Kraftwerk Bochum
| Kraftwerk Bochum | |||
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gesehen 2008 aus Richtung Süden gesehen 2008 aus Richtung Süden | |||
| Lage
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| Koordinaten | 51° 27′ 6″ N, 7° 13′ 10″ O | ||
| Land | Deutschland | ||
| Daten
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| Typ | Heizkraftwerk / Gaskraftwerk | ||
| Primärenergie | Erdgas | ||
| Leistung | 327 MW | ||
| Eigentümer | Hagedorn Unternehmensgruppe | ||
| Betreiber | RWE | ||
| Projektbeginn | 1976 (Gasturbinen) | ||
| Stilllegung | 1. Oktober 2018 | ||
| Kessel | 4 | ||
Das Kraftwerk Bochum (Kürzel KBO) war ein mit Erdgas befeuertes Heizkraftwerk (Gaskraftwerk) in Bochum. Der Betreiber RWE Generation legte es 2018 still, der Abriss erfolgte von 2022 bis 2023. Von 1905 bis 1961/1962 war es das Kraftwerk Prinz Regent, das als Steinkohle-Kraftwerk an die Zeche Prinz Regent angegliedert war.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1905 wurde der Kraftwerksbetrieb durch die Aufstellung eines ersten Generators zur Versorgung der Zeche Prinz Regent aufgenommen. Im Zeitraum 1941 bis 1949 wurde die Anlage durch die Ausstattung mit fünf neuen kohlebefeuerten Kesseln und einer Vorschaltturbine modernisiert. Ab 1951 wurde von dem Zechenkraftwerk auch Wärme in das Bochumer Fernheizungsnetz geliefert. Nach dem Ende der Kohlenförderung auf Prinz Regent 1960 wurde die Kohle von der Zeche Friedrich der Große aus Herne über die Bahnstrecke Bochum Nord–Bochum-Weitmar und den an das Kraftwerk Prinz Regent angrenzenden Bahnhof Bochum-Weitmar angeliefert.
Die Anlage wurde 1961/1962 im Zuge der Ansiedlung des Opel Werk I aus dem Besitz der Gelsenkirchener Bergwerks-AG von den Stadtwerken Bochum für 14 Mio. DM (entspricht ca. 37 Mio. Euro im Jahr 2025) übernommen, an die Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen (VEW) übergeben und durch die Erweiterung um zwei weitere kohlebefeuerte Kessel modernisiert. Neben der Strom- und Fernwärmeerzeugung wurde ab dem 13. November 1962 auch Prozessdampf an Opel geliefert.[1] Ab 1969 wurde auch die Ruhr-Universität Bochum sowie der Bochumer Stadtteil Hustadt mit Fernwärme versorgt.[2]
Nach der Erweiterung des Kraftwerks um einen Gasblock mit zwei Dampfkesseln und einem Heißwasserkessel 1976[3] wurden die älteren kohlebefeuerten Kessel aus den 1940er Jahren 1979 stillgelegt. Im Jahr 1983 wurde eine zwölf Kilometer lange Fernwärmetransportleitung zum Kraftwerk Shamrock in Herne-Eickel (Gelände der damaligen Schachtanlage Shamrock 3/4/11) in Betrieb genommen.[4][5] Die beiden jüngeren Kohlekessel wurden noch bis 1996 betrieben, nachdem sie Anfang der 1990er noch überholt worden waren. Von den Kohleblöcken mit den drei 80 bis 120 m hohen Schornsteinen war nach dem Abriss der Kesselhäuser im Jahr 1999 nur noch der südwestliche Anbau übrig geblieben, der die Wasseraufbereitungsanlagen (u. a. Wasserenthärtung) enthielt. 2003/2004 wurde die Anlage um eine Turbine ergänzt und die komplette Leittechnik erneuert. Die Heizkraftwerke Dortmund und Bochum wurden danach vom Standort Kraftwerk Dortmund gefahren.

