Kraftwerk Herne

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Kraftwerk Herne Baukau
Blick von der Schleuse Wanne-Eickel über den Kanal auf das Kraftwerk
Blick von der Schleuse Wanne-Eickel
über den Kanal auf das Kraftwerk
Lage
Kraftwerk Herne Baukau (Nordrhein-Westfalen)
Kraftwerk Herne Baukau
Koordinaten 51° 33′ 5″ N, 7° 11′ 20″ O51.5513888888897.1888888888889Koordinaten: 51° 33′ 5″ N, 7° 11′ 20″ O
Land Deutschland
Gewässer Rhein-Herne-Kanal
Daten
Brennstoff Steinkohle
Leistung elektrische Leistung 950 MW
Typ Heizkraftwerk
Eigentümer STEAG
Betreiber STEAG
Betriebsaufnahme 1962/63
Kessel 2 Kohlestaub-gefeuerte Benson-Kessel – flüssige Entaschung (492 t/h + 930 t/h),

1 Kohlestaub-gefeuerter Benson-Kessel – trockene Entaschung (1.584 t/h)

Schornsteinhöhe 300 m
Eingespeiste Energie
2008
5200 GWh

Das Heizkraftwerk Herne ist ein Steinkohlekraftwerk von STEAG. Es befindet sich in Baukau, einem Stadtteil von Herne in Nordrhein-Westfalen.

Geschichte[Bearbeiten]

1962/63 wurden die ersten beiden Kraftwerksblöcke mit einer Leistung von jeweils 150 MW gebaut.

1966 kam Block 3 mit 300 MW hinzu (1987 zur Fernwärmekopplung umgebaut). Block 3 hat einen Wirkungsgrad von nur 30 Prozent.[1]

1988 wird das Kraftwerk mit einer Rauchgasentschwefelungsanlage nachgerüstet.

1989 wurde ein vierter Kraftwerksblock mit 500 MW Leistung gebaut, dieser Block kann ebenfalls bei Bedarf Fernwärme bereitstellen. Im Zusammenhang mit diesem Neubau entstand auch 1984 der 300 Meter hohe Schornstein und der große Kühlturm (130 m), die gegenwärtig das Bild des Kraftwerks prägen. Dieser neue Schonstein ersetzte drei alte Schornsteine, die anschließend abgerissen wurden. Der älteste Block 1 wurde im Jahre 2000 stillgelegt, aber noch nicht abgerissen. 2013 wurde der Block 2 stillgelegt.[2]

Technische Daten[Bearbeiten]

Kraftwerksblöcke (Bestand)[Bearbeiten]

Die vier Kraftwerksblöcke haben eine elektrische Leistung von 950 Megawatt.

Das Kraftwerk produzierte im Jahr 2008 ca. 5,2 Mrd. kWh Strom (Energiebedarf von ca. 1,3 Mio. Haushalten) und 0,8 Mrd. kWh Fernwärme, die in die Fernwärmeverbundleitung der Fernwärmeschiene Ruhr eingespeist wurden.

Der Steinkohleverbrauch im Jahr 2008 betrug ca. 2,0 Mio. Tonnen. Der CO2-Ausstoß in diesem Jahr summierte sich laut European Pollutant Emission Register (EPER 2004) auf 4,51 Mio. Tonnen.[3]

Aufgrund der veränderten Bedingungen auf dem Strommarkt durch die Energiewende reduzierte sich die Stromproduktion im Jahr 2011 auf 2.501 GWh (5.200 GWh im Jahr 2008). Durch die verringerte Stromproduktion verringerte sich auch der Steinkohleverbrauch von ca. 2.000.000 Tonnen (Jahr 2008) auf ca. 961.923 (Jahr 2011).

Stromproduktion und Kohleverbrauch Kraftwerk Herne
Jahr Nutzbare Stromabgabe in Gigawattstunden Kohleverbrauch pro Gigawattstunde Gesamtkohleverbrauch
2008 5.200 GWh 384,62 t 2.000.000 t
2011 2.501 GWh 384,63 t 961.923 t

Die Kohlebelieferung erfolgt über den Rhein-Herne-Kanal, aus dem auch das benötigte Kühlwasser entnommen und wieder eingeleitet wird.

