Kraftwerk Datteln

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Links die stillgelegten Altblöcke 1–3, rechts der neu gebaute Block 4 mit neuem Kühlturm (Höhe 180 Meter)
Die Neutralität (Negativdarstellung, siehe Diskussionsseite) dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten. Eine Begründung steht auf der Diskussionsseite. Weitere Informationen erhältst du hier.

Das Kraftwerk Datteln ist ein deutsches Steinkohlekraftwerk. Es liegt bei Datteln am Dortmund-Ems-Kanal. Der Betreiber des Kraftwerks ist die Uniper Kraftwerke GmbH. Drei Blöcke aus den 1960er Jahren sind seit 2014 stillgelegt; ein ab 2007 gebauter 1100-Megawatt-Block ist am 30. Mai 2020 in Betrieb gegangen – obwohl der sog. „Kohleausstieg“ bundespolitisch bereits beschlossen wurde. Die Aufnahme des Betriebs war mit Protesten verbunden, das Geschehen wurde bundesweit medial beleuchtet. Laut der Zeit ist das Kraftwerk „Symbol des Widerstands von Klimaaktivisten gegen die Kohleverstromung.“[1][2] Klagen gegen den Bebauungsplan verzögerten das Projekt um einige Jahre. Anfang 2017 wurde eine Sondererlaubnis zur Fertigstellung und zum Betrieb von Block 4 erteilt.[3]

Das Kraftwerk ist zwar effizienter, es wird deswegen jedoch auch profitabler und somit stärker ausgelastet sein im Vergleich zu einem Szenario, in welchem ältere und ineffizientere Kraftwerke stattdessen betrieben würden. Es wird von zusätzlichen Emissionen von 10 bis 13 Millionen Tonnen CO2 über die gesamte Laufzeit des Kraftwerks ausgegangen. Um diese zusätzlichen Emissionen auszugleichen, gibt die Bundesregierung an, zusätzliche Kohlekraftwerke abzuschalten.[4] Kritiker bezweifeln mit Verweis auf das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, dass es nicht zu Mehremissionen kommen würde.[5]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht über alle Kraftwerksblöcke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blöcke des Kraftwerks Datteln
Block Brenn­stoff Feuerungs­wärme­leistung Brutto­leistung (elektrisch) Netto­leistung (elektr.) Fernwärme­leistung Bau­beginn Inbetrieb­nahme Still­legung
1 Steinkohle 0100 MW 095 MW 084 MW 1964 Februar 2014
2 Steinkohle 0100 MW 095 MW 084 MW 1965 Februar 2014
3 Steinkohle 0119 MW 0113 MW 084 MW 1969 Februar 2014
4 Steinkohle 2400 MW 1100 MW 1052 MW 380 MW 2007 30. Mai 2020[2][6]

Kraftwerksblöcke 1–3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftwerk Datteln am Dortmund-Ems-Kanal
Das neue Kraftwerk Datteln IV

Das ursprüngliche Kraftwerk, welches über zwei je 165 Meter hohe Kamine verfügt, hat eine Nettoleistung von 303 MW elektrisch, verteilt auf die drei Kraftwerksblöcke 1 bis 3, die 1964, 1965 und 1969 in Betrieb genommen und im Februar 2014 stillgelegt wurden.[7] Es diente zur Erzeugung von einphasigem Bahnstrom sowie Fernwärme. 20 Prozent des deutschen Bahnstromes wurden vom Kraftwerk Datteln erzeugt. 45 Prozent aller Haushalte in Datteln werden durch das Kraftwerk mit Fernwärme versorgt.

Auslaufen der Betriebsgenehmigung für die Kraftwerksblöcke 1–3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 31. Dezember 2012 lief die Betriebsgenehmigung des Altkraftwerks aus. Bereits Ende 2006 hat E.ON (heute Uniper) den Genehmigungsbehörden die Stilllegung der Blöcke 1 bis 3 sowie der Hilfskessel 6 und 7 zum 31. Dezember 2012 angezeigt. Aufgrund der Mitteilung durch E.ON haben die Überwachungsbehörden unmittelbar nach dem 31. Dezember 2006 kein Verfahren zur Überprüfung und Anpassung der Kraftwerks-Altblöcke an die aktuelle 13. BImSchV eingeleitet. Für den Weiterbetrieb hätte die Altanlage ansonsten bereits 2007 sehr aufwendig und kostenintensiv nachgerüstet werden müssen. Bei Abgabe der Stilllegungserklärung 2006 gab es noch keinen genehmigten Bebauungsplan und auch keine Genehmigung für den Bau eines neuen Kraftwerks.

