in Kostromino erfolgte durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947).
  3. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Neumühl
  4. a b c Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis Landkreis Wehlau
  5. a b c Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Wehlau
  6. Rolf Jehke, Amtsbezirk Groß Allendorf
  7. Rolf Jehke, Amtsbezirk Schloß Gerdauen
  8. Rolf Jehke, Amtsbezirk Trausen
  9. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis Landkreis Gerdauen
  10. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Gerdauen
  11. Kirchspiele im Kreis Wehlau (PDF; 10,2 MB)
  12. Kirchspiel Gerdauen
  13. Ev.-luth. Propstei Kaliningrad

Weblinks[Bearbeiten]