Im Kraftwerk arbeiten ca. 250 Mitarbeiter (Stand 2008).

Das Kraftwerk ist außerdem ein Standort der Themenroute "Großchemie und Energie" der Route der Industriekultur.

Geplanter Kraftwerksblock 5[Bearbeiten]

Im Herbst 2006 gab der Betreiber (STEAG) bekannt, gemeinsam mit kommunalen Partnern einen fünften Kraftwerksblock mit einer Leistung von 750 MW und einem Nettowirkungsgrad von 45 % zu errichten. Der Bau des 800 Mio. € teuren Projektes sollte im Sommer 2008 beginnen, die Inbetriebnahme des Blocks war für Herbst 2011 vorgesehen. Das Projekt "Herne 5" sah den Bau eines 180 m hohen Kühlturmes vor, über den auch die Rauchgase abgeleitet werden sollten (Reingaseinleitung), die Errichtung eines separaten Schornsteins wäre somit nicht notwendig gewesen. Für den Betrieb von Block 5 wären 50 neue Arbeitsplätze entstanden.

Der Bau von "Herne 5" wurde bis auf weiteres vom Kraftwerksbetreiber verschoben. Als Grund nannte der damalige Betreiber Evonik den Vorschlag der EU-Kommission, nach dem im Rahmen des Emissionsrechtehandel ab 2012 der Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten auf Neuanlagen ausgeweitet werden soll.

Emissionen[Bearbeiten]

Kohlekraftwerke stehen aufgrund ihres Schadstoffausstoßes in der Kritik. Auch nach dem Einbau von Filteranlagen in den 1980er Jahren, die den Großteil des Schwefels aus den Abgasen entfernen, stoßen Kohlekraftwerke weiterhin relevante Mengen Schwefeldioxid aus. Neben Schwefeldioxid gelangen umwelt- und gesundheitsschädliche Stickstoffoxide sowie gesundheitsschädliche Feinstäube, darin enthaltene Schwermetalle und PAK in die Umwelt. In Deutschland trug die Energiewirtschaft 2010 mit 71 % (6,571 Tonnen) zur Gesamt-Quecksilberemission bei.[4]

Die Schadstoffemissionen aller großen Kohlekraftwerke und Industrieanlagen sind im Europäischen Schadstoffemissionsregister (via deutschem Portal www.Thru.de) veröffentlicht.

Emissionen unterhalb der berichtspflichtigen Mengenschwelle sind in der Tabelle mit „<“ neben dem Grenzwert aufgeführt.

Luftschadstoffe[Bearbeiten]

Jährliche Emissionsmengen des Kraftwerks Herne[5]
Luftschadstoff PRTR 2007 PRTR 2008 PRTR 2009 PRTR 2010 PRTR 2011 PRTR 2012 PRTR 2013
Kohlenstoffdioxid (CO2) 3.090.000.000 kg 2.780.000.000 kg 2.230.000.000 kg 2.480.000.000 kg 2.460.000.000 kg 2.340.000.000 kg 2.620.000.000 kg
Stickstoffoxide (NOx/NO2) 2.180.000 kg 1.860.000 kg 1.570.000 kg 1.790.000 kg 1.790.000 kg 1.510.000 kg 1.940.000 kg
Schwefeldioxide (als SOx/SO2) 1.750.000 kg 1.790.000 kg 1.320.000 kg 1.340.000 kg 1.250.000 kg 1.330.000 kg 1.730.000 kg
Methan (CH4) keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben 207.000 kg 231.000 kg
Flüchtige organische Verbindungen (NMVOC) keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben 206.000 kg 231.000 kg
Ammoniak (NH3) keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben 16.900 kg 18.900 kg
Distickstoffmonoxid (N2O) 18.600 kg 13.900 kg 13.200 kg 15.600 kg 14.600 kg 10.800 kg 14.800 kg
Anorganische Fluorverbindungen (als HF) 21.200 kg 9.900 kg 10.300 kg 11.800 kg 12.400 kg 10.900 kg 13.700 kg
Anorganische Chlorverbindungen (als HCl) 67.100 kg 61.300 kg 10.300 kg 11.500 kg 12.400 kg 10.500 kg 13.600 kg
Quecksilber und Verbindungen (als Hg) 37,6 kg 41,7 kg 32,3 kg 30,3 kg 31,7 kg 50,5 kg 44 kg