Wegen der Streitigkeiten um den Neubau des Blocks 4 reagierte E.ON und erneuerte die Filteranlagen in den Blöcken 1 bis 3. Dadurch wurden seit dem 1. Januar 2011 die aktuell gültigen Grenzwerte wieder eingehalten. Ein Antrag auf einen Weiterbetrieb der drei alten Blöcke wurde gestellt. Nach dem Willen des von Johannes Remmel geführten NRW-Umweltministeriums sollte der Energieversorger E.ON seine Kohlekraftwerksblöcke Datteln 1 bis 3 wie geplant zum 31. Dezember 2012 vom Netz nehmen. Das Ministerium erklärte, ein Widerruf der Stilllegungserklärung von E.ON aus dem Jahre 2006 sei nicht möglich. Eine einmal abgegebene Stilllegungserklärung sei juristisch verbindlich und könne nicht widerrufen werden.

Im November 2012 teilte das Umweltministerium mit, dass die drei Blöcke bis zur Inbetriebnahme einer Umrichterstation im Februar 2014, die Strom aus dem öffentlichen Netz in Bahnstrom umwandeln kann, per befristeter Sondergenehmigung weiter betrieben werden dürfen. Zuvor hatte die Bahn vor Strommangel und Zugausfällen im Winter gewarnt.[8]

Neubau Kraftwerk(sblock) Datteln 4 ab 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Uniper Kraftwerke GmbH (vormals E.on Kraftwerke GmbH) errichtet am Standort Datteln auf der gegenüberliegenden Seite des Dortmund-Ems-Kanals seit 2007 ein völlig neues Kraftwerk. Die Inbetriebnahme war ursprünglich für 2011 geplant.

Der Block wird auch als Kraftwerk Datteln 4 (oder IV) bezeichnet. Damit wird zwar die Nummerierung der bisherigen 3 nebeneinanderstehenden Blöcke fortgeschrieben, doch Datteln 4 ist als eigenständige Anlage zu sehen. Gemeinsam ist die geografische Nähe von 840 m (Mitte–Mitte), die Lage am Kanalkreuz Datteln, das Anliegen an gegenüber liegenden Ufern des Kanals, das Anliegen an einem von SW nach ONO liegendem Bahngleis, und eine ganz ähnliche Lage in Bezug auf das Hochspannungsnetz und das Bahnstromnetz

Da der Bebauungsplan zwischenzeitlich für unwirksam erklärt wurde und nach Wiederaufnahme der Bauarbeiten schwere technische Probleme am Kessel auftraten, verzögerte sich die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Kraftwerkes. Datteln 4 war mit Stand Oktober 2017 das einzige in Bau befindliche Kohlekraftwerk in ganz Westeuropa.[9] Die Inbetriebnahme war zuletzt für Juni 2020 geplant.[10][11]

Die Phase der Inbetriebsetzung wurde mit der kommerziellen Inbetriebnahme am 30. Mai 2020 formal abschlossen. Insgesamt zehn Versammlungen bzw. Protestaktionen waren von Kritikern am Kraftwerk geplant, entsprechend zahlreich war Polizei anwesend.[12]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kraftwerk Datteln 4 hat eine (2014 konzipierte) elektrische Leistung von 1100 MW (brutto) und 1052 MW (netto)[13] aus 2.600 MW Feuerungswärmeleistung, also einen Nettowirkungsgrad von 42 %.[14] Datteln 4 ist damit das leistungsfähigste Steinkohlekraftwerk Europas mit nur einem Kraftwerksblock.[15] Der Kühlturm, der durch eine Reingaseinleitung auch die Abgase des Kraftwerks ableiten soll, soll mit einer Höhe von ca. 180 m[16] einer der weltweit höchsten Naturzugkühltürme sein.

