Kraft durch Freude

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Emblem von Kraft durch Freude

Die nationalsozialistische Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF) wurde am 27. November 1933 als Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront (DAF) gegründet, mit dem Ziel, den „Totalitätsanspruch“ des NS-Regimes mit der „Bildung einer wirklichen Volks- und Leistungsgemeinschaft aller Deutschen“ zu erfüllen.[1]

Die Organisation mit Sitz in Berlin bestand von 1933 bis 1945, wobei die meisten Aktivitäten mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 auf die Frontbetreuung und kulturelle Zerstreuung der deutschen Truppen umgestellt wurden. Mit dem Amt für Reisen, Wandern und Urlaub war KdF der größte Reiseveranstalter in der Zeit des Nationalsozialismus.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

KdF-Abzeichen in Pfronten, 1935

Am 24. Oktober 1934 unterschrieb Hitler eine von Robert Ley, dem Leiter der DAF, vorgelegte Verordnung:

„Das Ziel der Deutschen Arbeitsfront ist die Bildung einer wirklichen Volks- und Leistungsgemeinschaft aller Deutschen. Sie hat dafür zu sorgen, dass jeder einzelne seinen Platz im wirtschaftlichen Leben der Nation in der geistigen und körperlichen Verfassung einnehmen kann, die ihn zur höchsten Leistung befähigt und damit den größten Nutzen für die Volksgemeinschaft gewährleistet“

Hitler, Verordnung über Wesen und Ziel der DAF, 1934, § 2

Als „Dienstleister der Volksgemeinschaft“ sollte die DAF „die breiten unterbürgerlichen Schichten“ neben einer „Disziplinierung“, mit „Zuckerbrot“ in „das Ordnungsgefüge der NS-Gesellschaft integrieren und zumindest eine passive Loyalität erreichen“.[2] Zur Entstehung von Kraft durch Freude trugen zwei Faktoren bei: Zum einen war bereits in der Zeit der Weimarer Republik die durchschnittliche Zahl von Urlaubstagen bei Arbeitern und Angestellten auf acht bis zwölf Tage angestiegen; fast alle Arbeiter hatten Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub. Jedoch bekamen meistens nur ältere Betriebsangehörige so viel Urlaub, dass sie tatsächlich eine längere Reise hätten antreten können. Die Nationalsozialisten verlängerten den Urlaub auf zwei bis drei Wochen pro Jahr und konnten damit auch weite Teile der vormals gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft gewinnen.

Zum anderen besaß das faschistische Italien unter Mussolini bereits seit 1925 eine Freizeitorganisation, die Opera Nazionale Dopolavoro (Nationales Freizeitwerk). Robert Ley hatte diese 1929 auf einer Italienreise kennengelernt und schlug daher nach der Machtergreifung eine vergleichbare Organisation vor. Die Nationalsozialisten planten zunächst, sprachlich an die italienische Version angelehnt, ein „Feierabendwerk Nach der Arbeit“; der endgültig gewählte Name „Kraft durch Freude“ erwies sich jedoch als weit wirksameres Schlagwort. An der Planung war Robert Ley maßgeblich beteiligt, der als Leiter der DAF auch das Freizeitwerk führen sollte.

Am 14. November 1933 genehmigte Adolf Hitler die Pläne für dieses Freizeitwerk. Die offizielle Gründung der KdF fand zwei Wochen später am 27. November 1933 auf einer Sondertagung der DAF statt.

Ideologische Grundlagen und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ziel der KdF war es, dem deutschen Volk Leistungskraft zu verleihen. Gesunde Freude vor allem am Sport sollte dem „arischen“, nichtjüdischen Arbeiter Kraft geben, einerseits zur Stärkung der Volkswirtschaft, andererseits aber auch, um aus den Deutschen ein kriegstüchtiges Volk zu machen. „Das Ziel der Organisation ist die Schaffung der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft und die Vervollkommnung und Veredelung des deutschen Menschen“.[3] Dieses Ziel und ein „nervenstarkes Volk“ sollte mit dem Angebot einer genau bemessenen und durchstrukturierten Freizeit an die arbeitende Bevölkerung gefördert werden. Arbeitsleistung und Produktivität sollten durch verbesserte Volksgesundheit gesteigert werden. Zur schnellen Erhöhung der Mitgliederzahlen, wurde der firmeneigene Betriebssport (gelber Sport) in die KdF integriert,[4] womit auch außerbetrieblich von KdF angebotene Sportkurse, vor allem auch für Familienangehörige, rasch an Zuspruch gewannen, nach dem Motto: „Keiner ist zu alt und zu dick“ und „Wir müssen das überflüssige Fett in unserem Volke beseitigen“.[5]