Das Heizkraftwerk Bochum arbeitete zuletzt hauptsächlich nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Die Anlage belieferte ihre Großkunden mit jährlich rund 700 Millionen kWh Fernwärme aus Erdgas, darüber hinaus wurden bis zu 100 Mio. kWh Strom erzeugt, die in die 110-kV-Netzebene der Westfalen-Weser-Ems Verteilnetz GmbH (2013 in der Westnetz aufgegangen) eingespeist wurden. Die Blockleistung (netto) betrug 21 MW, die Fernwärmeleistung 306 MW.
Da der Hauptabnehmer Opel mit der Schließung des Werkes im Jahr 2014 wegfiel und die Verträge zur Wärmelieferung an die Ruhr-Universität Bochum und das Fernwärmenetz der Hustadt zum Jahresende 2017 ausliefen, kündigte der Betreiber RWE Generation an, das Kraftwerk Bochum im Jahr 2018 stillzulegen.
Ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Bochum und der Ruhr-Universität Bochum (unique Wärme; Firmenname zusammengesetzt aus „Universität“ und „Querenburg“) baute in den Räumen der ehemaligen Heizzentrale der Ruhr-Universität ein Blockheizkraftwerk, das nach der Abschaltung des Kraftwerks Bochum am 1. Oktober 2018 die Wärmeversorgung der Ruhr-Universität und der Universitäts-Wohnstadt[6] übernommen hat.[7][8] Am äußersten Westrand des ehemaligen Kraftwerksgeländes, mit Zufahrt über die Springorumtrasse, errichteten die Stadtwerke Bochum auf einem 1.900 Quadratmeter großen Grundstück eine neue Wärmeübergabestation, die die Fernwärmeleitung zum Herne-Eickeler Heizwerk Shamrock mit einer 3,5 km langen Fernwärmeleitung nach Querenburg verbindet.[9][6]
Im Mai 2019 übernahm die Hagedorn Unternehmensgruppe die 90.000 Quadratmeter große Industriebrache von der RWE, um sie für eine Neunutzung aufzubereiten.[9] Die Arbeiten wollte Hagedorn Revital von September 2022 bis Dezember 2023 durchführen.[10] Am 1. April 2023 sprengte die zu Hagedorn gehörende Deutsche Sprengunion den 60 Meter hohen Schornstein.[11][12] Aufnahmen des Luftbildfotografen Hans Blossey vom April 2023 zeigen fortschreitende Abbrucharbeiten,[13] im März 2025 das vollständig beräumte Gelände.[14]
Zur Neunutzung der Konversionsfläche wird mit Stand 2025 eine Erweiterung des Gesundheitscampus NRW angestrebt.[14]
Sonstiges
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2021 wurde das Kraftwerk zusammen mit der Zeche Prinz Regent in die Route der Industriekultur aufgenommen.
In einer ehemaligen Maschinenhalle des Kraftwerkes stand eine Teststrecke des Güterverkehrssystems CargoCap, das an der Ruhr-Universität Bochum entwickelt wurde und 2006 als Standort der Initiative Deutschland – Land der Ideen ausgezeichnet wurde.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Standort HKW Bochum auf rwe.com ( vom 9. März 2013 im Internet Archive) (ursprünglich abgerufen am 16. Juni 2015)
- o. A.: „Unaufhaltsamer Strukturwandel – Heizkraftwerk geht nach über hundert Jahren außer Betrieb“, Stadtspiegel Bochum, 17. Oktober 2018
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Günter Gleising (Hrsg.): „Opel kommt… 25 Jahre Opel AG in Bochum“, Eigenverlag DKP-Kreisvorstand Bochum, Bochum 1987
- ↑ Rechenschaftsbericht 2002 des Rektorats der RUB, online (Abgerufen am 5. Juni 2009)
- ↑ Jürgen Dodt, Alois Mayr (Hrsg.):„Bochum im Luftbild“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1976, ISBN 3-506-71228-4, S. 98
- ↑ Beteiligung 55,1 % der E.on an der VEW-VKR [Veba Kraftwerke Ruhr AG] Fernwärmeleitung Shamrock-Bochum GbR, Stand 31. Dez 2013 online ( vom 8. November 2014 im Internet Archive) (Abgerufen am 8. November 2014)
- ↑ Fernwärmeversorgung aus dem Kraftwerk Datteln 4. (PDF; 576 KB) In: uniper.energy. Uniper Kraftwerke, 20. September 2017, archiviert vom am 5. März 2023; abgerufen am 14. Oktober 2025 (enthält Grafik mit skizzierten Fernwärmetrassen, u.a. die Leitung zwischen Heizwerk/Kraftwerk Shamrock und ehemaligem Kraftwerk Weitmar).