Für das neue Kraftwerk, welches das erste einer neuen Generation von Kraftwerken werden sollte, wird ein elektrischer Wirkungsgrad von über 45 Prozent[13] angestrebt. Datteln 4 dient als Ersatzanlage für die stillgelegten Kraftwerke in Datteln (Blöcke 1 bis 3; 319 MW elektrisch brutto), Herne (Kraftwerk Shamrock; 132 MW netto[17])[13] sowie in Dortmund (Kraftwerk Gustav Knepper; 390 MW).[18] Es soll mit importierter Steinkohle befeuert werden, welche überwiegend über den Dortmund-Ems-Kanal angeliefert werden soll.[13][19] Von den 1100 MW Bruttoleistung sollen 413 MW Bahnstrom als 16,7-Hz-Strom und 642 MW als 50-Hz-Strom für die öffentliche Versorgung bereitgestellt werden. Darüber hinaus soll auf der Basis der Kraftwärmekopplung (KWK) bis zu 380 MW Fernwärme ausgekoppelt werden, was den Brennstoffausnutzungsgrad auf bis zu 60 Prozent steigen lassen würde.[13] Die Deutsche Bahn ist im Rahmen eines langfristigen Vertrags zur Abnahme von mehr als 400 Megawatt verpflichtet. Dies entspricht etwa einem Viertel des für den Fahrbetrieb notwendigen Bahnstroms.[20]

Im März 2018 wurden Kesselprobleme aufgrund des verwendeten Spezialstahls 7CrMoVTiB10-10 (T24) bekannt, die erst behoben werden mussten, bevor das Kraftwerk in Betrieb gehen konnte. Derartige Probleme waren zuvor auch bei weiteren Kohlekraftwerksneubauten wie z. B. im Kraftwerk Duisburg-Walsum aufgetreten.[21] Im Mai 2018 wurde bekannt, dass der Block 4 frühestens im Sommer 2020 in Betrieb genommen werden kann.[22] Im Juli 2018 begann der Betreiber damit, die kompletten Wände des Kessels auszutauschen, da die Schweißnähte nicht stabil genug waren. Ersetzt werden sollten sie durch einen Stahl anderer Bauart. Aufgrund der Probleme schrieb Uniper 270 Mio. Euro ab.[23]

Zivilgesellschaftlicher Protest, Baustopp und neues Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein gegen den Bebauungsplan für das Kraftwerk gerichteter Normenkontrollantrag eines benachbarten Landwirtes hatte vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster Erfolg: Mit Urteil vom 3. September 2009 entschied das Gericht, dass die Planung am vorgesehenen Standort gegen Ziele der Landesplanung[24] verstoße.[25] Auch seien Vorgaben zur ressourcen- und klimaschützenden Energienutzung nicht hinreichend berücksichtigt worden. Die Stadt Datteln habe ferner das Gefährdungspotential des Kraftwerks und den Schutz der Bevölkerung im Falle eines nicht auszuschließenden Störfalls in der Abwägung nicht ausreichend beachtet. Den Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes sei ebenfalls nicht ausreichend Rechnung getragen worden. Fraglich sei außerdem, ob die Auswirkungen des etwa 180 m hohen – auch die Abgase ableitenden – Kühlturmes auf die benachbarte Wohnbevölkerung und das Landschaftsbild sowie die zu erwartenden Luft- und Lärmimmissionen ausreichend ermittelt und abgewogen worden seien. Der Bebauungsplan wurde daher vom Gericht aufgehoben.[25]

Die Bezirksregierung Münster erließ daraufhin am 14. September 2009 einen vorläufigen Teilbaustopp für das Projekt.[26] Am 16. März 2010 wies das Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde von E.ON und der Stadt Datteln gegen die Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des OVG ab und bestätigte damit das Urteil endgültig. Die Bezirksregierung Münster ordnete einen Baustopp für weitere Bereiche der Baustelle an.[27]

Seit März 2010 lief ein neues Bebauungsplanverfahren, welches am 14. Mai 2014 mit dem Beschluss des Rates der Stadt Datteln für den neuen Bebauungsplan und eine Flächennutzungsplanänderung endete.[28] Daraufhin wurde ein neues immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren beantragt. Der Erörterungstermin wurde im September 2015 durchgeführt. Die Bezirksregierung Münster hat im März 2016 Uniper die Zulassung erteilt, bereits vor der endgültigen Genehmigung weitere Arbeiten zur Errichtung des Kraftwerks durchzuführen.[29]

Baufortschritt Stand: Mai 2013

Parallel dazu veränderte sich durch den Regierungswechsel nach der Landtagswahl NRW vom 9. Mai 2010Hannelore Kraft bildete eine rot-grüne Minderheitsregierung (Kabinett Kraft I) – das politische Umfeld deutlich.

