Kraftwerk Dürnrohr

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Kraftwerk Dürnrohr
Kraftwerk Dürnrohr
Kraftwerk Dürnrohr
Lage
Kraftwerk Dürnrohr (Niederösterreich)
Kraftwerk Dürnrohr
Koordinaten 48° 19′ 32″ N, 15° 55′ 25″ OKoordinaten: 48° 19′ 32″ N, 15° 55′ 25″ O
Land OsterreichÖsterreich Österreich
Daten
Typ Dampfkraftwerk
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Steinkohle, Erdgas
Leistung 352 Megawatt – in Betrieb
405 Megawatt – stillgelegt
Eigentümer VERBUND Thermal Power GmbH & Co KG (405-MW-Block)
EVN AG (352-MW-Block)
Betriebsaufnahme 1987
Schornsteinhöhe 210 m
f2

Das Kraftwerk Dürnrohr ist ein Dampfkraftwerk, eine KWK-Anlage und eine thermische Abfallbehandlungsanlage in Zwentendorf in Niederösterreich mit Bahn- und Schiffsanbindung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kraftwerk wurde auf dem Gelände des früheren Hydrierwerkes Moosbierbaum sowie in der Nähe des nie in Betrieb gegangenen Kernkraftwerks Zwentendorf gebaut, um die bereits errichteten elektrischen Leitungen und Schaltanlagen im Umspannwerk Dürnrohr verwenden zu können und die entstandene Lücke in der Energieversorgung zu schließen. Es besteht aus zwei Kraftwerksblöcken, von denen der erste eine Leistung von 405 MW hat und der VERBUND Thermal Power GmbH & Co KG gehört, während der zweite mit einer Leistung von 352 MW der EVN AG gehört. Es wurde 1987 in Betrieb genommen.

Das Kraftwerk besitzt einen 210 m hohen Schornstein, welcher der höchste Schornstein und das dritthöchste Bauwerk Österreichs ist (siehe Liste der höchsten Bauwerke in Österreich). Die beiden Blöcke werden mit polnischer und tschechischer Steinkohle betrieben, zurzeit wird jede Kohlensorte benutzt. Die Rauchgasreinigung erfolgt durch einen Elektrofilter, eine Entschwefelungsanlage und eine Entstickungsanlage. Das Kraftwerk kann auch mit Erdgas betrieben werden. KWK-Wärme aus dem Kraftwerk versorgt die Ortschaften Zwentendorf und Pischelsdorf durch ein Fernwärmenetz, welches von der EVN Wärme betrieben wird.

Im Jahr 2008 wurde die Leittechnik des Kraftwerkes bei beiden Blöcken durch Siemens Power Generation erneuert. Die Inbetriebsetzung wurde im August desselben Jahres abgeschlossen, seitdem waren beide Blöcke wieder in Vollbetrieb.

2009 ist auch die Fernwärmeleitung vom Kraftwerk nach St. Pölten durch die EVN Wärme errichtet worden und in Betrieb. Sie ist mit 31 km die längste Fernwärmeleitung in Österreich und liefert fast zwei Drittel der Fernwärme für die Landeshauptstadt.[1]

Im Mai 2014 kündigte die Verbund AG aus wirtschaftlichen Gründen die Schließung ihres Teiles des Steinkohlekraftwerkes Dürnrohr an. Der erste Kraftwerksblock wurde am 30. April 2015 geschlossen.[2] Das Ende des Betriebs als Kohlekraftwerk ist für Herbst 2019 geplant. Danach soll am Standort neben der Energiegewinnung durch Müllverbrennung eine Verwertung von Klärschlamm stattfinden und eine große Photovoltaikanlage errichtet werden.[3]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vordergrund der 2010 in Betrieb genommene Gurtbandförderer der Abfall, Schlacke, Kohle und Biomasse vom Donauhafen zum Kraftwerk und zur Abfallverwertung bringt
Fernwärmetransportleitung vom Kraftwerk nach Sankt Pölten

Die CO2-Emissionen betragen ca. 810 g/kWh.[4]

Müllverbrennungsanlage Dürnrohr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2004 wurde in unmittelbarer Nähe eine Anlage zur thermischen Abfallbehandlung gebaut. Diese ist derzeit die größte in Österreich. Die Umstellung dieser Anlage auf 300.000 t Hausmüll erspart jährlich ca. 50.000 t Kohle und 10 Mio. m³ Erdgas. Die Schieneninfrastruktur wurde so ausgelegt, dass sowohl Kohle als auch Abfall aus ganz Niederösterreich mit der Eisenbahn antransportiert werden können. Der Bahnhof Moosbierbaum-Heiligeneich an der Tullnerfelder Bahn ist nach Umschlagmasse einer der größten Bahnhöfe Österreichs.

2010 hat die EVN Abfallverwertung NÖ die dritte Linie der Müllverbrennung in Betrieb genommen, die etwa die Größe der zwei bestehenden Blöcke hat. Der bei der thermischen Müllverbrennung entstehende Dampf wird dann über die Dampfturbine EVZ 2 im Kraftwerk Dürnrohr verstromt sowie für die Agrana-Bioethanolanlage und zur Einspeisung in die Fernwärmeleitung nach St. Pölten genützt. Ebenso wurde im Jahre 2010 ein Rohrgurtförderer errichtet[5], der Kohle, Müll, Schlacke und Biomasse bis zum Donauhafen Pischelsdorf transportieren kann. Dadurch wird es nun ermöglicht, neben der Bahn auch per Schiff Müll zur Verwertung anzuliefern. In Europa ist dies die einzige Anlage die über diese Logistikmöglichkeiten verfügt. An der Donaulände wurde dafür extra Österreichs größter mobiler Umschlagbagger in Betrieb genommen[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kraftwerk Dürnrohr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Längste Fernwärmeleitung in Betrieb auf ORF-Niederösterreich vom 1. Oktober 2009, abgerufen am 2. Oktober 2009.
  2. Dürnrohr: Letzte Tage im Kraftwerk. In: noen.at. 30. April 2015, abgerufen am 28. Mai 2019.
  3. EVN lässt noch heuer Kohle Kohle sein. In: derstandard.at. 28. Mai 2019, abgerufen am 28. Mai 2019.
  4. Verbund-Zeitschrift Flow, 3/2012, S. 8
  5. a b Pressemeldung der EVN, Stand 6. Juni 2010