- ↑ a b Anbindung des Bochumer Südens sowie der Ruhr-Universität Bochum an die Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr. In: stadtwerke-bochum.de. Archiviert vom am 19. Mai 2025; abgerufen am 14. Oktober 2025: „Stilllegung des Kraftwerk Bochums … Neustrukturierung der Versorgung im Bochumer Süden … Wärmeversorgung für den Bedarf des Universitätscampus (RUB) und der Universitätswohnstadt (FUW) aufzubauen“
- ↑ o. A.: "Wärme für die Uni und für Querenburg - Neues Heizkraftwerk im Technischen Zentrum der RUB ist in Betrieb", Stadtspiegel Bochum, S. 13, Dienstag 2. Oktober 2018
- ↑ Jens Wylkop: Neue Wärme für den Bochumer Süden. In: rub.de. Ruhr-Universität Bochum, 6. November 2018, archiviert vom am 12. Mai 2025; abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ a b Guido Steffens: Raum für Neues: RWE verkauft Fläche des früheren Heizkraftwerks Bochum an Hagedorn. In: rwe.com. RWE Power AG, 13. Mai 2019, archiviert vom am 24. Juli 2025; abgerufen am 14. Oktober 2025: „Kraftwerksbetreiber RWE hat das 90.000 Quadratmeter große Gelände an die Hagedorn Unternehmensgruppe verkauft … 1.900 Quadratmeter großes Teilstück des Areals verhandelt RWE … Stadtwerken Bochum, die darauf eine Wärmeübergabestation errichten wollen“
- ↑ Bochum, Revitalisierung am ehemaligen Heizkraftwerk. Unternehmensgruppe Hagedorn, 2023, abgerufen am 14. Oktober 2025: „Start: 09.2022, Ende: 12.2023“
- ↑ Schornsteinsprengung an der Wohlfahrtstraße. Stadt Bochum, 29. März 2023, abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ AbbruchSchrotti: Sprengung Schornstein Kraftwerk Bochum am 01.04.2023 auf YouTube, 2. April 2023, abgerufen am 25. Februar 2024 (Laufzeit: 2:39 min).
- ↑ Luftaufnahme 609995. Bochum aus der Vogelperspektive: Abrissarbeiten auf dem ehemaligen Gelände des ehemaligen RWE-Kraftwerk im Ortsteil Wiemelhausen in Bochum im Bundesland Nordrhein-Westfalen, Deutschland. In: luftbildsuche.de. 27. April 2023, abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ a b Andreas Rorowski: Gesundheitscampus Bochum: Erst einmal muss der Boden sauber sein. In: waz.de. Funke Mediengruppe, 17. März 2025, abgerufen am 14. Oktober 2025 (zugriffsbeschränkt).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Beschreibung dieses Ortes als Teil der Route der Industriekultur in Dietmar Bleidick: Bochum: Industriekultur im Herzen des Reviers. In: route.industriekultur. Regionalverband Ruhrgebiet, 2021, abgerufen am 15. Januar 2024.