Der neue Umweltminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte, er gehe davon aus, dass Datteln nicht realisiert werden könne. Die CDU erklärte am 29. Juli 2010, sie wolle nach der Sommerpause die Fertigstellung zum Thema im Landtag machen.[30] Der Fraktionschef der SPD-Landtagsfraktion Norbert Römer sprach sich im August 2010 für eine Fertigstellung aus.[31] Im Mai 2011 wurde das Thema im Landtag debattiert. Dabei kam es zu „lautstarken Auseinandersetzungen“.[32]

Am 13. Mai 2012 kam es in NRW zu vorgezogenen Neuwahlen. Rot-grün hatte nun eine eigene Mehrheit und suchte einen Kompromiss.[33] Das Kabinett Kraft II erteilte eine Sondererlaubnis für das Kraftwerk, was heftige Proteste von Umweltgruppen nach sich zog.[34]

Am 12. Juni 2012 gab das Oberverwaltungsgericht Münster einer Klage des BUND gegen die immissionsschutzrechtliche Genehmigung des Kraftwerksprojekts statt und hob den Genehmigungsbescheid auf. Im Juni 2013 wies das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen die Nichtzulassung der Revision von E.ON und dem Land Nordrhein-Westfalen zurück und bestätigte damit das Urteil.[35] Im Mai 2014 wurde ein neuer Bebauungsplan vorgelegt.[13]

Am 19. Januar 2017 erteilte die Bezirksregierung die immissionsschutzrechtliche Genehmigung, womit der Bau der Anlage vollendet werden darf und in Betrieb genommen werden kann.[36][37] Uniper möchte nach der Sondererlaubnis gegen den Genehmigungsbescheid klagen, da die Auflagen zu den Quecksilber-Emissionen weit schärfer als die gesetzlichen Grenzwerte seien. Der BUND wiederum klagt gegen den Genehmigungsbescheid an sich.[3] Ende 2019 waren mehrere Klagen gegen die Neugenehmigung anhängig, weshalb die Genehmigung noch nicht rechtskräftig ist.[38]

Im Oktober 2019 wurde bekannt, dass Uniper das Kraftwerk im Januar 2020 mit dem Stromnetz synchronisieren will und plant, es im Sommer 2020 in den regulären Betrieb zu nehmen.[39]

Bewilligung, Proteste und Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. Januar 2020 bewilligte die Bundesregierung mit ihren Beschlüssen zum Kohleausstieg die Inbetriebnahme von Datteln 4.[40] Dieser Entscheidung gingen wochenlange Diskussionen um Entschädigungen des Konzerns Uniper sowie etwaige Stilllegungen von Kraftwerken in Ostdeutschland voraus.[41] Umweltverbände reagierten empört und kündigten Proteste im Laufe des Jahres an.[42]

Am 2. Februar 2020 besetzten rund 150 Umweltaktivisten das Gelände von Datteln 4, um die Inbetriebnahme zu verhindern.[43] Die Besetzung endete nach neun Stunden mit der Räumung durch die Polizei und der freiwilligen Beendigung durch die Aktivisten.[44] Nach Angaben des Polizeipräsidiums Recklinghausen waren 102 Personen rechtswidrig auf das Gelände eingedrungen. Da die Personen sich nicht ausweisen wollten und die Fingerkuppen verklebt waren, wurden Fotos gefertigt. Der Kraftwerksbetreiber Uniper hat gegen alle an der Störaktion beteiligten Personen Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet.[45]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Neubauprojekt steht in der Kritik von Umweltverbänden, Bürgerinitiativen und Anwohnern.

Generell seien Kohlekraftwerke ineffizient und klimaschädlich. Zudem seien neue Kraftwerke keine Ersatzbauten, da nicht in gleichem Umfang Altbauten stillgelegt würden.[46]

Das Projekt sei zudem rechtswidrig, da es in unzulässiger Weise in unterschiedliche Planungsverfahren aufgespalten worden sei. So werde eine sachgerechte umfängliche Umweltverträglichkeitsprüfung vermieden und die Beteiligung der Öffentlichkeit wesentlich erschwert. Auch seien die Belange des Klimaschutzes nicht ausreichend betrachtet worden.