Während im italienischen Dopolavoro-Werk nur Arbeitnehmer organisiert waren, sollte das deutsche KdF Arbeitnehmer und Arbeitgeber unter einem Dach versammeln und so verhindern, dass eine reine Arbeiterorganisation entstünde, die möglicherweise politisch gefährlich werden konnte. Nicht die einzelnen Stände und Berufsgruppen sollten Einheiten bilden, sondern der Gedanke der klassenlosenVolksgemeinschaft“ wurde betont. Die „Erhaltung des Arbeitsfriedens durch Befriedung der Arbeitenden“ war das offiziell ausgegebene Ziel.[6] Kraft durch Freude sollte also primär den inneren Frieden sichern, indem es den Arbeitern versprach, was sich bis dahin nur die Oberschicht leisten konnte: Reisen und eine ausreichende, ausgefüllte Freizeit. Die Nationalsozialisten wollten damit auch nachträglich die inzwischen von ihnen verbotenen Gewerkschaften übertrumpfen, die der Arbeiterschaft zwar eine erfüllte Freizeit versprochen, dieses Versprechen aber nie erfüllt hätten. Tatsächlich hatten jedoch bereits in den 1920er Jahren verschiedene Gewerkschaften und andere Arbeiterorganisationen vergünstigte Pauschalreisen für ihre Mitglieder organisiert, wenn auch in geringerem Umfang.

„Kraft durch Freude-Stadt“ (oben rechts Bahnhof Heerstraße): Während der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin kurzzeitig Ankunftsbahnhof für die Athleten.

Für die NS-Ideologen war Freizeit nicht als Selbstzweck denkbar, sondern musste im Dienste des Staates und des Volkes stehen. Offizielles Ziel der KdF war „die Schaffung eines neuen deutschen Menschen und einer neuen deutschen Gesellschaftsordnung. Der politischen und der wirtschaftlichen folgt die gesellschaftlich-kulturelle Neuordnung der deutschen Volksgemeinschaft“.[7] Ein gesundes und motiviertes Volk galt den Nationalsozialisten auch als besonders kriegstüchtig. Die erhöhte Produktion, die man sich erhoffte, kam den Rüstungsbetrieben zugute. Erst kurz vor Kriegsbeginn wurden diese Ziele auch offiziell bekanntgegeben.

Die Grundidee von KdF beruhte auf soziologischen Erkenntnissen aus dem Alltag der immer effizienter werdenden industriellen Arbeitswelt (Taylorismus, Fordismus), der die Arbeiter physisch und psychisch zermürbte. Robert Leys Absicht war es, durch mehr Freizeit den Arbeitnehmern die Möglichkeit zur Erholung zu geben, die allerdings nicht außerhalb der NS-Sphäre mit Langeweile und Amüsement verbracht werden sollte, sondern gezielt und organisiert die Arbeitskraft der Bevölkerung stärken und erhalten sollte. Die KdF-Aktivitäten wie Theaterbesuche, Urlaube und Rundfahrten zu günstigen Preisen waren Teil der Bemühung des NS-Regimes, den deutschen Staat zur „Wohlfühldiktatur“ (Götz Aly) zu machen.[8] Hitler selbst wird von Ley mit folgenden Worten zitiert:

„Ich will, daß dem Arbeiter ein ausreichender Urlaub gewährt wird und daß alles geschieht, um ihm diesen Urlaub sowie seine übrige Freizeit zu einer wahren Erholung werden zu lassen. Ich wünsche das, weil ich ein nervenstarkes Volk will, denn nur allein mit einem Volk, das seine Nerven behält, kann man wahrhaft große Politik machen.“[9]

