Kröchlendorff

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Schloss Kröchlendorff um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Schloss Kröchlendorff 2018

Kröchlendorff ist eine Siedlung in der amtsfreien Gemeinde Nordwestuckermark in Brandenburg (Deutschland). Am 1. Januar 1968 wurde der Ort nach Gollmitz eingemeindet.[1] Seit der Gemeindereform von 2001 ist es ein Gemeindeteil von Gollmitz. Das Dorf hat heute 36 Einwohner. Es steht fast zur Gänze unter Denkmalschutz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1251 tritt ein Dominus Heynricus de Grechellestorp als Zeuge in Wittstock auf, der Ort dann 1288 als Crichelndorp urkundlich erstmals erwähnt. Kröchlendorff war seit 1429 ein Fideikommiss der Adelsfamilie von Arnim. Im 14./15. Jahrhundert wurden die Dörfer der Uckermark, darunter auch Kröchlendorff durch Raub, Mord und Plünderungen schwer geschädigt. Die Bewohner verließen den zerstörten Ort und gründeten ihn etwa einen Kilometer südwestlich neu. Die alte Siedlung fiel wüst, erhalten ist der Ostgiebel der alten Kirche.

Oskar von Arnim, ein königlich preußischer Landrat, später Mitglied des preußischen Herrenhauses und des Deutschen Reichstages, verheiratet mit Malwine von Bismarck, der Schwester seines Jugendfreundes Otto von Bismarck, legte 1844 den Grundstein für sein neues Herrenhaus auf dem Gut Kröchlendorff, das er ab 1846 vom Berliner Architekten Eduard Knoblauch im Stil der englischen Neugotik errichten ließ. Es ist umgeben von einer Parklandschaft, die der Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné in seinem Auftrag entworfen hat. Im südöstlichen Parkteil ließ Arnim ab 1864 bis 1868 (nach anderen Angaben 1855 bis 1867) nach Plänen des königlichen Hofbaurats Ferdinand von Arnim die Schlosskirche erbauen, ebenfalls im Stil der Neugotik. Auf Schloss Kröchlendorff heiratete 1885 Oskar von Arnims Tochter Sibylle ihren Vetter Graf Wilhelm von Bismarck, Sohn des Kanzlers und Oberpräsident von Ostpreußen.

In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs wurde ein Teil der japanischen Botschaft von Berlin nach Kröchlendorff evakuiert. Am 27. Mai 1945 enteignete die Sowjetunion den damaligen Besitzer Detlev von Arnim, ehemals Reichstagsabgeordneter und evang. Kirchenführer. Er wurde im Oktober 1945 amtlich aus Kröchlendorff ausgewiesen. Im Schloss wohnten nach Kriegsende zunächst Flüchtlinge und Vertriebene. Die Kirche wurde geplündert, entwidmet und diente fortan als Abenteuerspielplatz. Das ebenso geplünderte Schloss sollte zunächst abgerissen werden, wurde ab 1962 jedoch bis zur Wende 1989 als Kinderkurheim genutzt. Der Schlosspark wurde nach Kriegsende in Siedlungsparzellen aufgeteilt und zur Abholzung freigegeben, was später aber nicht verwirklicht wurde.

Seit 1993 ist im Schloss die Deutsche Gesellschaft für Europäische Erziehung, e. V., Outward Bound, ansässig und verwendet es nach Abschluss der Restaurierungsmaßnahmen und dem Neubau eines Bettenhauses seit 1996 als Bildungs- und Seminarzentrum. Die Kirche wurde ab 1993 saniert und ist seit 2002 ein Kommunikations- und Kulturzentrum.

Zur Erinnerung an den Erbauer des Herrenhauses wurde die Hauptstraße in Kröchlendorff „Oskar-von-Arnim-Straße“ genannt.

Unter Denkmalschutz stehen heute:

  • der Denkmalbereich Kröchlendorff
  • die Dorfkirche
  • die wüstgefallene alte Kirche
  • der Gutshof mit Inspektorenhaus und Wirtschaftsgebäuden
  • der Gutspark
  • das Herrenhaus (Schloss)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eckart von Arnim (* 30. September 1923, † 29. Juni 2010 in München), Jurist, Vorsitzender Richter am Bundespatentgericht
  • Oskar von Arnim-Kröchlendorff (1813–1903), Erbauer des Schlosses
  • Malwine von Arnim geb. von Bismarck (1827–1908), einzige Schwester des Reichskanzlers, auf dem Friedhof beigesetzt
  • Caroline von Arnim geb. Heim (1787–1862), Tochter des Berliner Ehrenbürgers Dr. Ernst Ludwig Heim, auf dem Friedhof beigesetzt
  • Reichskanzler Otto von Bismarck mit Familie, immer wieder hier zu Besuch.
  • Albrecht Heinrich von Arnim-Kröchlendorff (1744–1806), Kgl.preuß. Staats-u.Justizminister

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VIII, Uckermark, Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2
  • Bernd Janowski: „Ferdinand von Arnim als Hofbaumeister des Prizen Karl“ In: „Die Mark Brandenburg“, Heft 76, Berlin 2010, ISBN 978-3-910134-07-2
  • Horst Kohl: „Briefe Bismarcks an Schwester und Schwager 1843-1897“, Hersg. i. A. v. Gräfin Sibylle v. Bismarck geb.v. Arnim
  • Günther Elbin: „Mein geliebter Otto, liebste Malle“, Geschwisterbriefe, Droste-Verlag, 1996, ISBN 3-7700-1067-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kröchlendorff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt

Koordinaten: 53° 16′ N, 13° 42′ O