Außerdem missachteten die im wasserrechtlichen Bescheid behandelten Hafenanlagen und die Verlegung eines Baches die Vorgaben des Naturschutzrechts und Belange des Biotopschutzes und des Artenschutzes.[47]

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission hatte im Januar 2019 empfohlen, auf eine Inbetriebnahme von Datteln 4 zu verzichten.[39]

Umweltverbände kritisieren, dass das Kraftwerk nur rentabel sei, weil es Kohle aus Abbaugebieten verfeuert, in welchen Umweltstandards nicht eingehalten werden. So werde Kohle aus Russland importiert, wo mit Schwermetallen verseuchter Kohlestaub in großen Mengen in die Umwelt eingebracht wird, was Mensch und Umwelt massiv schädige.[48][49]

Das Kraftwerk wird betrieben vom Energiekonzern Uniper, welcher mehrheitlich dem finnischem Energiekonzern Fortum gehört, der im Eigentum des finnischen Staats ist. Finnland will bereits bis Ende 2029 einen Kohleausstieg, das Kraftwerk in Datteln soll allerdings noch bis 2038 laufen. Das Thema beschäftigt daher auch die Politik in Finnland.[50]

Einer Umfrage im Auftrag des BUND aus dem Mai 2020 zu Folge lehnen 63 Prozent der Menschen in NRW die Inbetriebnahme ab. Nur 25 Prozent sind dafür.[51]

Verträge mit der Deutschen Bahn und RWE[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1100 Megawatt Leistung aus Datteln sind 413 Megawatt als Bahnstrom vorgesehen. Die Deutsche Bahn AG hatte Verträge mit langfristiger Bindung an den Dattelner Kohlestrom abgeschlossen und sorgt sich um das grüne Image des Konzerns. Uniper hatte in der Vergangenheit angegeben, der Strom aus Datteln könne rund ein Viertel des Bedarfs der Bahn decken. Ein weiterer Großabnehmer des Stroms ist die RWE AG.[52] RWE hatte zweimal versucht die bestehenden Verträge, welche für Uniper vorteilhaft sind, gerichtlich anzufechten. Aufgrund der Abnahmeverträge mit RWE und der Bahn argumentiert der BUND sei mit einer besonders hohen Auslastung des Kraftwerks zu rechnen.[53]

Emissionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kohlekraftwerke stehen aufgrund ihres Schadstoffausstoßes in der Kritik. Auch nach dem Einbau von Filteranlagen in den 1980er Jahren, die den Großteil des Schwefels aus den Abgasen entfernen, emittieren Kohlekraftwerke weiterhin relevante Mengen Schwefeldioxid. Neben Schwefeldioxid gelangen umwelt- und gesundheitsschädliche Stickstoffoxide sowie gesundheitsschädliche Feinstäube, darin enthaltene Schwermetalle und PAK in die Umwelt. Die Schadstoffemissionen aller großen Kohlekraftwerke und Industrieanlagen sind im Europäischen Schadstoffemissionsregister veröffentlicht.[54]

Luftschadstoffe und CO2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kohlendioxid und Luftschadstoffe des Kraftwerks Datteln (alt) in der Luft (Berichtsjahr 2011)[55]
Kraft­werk Erzeugung Strom Verbrauch Kohle Kohlen­dioxid (CO2) Stickoxide (NOx/NO2) Schwefel­oxide (SOx/SO2) Kohlen­monoxid (CO) Fein­staub (PM10) Di­stickoxid (N2O) Benzol (C6H6) Blei (Pb) Chrom (Cr) Nickel (Ni) Queck­silber (Hg) Arsen (As) Cad­mium (Cd)
Datteln Blöcke
1–3
keine Daten verfügbar keine Daten verfügbar 1.650.000 t 1.040.000 kg 1.250.000 kg <500.000 kg 53.000 kg <10.000 kg <1000 kg <200 kg <100 kg <50 kg 40 kg 46 kg <10 kg

Wasserschadstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserschadstoffe des Kraftwerks Datteln (alt) im Abwasser (Berichtsjahr 2011)[56]
Kraft­werk Erzeugung Strom Verbrauch Kohle Chloride Fluoride (als Gesamt-F) Zink (Zn) Kupfer (Cu) Arsen (As)
Datteln Blöcke
1–3
keine Daten verfügbar keine Daten verfügbar <2.000.000 kg <2.000 kg <100 kg <50 kg 5,04 kg