Weitere typische Schadstoffemissionen wurden nicht berichtet, da sie im PRTR erst ab einer jährlichen Mindestmenge meldepflichtig sind, z.B. Dioxine und Furane ab 0,0001 kg, Cadmium ab 10 kg, Arsen ab 20 kg, Nickel ab 50 kg, Chrom sowie Kupfer ab 100 kg, Blei sowie Zink ab 200 kg, Ammoniak und Chlorwasserstoff ab 10.000 kg, Methan und flüchtige organische Verbindungen außer Methan (NMVOC) ab 100.000 kg sowieKohlenmonoxid ab 500.000 kg.[6]

Spezifische Emissionen des Kraftwerks Herne (Berichtsjahr 2011)[7][8]
Kraftwerk Produzierte Strommenge Kohle-verbrauch Kohlendioxid (CO2) Stickstoffoxide (NOx/NO2) Schwefeloxide (SOx/SO2) Anorganische Chlorverbindungen als HCl Anorganische Fluorverbindungen als HF Distickoxid (N2O) Quecksilber (Hg)
Herne 2.501 GWh 961.923 t 2.460.000 t 1.790 t 1.250 t 12.400 kg 12.400 kg 14.600 kg 31,7 kg
Menge pro GWh 1 GWh 384,62 t 983,61 t 0,716 t 0,499 t 4,958 kg 4,958 kg 5,838 kg 0,0127 kg

Wasserschadstoffe[Bearbeiten]

Wasserschadstoffe des Kraftwerks Herne (Berichtsjahr 2011)[7][8]
Kraftwerk Produzierte Strommenge Kohleverbrauch Chloride –Abwasser– Fluoride (als Gesamt-F) –Abwasser– Zink (Zn) –Abwasser– Kupfer (Cu) –Abwasser–
Herne 2.501 GWh 961.923 t <2.000.000 kg 2.440 kg <100 kg 358 kg
Menge pro GWh 1 GWh 384,62 t keine genauen Daten 0,976 kg keine genauen Daten 0,143 kg

Feste Schadstoffe (Verbringung gefährlicher Abfälle)[Bearbeiten]

Feste Schadstoffe (Verbringung gefährlicher Abfälle) des Kraftwerks Herne (Berichtsjahr 2011)[7][8]
Kraftwerk Produzierte Strommenge Kohleverbrauch Gesamtabfallmenge Abfall zur Beseitigung Abfall zur Verwertung
Herne 2.501 GWh 961.923 t 248 t 227 t 21 t
Menge pro GWh 1 GWh 384,61 t 0,099 t 0,091 t 0,008 t

Bilder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Meldung der REWAG. 8. August 2007, abgerufen am 31. Januar 2013 (Stellungnahme der REWAG zu Vorwürfen der Linken).
  2. WAZ:Steag legt Block 2 endgültig still
  3. EPER-Daten 2004 für Deutschland; STEAG AG, HKW Herne. Abgerufen am 27. Februar 2011.
  4. Emissionsentwicklung 1990 - 2010, Schwermetalle Nationale Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischer Emissionen seit 1990, Umweltbundesamt (Excel-Tabelle), 2012
  5. PRTR - Europäisches Emissionsregister
  6. PRTR-Verordnung 166/2006/EG über die Schaffung eines Europäischen Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregisters und zur Änderung der Richtlinien 91/689/EWG und 96/61/EG des Rates
  7. a b c Europäisches Schadstoffemissionsregister - Emissionsdaten zum Steag Kraftwerk Herne
  8. a b c Daten des Betreibers Steag zum Kraftwerk Herne (www.steag.com)