Zu den kulturellen Zielen zählte die Stärkung des Heimatgefühls, des Nationalstolzes und des Gemeinschaftsgefühls. Die deutschen Menschen sollten in der gemeinsam verbrachten Freizeit zu einer starken, anderen Völkern überlegenen Gemeinschaft zusammengeschweißt werden. Man erhoffte sich von KdF auch Erfolge im Ausland: Das deutsche Volk sollte sein Selbstbewusstsein nach außen tragen und zugleich auf Auslandsreisen sein scheinbar überlegenes, eigenes Vaterland mit anderen Ländern vergleichen können. Die Welt sollte den Eindruck eines gesunden und friedliebenden Deutschlands gewinnen.

Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kasernenruine Prora, einst geplant als „Bad der 20.000“

KdF organisierte Bunte Abende, Gymnastik, Schwimmlehrgänge, Nähkurse, Schachturniere und Konzerte, Erwachsenenbildung wurde gefördert. Auch initiierte die KdF Wettbewerbe zur Dorfverschönerung, die „das Dorf um seiner selbst willen und als nationalsozialistische Gemeinschaft und damit als Kraftquell für die ganze Nation“ gestalten sollten.[10] Die Veranstaltungen blieben größtenteils frei von ideologischer Indoktrinierung und wurden deshalb in der Erinnerung von Teilnehmern als „schöne Zeit“ wahrgenommen. Der größte Geschäftsbereich von KdF war die Organisation von Ausflügen und Reisen. Das hierfür zuständige Amt für Reisen, Wandern und Urlaub erwirtschaftete rund vier Fünftel des Umsatzes.

Tennis-Gymnastik im Rahmen von KdF
KdF-Wagen, Ausstellung Gesundes Leben, frohes Schaffen, Berlin 1938

Bekannte Angebote und Projekte, die allerdings für die Arbeiter meistens Verheißungen blieben, waren:

KdF übernahm auch die Nationalsozialistische Filmpolitik und gründete beispielsweise die Wien-Film.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinschaft Kraft durch Freude bestand aus mehreren Ämtern, die im Laufe der Zeit immer mal wieder ihre Bezeichnung wechselten oder umstrukturiert wurden:[13]

  • Amt für Urlaub, Reisen und Wandern
  • Amt für Schönheit und Würde der Arbeit
  • Amt für körperliche Ertüchtigung und Sport
  • Amt für geistige Aus- und Fortbildung
  • Amt für Kultur
  • Amt für Volkstum und Brauchtum (bzw. Heimat)
  • Jugendamt

Ab 1937 verteilte sich die Organisation auf folgende Reichsämter:[14]

Die KdF war in 15.051 NSDAP-Ortsgruppen vertreten.

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reklame für einen bunten Abend der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ im Gau Kurhessen (1941)

Theater, die dem KdF gehörten oder vom KdF kontrolliert wurden, waren:

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront, in der ein Großteil der deutschen Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Staatsbeamten organisiert waren, waren zugleich auch Mitglieder der KdF. Sie bezahlten einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von mindestens 0,50 Reichsmark.

Die große Mehrheit der KdF-Mitarbeiter arbeitete ehrenamtlich. Das senkte die Personalkosten des Programms. 1937 hatte KdF 106.000 ehrenamtliche und 4400 hauptamtliche Mitarbeiter.