Feste Schadstoffe (Verbringung gefährlicher Abfälle)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feste Schadstoffe (Verbringung gefährlicher Abfälle) des Kraftwerks Datteln (alt) (Berichtsjahr 2011)[57]
Kraft­werk Erzeugung Strom Verbrauch Kohle Abfall Gesamt Abfall zur Beseitigung Abfall zur Verwertung
Datteln Blöcke
1–3
keine Daten verfügbar keine Daten verfügbar 126.000 kg 101.000 kg 25.000 kg

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kraftwerk Datteln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-05/kohleausstieg-datteln-4-energiewende-proteste-inbetriebnahme
  2. a b FAZ.net 12. November 2019: Deutschland bekommt ein neues Kohlekraftwerk
  3. a b Uniper und Umweltschützer klagen wegen Datteln. In: rp-online.de. 22. Februar 2017, abgerufen am 23. Februar 2017.
  4. taz, Ausgleich für Datteln IV geplant, 20. Januar 2020
  5. WDR, Proteste zum Start von Datteln 4 erwartet, 29. März 2020
  6. Deutschland nimmt trotz Kohleausstiegs Kraftwerk in Betrieb orf.at, 30. Mai 2020, abgerufen 30. Mai 2020.
  7. Kraftwerk Datteln. (PDF) In: Broschüre des Betreibers. Archiviert vom Original am 29. Dezember 2009; abgerufen am 6. Januar 2013.
  8. Galgenfrist für altes Kraftwerk. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 2. November 2012, abgerufen am 2. November 2012.
  9. The world is going slow on coal, but misinformation is distorting the facts . In: The Guardian, 16. Oktober 2017. Abgerufen am 18. Oktober 2017.
  10. „Datteln 4“ im Ruhrgebiet Kohlekraftwerk soll wohl doch ans Netz. 31. Oktober 2019, abgerufen am 31. Oktober 2019.
  11. FAZ.net 16. Januar 2020: Bund und Länder einigen sich auf Abschaltplan für Braunkohlekraftwerke
  12. Deutschland nimmt trotz Kohleausstiegs Kraftwerk in Betrieb orf.at, 30. Mai 2020, abgerufen 30. Mai 2020.
  13. a b c d e f Datteln 4 – effizient, flexibel, verlässlich. In: Webseite von E.ON SE. Archiviert vom Original am 11. März 2016; abgerufen am 16. März 2016.
  14. Steinkohlekraftwerk Datteln (e.on). In: Webseite des BUND. Abgerufen am 25. Juni 2014.
  15. Fakten zum geplanten Steinkohlekraftwerk in Datteln (Memento vom 27. Oktober 2010 im Internet Archive). Webseite von E.ON Kraftwerke. Abgerufen am 25. Juni 2014.
  16. Archivierte Kopie (Memento vom 26. September 2010 im Internet Archive)
  17. Kraftwerk Shamrock (Memento vom 18. Mai 2015 im Internet Archive). Webseite von E.ON SE. Abgerufen am 25. Juni 2014.
  18. https://www.derwesten.de/wirtschaft/die-fuenf-knackpunkte-beim-streit-um-datteln-id4714467.html
  19. Deutsche Umwelthilfe: Eon-Kraftwerk Datteln ist nicht zu retten. In: Der Westen, 12. Januar 2011. Abgerufen am 25. Juni 2014.
  20. Frank Dohmen: Meister des Deals. In: Der Spiegel. Nr. 4, 2019, S. 63 f. (online19. Januar 2019).
  21. Datteln droht jahrelange Verzögerung. In: RP-Online, 9. März 2018. Abgerufen am 11. März 2018.
  22. Uniper kann Pannenkraftwerk Datteln erst 2020 in Betrieb nehmen. In: nrz.de. Funke Mediengruppe, 8. Mai 2018, abgerufen am 8. Mai 2018.
  23. Kesselflicken im Kraftwerk Datteln. In: WDR, 10. Juli 2018. Abgerufen am 28. Juli 2018.
  24. Landesentwicklungsprogramm#Nordrhein-Westfalen
  25. a b Urteil zur Unwirksamkeit des Bebauungsplans für Steinkohlekraftwerk in Datteln. justiz-online. Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen. Abgerufen am 9. Dezember 2014.
  26. Wilfried Goebels: Teil-Baustopp für Kohlekraftwerk, Westfalenpost, Artikel vom 16. September 2009, zuletzt abgerufen am 9. Dezember 2014
  27. Kraftwerk Datteln: Eon erleidet Schlappe WDR.de, 16. März 2010. Abgerufen am 9. Dezember 2014.
  28. Infos zum Kraftwerk – Aktuelles (Memento vom 6. April 2013 im Internet Archive). Webseite der Stadt Datteln. Abgerufen am 25. Juni 2014.
  29. Bezirksregierung Münster: Bezirksregierung Münster – Vorzeitiger Baubeginn für das Kraftwerk Datteln IV zugelassen. In: www.bezreg-muenster.nrw.de. Abgerufen am 16. März 2016.
  30. cdu-nrw.de: Zum von der Landesregierung angekündigten Aus für den Kraftwerksneubau in Datteln erklärt der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Lutz Lienenkämper
  31. iz-klima.de Presseanalyse 21.–23. August 2010. PDF, 14 Seiten (Memento vom 7. Dezember 2015 im Internet Archive)
  32. Eklat im Landtag bei Abstimmung zu Kraftwerk Datteln. In: wz.de. Mai 2011, abgerufen am 23. Februar 2017.
  33. rp-online.de 29. Mai 2012: Rot-Grün sucht Datteln-Kompromiss
  34. Umweltschützer werfen Grünen „Kniefall vor Kohlelobby“ vor / Kritik an Sondererlaubnis für Kohlekraftwerk. In: finanzen.net. Abgerufen am 17. Februar 2017.
  35. Steinkohlekraftwerk Datteln (e.on). Webseite des BUND. Abgerufen am 25. Juni 2014.
  36. Uniper: Bezirksregierung Münster genehmigt Kraftwerk Datteln 4, Pressemitteilung vom 19. Januar 2017. Abgerufen am 30. Mai 2017. (Archivierte Version bei WebCite)
  37. www.bezreg-muenster.de: Volltext der Genehmigung (pdf, 5 MB)
  38. BUND-Hintergrund „Steinkohlenkraftwerk Datteln 4“. S. 2, abgerufen am 20. Dezember 2019.
  39. a b Daniel Zugehör: Netzanschluss für „Datteln 4“ im Januar. In: energate messenger. 29. Oktober 2019, abgerufen am 20. Dezember 2019.
  40. NRW bekommt mit Datteln 4 neues Kohlekraftwerk. Abgerufen am 16. Januar 2020.
  41. tagesschau.de: Ost-West-Konflikt beim Kohleausstieg. Abgerufen am 16. Januar 2020.
  42. Mario Brück: Datteln 4: Der „größte Schwarzbau Deutschlands“ geht ans Netz. Abgerufen am 16. Januar 2020.
  43. Der Spiegel: Besetzung von Datteln 4: Kohlestrejk för Klimatet. Abgerufen am 2. Februar 2020.
  44. ZEIT ONLINE: Besetzung von Kohlekraftwerk Datteln 4 beendet. Abgerufen am 2. Februar 2020.
  45. Polizei Recklinghausen: Pressemitteilung. Abgerufen am 8. April 2020.
  46. Website (Memento vom 16. September 2009 im Internet Archive) des BUND
  47. [1]
  48. Westpol, [2]
  49. Deutschlandfunk, Russische Steinkohle für Deutschland, 3. Dezember 2018
  50. WDR: Datteln 4: Gegner hoffen auf Hilfe aus Finnland.
  51. klimareporter.de, Datteln 4 löst international Kritik aus, 29. Mai 2020
  52. Manager Magazin, Neues Kohlekraftwerk: Der Irrsinn von Datteln, 16. Januar 2020
  53. Süddeutsche Zeitung, Der Streit um Datteln 4: Neues Kraftwerk trotz Kohleausstieg, 24. Januar
  54. www.thru.de (Emissionen unterhalb der berichtspflichtigen Mengenschwelle sind in der Tabelle mit „<“ neben dem Grenzwert aufgeführt)
  55. Emissionsdaten zum E.ON Kraftwerk Datteln
  56. Emissionsdaten zum E.ON Kraftwerk Datteln
  57. Emissionsdaten zum E.ON Kraftwerk Datteln

Koordinaten: 51° 37′ 46,6″ N, 7° 19′ 52,9″ O