Die Einnahmen der DAF wuchsen von 281 Mio. Reichsmark im Jahre 1933 auf 538 Mio. im Jahr 1939. Der überwiegende Teil waren Mitgliedsbeiträge. KdF wurde von der DAF mit 8 Mio. RM im Jahr 1934, 14,3 Mio. im folgenden Jahr und 1938 bereits mit 32,5 Mio. RM bezuschusst. Die Erwartungen, KdF würde sich durch die Einnahmen bei den Reisen selbst finanzieren, erfüllten sich nicht.[15] Die Teilnahmepreise bei Sport und Reisen waren für das Gros der arbeitenden Bevölkerung unerschwinglich.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Laufenberg: Im Wald und auf der Heide verlor ich "Kraft durch Freude" in: Welt hinter dem Horizont - Reisen in vier Jahrtausenden. Econ-Verlag Düsseldorf 1969, S. 43–56.
  • Wolfhard Buchholz: Die nationalsozialistische Gemeinschaft „Kraft durch Freude“: Freizeitgestaltung und Arbeiterschaft im Dritten Reich. Diss. München 1976.
  • Victoria De Grazia: The culture of consent. Mass organizing of leisure in Fascist Italy. Cambridge u. a. 1981.
  • Hasso Spode: Arbeiterurlaub im Dritten Reich. In: Timothy Mason u. a.: Angst, Belohnung, Zucht und Ordnung. Herrschaftsmechanismen im Nationalsozialismus. Opladen 1982.
  • Hasso Spode/Albrecht Steinecke: Die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ – ein Volk auf Reisen? In: ders. (Hrsg.): Zur Sonne, zur Freiheit! Beiträge zur Tourismusgeschichte. Berlin 1991. ISBN 3-928077-10-4.
  • Arnd Krüger: Strength through joy. The culture of consent under fascism, Nazism and Francoism, in: James Riordan & Arnd Krüger (Hrsg.): The International Politics of Sport in the 20th Century. London: Spon 1999, 67 – 89.
  • Hasso Spode: Fordism, Mass Tourism and the Third Reich. In: Journal of Social History, Bd. 38, 2004.
  • Hasso Spode: Some quantitative aspects of Kraft-durch-Freude-tourism. In: Margarita Dritsas (Hg.): European Tourism and Culture, Athen 2007.
  • Bruno Frommann: Reisen im Dienste politischer Zielsetzungen. Arbeiterreisen und „Kraft durch Freude“-Fahrten. Stuttgart 1992
  • Shelley Baranowski: Strength through joy: consumerism and mass tourism in the Third Reich. Cambridge 2004. ISBN 0-521-83352-3.
  • Götz Aly: Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus. Frankfurt am Main 2005. ISBN 3-10-000420-5.
  • Die Dorfverschönerungsaktion der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude – Jahresbericht 1936“. Manuskript, Berlin 1937.
  • Florian Harms: Nazi-Propaganda: Wellness unterm Hakenkreuz. In: Spiegel online 19. Juli 2007.
  • Heinz Schön: Hitlers Traumschiffe. Die "Kraft durch Freude"-Flotte 1934–1939. Arndt Verlag, Kiel 2000, ISBN 3-88741-031-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kraft durch Freude – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rüdiger Hachtmann in Frank Becker, Ralf Schäfer (Hrsg.): Sport und Nationalsozialismus. Wallstein Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1923-3, S. 29
  2. Rüdiger Hachtmann in Frank Becker, Ralf Schäfer (Hrsg.): Sport und Nationalsozialismus. S. 30
  3. DAF Informationsdienst vom 26. Januar 1934, zit. n. Frommann 1992, S. 108
  4. Arnd Krüger: Strength through joy. The culture of consent under fascism, Nazism and Francoism, in: James Riordan & Arnd Krüger (Hrsg.): The International Politics of Sport in the 20th Century. London: Spon 1999, 67 – 89.
  5. Rüdiger Hachtmann in Frank Becker, Ralf Schäfer (Hrsg.): Sport und Nationalsozialismus. S. 35
  6. C. Selzner 1937, zit. n. Spode 1991
  7. DAF Informationsdienst vom 20. November 1933, zit. n. Frommann 1992, S. 106
  8. Aly 2005
  9. Robert Ley: Durchbruch der sozialen Ehre, S. 208, zit. n. Frommann 1992, S. 108
  10. Die Dorfverschönerungsaktion der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ – Jahresbericht 1936
  11. Yacht 3, 1936, S. 22 online
  12. a b Rüdiger Hachtmann in Frank Becker, Ralf Schäfer (Hrsg.): Sport und Nationalsozialismus. S. 44
  13. Auszug aus der Rede Robert Leys zum Reichsparteitag 1934, nach: Paradiesruinen, S. 20, 8. Aufl., Ch. Links Verlag
  14. Organisationshandbuch NSDAP
  15. Vgl. Spode 1982, Spode 1991, Fromman 1992